Sonntag, 15. März 2015

Fenris und das Skelett auf dem Kutter-Teil 3


Er war erschossen worden, und wohl schon über eine Stunde tot. Stieler hatte schon sein Handy hervor gezogen, und die entsprechenden Kriminaltechniker nebst Gerichtsmediziner gerufen.
Ich lies meinen Blick über das Büro schweifen. Der Schreibtisch war unaufgeräumt. Papiere lagen lose übereinander, ein paar Stifte lagen auf der Schreibtischunterlage, neben einem Locher. An die Lampe war ein Zettel geklebt. In enger Handschrift stand darauf: “Lena Schramm ,Nordsee-Palast ,Zimmer 231,0532.“,dahinter das Datum des heutigen Tages , und die Uhrzeit eine Stunde vorher.
Ich machte den Kommissar darauf aufmerksam. Er nahm den Zettel ab, und betrachtete ihn mit hoch gezogenen Augenbrauen.

 „Wenn das hier zutrifft, war sie die  letzte Person, die ihn lebend gesehen hat.“
„Genau genommen könnte sie auch seine Mörderin sein“, meinte ich. Stieler nickte
„Wir werden uns auf jeden Fall mit der Dame unterhalten müssen.“
*
Wir gingen, und ließen die nun eintreffende Spurensicherung ihre Arbeit machen. Wir beschlossen zum Nordsee-Palast zu fahren, und mit Lena Schramm zu sprechen, doch sie war nicht dort. Der Portier beschrieb sie als zierliche Frau, dunkelblond,elegant gekleidet,mit einem breitkrempigen hut und einer Sonnenbrille, die irgendwie deplaziert wirkte.

„Dann möchten wir uns ihr Zimmer ansehen.“, sagte Stieler.
Der Hotelmanager Hein Schriever weigerte sich zunächst.
„Ich kann sie nicht einfach in das Zimmer eines Gastes lassen. Wir haben hier Diskretion zu wahren. Wir sind schließlich ein renommiertes Hotel.“
„Guter Mann“, sagte der Kommissar liebenswürdig „Frau Schramm steht eventuell unter Mordverdacht, Es wäre insofern ein Leichtes ,innerhalb zwei Stunden einen Durchsuchungsbefehl zu erwirken, und dann würden hier Streifenwagen vor der Tür stehen. Das ist doch sicher auch nicht ihrem Interesse. Sie können selbstverständlich gern mit dabei sein.“

So überzeugt ging Schriever mit uns nach oben zu Lena Schramms Zimmer, und schloss es uns auf.
Das Zimmer war sauber aufgeräumt, das Bett gemacht. Ich lies meinen Blick schweifen, und blieb beim Tisch stehen. An der Wand lehnte ein Foto eines blonden Mannes , der mir sehr bekannt vorkam. Es war Hauke Terjes. Ich nahm das Foto, sah es an ,und drehte es in der Hand. Da stand eine Widmung: “Meinem kleinem Schwesterchen zum Geburtstag“  

Stieler war zu mir gekommen ,sah mir über die Schulter und pfiff leise.
„Interessant, wusste gar nicht, das er eine Schwester hatte.“
„Ja“, meinte ich „Er steckt voller Überraschungen.“

Wir suchten weiter. Stieler öffnete den Schrank, in dem säuberlich eine Reihe von Kleidern hing. Ich sah mir die Schubladen an. In der zweiten fiel mir zwischen der Wäsche ein harter Gegenstand in die Hand. Als ich ihn auswickelte, entfuhr mir ein Laut der Überraschung: Ich hielt eine kleinkalibrige Pistole in der Hand .Ich gab sie Stieler, der eine Plastiktüte aus dem Mantel zog, und sie darin verpackte.

