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Sonntag, 30. September 2018

Storyboard Classics:Rätselhafter Mord im Harz

Komissar Finn Hansens ersten Fall im Harz,der zugleich mein erster Krimi war,habe ich hier schon gebracht.Hier nun sein sein zweiter Fall,von 2014:


http://schumt5.blogspot.com/2014/11/das-verschlossene-zimmer.html

Sonntag, 6. November 2016

Tod im Waldhaus-Teil 3

Achtung Auflösung! Wer jetzt einsteigt , sollte vorher die anderen beiden Teile lesen:



Ich drehte mich um, und rief dem Hausmeister zu: “Rufen sie die Polizei!“ , und zu den anderen :“am Besten gehen wir erstmal alle hier raus ,und in den Speisesaal.“
In diesem Moment tauchte Lydia Graeff an der Tür auf. Sie gähnte herzhaft. Ihr Haar war zerzaust. Es war unverkennbar, das sie grade aus dem Bett kam.

„Was ist denn hier los.“, fragte sie. Dann fiel ihr Blick auf die, zusammen gekrümmt am Boden liegende, Tote.
„Mein Gott, was ist passiert?“
„Ich fürchte, sie ist vergiftet worden“, antwortete ich. „aber die Polizei wird es genau heraus finden, aber ,wenn sie erstmal mitkommen? Wir gehen hinunter in den Speisesaal.“

Sie nickte, und lies sich von mir heraus führen. Die Tür wurde abgeschlossen, und wir gingen hinunter. Im Speisesaal wurden Tee, Kaffee, und ein kleiner Imbiss gereicht. Ein paar Minuten später kam auch schon die Polizei.

Während Spurensicherung, Gerichtsmediziner und Kripo Oben ihre Arbeit taten, warteten wir im Speisesaal. Schließlich kam Daniel mit einem Kollegen herunter.
„Hauptkommissar Voss, Kommissar Joorn“, stellte er sich und den jungen Mann an seiner Seite, vor.
„Ich denke, sie wissen warum wir hier sind, und ich muss ihnen leider sagen, das sich der schrecklichste Verdacht bestätigt hat. Unser Gerichtsmediziner kommt zu dem Ergebnis, das Gillian Gritz mit einer hohen Dosis Cyanid vergiftet wurde. Das Gift befand sich in ihrer Wasserflasche, die auf dem Tisch gestanden hatte. Es muss hinein getan worden sein, während die Kinder auf dem Ausflug waren, also etwa zwischen 9:00-und 17:00 Uhr.“

Er machte eine Pause, und fragte dann: “Wer hatte Zugang zum Mädchen-Schlafsaal?“
„Im Prinzip jeder“, antworte Lydia. Die Säle sind ja nicht abgeschlossen. Allerdings würde eine fremde Person auf den Gängen schon auffallen. Gerade im Mädchen-Trakt.“

„Hmm gut“, meinte Daniel. Ich werde sie am Besten einzeln vernehmen. Können sie mir einen Raum zur Verfügung stellen?“
„Sie können die Bibliothek nehmen. Ich zeige sie ihnen Ich bin sehr daran interessiert, das die Sache möglichst schnell aufgeklärt wird. Ein Mord an meiner Schule, entsetzlich!“, sagte die Leiterin, und ging Daniel voran.

Ich war, aus gutem Grund als letzter mit dem Verhör dran. Als ich im Sessel in der Bibliothek nieder gelassen hatte, begann Daniel:
„Ist ja ein schöner Schlamassel. Da wird unsere Zeugin ermordet , bevor sie uns was sagen konnte. Nun, die Verhöre haben  nicht viel eingebracht, Eine interessante Sache ist aber doch dabei. Also, Lydia Graeff hat tatsächlich fast den ganzen Tag verschlafen. Hildegard Zahn, ihre persönliche Bedienstete, bestätigt das. Sie hat ihr ein Glas Wasser gebracht ,und war dabei, wie sie eine Schlaftablette genommen hat. Später, gegen Fünfzehn Uhr ,habe sie nach ihr gesehen, und da habe sie fest geschlafen.“

