Sonntag, 17. April 2016

Jan-aus dem Reich der Toten-Teil 9

Ich bekomme eine Gänsehaut. Hatte Jan also tatsächlich Recht? Und somit war auch er ermordet worden. Ich muss das ganze erst mal sacken lassen. Laut Kommissar Lohmann wird jetzt auch der Garten des Hauses gründlich untersucht. Am Abend wollen wir uns mit Martin und Adele treffen.

Ich versuche meine Arbeit so gut es geht zu erledigen, aber die Kollegen merken mir an, dass ich nervös bin. Und dann fällt mir etwas ein, nämlich Klaras Tagebücher, die ihre Schwester uns gegeben hat. Martin hat sie entgegen genommen. Vielleicht sollte ich ihn bitten, sie mit zu unserem Treffen nehmen Ich rufe ihn also an, und er sagt es zu.

„Ich habe sie schon überflogen, aber es scheint nichts besonders wichtiges für uns drin zu stehen. Wir  sie uns aber noch mal in Ruhe zu Gemüte führen.“
Das tun wir nun. Kurze Lesestunde. Und dann fällt es mir auf. Fast auf der letzten Seite.
„Hier, ich hab´ es“, rufe ich laut, und lese vor: „Heute Morgen vertraute mit Jan in seinem Zimmer etwas an, was mich in einen Schockzustand versetzte .Er bestätigte den Verdacht, den auch ich hatte, das er nicht mehr derselbe ist. Ich bin also nicht die Einzige, der das aufgefallen ist.“

„Interessant ist auch das Datum der Eintragung: Gut eine Woche bevor sie verschwand.“
„Das Puzzle setzt sich zusammen“, sinniert Hanseaten- Columbo. „Ich denke da an Konnincks Geschichte von Joost und Marten, bin allerdings noch sicher, wie alles zusammen passt.“

„Eh ich es vergesse: Wir haben im Garten des Dijsterkamp- Hauses noch mehr Knochen gefunden. Unter Sträuchern vergraben. Sie gehören wohl zu sechs bis Acht Jahren. Scheint, als hätten wir es mit einem Serienmörder zu tun. Kommissar Geerjes a.D. ist zur Fahndung ausgeschrieben.“

„Und wie machen wir jetzt weiter?“, fragt Adele
„Es gibt doch noch Enkel der Dijsterkamps, die in der nähe von Bremen wohnen“, werfe ich ein
„Sehr richtig“, meint Martin „die könnten was wissen, oder zumindest von ihren Eltern etwas gehört haben .Und dann gibt es ja auch noch den USB-Stick von Fred. Was ist eigentlich damit?“ Diese Frage ist an Lohmann gerichtet.
„Liegt noch in meinem Büro im Schreibtisch, sollten wir uns jetzt wirklich mal ansehen. Aber ich werde mir jetzt mal die Akten der merkwürdigen Todesfälle um die Dijsterkamp- Familie mal kommen lassen, einschließlich ungeklärter Vermisstenfälle aus der Zeit.Irgendwer müssen die Leichen ja sein.“
???

Es ist nicht ganz so schwer, die noch lebenden Dijsterkamp- Nachkommen zu finden. Hendrik Dijsterkamp, Sohn von Luisa, und seine Frau Marie wohnen in Stuhr vor den Toren Bremens. Seine Schwester Mareijke, verwitwet, in Oberneuland.

„viel kann ich ihnen nicht sagen. Ich war schließlich noch ein Baby, meine Schwester war drei Jahre älter. Opa konnte ich nicht mehr richtig kennenlernen. Mama erzählte viel von ihnen .Auch von Cousin Marten. Ich glaube, ich war drei Jahre alt, als er starb.“

Von Mareijke erfahren wir auch nicht viel mehr. Immerhin hat sie ein Bündel Briefe für uns, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte.