„Ihre Fingerabdrücke zu Vergleichszwecken haben wir ja.“
Schriever, der uns zugesehen hatte ,war bleich im Gesicht.
Der Kommissar wandte sich an ihn: Dieses Zimmer wird versiegelt. Ich schicke die Spurensicherung vorbei. Wir werden das aber so diskret wie möglich machen. Falls Frau Schramm kommt, rufen sie mich sofort an.“ Er reichte Schriever seine Karte, und wir verließen das Hotel.
Draußen holte er sein Handy hervor. „Ich werde sie auf jeden Fall zur Fahndung ausschreiben lassen.
*
Danach brachte Stieler mich nach Hause, wo ich Fenris, der an seinem Schreibtisch bei einem Glas englischem Porter saß, Bericht erstattete. Er hörte mir aufmerksam zu, stellte hier und da ein Paar Fragen, und nickte dann nachdenklich.
 "Dieser Fall wird immer verwickelter , und irgendwie scheine ich mich ihm nicht entziehen zu können."

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück ,gab es noch eine Überraschung für uns: Kommissar Stieler kam vorbei ,und hatte interessante Neuigkeiten .
„Zunächst: Die Waffe, die wir im Zimmer von Lena Schramm gefunden haben, ist eindeutig die Tatwaffe im Fall Biese. Und jetzt wird´s wirklich spannend: Mit der Pistole, die wir bei Biese fanden, wurde der Zahnarzt Dr. Karl Bertold erschossen.“

Fenris horchte auf, dann verengten sich seine Augen.
„Wäre es vermessen, anzunehmen, das Bertold auch Terjes und Robert Gramel behandelte?“
„Natürlich“ ,sagte Stieler amüsiert „Er hat alle hier im Ort behandelt. Er war schließlich der einzige Zahnarzt in der Gegend.“
„Und es ist unzweifelhaft, das er einen Einbrecher überraschte?“
„Das steht außer Zweifel, aber es erstaunt schon, das es Biese war.Er hatte solch einen Einbruch gar nicht nötig gehabt. Aber er muss es gewesen sein. Bei der Durchsuchung seines Hauses fanden wir im Keller einen Teil des bei Bertolds gestohlenen Schmucks .Seine Witwe hat ihn heute Morgen identifiziert. Und noch etwas fand die Spurensicherung. Hinter einem Regal versteckt, einen Hammer, der bräunliche Spuren enthielt. Wir wissen bereits , das es sich um Blut handelt. Es dürfte klar sein, das er die Mordwaffe im Fall Terjes ist."

Fenris lehnte sich zurück, legte die Handflächen aneinander, schloss die Augen, und versank in Gedanken. Das kannte ich von ihm. Ich nannte das „Denkflush“. So warteten wir, und es dauerte beinahe Zehn Minuten, bis er die Augen wieder öffnete. Frederike hatte Bier serviert. Er schenkte sich ein, nippte am Glas und lächelte zufrieden.
„Ja, wenn man´s richtig sieht, fügt sich alles ineinander“, sagte er geheimnisvoll. Dann fasste er den Kommissar ins Auge .
„Wollen sie uns zu den Gramels begleiten. Ich möchte speziell mit Frau Gramel noch einmal reden, und dann können wir den Fall abschliesen.“…  


  