„Womit sie ausscheidet.“
„Ja, dann haben wir diesen Krauss, den Hausmeister. Er sagt, das er den überwiegenden Teil des Tages in der Werkstatt verbracht hatte, wo er die Tür des Gewächshauses ausbesserte. Zeugen gibt´s natürlich nicht. Aber jetzt kommt das Interessante: Bei einer kleinen Rauchpause vor der Werkstatt, sah er  Helmut Graeff ankommen, das war so gegen Zwölf .Nach einer guten Stunde fuhr er wieder.“

Ich pfiff durch die Zähne.
„Na so was , da ist er jetzt zum zweiten Mal anwesend, wenn hier ein Mord passiert.“
„Und er hätte durchaus Gelegenheit gehabt, in den Mädchen-Schlafsaal zugehen, und das Wasser zu vergiften“, meinte Daniel. „Auch  wenn er im Mädchentrakt aufgefallen wäre“

„Hätte sagen können, er wollte zum Zimmer seiner Frau. Und ob er in den Geheimnisverrat verwickelt ist, ist noch nicht geklärt. Bleibt auf der Liste der Verdächtigen. Lass ihn mal observieren.“

„In Ordnung. Dann sind da noch die Aussagen, der Lehrer, die nicht mit auf dem Ausflug waren. Zunächst Sylvia Kuhn und Emma Bolt. Sie nutzten den freien Tag für einen Ausflug in den Nachbar-Ort genutzt. Etwa um Zehn verließen ihre Zimmer. Dabei begegneten sie  auf dem Gang einer Reinigungskraft. Gegen 16:00 Uhr kamen sie zurück. Dann Herbert Weirer, Lehrer für Physik und Mathematik. Sagte, er habe von etwa Halb Zehn, bis zirka 14:00 Uhr Arbeiten korrigiert. Danach sei er noch im Wald spazieren gewesen. Zeugen gibt es nicht, denn er war allein. Er hat nichts auffälliges beobachtet.

„Schließlich wäre da noch Felix Kluge, Sportlehrer. Fuhr ebenfalls in den Nachbarort. Verließ um elf das Haus, und kehrte gen fünfzehn Uhr zurück. Blieb dann noch auf seinem Zimmer.“
„Und auch er hatte keine Zeugen, da er auch allein war.“
„So ist es. Gab allerdings an, das er seine Mutter besuchte. Das lässt sich natürlich feststellen.“

„Ja, zum Schluss die Mädchen. Konnten erwartungsgemäß natürlich keine genauen Angaben machen. Die Wasserflaschen standen alle auf dem Tisch, aber jede wusste , welche Flasche wem gehörte. Diese Lea wirkt ein wenig verschüchtert, aber für ein fünfzehnjähriges Mädchen, ist das in so einem Fall wohl normal. “

„Sicher .Gibt es einen Hinweis, das eines der Mädchen für den Mord an Gillian verantwortlich sein könnte ?“
„Nicht den geringsten.“

Plötzlich wurde die Tür aufgestoßen, und Lydia Graeff kam herein.
„Herr Kommissar“, rief sie „Da ist noch was wichtiges, das ich vergessen habe. Gillian hatte mir gegenüber etwas erwähnt, das sie im Wald gesehen haben will. Ich glaube ,im Zusammenhang mit dem Mord. Ich dachte, das wäre nur Prahlerei. sie hatte sowieso eine rege Fantasie, und machte sich gern wichtig. Ach wenn ich ihr nur geglaubt hätte.“
„Wann hat sie ihnen das gesagt?“, fragte Daniel
„Gestern morgen, denke ich, Ja Gestern Morgen.“
„Vielen Dank, ja, auch ihnen vielen Dank, Herr Hansen“

Daniel verließ das Haus, und ich grübelte. Ein bisschen frische Luft tat mir jetzt gut, so ging ich in den Garten. Ein lauer Wind ging durch die Büsche, und der Himmel hatte sich etwas zu gezogen.

Ich nahm auf einer Bank Platz. Während ich, in Gedanken versunken da saß, erschien plötzlich Lea , und setzte sich zu mir.
„Wissen sie, ob der Kommissar noch da ist?“, fragte sie
„Ich fürchte, der ist schon weg.“, sagte ich „Aber ihr hattet doch mit ihm gesprochen.“
„Ja , aber ich muss mit ihm allein reden. Es ist sehr wichtig, denn…“
In diesem Moment kam Lydia Graeff vorbei. Wie von der Tarantel gestochen, sprang Lea auf, und ging zum Haus zurück. Die Leiterin nickte mir zu, und ging vorbei. Ich zog mich ebenfalls zurück. Das Abendessen war ereignislos, doch später bekam ich noch einmal Besuch.

