Samstag, 10. Oktober 2015

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 11

19.05.2025, in der Nähe von Timisoara, Rumänien, Abends

Ich fühle mich müde und leer. Ich weiß nicht wirklich, wie es weiter gehen soll. Überhaupt, verstehe ich nicht einmal, wie ich es geschafft habe, bis hier hin zu kommen.

Nachdem wir  die Nachricht vom Verschwinden Steinmanns bekamen, berieten wir, was zu tun sei.
„Bringt es jetzt überhaupt noch was, dort hin zu fahren?“, fragte Jean
„Ich glaube, solange es Hoffnung gibt, das Steinmann, und vor allem auch Celia noch leben, sollten wir es versuchen“, meinte ich.
Jean lachte
„Wie mutig die Liebe doch machen kann“
Ich fühlte wieder, dass ich rot wurde.

„Aber du hast Recht, es ist noch nicht Zeit, die Flinte ins Korn zu werfen, sonst wären auch alle Mühe und aller Aufwand umsonst gewesen. Es gibt schließlich auch eine Mission, die wir zu erfüllen haben. Wir müssen dann eben auch Steinmann befreien, wenn er noch lebt.“

„Wir müssen zeitig los“, meinte Zeljko „Die werden bald auch hier sein. Ich habe außerdem erfahren, das sie de Gruyne geschnappt haben, und der Graf ist unter getaucht.“
Mit einem Geländewagen fuhren wir am nächsten morgen los, nachdem wir ein karges Frühstück eingenommen hatten.

Die Fahrt ging zunächst über die slowenische Grenze, durch Slowenien bis nach Zagreb, wo wir eine Pause einlegten. Die Landschaft hier auf dem Balkan ist felsig und ursprünglich. Man fühlt sich an die Winnetou-Filme erinnert, die tatsächlich hier in Kroatien gedreht wurden, während wir nun das Land in Richtung Vojvodina durchfahren, die zu Serbien gehört.

In vielen Orten sind noch Spuren des Jugoslawischen Bürgerkrieges zu sehen, und Serbien die Spuren der Bombardierungen im Kosovo-Krieg. Durch felsige Landschaft ging es nun in Richtung Novi Sad, wo wir einen weiteren Stopp einlegen sollten.

Wir wurden hier schon in einer kleinen Pension erwartet, und sehr freundlich empfangen. Dusko, der Wirt, ein beleibter, dunkelhaariger Mann, mit massigem Gesicht, versicherte uns, auf unserer Seite zu stehen, und alles für uns zu tun. Eines gewissen Misstrauens konnte ich mich allerdings nicht erwehren. Doch ich entschloss mich, meine Zweifel zu überwinden.

Wir bekamen eine einfache landestypische Mahlzeit, die aus Fleischspießen, Salat und Djuvec- Reis bestand, dazu schweren, süßen Wein.
Obwohl ich wie anderen maßvoll trank, wurde ich sehr schnell müde, und hatte, als ich am nächsten Morgen aufwachte einen „dicken Kopf“. Aber außerdem hatte ich Fesseln an Händen und Füßen.

Im nächsten Moment stellte ich auch fest, das ich nicht in meinem Bett war, sondern in einem Keller lag.
„Da haben die uns aber schön rein gelegt“, tönte es neben mir
Ich sah mich um. Neben mir lagen Jean und seine Crew. Nur Zeljko fehlte.
„Möchte wetten, da war ein Schlafmittel im Wein“, brummte der Kapitän „deshalb sind wir auch so schnell Müde geworden“
„Aber wo ist Zeljko?“, wollte ich wissen
„Möglicher weise haben sie den schon kalt gemacht“, meinte Alain, und Jean brummte zustimmend.

Ich sah mich in dem Keller um. Das Licht, welches durch ein Oben liegendes Fenster einfiel, lies einige Regale mit Vorräten erkennen. außerdem stand an einer Wand  links von mir, direkt neben der Treppe ein Weinregal. Ich lies alles auf mich wirken, da ertönten oben Schritte. Die Kellertür öffnete sich, und jemand kam die Treppe hinunter.  

Das Licht wurde eingeschaltet, und wir sahen -Zejlko und Dusko, die uns höhnisch anlächelten.
„Zeljko“, rief ich „Was soll das .wieso habt ihr das getan?“
Zeljko beugte sich zu mir runter “Oh, das müsst ihr nicht persönlich nehmen. Es ist nur so, das die dunklen Männer einen hohen Preis für euch zahlen, und insbesondere für dich, und für das, was du da drin hast.“

Er deutete links neben mich, und jetzt gewahrte ich, dass mein Rucksack neben mir lag.
„wir sind arme Schweine, und das gibt uns die Möglichkeit auf ein besseres Leben. Ich habe Fünf Kinder zu ernähren.“
„Du erwartest jetzt hoffentlich kein Mitleid“
Zeljko lachte
„Kein Problem. Sie werden bald kommen. Solange bleibt ihr hier“

Er erhob sich wieder, und verlies mit Dusko im Keller. Wir waren wieder im Dunkeln.
„Dann wissen wir jetzt auch, wer der Verräter ist“, meinte Alain dumpf
„Nicht unbedingt“, meinte ich „Dann hätte er uns denen schon in dem Hotel in Triest übergeben können. Nein, es muss da noch jemanden geben.“
„Junge, du machst ja Fortschritte“, lobte der Kapitän
Ich lächelte still in mich hinein, und sah mich um, so gut mein Auge sehen konnte. Da fiel mir etwas ein.

Das Weinregal mit den Flaschen. Ja, das wäre eine Möglichkeit. Mühsam begann ich mich zum Weinregal herüber zu Robben. Mit gefesselten Armen und Beinen dauert selbst das schon eine Ewigkeit. Doch irgendwann war ich da. Nun begann ich mich gegen das Regal zu werfen, um auf diese Weise eine oder mehrere Flaschen hinter  zu stürzen, deren Flaschen, wenn sie am Boden zerschellten, ein gutes Werkzeug zur Durchtrennung der Fesseln wären.