Sonntag, 8. März 2015

Neptun hat´s satt-Teil 4


 In Oldenburg haben sie noch etwas Aufenthalt, bis der Anschlusszug nach Bremen fährt. Den nutzt Neptun, um die Herren-Toilette aufzusuchen, und Käpt´n Kidd etwas Wasser zu geben. „Für was man bei den Menschen alles bezahlen muss“, sagt er zu sich selber, als er die Zahlschranke passiert. Bella wartet derweil draußen.
*
Derweil kommt oben Kommissar Kremer mit einigen Polizisten an. Sie durchsuchen den Zug nach Bremen, der auf dem Bahnsteig bereits steht, sowie den Zug von Bensumersiel, doch ohne Erfolg.
„Vier von euch bleiben oben und überwachen den Bahnsteig ,wir suchen unten“, befiehlt der Kommissar, und so geschieht es.
*
„Vielleicht sollten wir uns doch etwas anders anziehen, damit wir nicht so auffallen“, schlägt Bella vor.
Neptun nickt. „Warum nicht? Es kann nicht schaden, wenn wir uns den Menschen etwas besser anpassen.
In einer Boutique in Bahnhofsnähe kleiden sie sich rasch ein. Die Krone und die Gewänder verschwinden in einer Tüte. Neptun trägt nun einen Anzug aus dunkelbraunem Stoff, Bella Jeans und T- Shirt .  Aus dem Dreizack macht der Meergott mit einer Handbewegung einen Knotenstock. Käpt´n Kidd verschwindet erst einmal in einer Jackentasche.So gehen sie zurück zum  Bahnhof.
Als sie den Bahnsteig betreten, kommen sie an zwei Polizisten vorbei, die einen Mann mit Algen behangenem Gewand ,Krone und Dreizack und weißem Vollbart, sowie einem Mädchen im Feengewand aufhalten.
„Verdammt noch mal,“ schreit der Mann „Meine Nichte und ich wollen nur zu einem Kostümfest, einen Kommissar Kremer kenne ich nicht, und von was für Dublonen reden sie?“
„Nette Ausrede“ ,sagt einer der Beamten streng„Geben sie sich keine Mühe. Ihre Reise ist hier zu Ende.“
Neptun und Bella gehen ruhig vorbei, und schauen unauffällig zurück.
„Dz.Dz, Sachen gibt´s“, kommentiert Neptun „Deine Idee mit dem Umkleiden war wirklich nicht schlecht.“
Sie besteigen den Zug nach Bremen, der im Begriff ist los zu fahren.
*
Im Büro der Bahn-Polizei in Oldenburg sitzt Kommissar Kremer missmutig den beiden „Verdächtigen“  gegenüber ,die auf dem Bahnhof verhaftet wurden, um sie zu entlassen.
„Es tut mir wirklich Leid , das sie fälschlicher Weise  festgenommen wurden.“
„Selbstverständlich werden wir ihnen den entstandenen Schaden ersetzen“, fügt der Beamte der Bahnpolizei hinzu.
Nachdem die Beiden entlassen worden sind berät man sich.
„Mit Sicherheit sitzen die Beiden jetzt im Zug nach Bremen“, konstatiert Kremer
„Ja“, meint der Bahnpolizist „Aber das ist ein Nahverkehrszug, der hält im Prinzip vor jeder Scheune.“
„Dann müsste man ihn noch einholen können“
„sicher ,wenn es einen außergewöhnlichen Grund gibt, könnte man ihn auch auf offener Strecke halten lassen.“
„Zum Beispiel wegen einer Bombendrohung?“
„Na ,das wäre doch arg übertrieben, aber eine Gefährdung wegen eines technischen Defektes wäre möglich“
„Dann machen wir es so“
*
Die Fahrt im Zug verläuft weitgehend ereignislos. Am Fenster ziehen Häuser, Bauernhöfe, Felder und Wiesen vorbei. Im Abteil sitzen Neptun und Bella eine ältere Frau, die mit Stickereien beschäftigt ist , sowie ein junger Mann gegenüber, der mit einem Tablet beschäftigt ist, gegenüber.
Plötzlich wird der Zug langsamer ,und stoppt schließlich vor einem kleinen Bahnhof. Eine Stimme erschallt aus dem Lautsprecher: „Verehrte Fahrgäste: Wegen eines technischen Defektes ,der behoben werden muss, muss der Zug hier leider anhalten. Wir hoffen, das Problem schnell beheben zu können.“
„Na typisch Bahn“, brummt der junge Mann „Das kommt davon, wenn man an der Instandhaltung spart.“
Doch Neptun hat draußen bereits uniformierte ausgemacht. „fürchte ,das technische Problem sind wir“, raunt er seiner Tochter zu, die zustimmend nickt.
Sie erheben sich, nicken ihren Reisegefährten lächelnd zu, und verlassen das Abteil. Bis zur Zugtür ist es nicht weit . Dort steht ein Polizist.
„Und nun?“, flüstert Bella ,doch ihr vater geht unbeirrt auf den Beamten zu, hebt die Hand ,und lässt ihn erstarren, wie schon den Beamten im Gefängnis. Lächelnd tätschelt er ihm die Schulter, Bella zwinkert ihm zu, und sie verlassen den Zug .
Sie betreten das kleine Bahnhofsgebäude, und beobachten aus einer Nische ,wie die Uniformierten schließlich den Zug wieder verlassen, der sich nun wieder in Bewegung setzt. Sie warten, in die Nische gedrängt, bis die Uniformierten abgezogen sind, dann treten sie wieder auf den Bahnsteig .
„Tja“, fragt Bella „Und wie geht es jetzt weiter?“  ...