Am Morgen wollte ich noch einmal mit Daniel treffen. Zunächst aber, ging es zum Frühstück. Im Speisesaal herrschte schon reger Betrieb. Laut schwatzend, standen die Kinder am Buffet Schlange. Eine Reinigungskraft putzte die Theke, dort, wo die Kinder gekleckert hatten. Ein Küchenhelfer füllte das Buffet nach. Nicht weit davon stand Lea in der Menge.

Ich lud meinen Teller voll, und ging an den Lehrertisch, als plötzlich ein lauter Schrei ertönte. Wir wandten uns um, und sahen andere Schülerinnen über Lea gebeugt , die am Boden lag. Wir liefen hin. Ich ging als erster neben ihr in die Knie. Sie röchelte. Ihre gebrochenen Augen sahen mich an,und ich fühlte , wie ihre Hand meine ergriff, und dann fühlte ich etwas hartes, das sie mir in die Hand legte. dann zuckte sie noch einmal, und war tot.

Inzwischen war auch die Leiterin hinter uns erschienen. Ich stand auf. Alles schien sich um mich zu drehen. Fast teilnahmslos sah ich auf meine Handfläche. Da lag ein USB-Stick. War sie dafür gestorben? Ich beschloss hinaus zu gehen.

Die frische Luft im Garten tat gut. Ich schritt den Kiesweg entlang, und spürte plötzlich die Anwesenheit eines Menschen, die im nächsten Moment durch etwas hartes in meinem Rücken betätigt wurde. Der Lauf einer Pistole, unverkennbar.

Eine leise Stimme sagte .“Keine hastigen Bewegungen. gehen sie in Richtung Wald.“
„Wohin wollen sie mich bringen, Lydia, dahin , wo sie Daniel Bieber erschossen haben?“
„Oh, sie wissen es also?“
„Ja, aber noch nicht lange. Genau genommen erst seit Gestern Abend. Ihr Mann,Er kam Gestern hierher, weil er sie bereits  wegen des Geheimnisverrats  im Verdacht hatte. Muss n´ gutes Zubrot gewesen sein, oder reizte sie das Abenteuer?“
„Im Grunde ein bisschen von Beidem. Aber Bieber hatte mich entlarvt. Er hatte schon länger hier ermittelt .Leider lies er sich nicht bestechen, da hatte ich keine andere Wahl.“

„Sie haben ihn auf der Lichtung erschossen, nicht ahnend, das man sie dabei beobachtet hatte.“
„Ja, wir sind gleich dort.Ich wusste , das er einen Stick hatte , auf dem Namen und Fakten gespeichert waren. Ich konnte ihn nicht gleich durchsuchen. Ich hörte etwas im Gebüsch rascheln. So ging ich zunächst hoch zum Haus, und kam nach etwa einer halben Stunde zurück.“

„Ja, aber inzwischen hatte Bieber, der noch nicht ganz tot war, Lea den Stick gegeben. Es war doch Lea. Das erklärt auch, warum sie ihnen ausgewichen ist.“
„Ja, es war Lea, da sind wir.“
„Sie wollten  auch sie ausschalten, aber sie erwischten die falsche. Angeblich haben sie geschlafen , doch das wissen wir nur von ihnen und von Hildegard, in deren Anwesenheit sie die Schlaftablette einnahmen.

Aber sie nahmen sie nicht wirklich. Sie klemmten sie unter die Zunge, und als Hildegard ihr Zimmer verlassen hatten, nahmen sie sie heraus. Dann zogen sie sich den Kittel einer Reinigungskraft an,den sie sich problemlos besorgen konnten,setzten die zugehörige Mütze auf, und zogen sie tief ins Gesicht.

Sie gehen zum Mädchenschlafsaal, und füllen das Gift in die Flasche , die sie für die von Lea halten, und verlassen den Schlafsaal wieder. Es war klar, das eine Frau am wenigsten im Mädchentrakt aufgefallen wäre, und eine Reinigungskraft, um diese Zeit , noch viel weniger.