Natürlich war ich mir des Risikos bewusst, welches ich da einging, insbesondere, weil ich ja auch Lärm machte, aber ich hoffte, das wir tief genug waren, damit niemand etwas hörte.
Der Kapitän schien bemerkt zuhaben, was ich vor hatte.
„Junge, du gefällst mir raunte er, du lernst sehr schnell dazu“
Ich warf mich weiter gegen das Regal. schließlich war ich am Ziel. Eine, und noch eine zweite Flasche fielen herunter, und zerschellten krachend auf dem Boden neben mir.

Langsam schob ich mich auf die Scherben zu, wobei ich den Weingeruch, und den Wein selber als Orientierung nahm. Ich robbte mühsam durch die Flüssigkeit, dabei spürte ich, wie ich einen Splitter in den Rücken bekam, aber schließlich bekam ich eine große Scherbe zu fassen. 

Es kostete noch einmal Mühe, bis ich die Scherbe so in meiner Hand so zurecht gerückt hatte, das ich damit meine Fesseln zerschneiden konnte , das dauerte auch noch einmal, da ich im gefesselten Zustand natürlich nicht die Kraft hatte, richtig zu schneiden. Ich musste viel mehr die Scherbe so gut es ging an den stricken reiben. doch schließlich spürte ich, wie sie nachgaben, und hatte schließlich die Hände frei. die Fußfesseln zu lösen war jetzt ein Leichtes.

Was nun? Ich sah mich wieder um. Wenn ich die große Kiste vor dem Regal an das Fenster stellte, könnte ich heran kommen. Durch die Tür zu entkommen dürfte sowieso nicht möglich sein. aber erst musste ich meine Freunde befreien. Da ertönten oben Geräusche. Schwere Schritte, und dann stimmen.
„Wo sind sie?“, fragte eine raue Stimme
„Unten im Keller, gut verschnürt“, hörte ich Zeljko antworten.
„Gut, dann holen wir sie gleich“
„Flieh alleine“ hörte ich jetzt Jean leise rufen
„Was?“, antwortete ich“

„Flieh alleine. Du hast doch gehört, die kommen gleich. Wir werden nicht mehr Zeit genug haben, zusammen zu fliehen, aber du bist der wichtigste.Du musst entkommen, und möglichst großen Vorsprung haben. Gib mir nur die Scherbe, und vergiss deine Tasche nicht.wir schaffen es schon.“

Zögernd ging ich zu ihm, und legte die Scherbe in die Hand, dann griff ich meinen Rucksack, holte die Kiste, stellte sie unters Fenster, und stieg hinauf.
„Schlag es ein. Alain, du liegst dem Regal am nächsten. Wenn Toby die Scheibe einschlägt, tritt dagegen.“
Alain nickte nur, und kroch in Richtung Regal.“
Ich holte aus, Alain auch .Gleichzeitig schlugen nun mein Ellenbogen, und Alains Fuß die Scheibe, beziehungsweise, das Regal ein.

Schon hörte man oben Schritte .Ich sah mich noch einmal um.
„Raus, schnell“, raunte Jean
Ich griff durch das Loch in der Scheibe nach außen, erfasste den Griff, öffnete das Fenster, und kroch hinaus.

 Ich kam in einem dunklen Hinterhof heraus. Als ich mich umsah, fiel mir auf der einen Seite ein alter Kübelwagen auf. Genau, den könnte ich jetzt brauchen.Ich hatte ja Führerschein. Vorsichtig schlich dorthin, während ich von vorn laute Stimmen hörte. Es steckte kein Schlüssel. Mist! Obwohl mir klar war, dass gleich der Hinterhof von dunklen Männern wimmeln würde, suchte ich im Fahrzeug nach dem Schlüssel. Da -unter dem Sitz! Mein Glück hatte mich doch noch nicht verlassen.

Ich zog den Schlüssel unter dem Sitz hervor, steckte ihn ins Schloß, und startete den Motor. Ein Gefühl der Erleichterung überkam mich, als ich den Motor laufen hörte. Um nicht gleich aufzufallen, lies ich den Scheinwerfer aus.
Vorn konnte ich nicht lang fahren, weil dort die dunklen Männer waren, aber hier hinter dem Hof führte ein Feldweg weg. Ohne weiter zu überlegen, fuhr ich dort entlang. Erst in einiger Entfernung  vom Hof, schaltete ich die Scheinwerfer ein.

Das Gefühl der Erleichterung war inzwischen Unsicherheit und angst gewichen, angesichts der Tatsache, dass ich mich nun auf mich allein gestellt, in einem fremden Land befand, und noch nicht mal wusste, ob ich in der richtigen Richtung unterwegs war. In Triest hatte ich noch etwas Geld eingetauscht, und ich hatte ja auch noch diese gigantische Kreditkarte. Ich warf einen Blick auf den Tank. der war noch voll.

Irgendwann mündete der Feldweg in eine Landstrasse. Nach kurzem Überlegen bog ich nach Rechts ab, und folgte der Strasse. Da, ein Schild, dessen Schrift ich zwar nicht lesen konnte, dass aber von den Symbolen her ein Hinweis auf die rumänische Grenze, mit einem Richtungspfeil, der in die Richtung wies, in die ich gerade fuhr .Na, wenn das kein Glück war! Ich fuhr also weiter in dieser Richtung, war in Gedanken jetzt aber bei meinen Freunden, bei Celia, und beim Kapitän und seiner Crew.Ich wünschte, ich hätte mehr für sie tun können, doch andererseits wusste ich innerlich, das ,meine Mission zu erfüllen, ihnen am Meisten helfen würde.