Sonntag, 1. März 2015

Fenris und das Skelett auf dem Kutter-Teil 2


Fenris fasste den Kommissar ins Auge.
„Ein Anschlag?“
„Ja, es ist auf ihn geschossen worden. Glücklicher Weise war der Täter wohl kein guter Schütze. Er traf ihn nur in der Schulter.“
„Und wo geschah das?“
„Auf seinem Grundstück. Wie ich schon sagte, wohnen er und seine Frau außerhalb , und zwar in einem alten Landhaus, dem ein kleiner Park angeschlossen ist. Hier joggt er Morgens ,und dabei wurde der Anschlag verübt.“
„Gab es Zeugen?“
„Für Jemanden, der eigentlich nicht an diesem Fall interessiert ist, sind sie sehr neugierig“, meinte Stieler mit einem Augenzwinkern, „Aber nein, es gab keine Zeugen. Er war allein. Alles Andere können wir von ihm persönlich erfahren. Er ist im Krankenhaus. Wollen sie mit?“
Fenris schüttelte sich.
„Also eigentlich wollte ich mit der Sache nichts mehr zu tun haben,aber jetzt habe ich das Gefühl, dieser Fall verfolgt mich so oder so. nun gut, es kann nicht schaden."
*
Das kleine Krankenhaus von Frersum lag am Ortsrand, und war in einem Bau aus den Siebziger Jahren unter gebracht .Wie fanden Robert Gramel auf seinem Zimmer , wo er für eine Nacht zur Beobachtung bleiben sollte. Er war ein hoch gewachsener Mann mit   zurück gekämmten dunkelblondem Haar, einem ebenmäßigem, grüblerischem Gesicht ,und blauen Augen.

Er begrüßte uns freundlich, und berichtete , was uns der Kommissar schon erzählt hatte: Er war ,wie jeden Morgen durch den Park gelaufen, als ein Knall ertönte ,und er einen schweren Schlag in der Schulter spürte. Unter entsetzlichen schmerzen hatte er sich zum Haus zurück geschleppt, wo ihn seine Frau versorgt hatte, bis der von einem Bediensteten gerufene Notarzt kam.

Nein, er hatte niemanden gesehen, es war auch Niemand bei ihm.
„Wäre es möglich, das der Anschlag etwas mit der Tragödie auf der Henrike zu tun hat?“, fragte Fenris
„Offen gesagt, das frage ich mich auch. Es gibt da nämlich etwas , das ich damals verschwiegen habe. Wir waren ursprünglich mal zu Dritt auf dem Kutter. Der dritte hieß Jens Biese. er war ein Jugendfreund von Hauke und Birte, und wohl auch mal an ihr interessiert, aber kurz vor dem Unglück hatte Hauke ihn gefeuert, weil er betrunken an Bord war, und einen Maschinenschaden verursacht hatte. Die Maschine musste ausgetauscht werde.

