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Sonntag, 26. August 2018

Storyboard Classsics: Misteröse Morde an der Küste

Tja, das ist jetzt jetzt auch schon Drei Jahre her, seit Fenris diesen verzwickten Fall löste:

Fenris und das Skelett auf dem Kutter:

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4

Montag, 21. Mai 2018

Storyboard Classics-Ein Privatdetektiv und eine gestohlene Robbe- Fenris kommt auf den Seehund

Vielleicht mein schönster Krimi ohne Mord, und der wohl ungewöhnlichste für meinen Schwergewichtigen Privatdetektiv...



1.
Zu den ungewöhnlichsten Fällen, die wir so bearbeitet haben, zählt sicher der Heuler-Fall. Bemerkenswert ist er vor allem, weil es ein Doppel-Fall war.
 Aber von Anfang an, und seinen Anfang nahm dieser Fall an einem Vormittag im Frühsommer ,Ende Juni, an dem wir , wie so oft im Büro saßen, beschäftigt mit jenem Papierkrieg, den so eine Detektei nun mal mit sich bringt.

Wir waren wohl schon seit einer Stunde beschäftigt mit Berichten und Formularen, als es an der Tür Klingelte. Ich wollte mich nach Fertigstellung des letzten Absatzes, grade erheben, um zu öffnen da streckte Frederike Brahms, unsere Haushälterin schon ihr pausbackiges Gesicht zur Türe rein, und sagte:
„Entschuldigung, draußen sind zwei mögliche Klienten.“
Fenris, eigentlich Tjark Fenrissen, , 45 Jahre alt, groß, dick, mit vollem blonden Haar, einem rundlichen Gesicht mit Knollennase und einer runden Brille , sah auf, schob die Papiere vor sich zur Seite, und sagte:
„Nun, eigentlich sind wir beschäftigt, aber führen sie sie herein. Etwas Abwechslung von dieser notwendigen, aber überaus stumpfsinnigen Tätigkeit kann wohl nicht schaden.“
Frederike nickte, und ging, um die Besucher zu holen, die wenig später in den Sesseln vor Fenris´ Schreibtisch saßen.

Es handelte sich um einen Mann um die Vierzig, und eine Frau Mitte Zwanzig, die mir durchaus gefiel. Hübsch, Blond, wohl proportioniert, mit einem netten, spitzbübisch wirkenden Gesicht mit Sommersprossen, in einem schlichten T- Shirt und Jeans.
Er war schlaksig, etwa 1,80, mit schütterem, braunem Haar, hoher Stirn, und nicht unsympathischen, aber nichts sagendem Allerweltsgesicht.

Sie stellten sich vor, als Tim Beckelsen, Tierarzt und Stellvertretender Leiter der Seehund –Station von Frersum, sowie Insa Kempe, Tierpflegerin in derselben.
Die Seehund-Station war uns natürlich bekannt. Sie war im vorigen Jahr eingeweiht worden.
„Schön“, meinte Fenris, „und was kann ich nun für sie tun?“
„Wir möchten sie engagieren, unseren gestohlenen Seehund wieder zu finden“, eröffnete Beckelsen.

„Einen Seehund?“, fragte Fenris mit einer Mischung aus Entgeisterung und Mißmutigkeit.
„Ja, wir glauben, er ist entführt worden“, schaltete sich Insa Kempe ein.
„Darf ich fragen, was sie zu dieser Vermutung führt?“
„Nun, letzte Nacht ist in unserer Station eingebrochen worden. Das Schloß am Tor wurde aufgebrochen, und Hein, so heißt das Tier, war verschwunden, und mit ihm ein Eimer Fische.“
„Fische“
„Ja, damit füttern wir sie.“
„Haben sie die Polizei eingeschaltet?“
„Ja, da kommen wir gerade her. Herr Kommissar Stieler hat zwar eine Anzeige aufgenommen, sie haben wohl auch jemand zur Spurensicherung geschickt aber er hat uns Sie empfohlen, weil die Polizei momentan beschäftigt ist mit diesem Juwelenraub.“
„Ach ja sicher, dieser Einbruch beim Juwelier Stöver, natürlich“

Es war leicht zu sehen, das mein Boss sich lieber mit gestohlenen Juwelen befasst hätte, als mit einem gestohlenen Seehund.
„Ist außer dem  Seehund und den Fischen noch etwas gestohlen worden?“
„Nein, „sagte Beckelsen „Das ist ja das seltsame .Unser Büro hat der Einbrecher gar nicht angerührt. Er ist nur beim Seehund-Becken gewesen. Es  ist so, als er ob er nur darum da war.“
„Gut, wann hat der letzte von ihnen gestern das Gelände verlassen?“
„Gegen Neunzehn Uhr, das war ich selber“, sagte Beckelsen.
„Und wann war der erste Heute morgen da?“
„Um Sechs, das war ich. mir ist es auch als erstes aufgefallen“, meldete sich Insa „Ich habe dann die Polizei und Herrn Beckelsen angerufen. Die waren auch da, und danach waren wir beim Kommissar, der uns zu ihnen geschickt hat.“
„Gut denn. Nun Jan, was halten sie von einem kleinen Ausflug zur Seehund-Station?“
„Da halte ich viel von, “ sagte ich.
„Schön, dann machen wir uns auf den Weg, um uns den Tatort anzusehen. Meine Dame, mein Herr, sie haben uns gerade engagiert.“
„Ähm, was das Honorar angeht, wir sind ein Verein, und nicht gerade Reich,aber Herr Kommissar Stieler meinte , die Polizei würde sich auch…“
„Mit der Honorar-Forderung warten wir, bis der Fall gelöst ist. Ich bin dafür, erstmal für mein Geld etwas zu tun.“

Die Seehund-Station lag am nord-östlichen Ortsrand von Frersum, direkt am Deich. Sie bestand aus zwei Gebäuden, von denen sich im einen Verwaltung und Sozialräume , im anderen Komplex ein Lager und die tierärztliche Quarantäne –Station befand , wo sich  in einer Halle zwei Becken befanden, die von einer Plexiglas-Wand getrennt waren. Daneben, befand sich ein großes Areal im freien, das drei sternförmig angeordnete Becken enthielt. Hier schwammen einige robben im Wasser, die uns aus großen Augen neugierig ansahen. Eine Pflegerin mit brünettem, lockerem Haar tat hier gerade Dienst, und wurde uns als Stina Rake vorgestellt.