Aber wie, wenn nun auch Steinmann verschwunden war, und wen sollte ich dort in Rumänien ansprechen. Ich versuchte diese sorgen zu vertreiben. Nachdem ich die ganze Nacht hindurch gefahren war, hielt ich in der Dämmerung an einer Tankstelle an, füllte den Tank nach, und kaufte mir etwas zu essen. Die Verständigung klappte leidlich über ein paar Brocken englisch, sowie den Einsatz von Händen und Füssen.

Als ich wieder los fuhr, konnte ich auf einem Schild erkennen, das ich nur noch wenige Kilometer von der Grenze entfernt war.Ich gab also Gas, umso mehr. Als ich im Rückspiegel zwei schwarze Armee-Jeeps sahen, die auf die Tankstelle fuhren. siedend heiß wurde mir nun auch klar, das die dunklen mit Sicherheit den Grenzübergang kontrollieren würden.Ich musste also über die grüne Grenze nach Rumänien.

Kurz vor dem Grenzübergang bog ich daher auf einen Feldweg ein, auf dem ich bis an die Grenze kam, die hier durch Schilder markiert war. Soweit ich fahren konnte, fuhr ich. Dann aber kam hügelige Wildnis, die mich zwang, den Weg zu Fuß fort zu setzen. Was ich mitnehmen konnte, nahm ich mit. Als ich schließlich rumänischen Grund betrat, sah ich um, und folgte schließlich dem Weg  zur Strasse, und ging ihn entlang bis zum nächsten Dorf. Ein Wegweiser gab an, dass es hier entlang nach Timisoara ging. allerdings waren es noch gute dreihundert Kilometer bis dort hin.

Ich ging sie Strasse weiter lang, bis zu einem alten, beplanten LKW, der am Straßenrand stand. Grade, als ich dahinter stand, bestieg ein Mann das Fahrzeug bestieg. Im Augenblick beschloss ich die Gelegenheit zu nutzen, und sprang hinten auf. Was hatte ich zu verlieren. Auf diese Weise konnte ich bis nach Timisoara kommen, und von dort nach Bistritza. Im schlimmsten Fall konnte ich in die falsche Richtung kommen.

Etwa zwei Stunden fuhren wir, dann hielt der LKW. Nachdem ich mich kurz umgesehen hatte, sprang ich ab. Ich befand mich auf einer Art Gutshof. Ich lief schnell in Richtung einer alten Scheune. Die Tür war offen. Ich trat ein, und Schloß die Tür.

Das Gebäude war baufällig. Man konnte hinten ein Loch im Dach sehen. Ansonsten waren da einige alte Werkzeuge, und ein großer Haufen fauliges Heu. Nun ja, besser als gar nichts .Ich lies mich darauf nieder und begann zu schreiben. Mittlerer Weile ist es dunkel geworden, und der Mond scheint durch das Loch im Dach  


Ich will es mir grade gemütlich machen, da höre ich draußen Stimmen, und jemand öffnet die Tür. Haben sie mich jetzt doch erwischt?...

Sonntag, 4. Oktober 2015

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 10

17.05.2025,Triest,Spät abends
Giacomo Fellieri, auch „der Graf“ genannt, war ein hoch gewachsener, hagerer Mann mit kurzem ,weißem Haar, und hagerem Gesicht mit tief liegenden, blauen Augen, und einer Adlernase, der tatsächlich, in seiner ganzen Körperhaltung, Aristokratisch wirkte.

Er begrüßte uns herzlich, und blieb mit seinem Blick besonders auf mir hängen.
„Ja“, sagte er, Überraschender Weise in klarstem Deutsch. „sie sind in der Tat ganz der Sohn ihres Vaters. Ja, ich habe ihn gekannt.“
Er ging zu einem Regal, betastete den Rücken einiger Bücher, und zog eines halb heraus. Augenblicklich, als er das tat, schwangen die daneben stehenden Bücher als eine Tür nach innen, und gaben den Blick in ein Geheimfach frei, aus dem er einen großen Umschlag nahm.
 „Ich nehme an, dass sie bereits in Brügge bei Drees de Gruyne waren. was sie dort bekommen haben, muss mit dem hier zusammen verwendet werden.“
„Was wissen sie von Celia“, fragte ich
Fellieri lächelte

„Ihre Sorge um sie muss wirklich sehr groß sein. Nun, sie lebt, und wird momentan in einer Felsenfestung in der Nähe von Vatra Domei, in den Karpaten, fest gehalten. In ein paar Tagen, so meine Quellen, soll sie nach Berlin überführt werden, mit ihnen zusammen. Sie soll wohl ein Köder sein.“
Ich atmete tief durch
„Wir müssen trotzdem versuchen, sie zu befreien“
„Nun mal langsam. erstmal müssen sie zu Franz Liviu Steinmann. Er wohnt in derselben Gegend, unweit von Bistritza zu den Karpaten hin.“
Er lächelte wieder

„Aber es ist schön zu sehen, dass sie unter gewissen Umständen doch das Zeug zum Helden zu haben scheinen, und das werden sie auch brauchen“
Ich fühlte, dass ich rot wurde, und auch die anderen lächelten, denn die letzten Worte hatte wir, aus Rücksicht auf Jean und seine Mannschaft auf Französisch geführt.
„Nun gut, in einer Stunde brechen sie auf. wir bringen sie erst mal nach Triest. Von da aus geht es nach Kroatien, und über Serbien nach Rumänien. Wir haben auch Freunde dort.“

Nach einer Stunde ging es wirklich los. Zunächst wurden wir quer über den italienischen Stiefel, bis nach Marina di Ravenna, ohne das es bemerkenswerte Geschehnisse gab. Wir ließen die Toskana hinter uns, überquerten die Appeninen, und kamen schließlich an der Adria-Küste an. Dort wartete ein Schiff auf uns, eine alte Fähre, die uns nach Triest bringen sollte.