Jens hat das hart getroffen. Er bestritt die Vorwürfe ,und drohte Hauke , als er ging mit Rache.“
„Und sie glauben, er könnte sich irgendwie an Bord geschmuggelt , und den Brand verursacht haben?“
„Nun ja, er wusste , wo das Schiff lag, und kannte sich an Bord aus.“
„Haben sie eine Adresse von ihm?“, fragte der Kommissar
„Nur die Letzte, die mir bekannt  ist. Rickmersweg 15, in der nähe des Hafens am Deich“
„Vielen Dank.“
*
Fenrissen beschloss nach Hause zurück zu kehren, während ich mit dem Kommissar zu der Adresse fuhren, die uns  Gramel gegeben hatte. Es handelte sich dabei um ein Reet gedecktes Einfamilienhaus, mit kleinen Garten ,die am Deich lag.
Wir gingen zum Haus, und betätigten die Türklingel, doch auch nach mehrmaligem klingeln öffnete niemand ,und nichts regte sich.

Wir sahen zunächst ins vordere Fenster, konnten aber nichts ausmachen. So beschlossen wir, um das Haus herum und in den Garten zu gehen ,um ins Wohnzimmer zu sehen.
Als wir auf der Terrasse ankamen, fiel  sofort, die einen Spalt aufstehende Tür auf .
Wir gingen vorsichtig hinein.

Das Wohnzimmer war mit altmodischen Eichenmöbeln eingerichtet, aber von Biese war nichts zu sehen. Stieler ging in den Flur ,während ich mich im Wohnzimmer umsah. dann hörte ich den Ruf des Kommissars.
„Herr Alldag, hierher ins Arbeitszimmer !“

Ich folgte dem Ruf, und ging ins Arbeitszimmer. Schon als ich ins Arbeitszimmer kam, sah ich Biese.
Er lag zusammen gekrümmt hinter seinem Schreibtisch in einer Blutlache, und das Loch in seiner Stirn zeigte deutlich, woran er gestorben war…
*


Sonntag, 15. Februar 2015

Neptun hat´s satt-Teil 3

Im Büro der Polizei-Wache sitzen sie dem Polizei- Kommissar Kremer, ein mittelgroßer, aber kräftiger Mann, Mitte Fünfzig, mit grauem Haarkranz, gegenüber.
„Also“, sagt er kurz angebunden „Ihre Namen, aber die richtigen.“
„Neptun, und Tochter Bella“, antwortet der Gefragte und fügt hinzu:“ nebst Käpt´n Kidd“, als der Hummer die rechte Schere hebt.
„Sie sollten meinen Humor und meine Geduld nicht überstrapazieren“, sagt der Polizei-Chef düster. “Nun gut ,sie Heißen also Neptun. Und wo sind nun diese Goldmünzen her?“ Dabei weist er auf den Beutel mit Dublonen, die auf seinem Schreibtisch liegen.
„Vom Meeresboden, aus einigen versunkenen Schiffen, das hatte ich in der Bank schon gesagt. Wirklich, es wäre nett, wenn wir jetzt gehen könnten. Ich hab ´s  nämlich eilig, Ich muss dringend nach…, wie nennen sie es? Berlin.“
„Ach, müssen sie“, fragt der Kommissar lakonisch „Tja, daraus wird wohl nichts werden. Sie haben diese Münzen nicht zufällig irgendwo mitgehen lassen?“
„Werden denn irgendwo in der Gegend welche vermisst?“
„Werden sie nicht frech. Wir werden das selbstverständlich überprüfen, und solange bleiben sie unsere Gäste.“
Und so landen sie erst einmal in einer U-Haft-Zelle.
*
„Weißt du Paps, ich glaube, wenn ´s so weiter  geht, kommen wir gar nicht nach Berlin. Ich meine, wir können doch nicht warten, bis die fertig überprüft haben.“, sagt Bella, auf der Pritsche sitzend, und mit den Beinen baumelnd.
„Ich fürchte, du hast Recht“, meint ihr Vater, der am Waschbecken steht, und den Hummer badet.
„Wenn der Käpt´n genug Wasser hatte, machen wir, das wir hier raus kommen. Ich hab´ noch genug Dublonen bei mir, da brauchen wir nicht an seinem Schreibtisch vorbei.“
Nach etwa einer Stunde nimmt Neptun den Hummer wieder auf seine Schulter, dann geht er zur Zellentür. Er hebt die rechte Hand, und zeigt mit dem Finger auf das Schloss, das sich augenblicklich öffnet. Die Tür geht auf, und sie verlassen die Zelle.
Ein Polizist kommt ihnen entgegen. Neptun hebt die Hand, und der Beamte erstarrt in der Bewegung.
„In Fünf Minuten kannst du dich wieder bewegen“, sagt Neptun lächelnd.
Sie gehen weiter den gang entlang.
„Schätze, wir nehmen besser den Hinterausgang“, meint der Meergott, und steuert die Herrentoilette an.
Innen gehen sie auf die gegenüber liegende Wand zu. Neptun hebt die Hand, und vollführt eine seitliche Bewegung. Die Mauer teilt sich, und sie treten hinaus ins Freie. Danach schließt sich die Mauer wieder, und sie treten auf die Strasse.
Neptun nimmt die Krone ab, und kratzt sich am Kopf.
„Wo war noch gleich dieses Museum? …ah ja, dort!“ er zeigt, auf ein schräg gegenüber liegendes Gebäude. „Die kaufen sicher alte Dublonen an.“
*
Der Museumsdirektor ist begeistert.
„Wunderbare Münzen“, schwärmt er „Die sind natürlich einiges wert. Gibt es da, wo sie her kommen noch mehr?“
„Hören sie, ich bin gerne bereit zurück zu kommen, und ihnen zu zeigen, wo die Schiffswracks liegen. Nur habe ich es im Moment ziemlich eilig.“