Beim Verlassen begegnen sie den beiden Lehrerinnen, die sich natürlich nichts dabei denken. Sie wissen ja nicht , wer wirklich in dem Kittel steckt. Dann gehen sie Zurück in ihr Zimmer .Ziehen Kittel und Mütze aus, und nehmen jetzt die Schaftablette wirklich. So kommt es, das man sie um 15:00 Uhr schlafend findet, und das sie, als ihre Leiche gefunden wird ,tatsächlich gerade aus dem Bett kommen.“

„Für einen Aushilfsbetreuer sind sie erstaunlich scharfsinnig, aber da sie ohnehin bald sterben, kann ich es auch zugeben. Sie haben vollkommen recht. Letzten Endes habe ich sie ja doch erwischt.“

„Ja, dabei haben sie bewusst versucht, die Aufmerksamkeit der Polizei von Lea abzulenken, indem sie Voss das Märchen auftischten, das Gillian ihnen gegenüber angedeutet hat, die hätte den Mörder gesehen.
Und vorhin im Speisesaal haben sie die Nummer mit der Reinigungskraft wiederholt. In der Hektik am Buffet fiel es ja gar nicht auf , das sie neben dem Wischen Gift in ihr Glas taten.“

Lydia lächelte
„Das war doch raffiniert oder? Aber jetzt. Her mit dem Stick, den sie ihnen gegeben hat.“
Ich holte den  Stick hervor “Hier ist er“
Ich gab ihn ihr. Dann hob sie die Pistole. Ist eigentlich Schade um sie, aber es geht leider nicht anders.“
„Waffe weg Polizei!“

Sie fuhr herum. Plötzlich wimmelte es um die Lichtung herum von Polizei. Der gerufen hatte, war Daniel.
„Wie …“, fragte sie verwirrt, doch ich griff in meine Jackentasche, und holte etwas hervor.
„Handy-Ortung“, sagte ich ruhig, und hielt das Gerät hoch. „Und wo wir gerade dabei sind, Sie haben gerade vor der Polizei ein Geständnis abgelegt. Kriminalhauptkommissar Finn Hansen. Den Stick können sie behalten ,er ist wertlos. Den echten hat schon das LKA. Gestern Abend kam Lea zu mir, und erzählte mir alles. Bei der Gelegenheit gab sie mir dann auch den echten Stick, den ich Heute Morgen dem Mann vom LKA übergeben hatte.Allerdings, um ihnen die Morde nachzuweisen ,reichte es nicht.“

„Sie haben also Lea bewusst geopfert ,um mir eine Falle zu stellen?“
„Wie kommen sie denn darauf? Lea!“
Die Reihe der Beamten teilte sich, und Lea kam hervor. Sie lächelte.
„Was sie können , können wir auch. Nach dem Lea mir alles gesagt hatte, rief ich sofort bei Kommissar Voss an, und wir bereiteten etwas vor. Der Küchenhelfer, der das Buffet nachfüllte ,war ein Beamter von uns. und so unauffällig, wie sie das Glas vergifteten, tauschte er es gegen ein anderes aus. Dann spielte Lea die sterbende, und sie müssen doch zu geben, das sie eine sehr begabte Schauspielerin ist.“

Lea grinste
„Und somit haben wir jetzt einen kompletten, wasserdichten Fall. Abführen!“

Viel gibt es nicht mehr zu berichten. Physik-Lehrer  Weirer übernahm kommissarisch die Leitung des Internats. Von Staatsrat Graeff erfuhren wir zwei Tage später, das er zurück trat.
Ich schließlich, war froh, wieder im eigenen Bett schlafen zu können, und Hauptkommissar Hansen zu sein.


ENDE

Sonntag, 16. Oktober 2016

Tod im Waldhaus-Teil 2

*
So kam es also, dass ich mich noch am selben Tag bewarb. Natürlich brauche man eine Hilfskraft, teilte mir die Leiterin Lydia Graeff am Telefon mit. Allerdings nur saisonal für Drei Monate. Ich stellte klar, das dies kein Problem sei, da ich danach eine andere Stellung hätte, und so kamen wir zusammen.

Das Waldhaus stellte sich als großer, weiß getünchter, rechteckiger Bau mit abgerundeten Ecken heraus, welcher aus dem Achtzehnten Jahrhundert stammte, wie ich bei Recherchen heraus gefunden hatte.