In Trieste angekommen, wurden wir von einem dunkelhaarigen, jungen Mann, der sich als Zeljko vorstellte, und aus Kroatien stammte, in ein kleines Hotel geführt, in dem wir übernachten sollten.
Wir waren im Begriff  schlafen zu gehen, als es plötzlich laut an meiner Tür klopfte. Es war Zeljko, der  rief:
„Schnell, wir müssen sofort hier weg, und zur Grenze, die dunklen kommen. Sie wissen, dass ihr hier seid. Es muss einen Verräter geben.“

In aller Eile zog ich mich an. Die anderen warteten bereits draußen, als ich mein Zimmer verlies. Unten konnte man lärm, und laute stimmen hören.
„Verdammt, sie sind schon da!“, entfuhr es Zeljko „Kommt, hier lang!“
Er führte uns zu einem Treppenhaus, und in die nächst niedrigere Etage. Kaum waren wir hier im gang verschwunden, da hörten wir auch schon schwere Schritte, die Treppe herauf eilen.
„Los“, zischte unser Helfer.

Wir verließen den Gang und eilten die Treppen hinunter. Im Erdgeschoß bedeutete er uns zu halten. An der Tür stand ein uniformierter und hielt Wache. Wir duckten uns, und schlichen unter der Sichtscheibe eng an der Tür Vorbei, so dass der Posten uns durch die Scheibe nicht sehen konnte, dann eilten wir die letzte Treppe hinunter in die Tiefgarage, zu einem Kleinbus.
„Rein da ,schnell !“

Wir stiegen ein, Zeljko schwang sich auf den Fahrersitz, und fuhr los.
„Damit haben sie nicht gerechnet, und die Tiefgarage nicht bewacht“, sagte unser Helfer mit grimmiger Genugtuung.
Wir fuhren bis zum Stadtrand zu einer kleinen Herberge, wo ich jetzt schreibe.Kurz nachdem wir angekommen waren, kam Zeljko mit einer weiteren schlechten Nachricht:

„Wir haben eine Nachricht von unseren Freunden in Rumänien bekommen. Franz Liviu Steinmann ist verschwunden. Offenbar haben sie auch ihn geholt!“… 

Sonntag, 27. September 2015

Jan-aus dem Reich der toten-Teil 2

Eigentlich bin ich ja kein ängstlicher Typ,aber das war auch für mich ein bisschen viel. Nachdem ich Zuhause angekommen war, erlebte ich eine unruhige Nacht. Wenn ich einmal Schlaf fand, sah ich im Traum wieder jenen Jungen, der mich still ansah, und dann mit dem Finger auf mich zeigte. Zusätzlich änderte sich jetzt noch die Szenerie in auf mich zu fahrende Rollstühle und einen Schatten, der über einer am Boden liegenden Gestalt stand.
Dann wachte ich Schweiß gebadet auf, konnte nur noch daran denken, und fand die restliche Nacht keinen Schlaf.

Auch jetzt auf der Arbeit, schweifen meine Gedanken immer wieder ab.Und wenn sich doch jemand einen Scherz mit mir erlaubt hat? Aber woher wusste der denn, das ich gerade zu diesem Zeitpunkt in dem Haus war, und woher hätte er von dem Buch und dem Zettel wissen können? Ich hatte doch mit niemandem darüber geredet. Oh Mist, das gehört doch gar nicht da rein. Säure und Domestos vertragen sich nicht! Sollte mich doch mal auf die Arbeit konzentrieren.

Auch die Pause bringt mich nicht auf andere Gedanken. Ein paar Schachaufgaben während des Essens kriege ich auch nicht gelöst, weil meine Gedanken noch beim gestrigen Rätsel sind.
So bin ich immer wieder in Gedanken versunken, unterbrochen nur, von einigen Schadstoffanlieferungen. Eh ich mich versehe  ist dann auch schon wieder Feierabend, den ich auch verpenne, und fünf Minuten zu spät das Tor schließe.

Als ich nach Hause komme, treffe ich Adele. Adele wohnt in unserer Nachbarschaft, ist 36, hat kurzes ,dunkles Haar, blaue Augen, ein Gesicht, das immer ein wenig verschmitzt wirkt, und ist, wie ich, ein wenig untersetzt. Sie ist ein echter Kumpeltyp, und darum eine gute Freundin.

Ich komme mit ihr ins Gespräch, und irgendwie auch auf mein gestriges Erlebnis und den Zettel.

„Klingt ja irre, diese Geschichte“, meint sie „Hast du den Zettel noch?“
„Natürlich“
„Weist du, ich kenne Jemanden, der ist Privatdetektiv. Wir könnten uns mit ihm treffen, und einfach unverbindlich mit ihm darüber reden.“

Der Vorschlag klingt gut. Vielleicht ist diese Sache für mich allein doch zu groß, und so stimme ich zu. Adele verspricht Heute Abend noch anzurufen, und mir Bescheid zu geben.

In der folgenden Nacht habe ich wieder die Träume von Jungen, Rollstühlen und Schatten, und dennoch geht mir am nächsten Tag die Arbeit viel einfacher und konzentrierter von der Hand, so erleichtert fühle ich mich, dieser Sache nicht mehr allein gegenüber zu stehen.

Etwa eine Stunde vor Feierabend ruft mich Adele an , und verkündet freudig, das Martin, so heißt der Privatdetektiv, Morgen Abend Zeit hätte, sich mit uns bei ihr zu treffen. Ich sollte Buch und Zettel mitbringen.

Ich bin nervös wie selten. Ich kann es kaum erwarten. Ich habe Zettel und Buch vorsorglich schon mal mit zur Arbeit genommen, damit ich nachher nicht erst noch mal nach Hause muss. So sitzen wir am nächsten Abend bei Adele. Ihre Wohnung ist modern, aber anheimelnd eingerichtet. Sie bevorzugt eher warme Farben. Adele und ich sitzen auf einem hellbraunem Sofa, Martin, auf dem dazu passenden Sessel am Tisch .Tee und Gebäck stehen auf besagtem darauf.