„Ich habe zwei, Drei gelesen“, erzählt sie „In einem wurde auch von Marten erzählt, das er sich seit Afrika stark verändert habe.“

„Irgendwo drehen wir uns im Kreis“, meint Martin
„Glaubst du, das Marten, Jan und Klara getötet hat?“, frage ich
„Offen gesagt, keine Ahnung, aber ausschließen kann man nichts.“


Hanseaten-Columbo bekommt derweil einen Anruf. Mit ernster Mine wendet er sich an Uns:
„Der Wagen von Geerjes wurde im Blockland gefunden. Halb in die Wümme gefahren. Es fanden sich Blutspuren darin. Kommt, wir fahren hin.

Geerjes Wagen, ein blauer Citroen wurde inzwischen aus der Wümme  gezogen, und steht oben am Deich, im Ausflugsgebiet. Er ist schwer beschädigt, Schlamm verdreckt und nicht mehr fahrbereit. Polizisten suchen die Umgegend ab.

Der Kommissar lässt sich von einem Beamten auf den neusten stand bringen, als vom Fluss aus gerufen wird. wir gehen hinab, und gerade als wir ankommen, ziehen in einiger Entfernung zwei Männer einen leblosen Körper aus dem Schilf.

Lohmann presst die Lippen aufeinander und meint: “Ich fürchte, wir haben ihn gefunden“
Geerjes Körper ist nass, schmutzig und Schlamm verschmiert. Es scheint, als hätte er sich aus eigener Kraft aus dem Auto befreit, und sich durch das hier nicht ganz so tiefe, Wasser dorthin geschleppt, wo er dann gefunden wurde? Sein Kopf weist eine klaffende Wunde auf.


Tote, seit ich diese Sache angefangen habe, gibt es ständig Tote. Schon wieder einer, und wenn ich an die Skelette aus dem Garten denke .Wer bist du, du Bestie?...

Sonntag, 3. April 2016

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 16

26.5.2025, im Norden, Irgendwann,Fortsetzung

Auch am Polarkreis wärmen um diese Zeit Sonnenstrahlen im kurzen arktischen Sommer, welche den, sonst gefrorenen, Boden der Tundra aufweichen, und in sumpfige Flächen verwandeln. Durch diese Landschaft fuhren wir in einem alten Bus einem kleinen Dorf zu, das zum größten Teil aus Holzhäusern bestand.

Während der ganzen Fahrt, war Celia auffallend still und distanziert, ja geradezu spröde gewesen. Ich vermutete, dass das mit ihrer Haft zusammen hing, und hatte Verständnis. Daher nahm ich es hin.

Unsere Reise neigte sich nun dem Ende zu. Wir hatten das Dorf durchquert, und fuhren auf einen sanften , von einigen kleinen Lärchen bewachsenen, Hügel, außerhalb des Dorfes zu zu, auf dem  sich ein kleiner Bauernhof befand, der aus einem Holzhaus ,und einer hölzernen Scheune bestand.

Der Bus hielt vor dem Haupthaus an. Wir stiegen aus. Gleichzeitig öffnete sich die Tür des Hauses, und hinaus trat ein hochgewachsener, etwa Siebzig Jahre alter Mann in der Kleidung des Lappen-Volkes. Sein Körperbau war kräftig, das Gesicht scharf gezeichnet und wettergegerbt, und doch mit gutmütigem Ausdruck. Wach und freundlich blickend die hellblauen Augen.

Sein Blick fiel auf mich. Er reichte mir die Hand, und sagte in reinem Deutsch:
„Nun bist du also hier. Du hast es tatsächlich geschafft. Ich bin Finn Hjärtisson. Kommt herein. Wir müssen uns auf die entscheiden Schlacht vorbereiten.“

Wir betraten das einfach eingerichtete Gebäude. Hjärtisson führte uns durch das Wohnzimmer zu einer Treppe, die nach unten führte. Als er, unten angekommen, das Licht einschaltete, staunten wir nicht schlecht.