„Ja“, meinte Insa „Hier halten wir unsere Schützlinge. Die Quarantäne- Station ist das Reich von Tim, also Herrn Beckelsen. Hier kommen für ein bis zwei Tage die Neuankömmlinge hin, bis wir sicher sind, das sie keine Krankheiten haben, die sie nach draußen tragen können, und eben kranke Tiere. Darum gibt es dort zwei Becken.“
 Durch die Scheibe konnten wir im Becken zwei kleine Seehunde sehen.
„Und die Beiden, sind das Neuankömmlinge?“, fragte ich
„Ja, der eine der Beiden kam Vorgestern, und kommt bald nach draußen, der andere kam Gestern Nachmittag. Ich war dabei. Ich hatte grade Feierabend gemacht, und wollte das Gelände verlassen, da kam mir Tim mit einer Transportkiste entgegen. Normaler weise schaue ich mir die kleinen ja noch an, aber diesmal hatte ich es eilig, denn ich hatte noch einen Termin.“
„Ist es normal, das die eine dunkler ist, als die andere?“, fragte Fenris
„Ja, Farbschattierungen kommen durchaus vor.“
Wenn ich richtig verstanden habe, ist Beckelsen nicht der eigentliche Leiter?“
„Richtig, der eigentliche Leiter  ist Ubbo Baumann, aber der ist jetzt im Urlaub. Sonst ist noch Svea Herres da, die Sekretärin“

Wir sahen uns gründlich um, betrachtet das aufgebrochene Schloß, an dem noch ein Paar Späne des mittels zur Sichtbar-Machung von Fingerabdrücken klebte, da hörten wir einen Schrei.
Eine mittelaltrige, rothaarige Frau im Beige- farbenen Kleid kam auf Insa und  ihre Kollegen zu gestürmt, auch Beckelsen kam aus seiner Halle.
„Er ist da, er ist da“, rief sie
„Wer ist da?“, fragte Fenris
„Ein Erpresser-Brief“, antwortete die Frau, die offenkundig Svea Herres war, mit erstauntem Blick auf den Detektiv.
Wir standen im Kreis um sie, und sahen auf das Blatt Papier, welches sie in der Hand hielt:
Wenn sie den Seehund wieder haben wollen, dann hinterlegen sie am alten Steg hinter dem Deich die Summe von 10 000 Euro. Keine Polizei!
 Stand dort in Schreibmaschinenlettern geschrieben.
„Darf ich mal?“, fragte Fenris, und entnahm der hand der Frau sanft den Umschlag, und betrachtete ihn. Es war ein normaler Briefumschlag, wie man ihn überall im Schreibwaren-Handel bekommen konnte. Er war unbeschriftet und unfrankiert.
„Wann ist der Brief angekommen?“ Svea Herres sah meinen Chef erstaunt an, und warf dann einen fragenden Blick zu Beckelsen, der ermutigend nickte, und sagte:
„Es ist in Ordnung. Er ist Privatdetektiv. Wir haben ihn engagiert.“
„Nun“, sagte sie zu Fenris gewandt „Er war Heute morgen in der Post. Ich bin aber erst jetzt dazu gekommen, sie durch zu sehen“
„Hm danke“, sagte er leibenswürdig lächelnd. „Tja, hier haben wir nun alles gesehen, was wir sehen mussten. Wir melden uns dann bei ihnen.“
Damit verabschiedete wir uns, und gingen nach Hause, wo das wohl das Mittagessen schon auf uns wartete.
2
Als Erstes wartete allerdings Kommissar Stieler auf  uns.
„Werter Herr Kommissar, welchem Umstand verdanken wir die ehre ihres Besuchs“, begrüßte Fenris unseren Gast.
„Oh, ich war in der Nähe, und wollte mal rein schauen. Haben sie sich der Seehund-Sache angenommen?“
„ Das haben wir. Wir kommen grade von der Seehund-Station“
„Sehr Schön. Da sie damit der Polizei arbeit abnehmen, sind wir bereit, einen Teil des Honorars zu tragen.“
„Ich sagte schon meinen Klienten, dass wir damit erst mal warten wollen, bis die Arbeit getan ist. Und sie? Sind sie in der Juwelenraub-Sache schon voran gekommen?“
„Mehr schlecht als Recht“
„Wollen sie mir ein Paar Details verraten?“, fragte Fenris, während Frederike gerade ein vorzügliches Trappisten-Bier aus Belgien servierten, und ankündigten, dass das Essen in einer halben Stunde fertig sei.
„Nun“, meinte der Kommissar „Sie wissen ja, der Einbruch erfolgte Vorgestern Nacht. Stövers Juwelier-Geschäft liegt in der Flanier-Meile unweit des Hafens. Der Einbrecher ging allerdings ziemlich dilletantisch vor. Er löste die Alarmanlage aus, konnte aber mit Schmuck im Wert von gut 50 000 Euro entkommen, hatte jedoch die Polizei auf den Fersen.
Er ist dann in Clausens Fischhandel eingebrochen, wo er sich eine Weile versteckt hat, um dann dort durch den Hintereingang zu fliehen.“
„Clausen kenne ich“, meinte Fenris. „Er beliefert eigentlich alle hier in der Gegend“
„Ja, ein Zeuge hat ihn dort gesehen, ein Fischer namens Frerk Hinrichs, er ein ziemlich mürrischer Kerl. Wohnt übrigens in der  nah bei der Seehund-Station, was aber nichts zwingend etwas zu bedeuten haben muss. Ja, da es dunkel war, konnte er ihn nicht identifizieren. Unser Hauptverdächtiger ist Paule Krahl, der ist schon einschlägig vorbestraft, aber wir können ihm hier nichts nachweisen“
„Hoch interessant. Wenn sie Zeit haben, machen sie uns doch die Freude, und essen sie mit uns .es wird genug da sein, dabei können wir dann weiter reden.“

Der Kommissar nahm dankend ein, und wenig später trug Frederike auf. Es gab einen großen Schellfisch in der Salzkruste, den unsere Meisterköchin mit Kräutern gefüllt hatte. Wir sprachen dem köstlichen Mahl gut zu, und unterhielten uns dabei weiter über den Fall. Fenris sah auf den Rest des Mit Kräutern gefüllten Fischleibes, und erstarrte plötzlich.
„Nein“, sagte er sinnend. Das kann doch nicht, oder doch? Nun saß er sinnend da, und nuschelte sich ab zu in den Bart, wobei er auf den Fisch starrte,
„Was tut er da?“, fragte Stieler verwirrt.
„Er denkt“, antwortete ich heiter,  ich war mit den Schrullen meines Bosses gut vertraut.
Plötzlich hellte sich Fenris Gesicht auf, und ein zufriedenes Lächeln machte sich auf ihm breit
„Und jetzt ist er fertig“, kommentierte ich
„Sagen sie, Herr Kommissar, es gab nicht zufällig einen zweiten Einbruch bei dem Fischhändler?“
„Nein“
Und zu unserer Überraschung sagte Fenris höchst zufrieden: Das habe ich mir gedacht. Somit ist das Bild vervollständigt. Man muss die Dinge nur richtig kombinieren. Ach, Herr Stieler haben sie Zeit mit uns noch einmal zur Seehund- Station heraus zu fahren, aber vorher noch ein Paar Beamte mit hinzu zu bestellen, dann können wir die Sache zu Ende bringen.
3