Martin studiert den Zettel, und nimmt sich dann das Buch vor, und die Eintragung vorn. Martin Kland ist groß, schlank, hat braunes Haar und grüne Augen. Sein Gesicht ist rundlich, und wirkt gutmütig. Er trägt Jeans und ein rot kariertes Hemd.
Er hört sich schließlich meinen bericht über die Ereignisse im Dijsterkamp -Haus an.

„Eine ziemlich interessante Geschichte“, meint er „Mal abgesehen, von den Geschehnissen im Haus ist es aber durchaus möglich, das du auf ein echtes Verbrechen gestoßen bist.“
„Wie könnte man denn raus bekommen, ob wirklich etwas dran ist?“, fragt Adele
„Nun, zunächst mal müsste man recherchieren und Informationen über diese Familie beschaffen. Laut der Widmung bekam Jan die Bücher zu Weihnachten 1952, es könnte übrigens Sinn machen, dir auch die anderen Fünf noch mal anzusehen.Seine letzte Mitteilung auf dem Zettel, so sie es denn ist, stammt von September 1953. Wir müssten uns also speziell auf diesen Zeitraum konzentrieren. Sagen wir Dezember `52 bis.na Oktober `53.Das nimmt natürlich Zeit in Anspruch“

„Ich habe ab Montag eine Woche Urlaub“, sage ich
„Perfekt. dann könnten du und Adele ihn der Uni- Bibliothek recherchieren.Sie haben dort Archive. Ich kenne jemanden beim Weser-Kurier, der schuldet mir noch einen Gefallen.“
„Dann willst du mithelfen?“, fragt Adele
„Offen gesagt, ist gerade Flaute im Geschäft. Ich langweile mich, und dieser Fall ist reizvoll, also dann!“

Die folgenden Tage verbringen wir mit Recherchen am Computer und in der Bibliothek .Wir stöbern in alten Zeitungsarchiven und Heimatkunde-Büchern, und  tragen allerhand Informationen zusammen. Als ich ein Buch, eine Biographie des Dynastie-Gründer Kees Dijsterkamp, die für unsere Zwecke nicht ganz so ergiebig ist, zurück stellen will, stoße ich mit Jemandem zusammen. Ich fühle etwas an meiner Jackentasche, aber bevor ich noch etwas sagen kann, ist die Person schon wieder weg.

Am nächsten Donnerstag sitzen wir wieder bei Adele und tragen unsere Informationen zusammen. Auch Martin hat viel Interessantes von seinem bekannten  erfahren.
Demnach gab es im Dijsterkamp- Haushalt außer Jan zur fraglichen Zeit folgende Personen:

Johann Wilhelm, Jans Vater mit seiner Frau Sylvia,
Jans Großvater Behrendt,
Jans  Bruder Marten, Sohn Johann Willems aus erster Ehe ,etwa Zehn Jahre älter als Jan
Er war zwischendurch auf einer Studienreise nach Afrika verschollen, und erst Anfang 1953 zurück gekehrt.
Johann Willems Neffen Joost, 31 Jahre alt, über den man noch wenig weiß
Luisa Dijsterkamp, ebenfalls aus erster ehe Johann Willems
Klara Persson, Jans Kindermädchen und Hauslehrerin, 27 Jahre alt, Tochter  schwedischer Eltern. Verschwand etwa im Juli 1953, kurz danach begann Jan, der durch Kinderlähmung bereits an den Rollstuhl gefesselt war zu kränkeln, bis er im September starb.
Ansonsten noch zwei Zofen, eine Köchin und der Hausdiener, der gleichzeitig dem Hauspersonal vorsteht.

„Eine Schwester von Klara lebt noch in Bremen“, berichtete Martin „Auch Nachkommen der Dijsterkamps, nämlich der Tochter und des Sohnes leben noch in Bremen, bzw. im Umland. Von ihnen können wir sicher wertvolle Informationen bekommen. In dem Haushalt verkehrten sonst noch der Hausarzt, ein Dr. Stöhver, dessen Sohn die Praxis übernommen hat, und der Anwalt  Dr. Koninck, der aus einer belgischen Familie stammt. Er lebt noch, und ist im Ruhestand.“

„Vor allem vom Sohn des Arztes können wir vielleicht wichtiges über Jans Krankheit erfahren. Möglicherweise hat er Krankenakten seines Vaters aufbewahrt“, meine ich.
„Richtig, gute Idee“, entgegnet Martin, auch mit Anwalt sollten wir sprechen. Ich werde erst mal sehen, das ich was über die Nachkommen der Dijsterkamps  raus kriege. Übrigens hat mein Bekannter auch ein Familien-Foto aus der Zeit gefunden“ Er holt es hervor
„Hier, die Eltern, Großvater, und die Geschwister, da ist Klara, und das ist Jan.“
Klara ist bezaubernd hübsch, die anderen wirken ein wenig aristokratisch, wie sie so da stehen. Als ich Jan sehe, gefriert mir wieder das Blut in den Adern: Er ist der Junge aus meinen Träumen!

So gehen wir auseinander, und ich bin ziemlich aufgeregt. Ich scheine da tatsächlich auf einen richtigen Kriminalfall gestoßen. Als ich Zuhause angekommen bin, greife ich in meine Jackentasche, um den Hausschlüssel hervor zu holen. Nanu, da ist doch was, das war doch vorher nicht in meiner Tasche! Ich hole es hervor. Es ist ein zusammen gefaltetes Blatt Papier. Ich falte es auseinander, und lese:

Es wäre besser, wenn sie sich nicht in Dinge einmischen, die sie nichts angehen, und gefährlich für sie sein können.Wenn ihnen ihr Leben und ihr Verstand lieb sind, dann halten sie sich fern vom Dijsterkamp -Haus, und vergessen sie Jan Dijsterkamp! …

Fortsetzung folgt


Samstag, 19. September 2015

Jan-aus dem Reich der Toten-Teil 1

Hier startet ein Mistery-Krimi mit viel persönlicher Note, viel Spaß!