Hier standen ein großes Funkgerät, ein Computer und ein großer Flachbildschirm.
„Nun ist es an der Zeit, sich die Drei Umschläge anzusehen, die du gesehen hast. Jeder ist für sich wichtig, und alle Drei gehören zusammen.“

Ich nahm die Drei Umschläge aus meinem Rucksack, und legte sie vor uns auf den Tisch, um den wir Platz genommen hatten.
„Fangen wir mit dem von Drees de Gruyne an.“, meinte Hjärtisson, und griff nach dem dicken Umschlag. Er nahm einen Brieföffner und öffnete ihn. Zum Vorschein kam eine DVD-Box, die eine CD enthielt. Hjärtisson schaltete den Computer und den Bildschirm ein, und legte die Disc ein. Es erschien ein Bild, das mir den Hals zuschnürte.

Auf dem Schirm erschien ein älterer Mann mit braunem, grau meliertem Haar, freundlichen braunen Augen, und klugen Zügen, der zu sprechen begann:

„Mein lieber Sohn, den ich nie kennen gelernt habe,

Wenn du das hier siehst, bin ich tot, und ich bin sicher keines natürlichen Todes gestorben, selbst, wenn es so aussehen mag. Ich habe jedoch meine Vorkehrungen getroffen, und du, Tobias, stehst in ihrem Vordergrund. Du wirst dich nun fragen, warum ausgerechnet du, doch ich werde dich jetzt in das Geheimnis einweihen. Das vielleicht größte und brisanteste Geheimnis überhaupt.

Hat sich je jemand von euch gefragt, wer dieser geheimnisvolle Kanzler ist, der so bewundert und zugleich gefürchtet wird, und doch nie in der Öffentlichkeit auftritt? Nun, dann Tobias, mach dich bereit für eine Überraschung oder mehr für einen Schock, denn
DU BIST DER KANZLER!
Du bist es, seit ich tot bin. Darum sind sie hinter dir her. Darum wollen sie deiner habhaft werden.
Ich war der Kanzler. Ich habe das alles eingeleitet. Glaube mir, wenn ich sage, dass ich es so nicht beabsichtigt hatte, wie es dann gekommen ist.

Als ich dies einst begann, und alles aufbaute, hatte ich eine Vision. Eine Vision von einem besseren, vereinten Europa. Doch es wurde ein Alptraum daraus.

Du wirst dich fragen, warum ich nichts dagegen getan habe, wo ich doch der Kanzler war. Nun, zum Einen erlag ich der Illusion, ich könnte es noch selber ändern, doch dazu war es längst zu spät. Zum Anderen wusste ich nicht mehr, wem in meiner Regierung ich noch trauen konnte. und so ging ich im Geheimen in den Widerstand, und wurde einer seiner führenden Köpfe. Die Regierung hielt die Illusion vom geheimnisvollen Kanzler weiter aufrecht, weil sie ohne ihn ihre Macht nicht aufrecht erhalten hätte können.

In den anderen beiden Umschlägen, die ich dir geben lies, ist alles, was du zur Durchführung der Operation „Morgenröte“ brauchst.
Ist diese Operation erst einmal im Gang, so kann sie nicht mehr gestoppt werden, und wird zum Untergang des jetzigen Regimes führen, und dazu das politische System in seinen Grundfesten erschüttern.

Groß-Europa, so wie es jetzt ist, wird dann unwiderruflich aufhören zu existieren. Man muss, um etwas Neues, Besseres aufzubauen, das alte nieder reißen.

Wenn du dich entschließt Tobias, Morgenröte in Gang zu setzen, wäre es auch deine letzte Amtshandlung als Kanzler, doch du wärst der Wegbereiter einer neuen Gesellschaft. In deinen Händen liegt nun das Schicksal  dieser Gesellschaft. Mir ist bewusst, was ich dir aufbürde, doch bin sicher, du wirst das richtige tun. Ich wünsche dir von Herzen viel Glück, und die Kraft, diese Herausforderung zu bewältigen.“