Es lag mitten im Wald, am Ende eines befahrbaren Weges, der von der entgegen gesetzter Seite den Hang herauf führte, auf dem die Leiche gefunden worden war. Der Weg von der Mordstelle führte also zur Rückseite des Gebäudes, das von einem gepflegten Park umgeben war.

Ich klopfte an die Tür, und eine Bedienstete öffnete. Eine Frau Anfang fünfzig, mit stark knochigem Gesicht, und ausdruckslosen, grauen Augen. Das angegraute Haar sie zu einem strengen Knoten hoch gebunden. 

„Sie wünschen?“, fragte sie mit einer ebenso ausdruckslosen, hohlen Stimme.
„Hansen“, antwortete ich, Ich bin die neue Aushilfskraft“
„Ah ja“ sie musterte mich mit einer Mischung aus Misstrauen und Interesse. „Kommen sie herein. Ich bringe sie zur Schulleiterin.“

Sie machte die Tür frei, und lies mich ein. Krachen fiel die schwere Tür hinter uns zu. Sie führte mich in die große Eingangshalle, mit marmornem Boden, der mit roten Läufern belegt war, und Holz vertäfelten Wänden. Eine Marmortreppe führte in der Mitte nach Oben. Links und Rechts, sowie neben der Treppe, gingen Gänge ab.

Die Bedienstete führte mich den Gang zur Linken herab, an mehren Türen vorbei, zwischen denen Landschaftsgemälde hingen, bis zur Stirnseite des Ganges, an der sich eine Schwere Eichenholztür befand, auf der „L. Graeff, Leitung“, stand. Sie klopfte an die Tür, und eine weibliche Stimme rief: “Herein!“

Während sich die Bedienstete entfernte, öffnete ich die Tür, und trat ein.Das Büro war geräumig, und durch ein großes Fenster  mit Sonnenlicht geflutet war. Ein wuchtiger Schreibtisch stand hinten vor einem großen Aktenregal.

Von dort kam mir lächelnd eine Frau Ende Vierzig entgegen, ihre  Rechte ausgestreckt. Sie war etwa eins-siebzig groß, hatte kastanienbraunes Haar, das sie zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte, und eine schlanke Figur. Ihr Gesicht war immer noch hübsch, wirkte jetzt aber müde und erschöpft.

„Lydia Graeff, Internatsleiterin. Wir haben miteinander telefoniert. Schön, dass sie´s so schnell möglich machen konnten. Am besten weise ich ihnen erst einmal ihr Zimmer zu, damit sie auspacken, und sich frisch machen können.“
„Vielen Dank“

Das Gebäude war dreigeschossig .Im Erdgeschoss, befanden sich Büro- Lehr- und Diensträume. Im ersten Stock waren die Jungenschlafsäle, sowie Zimmer der männlichen Mitarbeiter-, im zweiten Stock Mädchen und Frauen untergebracht. So bekam ich mein Zimmer im ersten Stock.

Nachdem ich mich eingerichtet hatte, wurde ich von der Leiterin herum geführt, und dem Kollegium vorstellt. Es waren Drei männliche und drei weibliche Lehrkräfte .Hinzu kamen Küchen- und dienstpersonal, sowie der Hausmeister, Hubert Krauss, ein vierschrötiger, grob wirkender Kerl mit einem Bulldoggengesicht, der ein wenig Eigenbrötlerisch, aber ein guter und fleißiger Mensch sein sollte.

Gegen Mittag wurde es dann ein wenig lebhaft im Speisesaal, der sich in einem Anbau an der Rückseite des Gebäudes befand. Man kann sich wohl vorstellen, wie es ist, wenn mehr als Drei dutzend Lärmende in einen Speisesaal einfielen. Ich erfuhr, dass es sich um zwei Schulklassen aus Orten in der Umgebung handelte, die hier zu einer Art außerschulischem Lehrgang beherbergt wurde.

Der Mord im Wald schien an vielen tischen das bestimmende Thema zu sein, aber auch unter den Bediensteten. Ein dunkelhaariges Mädchen an einem nahen Tisch sah in unsere Richtung, wendete jedoch gleich ihren Blick ab, als sich Lydia Graeff zu uns setzte. Kurze Zeit später verließ sie den Saal.