Trotz einiger Zweifel kam der Kommissar mit, und zwanzig Minuten später waren wir wieder auf der Seehund-Station. Insa und Stina begrüßten uns überrascht.
„Sie sind schon wieder da?“, fragte Insa erstaunt.
„Ja, ich bin erfreut, ihnen sagen zu können, wo sich ihr Seehund befindet, und wollte sie zu ihm führen.“
„Oh ich mach´mich gleich fertig, ich muss nur einen Kasten…“
„Stopp, Stopp“, „rief mein Boss lachend, kommen sie doch mal mit zur Quarantäne- Station.“
„Zur Quarantäne- Station?“, fragte Insa verwirrt.
„Ja ja“
 Wir gingen zu jener Halle mit den Becken, wo noch die zwei jungen Robben waren.Im Moment lagen sie am Beckenrand.
„Und nun rufen sie Hein“
Insa sah ihn verwirrt ein an, dann rief sie „Hein!“
Zu aller Überraschung antwortete ein heiserer Robbenton, und die dunklere der beiden Robben kam bewegte sich mit rufen auf Insa zu.
„Hein!“, rief sie fassungslos „Hein, das kann doch nicht sein, und sie bückte sich zu dem Tier, das sie freudig beschnupperte, und liebkoste es.
„Doch doch, das kann sein“, meinte Fenris, und schmunzelte. Er berührte die kleine Robbe ebenfalls, dann hatte er etwas Schwarzes an der Hand.
„Ruß –Schwärze. Haftet gut, und ist schwer wasserlöslich. Durchaus keine schlechte Idee“
„Dann dürften das wohl die verschwundenen Fische sein“, meinte ich, und zeigte auf einen Blecheimer, der auf einem Regal neben dem Becken stand.
Wir gingen dort hin und betrachteten den Eimer. Die Fische waren in der Mitte durchgebrochen.
„Ist das üblich?“, fragte Stieler
„Eigentlich nicht, man sieht ja, sie waren groß, also für die Tiere draußen bestimmt.Die kleineren bekommen nur stücke und Krabben.“
„Gehe ich recht in der Annahme“, fragte Fenris, „ das Hein Gestern von diesen Fischen bekommen hatte?“
„Ja“, sagte Insa, während sie das Tier wieder absetzte. „Tim wirkte etwas merkwürdig, als er das sah, er kam an diesem Tag etwas später, er stand, glaube ich im Stau. Es wirkte, als wäre er wütend.“ In diesem Moment lies Hein etwas natürliches Fallen, aber es klapperte dabei. Unser Blick fiel nach Unten, und da lag eine kleine Brosche. Insa holte sich ein Paar Gummi- Handschuhe, holte das Stück hob das Stück aus dem Seehund-Kot, und wusch es ab.
„Was bedeutet…“, begann der Kommissar
„Das bedeutet“, beendete der Fenris den Satz, dass man Fischleiber auch mit etwas anderem, als Kräutern füllen kann. Gerade unser gefüllter Fisch , hat mich auf die richtige Spur gebracht.“
Während er dies sagte, öffnete sich langsam die Tür zum Tierarzt-Büro in der Quarantäne-Halle, und jemand schlich sich leise heraus, doch ich bemerkte ihn, und rief:
„Hey, Halt, stehen bleiben!“
Nun lief der Mann los, ich hinterher, hatte aber nicht damit rechnen können, das draußen noch Polizisten standen, so das ich im Lauf bremste, als die Beamten den in Handschellen gefesselten herein brachten.
„Ah, Hallo Herr Beckelsen“, sagte Fenris zufrieden „wollten sie uns schon verlassen?“
„Tim“, rief Insa ungläubig, aber das kann doch nicht sein. Warum…“
Er sagte nur ein Wort: “Spielschulden“
„Das hier hatte er bei sich“, sagte einer der Beiden Beamten, und reichte dem Kommissar einen Beutel. Er sah hinein, und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
„die gestohlenen Juwelen, aber das kann doch nicht…“
„Sicher, es kann“ meinte Fenris. Aber lassen sie uns doch ins Büro gehen, dann erkläre ich ihnen alles.“

Der Kommissar wies die Polizisten an, Beckelsen ins Revier zu bringen, dann gingen wir alle ins Verwaltungsgebäude .Svea kochte uns Kaffee und dann begann Fenris:
„Wie gesagt, es war der gefüllte Fisch, den wir Heute zu Mittag hatten, welcher mich auf die richtige Spur brachte, weil er mir erlaubte, alles im Zusammenhang zu sehen. Der Einbruch beim Juwelier wurde dilletantisch ausgeführt, das schloss Paule Krahl aus. Der Täter brach auf seiner Flucht beim Fischhändler Clausen ein, und blieb dort eine Weile. Zeit genug auch, um die Juwelen in Fischleibern zu verstecken. Warum? Um, falls er erwischt wurde. nicht mit der Beute angetroffen zu werden. Die Polizei auf den Fersen, ist das durchaus ein naheliegender Impuls, und selbst ein Anfänger in Einbrüchen könnte darauf kommen.

Wenn aber der Täter die Beute in den Fischen versteckte, dann müsste er zurück kommen, um sie zu holen, es sei denn, er hat sie in bestimmte Fische gesteckt, von denen er wusste ,wo sie hin gingen. Die Tatsache, das es keinen zweiten Einbruch bei Clausen gab, bestätigt diese Annahme Dann müsste er auch unter dieser Adresse zu finden sein. Und plötzlich ergibt sich auch der Zusammenhang zu dem Entführten Seehund und den verschwundenen  Fischen

.Das Seehund-Zentrum gehört auch zu Clausens Kunden, und sicher wird die Partie entsprechend gekennzeichnet. War also der Dieb jemand aus der Seehund-Station? Diese Frage wird beantwortet durch die Entführung von Hein. Die beweist, das es jemand von Hier gewesen sein muss, denn ein außen stehender Dieb, der zufällig wusste ,das die betreffenden Fische hierhin gegangen waren, hätte nur diese Fische mitgehen lassen, denn er konnte ja nicht wissen, das schon welche an die Robbe verfüttert worden waren.