Wenig später sind sie mit einem Scheck über eine nicht ungeringe Summe in der Bank. Die Angestellte, die sie schon kennen, betrachtet sie misstrauisch, doch muss sie feststellen, das der Scheck in Ordnung ist, und zahlt die Summe aus.
So geht es zum Bahnhof. Auch der wohl bekannte Mann am Schalter ist erst misstrauisch verkauft ihnen aber die Fahrkarte, und so warten sie nun auf den Zug.
*
In der Polizeiwache kehrt Kommissar Kremer gerade zurück ihn die Polizeiwache, und muss entdecken, dass seine Gefangenen  entkommen sind. Er lässt sich von dem Polizisten, dessen Lähmung nun nachlässt berichten.
„Hab ich´s doch geahnt. Ein klares Schuld- Eingeständnis, und dazu noch ein Angriff auf einen Beamten, wie immer sie das gemacht haben. Kommen sie, vielleicht kriegen wir sie noch am Bahnhof!“
Als sie am Bahnhof ankommen, fährt gerade der Zug nach Oldenburg ab. Kremer nimmt sein Handy aus der Tasche, und tätigt einen Anruf in die Zentrale.
„So“, meint er zu dem jungen Beamten „Sie sind zur Fahndung ausgeschrieben, und wir nehmen jetzt den Wagen, und fahren nach Oldenburg. Da müssten wir sie abfangen können.“

Im Zug sitzen Neptun und Bella in ihrem Abteil und blicken sich interessiert um. Sie ahnen noch nicht, dass sie jetzt auf der Fahndungliste stehen, und ihnen ein hartnäckiger Kommissar auf den Fersen ist….


Sonntag, 8. Februar 2015

Fenris und das Skelett auf dem Kutter-Teil 1

 Langweilige Büroarbeit gehört auch zum Detektivberuf, genau genommen macht sie einen erheblichen Teil aus. Von Recherchen über das Schreiben von Berichten und dem Erledigen der Post bis zum unumgänglichen Stellen von Rechnungen. Schließlich muss man ja von was Leben und der Lebensstil, den mein Brötchengeber schätzte( ich gestehe, ich war ihm auch nicht abgeneigt) war nicht ganz billig.