„Lea Baskin“, erklärte die Leiterin „Fünfzehn Jahre alt. sie ist nicht ganz einfach, ist meistens bei Mädchen in diesem Alter so .Nun ja, vielleicht bringt ja der Ausflug morgen etwas. Da können sie als Betreuer mitfahren. Keine Sorge, ist halb so schlimm. Es werden auch zwei Lehrer mitfahren. So, und jetzt entschuldigen sie mich bitte, ich muss für morgen noch etwas vorbereiten. Es gibt ja so viele Dinge, die man bei so einem Ausflug beachten muss.“

Ein lebhaftes blondes Mädchen kam an unserem Tisch vorbei, und rief: “Herr Brinker, kommt die Polizei noch wegen dem Mord? Das wäre doch aufregend .Vielleicht hat ja jemand von uns was gesehen. Manchmal büxt ja jemand nachts aus.“
Sie lächelte wissend
„Die kommen sicher noch, Gillian.““, antwortet Dennis Brinker, 36 Jahre alt ,und Lehrer
„Hast denn irgendwas mitbekommen?“
Nöö, aber kann doch sein“, sagte sie Geheimnis voll, wandte sich ab, und ging mit einer Gruppe Mädchen davon.
„Gillian Gritz, ein Wildfang.“, meinte Brinker zu mir  „Sie ist sechzehn .Redet oft viel Stuss, hat eine sehr rege Phantasie.“
„ach Herr Brinker, ich habe noch etwas für sie .Diese Dokumente brauchten sie doch noch.“
Lydia Graeff war noch einmal zurück gekommen, und hatte einen dicken Umschlag vor ihn gelegt.
„Oh danke“, meinte der angesprochene, und sie entfernte sich wieder.

Nach dem Essen  gingen wir den Gang zum Hauptgebäude entlang. Durch die Plexiglasscheibe sahen wir Lea auf einer Bank sitzen, mit ihrem Smartphone beschäftigt. sie sah kurz auf, und unsere Blicke trafen sich.

Gegen Abend verlies ich das Haus, und ging den Pfad auf der Rückseite zu der Lichtung hin, wo der Tote gelegen hatte .Jetzt, im .Abenddunkel, und ohne Polizeikräfte wirkte sie friedlich und idyllisch. Jemand kam auf mich zu.Es war Daniel Voss, der hier auf mich gewartet hatte.

„ah, da bist du ja“, meinte er zufrieden. Nun, viel war es ja nicht, was ich zu berichten hatte, dazu war ich auch zu kurz da .Immerhin, der Verdacht einer Zeugin schien sich zu bewahrheiten. Gillian war es entweder  selbst, oder sie wusste, wer es war.

Daniel hatte jedoch interessante Neuigkeiten
 „Es geht um die Leiterin des Hauses, diese Lydia Graeff.Sie ist tatsächlich die Frau von Helmut Graeff, dem Innen -Staatssekretär. Bieber hatte ja wegen Geheimnisverrats ermittelt. Graeff soll am Mordtag in der Nähe gewesen sein, und seine Frau im Waldhaus besucht haben.“
„Sehr interessant. Dann könnte er durchaus unser Mann sein. Mach da weiter, und hier-„ ich zog einen Zettel aus meiner  Jackentasche „Eine Liste der Bediensteten und Lehrkräfte, die sollten wir auch überprüfen. Und jetzt muss ich zurück.“

Am  nächsten Morgen stand alles im Zeichen der Vorbereitung. Lydia Graeff wirkte noch müder .als Gestern.
„Wenn sie los sind, werde ich mich auf mein Zimmer begeben, und mich ins Bett legen“, sagte sie zu mir.“
So ging es auf den Ausflug, und ich muss sagen, mein Respekt vor Lehrern, und Betreuungskräften für solche Wildfänge wuchs. Den berühmten Sack Flöhe zu retten war nichts dagegen.

Recht erschöpft kamen wir am nächsten Nachmittag wieder an. die Kinder gingen auf ihre Zimmer, und wir taten dasselbe, um uns bis zum Abendessen auszuruhen.
Ich hatte es mir grad etwas bequem gemacht, als oben ein Aufruhr los brach.
Ich sprang auf, und ging zur Tür.Als sie öffnete, stand bereits Dennis Brinker davor.
„Kommen sie schnell, etwas ist mit Gillian.Ich habe schon den Notarzt verständigt.“

Wir liefen die ‚Treppe hoch, und zum Mädchen-Schlafsaal, wo mir mehrere bleiche Gesichter entgegen blickten. Ich erkannte Lea, die zusammen gekauert auf ihrem Bett saß.