Das Bild verlosch, und wir starrten uns fassungslos an. Mir war schlecht, um mich drehte sich alles .Das war doch verrückt! Ich der Kanzler? Ich sollte nichts weniger als eine Revolution in gang setzen! Mit zittrigen Händen griff ich nach dem Zeiten Umschlag auf den Tisch, und begann, ihn zu öffnen, da ertönte eine scharfe stimme.
„In Ordnung, dann wissen wir jetzt alles. Im Namen der Regierung Groß-Europas ihr seid verhaftet!“

Masslos entsetzt, sahen wir Celia an, die eine Waffe  auf uns gerichtet hielt, und uns böse anlächelte. In der anderen Hand hielt sie ein Handy, in das sie sprach:
Major, haben sie uns geortet? Gut, ich erwarte sie“…



Sonntag, 20. März 2016

Jan-aus dem Reich der Toten-Teil 8

Heute Abend wird es dann doch nichts mehr mit der Besprechung, wie ich per Anruf von Kommissar Lohmann erfahre. So gehe ich nach Hause, nach dem ich Rosi im Krankenhaus in guten Händen weiß. Am nächsten Morgen, so die Ärzte, kann sie schon wieder nach Haus.

Ich gehe, vom Klinikum Mitte, die St. Jürgen-Straße in Richtung zur Straßenbahn-Haltestelle der 2,10 und 3, mit dem Werder-Imbiss, hoch.

Gut, das ich mit der Polizei zur Deponie gekommen bin. So steht mein Roller zu Hause, und ich komme Morgen zur Arbeit. Ich stelle mir allerdings die Frage: Kann man unter solchen Umständen schon wieder normal arbeiten?

Während ich so Straße hoch gehe, denke ich über alles nach. Laue nächtliche Frühlingsluft weht mir um die Nase, in die sich Gerüche aus Restaurants und Imbiss-Buden mischen. und der Himmel ist sternenklar.

Zum soundsovielten Mal wünsche ich mir, ich hätte die Bücher und die Tagebuchseite nicht gefunden. Was hätte mir und anderen dadurch erspart bleiben können. Fred wäre noch am Leben…
Er hätte aber auch so überfahren werden können. Du konntest das alles nicht vorhersehen, sage ich mir dann. Und doch plagen mich Schuldgefühle. Nun hätte es fast noch Rosi erwischt!  

Eine gute Viertelstunde  muss ich warten. Dann kommt eine 10 nach Sebaldsbrück. Ich steige ein, löse am Automaten  ein Ticket, lasse mich in einen Sitz fallen, um diese Zeit hat man da die freie Auswahl, und versinke wieder in meine Gedanken. Gut Zehn Minuten später bin ich schließlich zu Hause.

Meine Nacht, oder was davon noch übrig ist, ist unruhig. Nur schwer komme ich in den Schlaf, und dann habe ich wieder diesen Traum. Ich sehe Jan vor mir. Er zeigt auf mich, dann verschwimmt er, und ein Rollstuhl fährt auf mich zu , aber bevor er ganz bei mir ankommt, verschwimmt auch er, und wird zu einer hohen ,dunklen Gestalt, die über einer kleinen, verkrümmten steht.

Wieder verschwimmt alles, und ich sehe jenen Ball, der mir bei meinem ersten Besuch im Djsterkamp- Haus, auf der Treppe entgegen fiel, und der in meinem Zimmer auf der Fensterbank liegt. Ich kann die Schrift darauf sehen: WAHRHEIT FINDEN. Auch sie verschwimmt und neu bilden sich die Worte: FALSCHEN SUCHEN! , dann wird es schwarz.

Als ich aufwache, ist es fast Aufstehenszeit. Nach dem Klogang fällt mir der Ball auf der Fensterbank ein. Ich gehe hin, und nehme ihn in die Hand, drehe ihn herum, und erstarre. Was zum…Ich lese die Worte aus dem Traum: FALSCHEN SUCHEN!
Beunruhigt sehe ich mich um. Ist hier jemand eingebrochen, und hat die Bälle vertauscht? Aber das Fenster ist zu. Es könnte ohne hin niemand herein, auch die Tür ist unversehrt. Verstört bereite ich mir einen Kaffee, um danach zur Arbeit zu fahren.
???
Rosi hat sich für Heute krank gemeldet .Nicht überraschend .So darf ich Heut Chef spielen. Betriebstagebuch, nachsehen wegen Samstagsdienst, alles in Ordnung. Glücklicher Weise gibt es keine größeren Probleme, so das die Arbeit leicht fällt.