Mit solch langweiliger Büroarbeit waren wir an diesem Tag, auch mangels eines Falls beschäftigt. Während meine Wenigkeit, Jan Alldag , 32 Jahre jung, dunkelblond, mittelgroß, dafür kräftig, mit Allerweltsgesicht, Assistent und Privatsekretär , sich den Bericht über den letzten Fall aus den Fingern sog, ging mein Boss, Tjark Fenrissen, kurz Fenris genannt, seines Zeichens Privatdetektiv, 45 Jahre alt, groß, dick, mit vollem blonden Haar, einem rundlichen Gesicht mit Knollennase und einer runden Brille, leidenschaftlicher Craft Bier- Trinker und Gourmet die Post durch, derweil unsere Haushälterin Frederike Brahms in der Küche mit dem Essen beschäftigt war.

So waren wir eine Weile beschäftigt, und man hörte nur das Klicken meiner Tastatur und das Rascheln des Briefpapiers, als Fenris plötzlich einen erstaunten Laut von sich gab.
Ich sah auf. „Ist was?“

„Schauen sie mal, Jan“, entgegnete er, und reichte mir einen Umschlag und ein Blatt Papier. Der Umschlag war an Fenrissen Adressiert, wies aber weder Briefmarke, noch Poststempel auf, musste also vom Absender persönlich in unseren Kasten geworfen worden sein.
Das Papier war ein Zeitungsausschnitt, laut Datum Sieben Jahre alt, der von einem Schiffsunglück hier an der Küste berichtete.

Der Kutter Henrike war im tieferen Fahrwasser gesunken, und sein Kapitän Hauke Terjes ums Leben gekommen. Nur sein Schiffsmann Robert Gramel, auch sein einziger Angestellter, hatte das Unglück überlebt, war, aber erst ein Jahr später zurück gekehrt, das ,erinnerte ich mich ,gelesen zu haben .Er war von einem dänischen Frachter halbtot aus der See geholt worden, und hatte in Hamburg in einer Klinik gelegen. Man wusste zuerst nicht, wer er war, denn er hatte das Gedächtnis verloren. Später dann, erinnerte er sich, über Bord gegangen  zu sein, und aus dem Meer beobachtet zu haben, wie das Schiff in Flammen aufging. er habe dann versucht, in Richtung Küste zu schwimmen, und schon mit dem Leben abgeschlossen, als die Dänen ihn aus dem Meer fischten. Oben auf dem Zeitungsausschnitt standen die Worte: KEIN UNFALL; in Hand geschriebenen Druckbuchstaben.

„Nun, “ sagte Fenris, mich ins Auge fassend, „was halten sie davon?“
„Hmm, schwer zu sagen. Ein anonymer Brief, persönlich eingeworfen. Der unbekannte scheint der Meinung zu sein, das mit diesem Schiffsunglück damals, etwas nicht mit rechten Dingen zu ging, doch warum sucht er uns denn nicht persönlich auf, wenn er möchte, das wir in der Sache ermitteln?“

„Eine äußerst interessante Frage. Aber wenn er so bestimmt darauf hinweist, dass der Untergang der Henrike kein Unfall war, könnte es auch sein, das unser unbekannter Freund mehr  über die Sache weiß. Wie dem auch sei, ich habe kein Bedürfnis für einen unbekannten zu arbeiten, der sich nicht mal hierher traut. Legen sie den Brief erst mal in die Ablage.“
Ich tat, wie mir geheißen, konnte aber nicht ahnen, wie schnell uns der Fall wieder beschäftigen würde.
*

Schon am nächsten Tag war es soweit, als wir gerade das Frühstück beendet hatten. Ich genoss gerade gemütlich einen Kaffee, während Fenris die Zeitung las. Plötzlich kam seine Knollennase hinter dem Blatt zum Vorschein, und er sah mich scharf an.
„Haben sie noch diesen Brief mit dem Zeitungsausschnitt?“
„Sicher, liegt noch in meiner Schreibtischunterlage“
„Dann sehen sich das mal an“