Blöde Spätschicht! Die anderen gehen nach Hause, während man selber noch gut Zwei Stunden bleiben muss.
Aber das ist nun mal notwendig, denn unser Recyclinghof  im Blockland, der größte in Bremen, hat bis Siebzehn Uhr geöffnet. Zu Zweit bringen wir nun den Tagesendspurt hinter uns. Fritz schiebt kurz Bauschutt  hoch, und ich sehe nach den Wertstoff-Containern, und betreue die Schadstoff-Annahmestelle.

Ich bin eigentlich einer der unscheinbarsten Menschen, die ich kenne. Klein(Im Winter auch Pullover auf Beinen genannt), untersetzt, mit Brille und absolutem Allerweltsgesicht.

So, die Papier-Presse muss mal angeworfen werden. Ich steige kurz auf den Podest, und schaue hinein. Was ist denn das? Alte Bücher! Ich bin ein leidenschaftlicher Leser, mit Vorliebe klassischer Abenteuer –und Kriminal-Literatur, außerdem spiele ich noch Schach im Verein.Werder-6, Kreisklasse.Zum Großmeister werde ich es nicht mehr bringen, aber ich bin zufrieden.

Ich kann die Bücher greifen. Es sind sechs an der Zahl. Alte Ausgaben von Karl Mays Orient-Zyklus Ein richtiger Schatz! Ich hole sie heraus, und lege zur Seite, dann betätige  die Presse.

So halbe Stunde noch bis Feierabend. Noch eine größere Anlieferung aus Opas Schuppen. Was für große Schuppen es anscheinend gibt, aber na ja. Der Anzahl an Schädlings-Bekämpfungsmitteln nach zu urteilen, hat Opa wohl einen privaten Kleinkrieg gegen alles geführt, was mehr als zwei Beine hatte, und sich nicht Nutzpflanze nannte.

Schließlich ist Feierabend .Rasch unter die Dusche, Schließer- Aufgaben erfüllt, Alarmanlage scharf gemacht, und Tschüß!

Ab nach Hause. Noch ein Paar Teile eingekauft, einen Teil davon Oben bei Mutter und Bruder abgeliefert, und dann habe ich Zeit für mich. Ich Esse eine Kleinigkeit, dann lasse ich mich auf dem Sofa nieder, um  mir meinen Schatz näher anzusehen.

Ich blättere den ersten Band, „Durch die Wüste“, durch. Offen gesagt besitze ich es schon, und habe s wohl auch mehrmals gelesen, aber solche alten Bücher üben doch eine gewisse Faszination auf mich aus.
Während ich so blättere, fällt plötzlich etwas zwischen den Seiten des Buches heraus, und vor meine Füße auf den Boden. Ich bücke mich, und hebe es auf. Es handelt sich um ein zusammen gefaltetes, vergilbtes Blatt Papier, offenbar aus einem Tagebuch ausgerissen. Ich faltete es auseinander, und betrachte es.Mit schwarzer Tinte steht darauf in kindlicher Schrift:

15.9.1953
„Dies ist vielleicht das Letzte, das ich schreibe. Es geht mir schlecht. Ich Kann nicht gehen. Ich glaube, es ist ein Mörder unter uns. Einer ist nicht, was er zu sein vorgibt. Klara ist nicht einfach verschwunden. Und nun bin ich der nächste. Warum hilft mir keiner?

Ich starre auf diese Zeilen, und reibe mir die Augen. Hat sich da jemand einen Scherz erlaubt, oder sollte das echt sein? Dann wäre ich hier einem, nein Zwei ungesühnten Morden auf der Spur!

Ach nein Thorsten, jetzt sei doch mal vernünftig. Bestimmt ist das nur quatsch. Wahrscheinlich hat da ein Junge einem anderen einen Streich gespielt, und der Zettel ist da hängen geblieben. Ja, so wird es gewesen sein, obwohl…nein nein!

Ich lege Buch und Zettel zur Seite, und denke den Rest des Abends nicht mehr daran, oder versuche es zumindest. Auch den nächsten Tag auf der Arbeit denke ich vorerst nicht darüber nach. Habe auch genug Anderes zu tun. Mit Rosi, meiner Vorgesetzten etwas besprechen, Schadstoffannahme, hier und da noch ein wenig aufpassen, und Ausbildungsplanung. Na gut, ab und zu denke ich doch noch mal daran.

Abends zu Hause lese ich den Zettel noch einmal. Dann greife ich instinktiv nach dem Buch, und da, auf der ersten Seite steht eine Widmung:
Für Jan, von seinem Großvater, Weihnachten 1952
Darunter Jan Dijsterkamp, und eine Adresse.
Hmm.. ein Name und eine Adresse, da könnte man doch ansetzen. Nein, nein  was soll das schon wieder? Ich meine, ich bin ein Niemand. Wie komme ausgerechnet ich dazu, in alten Geschichten einer Familie rum zu kramen, mit der ich nicht ich mal verwandt bin, noch sonst irgendwas zu tun habe?

Ach…kennen sie das, wenn man eifriger Krimi-Leser und passionierter Hobby- Detektiv ist, und dann kommt so eine Sache? Verflixte Neugier! Nun was soll ´s? Also gut, mal den Rechner angeschmissen und gegoogelt. Und sieh da, die Dijsterkamps waren eine aus Holland stammende Kaufmanns-Familie, die seit dem Siebzehnten Jahrhundert in Bremen ansässig war. Sie betrieb einen großen Tee-Handel Die Adresse liegt in Schwachhausen, in der Nähe des Riensberger Friedhofs.

Soll ich da vielleicht mal hin? Nun, angucken kostet ja nichts, wenn es denn überhaupt noch was zu sehen gibt.
Den Kopf voller Gedanken gehe ich schließlich zu Bett, doch Schlaf finde ich lange nicht. Die halbe Nacht wälze ich mich im Bett hin und her. Als ich schließlich in Schlaf komme, habe ich einen seltsamen Traum. Eigentlich ist es nur ein Junge von etwa vierzehn Jahren, der mich unverwunden anstarrt. Er starrt einfach nur, und plötzlich hebt er die rechte Hand, und zeigt auf mich. Dann löst er sich auf.