Zwischendurch meldet sich Hanseaten-Columbo, und hat beunruhigende Neuigkeiten. Die Beiden Entführer haben erwartungsgemäß nicht viel sagen können .Tatsächlich kannten sie ihren Auftraggeber nur als verzerrte Stimme am Telefon, und die Bezahlung lief über einen „toten Briefkasten“.


„Eventuell könnten wir sie als Köder benutzen, aber das müssen wir noch sehen. Aber jetzt kommt´s:Unsere Leute sind im Keller des Djsterkamp-Hauses auf Knochen gestoßen. Es sieht so aus, als hätten wir das vermisste Kindermädchen gefunden“… 

Sonntag, 6. März 2016

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 15

26.5.2025,im Norden, irgendwann

Kurz nach Einsetzen der Dunkelheit, machten wir uns auf den Weg. Es ging durch eine zerklüftete Fels-Landschaft, die immer wieder durch Grün unterbrochen war.Eine herbe, schöne Landschaft, am Südausläufer der Karpaten, die auch Transsylvanien genannt wurde, und vor allem, für den Walachischen Fürsten Vlad Tsepes Draculaer bekannt ist, der Bram Stoker als Vorbild für die Figur des Grafen Dracula diente.

Durch eine enge Schlucht, kamen wir dem Ziel entgegen. Ein hoher ,nackter Felsen, auf dem eine düster wirkende Burg thronte, die als Kulisse für einen Dracula-Film sicher gute dienste geleistet hätte.

Wir fuhren auf einem Seitenweg ein Stück um den Felsen herum, und ließen schließlich das Fahrzeug hinter einem großen Gebüsch stehen, um den Rest zu Fuß zu gehen. Immer Deckung suchend, schlichen wir auf eine Felswand zu, von der in einiger Höhe ein Wasserfall herab fiel. Mir wurde ein wenig unwohl, als ich  ihn betrachtet, bei dem Gedanken, da gleich hoch zu müssen. Immerhin war ich trotz des Intensiv-Trainings alles Andere als ein geübter Bergsteiger.

Steinmann musste meine Bedenken gemerkt haben, denn er legte mir die Hand auf die Schulter und zwinkerte mir zu, während er die Vorbereitungen begann, in dem er vorsichtig Metallhaken in die Felswand schlug. Dann begannen Er, Sergiu und ich mit dem Aufstieg.

Ich weiß nicht wie lange es dauerte, Es musste wohl über eine Stunde gewesen sein, in der ich mehr als ein Mal von der fechten Felswand abrutschte , doch schließlich waren wir oben. Dort, wo das Wasser in die tiefe stürzte, hatte es eine breite Rinne den Fels gegraben.

Wie Franz gesagt hatte, war sie Zwei Meter Breit, und etwa eineinhalb Meter hoch. Wir mussten in der Rinne durch Wasser warten, um Uns durch den Gang zu bewegen. Zu diesem Zweck hatten wir entsprechendes Ölzeug an.
Das Anwaten gegen die Strömung kostete Kraft, und so verging noch einmal einige Zeit, bis wir schließlich an besagter Quelle waren.

Auf der linken Seite befand sich ein Felsvorsprung, in den ein kurzer Gang mündete, an dessen Ende eine Tür war. Wir Entstiegen dem Wasser, und gingen darauf zu. An der Gangmündung hielt Sergiu mich zurück, und wies in Richtung der Tür, und da sah ich es auch: Links Oben, über der Tür, hing eine Kamera. So ganz trauten sie der Uneinnehmbarkeit ihrer Festung doch nicht, oder sahen hier eine Ausbruchsmöglichkeit. Alles Andere wäre aber auch eine große Unvorsichtigkeit gewesen.