Nur wer das wusste, konnte Hein entführt haben. Aber wer von ihnen? Auch hier zeigt uns die Logik schnell die richtige Lösung. Insa und Stina kamen nicht in Frage , denn erstens hätten sie die Fische nicht verfüttert, wenn sie von deren wertvollen Inhalt gewusst hätten, und Zweitens hätten sie es auch nicht nötig gehabt, den Seehund zu entführen, denn sie hatten ja jeden Tag mit ihm zu tun, hätten ihm also unauffällig ein Abführmittel verabreichen können, wie es sicher unser Dieb Getan hat, um an die Juwelen heran zu kommen.

Die Sekretärin schied von vornherein aus. Nein, es gab nur eine Person, die in Frage kam, nämlich Tim Beckelsen. Nur er hätte es nötig gehabt, das Tier zu entfernen, und wo hätte er es hinbringen, und sicherer halten können, als in seiner Quarantäne-Station?“

„Ja, aber wie hat er das Geschafft? Ich meine ,dann hätten es doch drei Robben in dem Becken sein müssen. Ich habe doch selber gesehen, wie er am Nachmittag vorher den einen Heuler gebracht hat.“, warf Insa ein

„Nein“, berichtigte Fenris. “Sie sahen, wie er einen Transportkasten herein brachte, aber sie selber sagten mir, das sie nicht hinein gesehen hatten, und natürlich gingen sie davon aus , das sich ein Tier darin befand, aber sie fielen auf einen Taschenspieler- Trick herein. Es war nur ein leerer Kasten. Verstehen Sie, als Beckelsen erfuhr, das sie bereits von den Fischen an Hein verfüttert hatten, war er geschockt. Sie haben ja selber berichtet, dass er mit Verspätung kam, das kam für ihn unerwartet. Aber er wollte ja die Juwelen wieder haben, und da lies er sich die vorgetäuschte Entführung einfallen.

 Zunächst nahm er sich einen Kasten mit, und fuhr damit herum. Als Stellvertretender Leiter wusste er ja, wann sie Feierabend haben, und sicher auch, von ihrem Termin. Was war also leichter, als zu diesem Zeitpunkt mit Kasten aufzukreuzen und ihn an ihnen vorbei zu tragen, und einen Neuzugang vorzutäuschen. Da er der letzte war, der Feierabend machte ,war es dann auch ein Leichtes Hein, aus seinem Bassin zu holen, etwas dunkler zu färben ,und in die Quarantäne -Station zu bringen, wo er ihm in Ruhe Abführmittel verabreichen, und warten konnte, bis er die Stücke ausschied. Und natürlich war es auch ein Leichtes für ihn ,den Umschlag mit dem Erpresser-Brief unter die Post zu mischen, der selbstredend eine Finte war, um abzulenken. Er musste ihn ,beim Verlassen zu Feierabend am Vortag, nur in den Briefkasten werfen“

Es entstand eine Pause, in der beeindruckte Blicke auf den zufrieden wirkenden Fenris fielen.
Schließlich brach ein Polizist das schweigen, der berichtete, das in Beckelsens Büro noch drei Eimer mit aufgebrochenen Fischen standen. Damit war wohl alles klar.
 „Mein lieber Fenris“, meinte Kommissar Stieler „Gleich zwei Fälle aufgeklärt. Alle Achtung, sie sind wirklich ein Phänomen.“
Man merkte meinem Boss an, dass er sich zusammen reißen musste, nicht zu viel Selbstzufriedenheit zu zeigen.

Am nächsten Tag, bekamen wir von der Seehund-Station ein Päckchen, welches einen kleinen Original- getreuen Plüsch-Seehund enthielt, der ein Schild mit der Aufschrift „Hein“ um den Hals trug.Dabei ein Schreiben, indem man uns des tiefsten Dankes versicherte, und das Hein in den nächsten Tagen ausgewildert würde. Er war trotz allem ein Wildtier, und gehöre wieder in die freie Wildbahn.
Lächelnd setze Fenris das Plüschtier auf seinen Schreibtisch, und dort hat es seitdem seinen festen Platz, als Erinnerung an einen unserer ungewöhnlichsten Fälle.


ENDE

Sonntag, 20. August 2017

Fenris und die Frau des Staatsanwaltes

Nach langer Zeit mal wieder ein Fenris-Krimi,viel Spaß!

1
Es war schon eine erlesene Versammlung, die sich an diesem Vormittag in unserem  Büro eingefunden hatte, und nun meinem Boss Tjark Fenrissen, im Allgemeinen kurz „Fenris“ genannt, gegenüber saß.

Neben unserem Bekannten Hauptkommissar Stieler waren das Oberstaatsanwalt Hinnerk Bluhm, ein hochgewachsener dunkelblonder Mann,, mit kantigem, aber freundlichem Gesicht, und grauen Augen., der in dem Sessel in der Mitte Platz genommen hatte, Richter Hermann Holze, schmächtig, mit grauer Halbglatze, runder Brille, und braunen Augen, sowie der Bürgermeister von Frersum, Karl Dänke, persönlich. Außerdem war noch eine hübsche, rotblonde junge Frau dabei, die uns als Lena Günther, Hausmädchen der Bluhms, vorgestellt wurde.

„Tja“, meinte Dänke, ein vierschrötiger Mann mit schütterem roten Haar und einem geröteten Puttengesicht, “Sie haben sicher schon von dem Mord an Sylvia Bluhm,der Frau des Oberstaatsanwalts gehört. Darum sind wir her.“
„Selbstverständlich ist uns das schon zu Ohren gekommen“, nickte Fenris. Zu Bluhm gerichtet sagte er: “Mein aufrichtiges Beileid. “Bluhm nickte stumm.