Die drei Lehrerinnen standen, um ein Bündel herum, das vor dem Tisch lag.
„Sie hat aus der Wasserflasche getrunken, und ist einfach umgekippt!“, rief mir ein zierliches, brünettes Mädchen zu.


Die Lehrerinnen machten Platz, und ich beugte mich über sie, um gleich zu erkennen, das nichts mehr zu machen war. die hellrote Gesichtsfärbung, und der auffällige Bittermandelgeruch aus ihrem Mund, waren eindeutige Zeichen einer Cyanid - Vergiftung. Nun war wohl klar, wer unsere Zeugin war, aber der Mörder hatte sie vor uns erwischt….

                                                     Fortsetzung und Auflösung folgt

Samstag, 24. September 2016

Tod im Waldhaus-Teil 1

Auftakt eines Krimi-Dreiteilers .Viel Spaß!

Moment, wie komm´ ich jetzt hierher, als Aushilfsbetreuer für Teenager? Ah ja, angefangen hatte das alles mit dem Toten im Wald ein Paar Kilometer zwischen Helmburg Ort, und der Hauptstrasse nach Wernigerode.

Zwischen dichtem Tannen- und Laubwald, auf einer Lichtung, abseits des Waldweges, auf dem wir unser Auto stehen ließen lag er. Etwa 35 Jahre alt, schlank, kräftig, mit dunklem Blouson und dunkler Hose bekleidet, blond, und eben tot. Das kleine, dunkelrote Loch in seiner Brust, zeigte uns die Todesart: Man hatte ihn erschossen.

Der Förster hatte ihn gefunden, und gab gerade einem Polizei- Beamten seine Personalien. Neben Streifenwagen, standen auch schon Fahrzeuge von Gerichtsmedizin und Spurensicherung dort. Der Gerichtsmediziner kam grad auf uns zu.

„Tja, Tod so etwa zwischen 22-und 1:00Uhr nachts. Ein Schuss ins Herz aus nächster Nähe. Der Tod trat sofort ein. Genaueres nach der Autopsie“
„Danke“
Ich sah mir die Leiche genau an, bemerkte die ausgeräumten Taschen, und deren Inhalt neben dem Körper. Durchsucht, aber nicht bestohlen. Ich begann mich in der Umgebung der Leiche, und auf der Lichtung umzusehen.

„Es gibt keine Schleifspuren, auch kein nieder gedrücktes Gras, noch abgeknickte Zweige.“ Meinte ich nachdenklich „Er wurde also nicht hier gelegt. Er wurde hier getötet.“
Kommissar Daniel Voss, nicht nur mein Kollege, sondern auch mein Schwager, hielt einen Ausweis hoch, der neben dem Toten gelegen hatte.

„Er war Polizist, Daniel Bieber vom LKA. Was tun die denn hier?“
„Er hat hier ermittelt.“, erwiderte eine tiefe Stimme hinter uns. Wir fuhren herum. Vor uns stand ein finster aussehender Mann, Anfang Fünfzig, mit hagerem Gesicht und Schütterem, braunem Haar, in einem schwarzen Trenchcoat .Seine blassblauen Augen wirkten müde.
„Gerber, LKA“

„Hauptkommissar Hansen, Hauptkommissar Voss, Kripo Helmburg“
„Nett, sie kennen zu lernen. Ja, Daniel Bieber war mein  Partner. Er hat hier in einer Sacher ermittelt, die mit Terrorismus zu tun hatte. Er hatte hier was heraus gefunden. Gestern Abend rief er mich an, aber genaues hat er mir auch nicht gesagt. Er machte nur Andeutungen“

„Interessant…Oh, entschuldigen sie mich kurz.“
Wie hatte ich das übersehen können? Erst jetzt fielen mir die Fußspuren auf. Mittelgroß, die seitlich der Leiche zu einem Busch, und dem dahinter liegenden Waldweg führten. Auf der anderen Seite gab es noch kleinere Spuren, die ich mir gleich ansehen wollte.