Franz zog ein Funkgerät aus der Tasche und gab leise dem Kapitän und seinen Leuten Bescheid, dass wir Oben waren.

Am Boden liegend krochen wir an der linken Wand auf die Tür zu, bemüht, immer im toten Winkel der Kamera zu bleiben. An der Tür angekommen, zog Sergiu, der an vorderster Stelle war, eine Schnur aus der Tasche, machte eine schlinge hinein, und warf sie nach der Türklinke. Beim fünften Versuch gelang es. Er zog vorsichtig zu, und schließlich nach unten. Stück für Stück senkte sich die Klinke, bis es schließlich klickte, und die Tür  sich öffnete.

Wir waren überrascht. Es war nicht abgeschlossen! Vorsichtig krochen wir hinein, um u7ns auf der anderen Seite zu erheben.
Wir spähten um uns herum. Die Luft war rein. Wir folgten dem spärlich beleuchteten Gang, der der einzige war, bis wieder eine Tür kam. auch sie war nicht verschlossen, und auch nicht Kamera- überwacht. Wir gingen hindurch, und kamen nun in einen hellen Gang. Nach ein Paar Metern hörten wir Schritte. Wir nahmen hinter einem Vorsprung Deckung. Eine Wache kam vorbei.

Als der Wachmann vorüber war, liefen wir weiter. Franz, der die Festung kannte, führte uns jetzt in den Inhaftierungstrakt. Nach kurzer Suche fanden wir die Zelle, in der Celia gefangen gehalten wurde. Für eine große Begrüßung war keine Zeit, da wir weg mussten.

Wir kehrten durch den gang zurück, doch dann hinderten uns Wachen, den Weg fort zu setzen, den wir gekommen waren. Wir wichen also aus, und versteckten uns erst einmal in einer Vorratskammer.

„Und nun?“, Stieß ich hervor
„Kein Problem“, entgegnete Franz „Es gibt hier noch einen alten Lastenaufzug, den sie noch benutzen. Damit können wir runter kommen. Müssen dann ein stück um den Felsen zum Käpt´n laufen, aber das dürfte das kleinste Problem sein.“

Wir beschlossen, das zu tun. Mit viel Glück schafften wir es, dort hin zu kommen. Zwischendurch mussten wir uns immer wieder vor herannahenden Wachen verstecken.
Der Aufzug ließ nur eine Person zurzeit zu. So wurde erst Celia abgeseilt, dann Franz, schließlich ich und Sergiu, die wir vorher den Rückzug deckten.

Zu unseren Freunden zu kommen, war das Einfachste, und so waren wir bald unterwegs zurück.
„Morgen nach dem Frühstück müsst ihr euch nach Norden aufmachen. Sie werden euch suchen. Sergiu und ich werden untertauchen. So fuhren wir, das heißt Celia, der Kapitän, seine Leute und ich am nächsten morgen los.
*
Die Reise in den Norden verlief weitgehend ereignislos. Wir hatten von Franz gefälschte Papiere bekommen. Celia hatte sich durch Sonnenbrille, und tief ins Gesicht gezogene Schirmmütze getarnt. Wir fuhren über Russland und Finnland schließlich in die Nähe des Polarkreises, wo in einem kleinen Dorf, laut Franz´ Beschreibung Finn Hjärtisson wohnte, der Vertraute meines Vaters, wo ich das Geheimnis der Drei Umschläge lösen sollte, die ich nun in Händen hielt. Was würden sie enthalten, und wohin würden sie uns führen?...