„Nun“, fuhr der Bürgermeister fort, “Wir sind natürlich von den Fähigkeiten des Kommissars überzeugt, jedoch war es der Wunsch von Herrn Bluhm, und auch meiner, das noch jemand von Außerhalb der Polizei zu den Ermittlungen hinzu gezogen wird, und da sie ein gewisses Renommee besitzen, haben wir an sie gedacht.“

Fenris nickte bedächtig.
„Schön, schön. Wenn ich aus der Zeitung richtig informiert bin, dann ist sie von einem Einbrecher erschossen worden, der durch die Terassentür ins Wohnzimmer eingedrungen war. Für einen so simplen Fall scheint mir der Aufwand, den sie betreiben etwas groß zu sein.“

„Ahem ja, “, begann der Bürgermeister, der in einer Art stiller Absprache als Sprecher für die ganze Gruppe agierte. “Es ist schon ein bisschen komplizierter .Zunächst ist es so, das wir am Tatabend alle anwesend waren, dann ist es so, das möglicher weise Staatsanwalt Bluhm selbst getroffen werden sollte, und eventuell noch in Gefahr ist. Es könnte um Rache gehen“

„So, dann darf ich vermuten, das sie einen konkreten Verdacht haben? Aber vielleicht schildern sie mir erst, was sich an dem Abend, es war doch Vorgestern, ereignet hat.“

„Natürlich“, meinte Dänke „Der Herr Staatsanwalt, Richter Holze und ich haben einmal im Monat unseren Skatabend. Dazu gehen wir in unseren Club, ins „Seepferdchen“.
„Ah ja; diese Nobelgaststätte“
„Hmm ja. Nun, der verhängnisvolle Abend war so einer. Der Richter und ich holten Bluhm
Um ca. 19:30Uhr bei ihm zu Hause ab, äh Deichweg 7“

„Und ihre Frau blieb dann allein?“
„Ja“, griff der Staatsanwalt ein „ sonst trifft sie sich mit Freundinnen, doch an diesem Tag ging es ihr nicht gut, ne` Magen-Darm- Geschichte. Als wir gingen war sie grad in der Küche, um sich einen Salbei-Tee zu machen. Sie wollte nicht, dass ich deswegen meinen Skat-Abend sausen lasse. Sie rief uns aus der Küche noch viel Spaß zu, wie Dänke und Holze bestätigen können.“

Die beiden nickten zustimmend. Fenris wandte sich an die junge Frau
„Lena Günther nicht wahr? Verließen sie mit den drei Herren das Haus, oder blieben sie noch?“
Das Mädchen schüttelte den Kopf.
„Nein, ich verließ mit den Herren das Haus. die gnädige Frau gab mir für den Rest des Abends frei.“

„So tat sie das? Nun gut, fahren sie fort, Herr Bürgermeister“
„Ja, wir warteten noch auf Lena, verließen dann das Haus, fuhren also dort hin, spielten Skat, tranken, was man dann so macht, so ungefähr bis 23:00Uhr, dann traten wir mit einem Taxi den Heimweg an. Da Bluhm am nächsten zum Seepferdchen wohnt, fuhren wir zunächst zu ihm.Unterwegs lies er jedoch anhalten, weil er dringend telefonieren musste.“
„Mir fiel was ein, zu einem aktuellen Fall“, warf Bluhm ein Und ich hatte mein Handy nicht mit.“

„Gut, sie telefonierten also. wie lange dauerte das?“
„Etwa fünf Minuten“
„Gut , weiter“
„Wir fuhren weiter zu Bluhms Haus, und brachten ihn noch zur Tür.Als wir uns verabschiedeten, hörten wir von drinnen einen Schrei, und gleich darauf einen Schuss. Bluhm rief: <Das war meine Frau!> Wir stürmten rein, und fanden sie im Wohnzimmer liegen, mit einer Schusswunde im Herzen.

Die Terrassentür zum Garten stand auf.Über der Klinke war die Scheibe zerschlagen worden. Auf der Terrasse lagen Scherben. Es hatte auch niemand in der Nachbarschaft etwas Verdächtiges bemerkt“
„Gab es Fußspuren“
„Nein, der Täter musste allerdings mit großer Geschwindigkeit geflohen sein, denn wir kamen ja im selben Moment, als die Tat geschah“

„Richtig. Soweit also der Tathergang. Nun sagten sie, es gäbe einen verdächtigen?“
„Genau genommen zwei“, sagte der Staatsanwalt „Der erste heißt Jens Kersten, ich habe ihn wegen Raubes für fünf Jahre  ins Gefängnis gebracht. damals nach der Verhandlung hat er mir Rache geschworen. Wie ich erfahren habe, ist er seit einem halben Jahr auf Bewährung wieder draußen. Er wohnt jetzt am Hafen, Er arbeitet dort als Festmacher.“
„Und der andere?“

„Heiko Krien, der Exfreund meiner Frau. die Beziehung war schon vorüber als wir uns kennen lernten. Manche sagen aber, er hat die Trennung nicht verwunden.“
„Verstehe. Der Tathergang dürfe zu beiden passen. Gibt´s noch irgendwas Wissenswertes?“
„Das hier noch“, sagte der Kommissar, und reichte eine dicke Akte rüber „Ich habe hier Kopien der Ermittlungsakten, plus Obduktionsbericht und Dossiers der beiden Verdächtigen“
„Danke. Wir werden das erst mal durcharbeiten, und dann mit Herrn Kersten und Herrn Krien sprechen. Es sei denn, sie, Herr Kommissar, haben die Absicht dies jetzt zu tun. Dann könnte Herr Alldag mit kommen.“

„Wollte es grade vorschlagen. Wäre sowieso das Beste.“
„nun denn Jan, dann gehen sie mit, und berichten mir dann .Ich werde inzwischen die Akte studieren.“
Ich nickte, nahm meine Jacke, und folgte dem Kommissar, während sich die Versammlung auflöste.

2
Wir fanden Jens Kersten im Hafen, in dem es lebhaft zuging. Sein Vorarbeiter wies uns zum Pausenraum, wo er saß. Dieser bestand aus zwei zusammengeschweißten Seecontainern, und war innen mit einer kleinen Küche, Tischen, und einem Sanitärbereich ausgestattet.Kersten saß allein an einem Tisch. Er war blond, kräftig und hatte ein Bulldoggengesicht. Jemand , dem man nicht unbedingt nachts allein begegnen möchte, und dem ein Mord zugetraut werden konnte.