Er reichte mir die Zeitung herüber. Ich betrachtete die Überschrift: “Das Rätsel der Henrike- Fischer mutmaßlich ermordet!“
Darunter ein Bericht darüber, das im tiefen Fahrwasser vor Frersum das Wrack der Henrike gefunden und geborgen wurde. Bereits vor drei Tagen wurde es in den Hafen geschleppt. Im Steuerhaus fand sich ein Skelett, bei dem es sich um den Kapitän handelte, was gestern durch einen Abgleich der Zahnärztlichen Unterlagen auch bewiesen wurde. auch wurden Reste seiner Kleidung und Gegenstände aus seinem Besitz, wie zum Beispiel seine Uhr eindeutig von seiner Frau identifiziert, weshalb man auf einen DNA- Test verzichten konnte.

Das Besondere war, das der Gerichtsmediziner eine Schädelfraktur fest stellte, die unzweifelhaft von einem Schlag mit einem schweren Gegenstand, wahrscheinlich einem Hammer, stammte  , was bedeutet, das er ermordet wurde. Hier wurde auch noch einmal  Robert Gramel erwähnt, und seine Aussage, er wäre über Bord gegangen. Wie genau, daran konnte er sich aber nicht mehr erinnern. War also auf jener schicksalhaften Fahrt noch eine dritte Person an Bord?

„Hoch interessant oder?“, meinte Fenris. Unser unbekannter Briefe- Schreiber scheint wirklich mehr gewusst zu haben, oder er hatte eine gute Ahnung. Trotzdem widerstrebt es mir, für einen Unbekannten in dieser Sache zu stöbern. Ich schlage vor, wir nehmen den Brief, und bringen ihn zu Kommissar Stieler. Das müssen wir spätestens jetzt ohnehin, weil er ein Beweisstück sein könnte.“
*

Kommissar Stieler, ein hochgewachsener, schlaksiger Mann, Mitte fünfzig, mit dunkelrötlichem Haarkranz, saß gerade hinter seinem Schreibtisch, als wir  im Polizeipräsidium ankamen. Er begrüßte uns freundlich, obwohl er leicht gestresst wirkte. Ich erklärte ihm alles und reichte ihm den Brief. Er betrachtete den Ausschnitt.

„Den haben sie Gestern bekommen?“, fragte er. Fenris nickte
„Genau. Ich nehme aber ungern Aufträge von Unbekannten an. Eigentlich habe ich es auch nicht sehr Ernst genommen, aber nach der neusten Entwicklung sieht es anders. Es ist ja doch interessant, das unser Freund scheinbar gewusst hat, das  Terjes ermordet wurde.“
„Sie sagen es“

„Nur mal Interesse halber“, fragte ich „Lebt dieser Robert Gramel noch in dieser Gegend?“
„Ja“, meinte der Kommissar „soweit ich weiß, wohnt er etwas außerhalb. Er hat Terjes Frau geheiratet. Er war mit ihnen sowieso eng befreundet. Als er dann zurück kam, hat er ihr über den Verlust geholfen. Sie kamen sich näher, und na ja. Durch gute Geschäfte haben sie es zu einigem Wohlstand gebracht“
„Verstehe“, nickte ich.
„Ja“, meinte der Kommissar „und dabei haben wir schon genug zu tun. Vorgestern Nacht hatten wir einen Raubmord an einem Zahnarzt. er hatte einen Einbrecher überrascht, und der hat ihn erschossen. Etwas Geld und Schmuck hat er mit genommen, und jetzt…“
Das Telefon klingelte, und er nahm ab. Er hörte kurz zu.
„Wann war das?“, fragte er „in Ordnung, wir kommen“
Er wandte sich uns zu: “Das hat noch gefehlt, es ist ein Anschlag auf Robert Gramel verübt worden.“   ...
Fortsetzung folgt