Samstag, 27. Februar 2016

Jan-aus dem Rech der Toten-Teil 7

???
Mir wird schlecht .Langsam verwandelt sich diese ganze Sache in einen verdammten Alptraum. Ich berichte von dem Gespräch. Die anderen starren mich ernsten, schreckverzerrten Gesichtern an.
Hanseaten-Columbo schaut auf seine Uhr:
 „Dreiundzwanzig Uhr“, wiederholt er nachdenklich. „Da haben wir grade noch Drei Stunden Zeit. Könnte reichen. Schnell, wir müssen ins Präsidium!“

Fünf Minuten später sind wir dort. Wir gehen in die Kriminaltechnik. Kommissar Lohmann geht hinein, und kommt nach etwa Zehn Minuten wieder heraus. Er hält einen USB- Stick in der Hand.
„Mit besten Grüßen von der Fahndung“, meint er vergnügt. „Die wissen nicht, wie der besagte Stick aussieht .So können wir sie täuschen.“
„Aber wenn sie ihn prüfen. Es gibt schließlich so was wie Tablets und wireles LAN“, gebe ich zu bedenken.

„Guter Einwand, und darum werden wir jetzt kurz ein paar Daten darauf speichern, und mit Kerns Namen versehen. Sie werden schließlich keine Zeit haben, ihn genau zu prüfen, und während sie sich ihn ansehen, hat das SEK die Möglichkeit sich anzuschleichen“
„SEK?“
„Natürlich. Soweit ich gesehen habe, könnten sie von der Kompostierung aus kommen Sie könnten sich auch schon in den Containern verstecken. Die werden sicher auch erst kurz vorher kommen, obwohl sich euer Laden auch hervorragend als Versteck eignet. Am Besten beeilen wir uns mit den Vorbereitungen.“

Fünf Minuten vor Elf. Ich stehe auf der RSB, zwischen Elektro-Geräten und Wertstoff-Behältern. Laternen beleuchten den Platz, unterstützt vom Mond am sternenklaren Himmel. Ein lauer Wind weht einige Papierfetzen hin und her. Die Leute vom SEK  sind hinter Papier und DSD-Behältern, sowie im hinter den Grünabfall-Behältern versteckt, so auch der Kommissar. Die Groß-Geräte-Behälter hinter mir sollen meine Rückzugsmöglichkeit sein, wenn es hart wird.
„Ganz ruhig, wir kriegen das hin“, hat „Hanseaten-Columbo“ noch gesagt, bevor sich zu seinen Leuten gesellt hat.
Adele und Martin sind sicherheitshalber zu Hause geblieben.

In meiner rechten Hand halte ich den USB-Stick, auf dem einige echt wirkende Dateien gespeichert wurden, benannt mit dem Namen des unglücklichen Fred Kern.
Meine Hände schwitzen. Ich muss den Stick fester packen, damit er mir nicht aus der Hand rutscht. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals.

Da, am Tor :Scheinwerfer. Ein Auto hält. Jemand steigt aus, um das Tor zu öffnen. Es ist Rosi. Hinter ihr erscheint die Gestalt eines Mannes.
Sie öffnet das Tor, der Wagen fährt herein, danach schließt sie es, und steigt wieder ein.Das Fahrzeug fährt auf den Platz.

Ein grobschlächtiger Mann steigt aus, und zerrt Rosi Hinaus, die er fest hält. In der Rechten hält er etwas, das unzweifelhaft eine Waffe ist. Er trägt einen schwarzen Trenchcoat und einen Popeye Doyle-Hut, und hat ein pockennarbiges Troll-Gesicht. Eine so miese Kopie hat der gute alte Gene Hackmann nun wirklich nicht verdient, denke ich mir. Nun gut.

„Haben sie es dabei?“
„Sicher“, antworte ich „Und wie soll´s jetzt weiter gehen?“
„Rudi !“
Wie auf Kommando steigt der Zweite aus, und kommt hervor. Sein Gesicht ist kaum ansehnlicher, Er ebenfalls in einen dunklen Mantel gekleidet. hat eine spiegelglatte Glatze  und einen Lolli im Mund. Ach nö, nicht auch noch Kojak für ganz Arme.