„Herr Kersten?“, sagte der Kommissar „Stieler, Kriminalpolizei, das ist Herr Alldag"
Wir setzten uns zu ihm.Er sah uns aus seinen tief liegenden Augen misstrauisch an.
„Was woll´n sie ? hab´ nichts gemacht. Bei mir gibt´s keine krummen Dinger mehr“, knurrte er.
„Mag sein. Sie haben sicher schon von dem Mord an der Frau von Staatsanwalt Bluhm gehört.“
„Sicher, ist ja Topthema im Moment.“

„Nun, uns ist bekannt, dass sie Bluhm bei ihrer Verurteilung damals bedroht haben“
„Hab ich wohl ja. aber ich hatte 4Jahre Zeit darüber nachzudenken. Sie wissen doch, man sagt soviel in seiner Wut, das einem hinterher Leid tut. Als ich raus gekommen bin, hatte ich keinen Groll mehr gegen ihn.“
„Gut, und wo waren sie Vorgestern Abend  zwischen 23:00 Uhr und 23:30 Uhr ?
"Zuhause im Bett .Hatte Fernsehen geguckt, und dann früh ins Bett. Musste früh raus.“
„Und sie waren allein, nehme ich an.“
„Leider“
„Schwaches Alibi, aber gut, besser als keins. Haben sie den Staatsanwalt mal getroffen, nachdem sie raus waren?“
„Nee, hatte ich auch kein Interesse dran.“
„Verstehe. Gut, das war dann alles, dann einen schönen Tag noch.“

Heiko Krien hatte ein Souvenir-Geschäft auf der anderen Seite des Hafens, welches vier in Zehn Minuten zu Fuß erreichen konnten. Um diese Zeit war noch nicht viel los, als wir den Laden betraten.

Krien erwies sich als ein schlanker Mann mit unruhigen, grauen Augen, und einer spitzen Nase. Er bat uns nach hinten in sein Büro. Der Raum machte einen aufgeräumten und gut organisierten  Eindruck.

„Was kann ich für die Polizei tun?“, fragte er mit leiser, bedächtiger Stimme.
„Wir sind hier wegen des Mordes an Sylvia Bluhm, der Frau des Staatsanwaltes“, sagte der Kommissar .Es ist doch richtig, das sie einmal liiert waren.“

Krien nickte „Wir kannten uns schon aus der Schule, und waren dann ein Paar, beinahe Fünfzehn Jahre lang.“
„Und dann?“
„Kriselte es. Kam schleichend. Irgendwie lebten wir uns auseinander, und hielten es dann für besser uns zu trennen. Offen gesagt hoffte ich, das wir, wenn wir ein bisschen Abstand hatten wieder zusammen finden würden.“
„Und dann lernte sie Staatsanwalt Blum kennen, und heiratete ihn.“
„Ja“
„Wie war das für sie. Es muss doch weh getan haben“, wollte ich wissen
„Hat es auch, gleichzeitig habe  ich mich aber auch für sie gefreut.“
„Haben sie seit dem wieder eine Beziehung?“
Er schüttelte den Kopf
„Nein.Irgenwie…Es ist keine wie sie“
"Wo waren sie Vorgestern zwischen 23 und 23:30Uhr?“, wollte jetzt der Kommissar wissen
„Bin herum gefahren, nachdem ich geschlossen hatte, so um Acht. War dann  draußen auf dem Deich, und bin da spazieren gegangen.“
„ Wie lange“
„Muss viertel vor Zwölf gewesen sein, als ich Zuhause war“
„Genau wissen sie es also nicht. Hat sie jemand gesehen oder war jemand bei ihnen“
„Nein, ich denke nicht.“
„Hmm gut, das War´s. Ich muss sie aber bitten, sich zur Verfügung zu halten.“
„Natürlich.“

Im Wagen besprachen wir, was wir gehört hatten.
„Sie haben beide ein schwaches Alibi, und beide durchaus ein Motiv“, meinte ich
„Richtig“, sagte Stieler, "aber auch ein schwaches Alibi muss erstmal widerlegt werden, wobei ich eher Kersten die Tat zutrauen würde.“
„Er ist mehr der Typ dafür richtig, aber auch Krien könnte nur nach außen so ruhig wirken. Er hat psychisch einiges durchgemacht, und scheint mit der Beziehung nie abgeschlossen zu haben.“

 Im Büro erstattete ich meinem Boss Bericht, und schilderte ihm detailliert die beiden Verhöre. Er nickte zufrieden.
„Gut,gut. Es ergibt sich doch ein klares Bild. Heute Nachmittag fahren sie noch zum Staatsanwalt, und sprechen mit seinen Nachbarn. Sie müssen ihnen nur eine Frage stellen, dann möchte ich die Herren für Morgen Abend noch einmal zum Essen einladen, aber das kann Frederike erledigen, und dann hab´ ich noch einen Spezialauftrag…ach sie haben doch ein eigenes Auto?“
„Natürlich“
„Gut, das werden sie brauchen.“…


3

Es war am Abend darauf. Das Abendessen war grade beendet, und Frederike räumten ab, um danach den Degestiv zu servieren. Fenris lehnte sich zurück und sagte:
„Ich bin erfreut, ihnen sagen zu können dass der Fall so gut wie gelöst ist.“
„Sie wissen also, wer es war?“
„Sicher. Es gibt aber noch ein Paar ‚Details  zu klären, die das Auto von Herrn Kersten betreffen.“
„Er hat ein Auto?“
„Einen alten weißen Citroen, einen DS, ja. Da das Fahrzeug sehr auffällig ist, sollte es nicht schwer sein, zu erfahren, ob es in der Nähe des Tatortes zu sehen war. Kommen sie doch Morgen um Zehn Uhr wieder hierher, und wir können dann sicher den Fall abschießen.“
„Ich werde noch Heute Abend einen Durchsuchungsbefehl für das Fahrzeug ausstellen.“, sagte der Richter. Die Anderen nickten zustimmend.

So saßen am nächsten Morgen alle beteiligten in Fenris Büro. Der letzte war der Kommissar, der mit ernster Mine eine Plastiktüte auf den Schreibtisch legte, die einen Gegenstand enthielt, der untrüglich wie eine Pistole aussah.

„Die haben wir Heute Morgen  in Kerstens Wagen gefunden. Sie war unter dem Sitz versteckt.“
Jens Kersten wurde rot
„D….Die muss mir jemand unter geschoben haben“
„Blödsinn!“, ereiferte sich Staatsanwalt Bluhm, und wollte auf Kersten losgehen. Ich trat zwischen die Beiden.
„Halt, halt!“, rief Fenris „bitte nehmen sie wieder Platz, und es wird sich alles klären. Wir haben jetzt also die Tatwaffe, das Kaliber stimmt mit dem, im Obduktionsbefund erwähnten überein. Die ballistische Untersuchung wird sicher den letzten Beweis bringen. Wir haben jetzt also alles, um den Fall zum Abschluss zu bringen, und den Mörder Sylvia Blums zu überführen.“