Am nächsten Tag auf der Arbeit, bekomme ich die Gedanken an den Zettel, die Adresse und den seltsamen Traum nicht aus dem Kopf, und bin unkonzentriert.
Auch Rosi scheint zu merken, dass ich neben mir stehe, und sie spricht mich darauf an.
„Oh, es ist soweit alles in Ordnung“, versichere ich „Hab nur nachher noch´n  Paar Dinge zu erledigen, die mich beschäftigen“ Im Grunde ist das nicht mal gelogen.
„Okay, aber wenn du etwas hast, oder auch nur reden willst, kannst du zu mir kommen.“ Sie lächelt mir zu.

Ich gehe wieder an die Arbeit, und zu Feierabend bin ich froh, nach Hause zu kommen. Ich muss heute nicht einkaufen, da könnte ich doch eigentlich...Oh nein, nicht schon wieder!
Aber ich kann machen, was ich will, ich lenke meinen Roller schon in Richtung der Adresse aus dem Buch.

Das Ziel liegt am Ende einer Nebenstrasse unweit des Riensberger Friedhofs. Es ist ein Grundstück mit einer alten Jugendstil- Villa. Es  beginnt zu dämmern, als ich dort ankomme. Grundstück und Haus sind gleichermaßen verwahrlost. Gras und Stauden wuchern überall. Die Hecken sprießen in alle Richtung, der Zaun ist Rostig, und die Umgebungsmauer verfallen. Die Pforte hängt traurig schief und verrostet im Wind.

Am Haus blättern Putz und Farbe ab, und einige Fensterläden hängen schief. Etliche Fensterscheiben sind zerschlagen. Ich schiebe die schiefe Pforte auf. Es ertönt ein lang gezogenes Kreischen. Hier hat wohl jemand `ne Ölkrise. Ich schaue mich um, ob jemand etwas gehört hat, aber Keiner ist in der Nähe.

Langsam schreite ich den Pfad zum Haus hin. Du weißt schon, das du grade einen Einbruch begehst, sage ich zu mir .mag sein, aber es wohnt ja schon lange Niemand mehr hier.
Die Tür steht ein wenig auf, und ich betrete das Haus.

Alles ist überzogen von Spinnweben. Es gibt noch das alte Mobiliar, das von Schondecken überzogen ist. Ein bisschen wirkt es, als hätte man das Haus grade verlassen, dabei muss es schon Jahrzehnte leer stehen. Eine Treppe führt im Vorraum nach Oben .Linkerseits führt eine metallene Vorrichtung nach Oben, die ich als eine Art Treppenlift erkenne. Ich steige die Treppe hinauf.Es wird doch langsam dunkel. Gut, das ich mir eine Taschenlampe mitgebracht habe, die ich aus dem Elektroschrott- Behälter gezogen habe. Sie leistet mir jetzt gute Dienste.

Oben führt ein Korridor an mehreren Zimmern vorbei, an dessen Ende sich noch eine Treppe befindet. An ihrer linken Seite ist eine Rampe Angebracht . Ich gehe den Korridor entlang, und steige auch diese Treppe herauf. Ich stehe auf einem Vorsprung vor einer Tür, in die kaum noch leserlich die Worte: “Jans Reich“ geritzt sind.

Ich schiebe die halb offene Tür auf, und betrete das Zimmer. Es ist eine Art Kinder -oder Jugendzimmer. Rechts ein Bett , am Kopfende eine Kommode. Am Fußende, darum also Rampe und Treppenlift, ein alter Rollstuhl. Seine Rückenlehne ist  mit einem zerschlissenen Kissen gepolstert. Auf der Sitzfläche liegt ein kleiner Ball.

Auf der anderen Seite am Fenster, durch dessen zerschlagene Scheibe ein Luftzug herein kommt, ein Sideboard auf dem Bücher stehen, jetzt natürlich ziemlich vermodert. Als ich eins anfasse, zerfällt es fast in meiner Hand. Was haben wir denn da? Winnetou, Lederstrumpf, die drei Musketiere, Sherlock Holmes, Pater Brown. Hatte durchaus einen ähnlichen Literatur-Geschmack wie ich.
„Tja Jan“, denke ich laut „was kann ich hier nun erfahren?“

Ich lasse den Blick noch einmal schweifen, dann verlasse ich das Zimmer. Ich, kann mich jetzt wirklich auf den Heimweg machen.Ich gehe die Treppe hinunter, und zur anderen. Als ich sie gerade runter gehe, höre ich ein Quietschen, ich drehe mich um, und erstarre .Der Rollstuhl aus Jans Zimmer fährt auf die Treppe  zu. Schon denke ich, er fällt gleich herunter, da bleibt er ruckartig am Treppenabsatz stehen. durch den Ruck wird der Ball herunter geworfen, der die Treppe hinunter springt.

Er prallt schließlich gegen mein Bein und bleibt zu meinen Füßen liegen.
Okay, das ist jetzt ungewöhnlich! Unsicher hebe ich den Ball auf, und betrachte ihn, und das blut gefriert mir in den Adern. auf dem Ball stand wie eingeritzt: Wahrheit finden hilf mir
Und jetzt wird’s wirklich unheimlich! Aber das kann doch gar nicht-da macht sich doch jemand einen Jux mit mir!


„Hallo!“ rufe ich nach Oben „ist hier noch jemand?“. Unheimlich hallt meine Stimme wider. „Das ist nicht witzig!“

Sonntag, 13. September 2015

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 9

15.05.2025,Fortsetzung

Während ich dies schreibe, sind wir mit unserem neuen Schiff auf dem weg nach Italien. Voraus gesetzt, dass es keine größeren Zwischenfälle gibt, sollten wir gegen Abend in Grosseto ankommen. Es wird bald soweit sein.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück führte Marvin uns zur Bootshalle .Drinnen staunten wir nicht schlecht. Was da lag war ein altes Marine-Schnellboot, welches die Kennung des Regimes trug. An der Seite stand der Name „Sepia“.