„Also, du gibst es ihm jetzt, dann prüfen wir es, und wenn es in Ordnung ist, lassen wir sie frei.“
Eine große Auswahl habe ich nicht. Langsam gehe ich auf Kojak zu, bis ich seinen ausgestreckten Arm erreiche. Ich lege den Stick auf die ausgestreckte Handfläche.
„Ist das Alles?“
„Hätte ich einen Grund euch was vor zu enthalten? Ihr habt schließlich eine Geisel“
Dabei sehe ich zu Rosi herüber, die nun in erreichbarer Nähe von mir steht.
„Sehr richtig“, grinst der andere.
Kojak holt ein Tablet hervor, schaltet es ein, und steckt den Stick hinein.

Ich sehe verstohlen herüber zu den Pressen, wo sich langsam etwas bewegt, und bin nervös, Gleich knallt es. Ich muss Rosi aus der Schusslinie kriegen.
„Nun?“, fragt Popeye Doyle“
„Sieht gut aus“, sagt sein Partner
„Schön, dann bringen wir es jetzt zu Ende. Leider sagt unser Auftraggeber: keine Zeugen.“ Damit richtet er die Waffe auf mich .Kojak zückt seine ebenfalls.

Plötzlich flammt zwischen DSD und Grünabfall ein Scheinwerfer auf, gleich darauf ein Scheinbar entsorgter, der neben den MGB´s für Kleingeräte steht. SEK-Leute kommen, Kommandos bellend hervor.
Verdutzt schauen die Geiselnehmer auf. Ein Moment der Verwirrung, den ich nützen muss.

Nun läuft alles wie im Film ab. Ich gehe zu Popeye Doyle, der noch überrascht auf die Szene schaut, und ramme ihm mit aller Kraft meinen Ellbogen in den Magen. Gurgelnd sackt er zusammen. Im selben Moment greife ich mir die ebenfalls konsternierte Rosi, und zerre sie mit mir zum Groß-Geräte Behälter, zerre noch eine Waschmaschine nach Vorn, und gehe dahinter mit ihr in Deckung.

Das Ganze hat kaum zwei Minuten gedauert, und auch die Knallerei dauert nicht lange. Als es ruhig ist, kommen wir hervor. Die Beiden Geiselnehmer liegen blutend am Boden, und tragen Handschellen. Es ist ein ziemlich reges Treiben, das jetzt hier statt findet.

Ich muss Rosi ein wenig mit zerren, weil sie verstört ist. Ich bringe sie zum Büro-Container, schließe ihn auf, und bringe sie in ihr Büro, wo ich sie unter Zuhilfenahme eines Stuhls in die Schocklage bringe.

„Hanseaten-Columbo“ ist uns gefolgt.“Braucht sie Hilfe?“, fragt er überflüssiger Weise.
„Ja, holen sie einen Krankenwagen. Sie steht unter Schock“, entgegne ich. Lohmann nickt, und zückt sein Handy. Ich decke Rosi mit den Notdecken aus dem Verbandskasten zu.

Wenig später ist der Notarzt da. Auch Zwei weitere und die Spurensicherung, die das Auto der Entführer untersucht.

Rosi hat sich schon einigermaßen erholt, doch die Ärzte nehmen sie vorsichtshalber mit ins Krankenhaus. Ich fahre mit.
„Ich werde erst mal ihren Freunden Bescheid sagen, die warten sicher schon gespannt auf den Ausgang unseres kleinen Abenteuers hier, und dann werde ich mich mal mit diesen Beiden Vögeln beschäftigen“, meint der Kommissar,


„Obwohl ich nicht glaube, das aus denen viel raus zu holen ist. Werden eh ihren Auftraggeber nicht persönlich kennen, und noch viel weniger wissen, worum es geht, aber dennoch, einen Versuch ist es Wert. Rufen sie uns an, wenn sie fertig sind, und sagen sie uns, in welchem Krankenhaus sie sind, und dann werden wir uns mal den Stick ansehen, für den ein Mann sterben musste, und eine Frau entführt wurde.“