„Natürlich!“, blaffte der Staatsanwalt, und zeigte auf Kersten. “Da sitzt er“
„Nein“, sagte  Fenris kurz „er war es nicht“
„Und wer sonst?“
„Sie!“, sagte Fenris scharf, und fasste ihn in Auge
Alle starrten ihn entgeistert an. Bluhm lachte.
„Ich habe ein hieb- und stichfestes Alibi. Vielleicht ist es ihnen entgangen, aber ich habe selbst gehört, wie meine Frau erschossen wurde.“
„Sie hörten ,wie ein Schrei ausgestoßen ,und ein Schuss abgegeben wurde, und das ist genau der Punkt, denn Sylvia Bluhm war zu diesem Zeitpunkt bereits tot, und sie lebte auch schon nicht mehr, als sie Sie abholten, denn sie töteten sie vorher“

„Aber wir haben doch mit ihr geredet“, widersprach der Richter
„Eben nicht“, entgegnete Fenris „Sie hörten aus der Küche  die Stimme seiner Komplizin und Geliebten, Lena Günther, und nachdem sie das gehört , und gemeinsam das Haus verlassen hatten, konnte Bluhms Plan, sie zu seinem falschen Alibi zu machen, ablaufen.“

Es folgte ein Moment der Stille

„Lena kehrte später zurück“, fuhr Fenris fort „um die Inszenierung vor zu bereiten, die für die Rückkehr der drei Herren geplant war. Sie bringt die Leiche ins Wohnzimmer, die in der Küche gelegen hatte, öffnet die Terassentür, und schlägt die Scheibe ein, um Einbruch vorzutäuschen, dann nimmt sie die Tatwaffe, die sehr Herr Bluhm nach dem Mord nachgeladen hatten, wartet “

„Einen Moment“, sagte Bluhm „Die Nachbarn haben ausgesagt, dass sie niemanden bei unserem Haus gesehen haben.“
Fenris lächelte „Ja, eine Eigenart der Menschen. Wenn man sie fragt, ob sie jemanden gesehen haben, dann beziehen sie diese Frage immer auf eine ungewöhnliche Person, die hier nicht hingehört. Gestern Nachmittag aber befragte Herr Alldag die Nachbarn noch einmal, und stellte die Frage, ob sie vielleicht  jemand bekanntes gesehen haben, und siehe da, Jemand erinnerte sich, das er Lena Günther etwa Viertel vor Elf das Haus hat betreten sehen.“

„“Also, sie wartet auf einen Anruf, und der kommt. wissen sie noch? Bluhm lies anhalten, um einen Anruf zu tätigen, und mit wem hat er wohl telefoniert? Natürlich mit Frau Günther, um ihr zu sagen,das sie bald da sind, und sie sich bereit halten soll. Anhand der Anrufliste ihres Handys, sollte sich das ohne Weiteres nachweisen lassen.“

„Und was passiert nun? Lena wartet, bis die Drei kommen. Sie hört, wie die Tür aufgeschlossen wird, und die Inszenierung startet. Sie stößt den Schrei aus, und feuert den Schuss ab, in den Garten, dann verlässt sie durch die Terassentür das Haus, und da sich jetzt alles im Wohnzimmer abspielt, kann sich auf die Strasse davon stehlen ,und verschwinden.“

„Wie ich darauf gekommen bin wollen sie wissen? Nun Lena ist ein kleiner, aber entscheidender Fehler unterlaufen. Sie sagten, und das sah man auch auf den Tatort-Fotos, dass der Großteil der Scheiben der Tür auf der Terrasse lag. Das aber passte nicht zu einem Einbruch, denn wenn Jemand von außen die Scheibe eingeschlagen hätte, müssten die Scherben innen, im Wohnzimmer liegen. Wenn sie außen lagen bedeutet das , die Scheibe wurde von innen eingeschlagen, und das wiederum bewies, das der Einbruch  vorgetäuscht war, woraus sich ergab, das der Mörder aus dem Haushalt kommen musste.

Aber wenn es Lena war, hätte sie diese Inszenierung mit dem Schrei und dem Schuss nicht gebraucht, sondern die machte nur Sinn, wenn der Hausherr ein Alibi brauchte, aber, da dafür zwei Personen benötigt wurden, war klar, sie waren es zusammen.“

„Gut ausgedacht“, meinte Bluhm spöttisch „Aber eins können sie damit trotzdem nicht erklären, nämlich wie die Tatwaffe in Kerstens Auto kommt.“

Über Fenris Gesicht legte sich nun ein breites Grinsen.
„Ich denke doch“, sagte er und beugte sich vor „Sie haben sie dort hinein gelegt. Doch zunächst muss ich ihnen gestehen, dass ich sie Gestern beschwindelt habe. Da betreffende Auto gehört nicht Herrn Kersten, sondern Herrn Alldag.Genau genommen hat Herr Kersten nicht einmal einen Führerschein.“
"Und wieso stand es dann vor Herrn Kerstens Haus?“

„Sehr einfach, weil Herr Alldag es dort hin gestellt hat,auf meine Anweisung hin, und wie geplant haben sie die Gelegenheit wahr genommen, Herrn Kersten die Mordwaffe unter zu schieben, um ihn zu belasten. Sie  können jetzt behaupten, sie haben sie nicht da rein gelegt, doch Herr Alldag hat in dem Wagen noch eine technische Spielerei installiert, nämlich eine kleine Kamera, die er mit einem Aufzeichnungsgerät im Handschuhfach verbunden hatte, und die hat aufgezeichnet, wer die Waffe im Auto versteckt hat. Gleich nachdem die Polizei Heute Morgen fertig war, holte er das Gerät heraus.“

Fenris griff nach unten, und stellte ein kleines Laptop auf den Schreibtisch, dann drehte er   Es so, das alle das Display sehen konnten.

„Wollen wir uns ansehen wer es war?“
Bluhm war in sich zusammen gesunken, und seufzte Lena drehte verzweifelt den Kopf weg.
„Nicht nötig“

„Sie hätten es fast geschafft. Ich wusste sie waren es, aber ich hatte keinen klaren Beweis. Ich musste sie dazu bringen, ihn mir zu liefern. Dafür diese kleine Finte. In ihrem Bemühen, einen Sündenbock zu liefern, schaufelten sie sich ihr eigenes Grab. Herr Kommissar, er gehört ihnen!“…


Ende

Sonntag, 2. August 2015

Fenris kommt auf den Seehund


1.
Zu den ungewöhnlichsten Fällen, die wir so bearbeitet haben, zählt sicher der Heuler-Fall. Bemerkenswert ist er vor allem, weil es ein Doppel-Fall war, aber von Anfang an, und seinen Anfang nahm dieser Fall an einem Vormittag im Frühsommer ,Ende Juni, an dem wir , wie so oft im Büro saßen, beschäftigt mit jenem Papierkrieg, den so eine Detektei nun mal mit sich bringt.