Ich folgte der Spur ,und gelangte auf einen Schmalen Waldweg ,der an der Lichtung vorbei ,und auf einer Seite nach Unten führte .In die andere Richtung, in die auch die Spur führte, ging er nach oben, wo er nach kurzer Strecke einen breiten Weg kreuzte, auf dem ich  auch die kleineren Spuren wieder fand, die offensichtlich nach unten in Richtung der Lichtung führten.

Da , wo er in die Lichtung mündete ,war  die Person hinter einem Busch stehen geblieben, und wenig später auf die Lichtung gegangen .Diese Spuren waren wesentlich kleiner, und mussten einer zierlichen Person gehören. Ich stellte mich versuchshalber einmal selber hinter den Busch, und machte eine interessante Entdeckung: Man konnte von hier sehr gut die Lichtung einsehen. Wer immer hier gestanden hatte, musste also das Verbrechen mit angesehen haben.

Ich ging zurück, und teilte meine Beobachtung den anderen mit.
“Wir haben also einen Zeugen oder eine Zeugin“, schloss ich. Dann wandte ich mich an einen der Streifenpolizisten, die hier aus der Gegend kamen:
Wissen sie, wohin der Waldweg führt?“
„Der ? Zum Waldhaus, denke ich, das ist eine Art Schullandheim oder Internat in einem ehemaligen Jagdschloss. Ich glaube, sie haben grad eine Schulklasse da.“

Die Abdrücke, die ich dort beim Busch gefunden habe, sind klein, und deuten auf eine eher zierliche Person hin. Schüler oder eher Schülerin, ist sehr wahrscheinlich.“
„Aber was soll denn eine Schülerin nachts mitten im Wald tun?“, fragte Gerber

„Keine Ahnung, aber es ist durchaus nicht abwegig, das sie sich vielleicht heimlich mit einem Jungen treffen wollte. sie waren doch auch mal jung.“
Gerber lächelte. „Klingt plausibel Und wie wollten sie jetzt weiter vorgehen?“

„Nun, da die Spuren beider Personen zum Waldhaus führen, müssen wir  davon ausgehen, das wir den Mörder, wie auch den Zeugen, dort finden werden. Wenn wir allerdings mit der Tür ins Haus fallen könnten wir  den Zeugen verschrecken, und den Mörder dazu treiben, wieder zu töten, daher schlage ich vor, das ich mich undercover dort einquartiere, und verdeckt ermittele. Man wird dort ja sicher eine Aushilfe brauchen können, und Herr Voss wird die offiziellen Ermittlungen führen. Es sei denn, das LKA möchte diesen Fall selber bearbeiten.“

Oh nein, wir würden zuviel Staub aufwirbeln. Machen sie mal. Ich werde allerdings hier bleiben, und wenn nötig, Herrn Voss unterstützen, allerdings mehr aus dem Hintergrund“

Ausgezeichnet, dann muss ich nur sehen, dass ich ab und zu raus komme, damit wir Informationen austauschen können. Ich schlage diese Lichtung als Treffpunkt vor.“

Daniel nickte
„So machen wir´s“
„Eins fällt mir noch ein“, meinte Gerber „Daniels Auto, ein dunkelblauer Passat. Er steht hier nirgends.“

Ich wandte mich noch einmal an den Streifenbeamten:
„Wie weit ist die nächste Ortschaft von hier entfernt?“
„N´ guten Kilometer“
„Er ist wirkt sehr sportlich. Gut möglich, das er  von dort zu Fuß hier gekommen ist. Eventuell kann sein Auto auch irgendwo in der Nähe stehen. Auf einem der Rastplätze an der Hauptstrasse vielleicht. Da er hier Ermittlungen geführt hat, wird er darauf aus gewesen sein, möglichst nicht aufzufallen. Daher wäre es logisch, das er zu Fuß hierher gekommen ist, und sein Auto nicht in der Nähe stehen hat.“

„Sie haben Recht. wir werden als erstes die Rastplätze abklappern, und dann in der nächsten Ortschaft nachsehen.“

„Und ich werde mich mit dem Waldhaus in Verbindung setzen, und meine Sachen packen.

Wir müssen diskret und schnell arbeiten. Wenn wir richtig liegen gibt es da oben einen
Mörder und einen Zeugen oder Zeugin, die jetzt in großer Gefahr ist.“...
*

                                                                     Fortsetzung folgt