„Damit solltet ihr relativ sicher nach Italien kommen.“, meinte unser Gastgeber lächelnd.
„Ja, Perfekt“, meinte Jean anerkennend. „Wenn ich denke, wie es aussah, als du es bekommen hast…Nun gut, wir sollten uns so bald wie möglich aufmachen.“
Marvin stimmte zu. Das Schiff wurde aus der Halle manövriert, betankt, und mit Proviant versehen. Wir nahmen abschied und fuhren los.

Der Kapitän hatte sich entschlossen, die Strasse von Messina zu nehmen, die am engsten Punkt zwischen Sizilien und der Spitze des „Stiefels“ verlief, den das italienische Festland bildete. In diesem, nicht ganz einfachen, Seegebiet sollten uns unsere Verfolger nicht unbedingt suchen, und wir konnten an der italienischen Küste entlang fahren. Jean hielt die Vorsicht für angebracht, da die dunklen Männer ihre Agenten überall hatten, und ich musste ihm zustimmen.

Ich musste während der Fahrt immer wieder an Celia denken, wo sie jetzt war, und wie es ihr ging. Was stellten sie mit ihr an, und lebte sie überhaupt noch? Doch ich vertrieb die Gedanken an ihren Tod. Und dennoch versetzte es meinem Herzen einen Stich, daran zu denken, dass sie nun allein dem ausgesetzt war, was immer man auch mit ihr tat.

Die Fahrt verlief weitgehend ohne Probleme. Einmal sichteten wir in einiger Entfernung eine Fregatte unserer Verfolger, doch sie fielen auf unsere Tarnung herein.

16.05.2025, Italien, Morgens auf Podere il Veggio

Nun sind wir hier, mitten in der Toskana. Ja, wie kamen wir dahin? Nun, gegen Abend kamen wir in Grosseto an. Jean hatte Funksprüche mit dem widerstand in Italien geführt, und so erfahren, das es einen Kontaktmann hier gab, der uns nach Seggiano und dann weiter zu Giacomo Fellieri bringen sollte. Jean erklärte, dass er auch italienisch sprach, und dolmetschen konnte, und mit meinem Französisch könnte ich auch schon durchkommen.

Der Kontakt hieß Paolo, und war in einer Hafenbar zu finden. Mit dem Code-Wort: “Morgenröte“ versicherte man sich, den richtigen gefunden zu haben.
Paolo erwies sich als ein beleibter Mann Mitte Vierzig, mit schütterem, schwarzen Haar und sonnenverbrannter Haut, die zeigte, das er oft im freien zu arbeiten pflegte .Er war mit einfacher Jeans und einem blauen Hemd bekleidet. Seine kleinen, dunklen Augen blickten neugierig und treuherzig in die Welt.

Mit einem alten Fiat-Transporter traten wir die ca. Siebzug Kilometer-Fahrt nach Seggiano an. Unterwegs sagte Paolo:
„Der Graf wird erst morgen früh zurück erwartet, ihr werdet auf Podere il Veggio erstmal übernachten“.
Er bediente sich dabei der französischen Sprache, die er leidlich beherrschte.
„Der Graf?“, fragte ich
„Ja, so wird er genannt. Übrigens hat er Informationen über eure Freundin, die sie geschnappt haben.“

„Ihr wisst, wo sie  ist?“, fragte ich erregt.
„Ja, er weiß es. Er hat mich angerufen, nach eurem Funkspruch Heute Morgen, hat er Erkundigungen eingezogen, und so wie ich ihn verstanden habe, hat er von Verbindungsleuten etwas über sie erfahren, und…aber was ist das denn?“
Er sah sich nach hinten um, und wir folgten seinem Blick, und sahen, was er meinte. eine dunkle Limousine folgte uns.

„Haben sie uns doch gefunden. Na gut, die hängen wir ab. Gegen so was haben wir vorgesorgt.“
Er gab Gas und jagte die kurvige Strasse entlang. Der Verfolger fuhr ebenfalls schneller.
Nach ein paar Minuten, kam hinter einer Kurve ein Feldweg.
„Festhalten!“, schrie Paolo, und riss das Steuer herum. Der Fiat, der für derartige Manöver eigentlich nicht gemacht war, legte sich rumpelnd und krachend in die Kurve, und fuhr in den Feldweg, um gleich darauf auf ein altes Gehöft ein zu biegen, und vor einer Scheune zu halten. Paolo stieg aus, und schob die Scheunentür auf, sprang wieder ins Auto, und fuhr hinein. Eine andere Person schloss das Scheunentor.

Wir stiegen aus, und sahen uns in der Halle um. Draußen hörten wir das andere Fahrzeug vorbei fahren. Neben Paolo stand nun ein kleiner, aber Muskulös gebauter Mann, Mitte Dreißig, der uns als Francesco vorgestellt wurde.
Nun sahen wir in der Scheune auch ein zweites Auto, einen Renault Scenic, den wir bestiegen, und damit wieder in Richtung Hauptstrasse fuhren.
Es wurde bereits dunkel, als wir in Seggiano ankamen. einer Mittelalterlichen Stadt, die sich auf einem Hügel befand.

Durch Zypressen-Alleen, und an Olivenhainen vorbei, fuhren wir nach Podere il Veggio, ein Landgut, das in der nähe Seggianos lag.
Hier wurden uns Zimmer angewiesen, und nach einem glas Wein und einem leichten Abendessen  gingen wir schlafen.
Doch ich kam nicht in den Schlaf. zu aufgeregt war ich, angesichts der Aussicht Morgen früh etwas über Celia zu erfahren. Wo wurde sie festgehalten und könnten wir sie befreien?...