Wir waren wohl schon seit einer Stunde beschäftigt mit Berichten und Formularen, als es an der Tür Klingelte. Ich wollte mich nach Fertigstellung des letzten Absatzes, grade erheben, um zu öffnen da streckte Frederike Brahms, unsere Haushälterin schon ihr pausbäckiges Gesicht zur Türe rein, und sagte:
„Entschuldigung, draußen sind zwei mögliche Klienten.“
Fenris, eigentlich Tjark Fenrissen, , 45 Jahre alt, groß, dick, mit vollem blonden Haar, einem rundlichen Gesicht mit Knollennase und einer runden Brille , sah auf, schob die Papiere vor sich zur Seite, und sagte:
„Nun, eigentlich sind wir beschäftigt, aber führen sie sie herein. Etwas Abwechslung von dieser notwendigen, aber stumpfsinnigen Tätigkeit kann wohl nicht schaden.“
Frederike nickte, und ging, um die Besucher zu holen, die wenig später in den Sessel vor Fenris´ Schreibtisch saßen.

Es handelte sich um einen Mann um die Vierzig, und eine Frau Mitte Zwanzig, die mir durchaus gefiel. Hübsch, Blond, wohl proportioniert, mit einem netten, spitzbübisch wirkenden Gesicht mit Sommersprossen, in einem schlichten T- Shirt und Jeans.
Er war schlaksig, etwa 1,80, mit schütterem, braunem Haar, hoher Stirn, und nicht unsympathischen, aber nichts sagendem Allerweltsgesicht.

Sie stellten sich vor, als Tim Beckelsen, Tierarzt und Stellvertretender Leiter der Seehund –Station von Frersum, sowie Insa Kempe, Tierpflegerin in derselben.
Die Seehund-Station war uns natürlich bekannt. Sie war im vorigen Jahr eingeweiht worden.
„Schön, meinte Fenris, und was kann ich nun für sie tun?“
„Wir möchten sie engagieren, unseren gestohlenen Seehund wieder zu finden“, eröffnete Beckelsen.
„Einen Seehund?“, fragte Fenris mit ei9ner Mischung aus Entgeisterung und Mißmutigkeit.
„Ja, wir glauben, er ist entführt worden“, schaltete sich Insa Kempe ein.
„Darf ich fragen, was sie zu dieser Vermutung führt?“
„Nun, letzte Nacht ist in unserer Station eingebrochen worden. Das Schloss am Tor wurde aufgebrochen, und Hein, so heißt das Tier, war verschwunden, und mit ihm ein Eimer Fische."

„Fische“
„Ja, damit füttern wir sie.“
„Haben sie die Polizei eingeschaltet?“
„Ja, da kommen wir gerade her. Herr Kommissar Stieler hat zwar eine Anzeige aufgenommen.Sie haben wohl auch jemand zur Spurensicherung geschickt aber er hat sie uns empfohlen, weil die Polizei momentan beschäftigt ist mit diesem Juwelenraub.“
„Ach ja sicher, dieser Einbruch beim Juwelier Stöver, natürlich“

Es war leicht zu sehen, das mein Boss sich lieber mit gestohlenen Juwelen befasst hätte, als mit einem gestohlenen Seehund.“
„Ist außer dem  Seehund und den Fischen noch etwas gestohlen worden?“
„Nein, „sagte Beckelsen „Das ist ja das seltsame .Unser Büro hat der Einbrecher gar nicht angerührt. Er ist nur beim Seehund-Becken gewesen. Es  ist so, als er ob er nur darum da war.“
„Gut, wann hat der letzte von ihnen gestern das Gelände verlassen?“
„Gegen Neunzehn Uhr, das war ich selber“, sagte Beckelsen.
„Und wann war der erste Heute morgen da?“
„Um Sechs, das war ich. mir ist es auch als erstes aufgefallen“, meldete sich Insa „Ich habe dann die Polizei und Herrn Beckelsen angerufen. Die waren auch da, und danach waren wir beim Kommissar, der uns zu ihnen geschickt hat.“

„Gut denn. Nun Jan, was halten sie von einem kleinen Ausflug zur Seehund-Station?“
„Da halte ich viel von, “ sagte ich.
„Schön, dann machen wir uns auf den Weg, um uns den Tatort anzusehen. Meine Dame, mein Herr, sie haben uns gerade engagiert.“
„Ähm, was das Honorar angeht, wir sind ein Verein, und nicht gerade Reich,aber Herr Kommissar Stieler meinte , die Polizei würde sich auch…“
„Mit der Honorar-Forderung warten wir, bis der Fall gelöst ist. Ich bin dafür, erstmal für mein Geld etwas zu tun.“

Die Seehund-Station lag am Nord-Östlichen Ortsrand von Frersum, direkt am Deich. Sie bestand aus zwei Gebäuden, von denen sich im einen Verwaltung und Sozialräume , im anderen Komplex ein Lager und die Tierärztliche Quarantäne –Station befand , wo sich in einer Halle zwei Becken befanden, die von einer Plexiglas-Wand getrennt waren. Daneben, befand sich ein großes Areal im Freien, das drei sternförmig angeordnete Becken enthielt. Hier schwammen einige Robben im Wasser, die uns aus großen Augen neugierig ansahen. Eine Pflegerin mit brünettem, lockigem Haar tat hier gerade Dienst, und wurde uns als Stina Rake vorgestellt.
„Ja“, meinte Insa „Hier halten wir unsere Schützlinge. Die Quarantäne- Station ist das Reich von Tim, also Herrn Beckelsen. Hier kommen für ein bis zwei Tage die Neuankömmlinge hin, bis wir sicher sind, das sie keine Krankheiten haben, die sie nach draußen tragen können, und eben kranke Tiere. Darum gibt es dort zwei Becken.“

 Durch die Scheibe konnten wir im Becken zwei kleine Seehunde sehen.
„Und die Beiden, sind das Neuankömmlinge?“, fragte ich
„Ja, der eine der Beiden kam Vorgestern, und kommt bald nach draußen, der andere kam Gestern Nachmittag. Ich war dabei. Ich hatte grade Feierabend gemacht, und wollte das Gelände verlassen, da kam mir Tim mit einer Transportkiste entgegen. Normalerweise schaue ich mir die kleinen ja noch an, aber diesmal hatte ich es eilig, denn ich hatte noch einen Termin.“
„Ist es normal, das die eine dunkler ist, als die andere?“, fragte Fenris
„Ja, Farbschattierungen kommen durchaus vor.“
Wenn ich richtig verstanden habe, ist Beckelsen nicht der eigentliche Leiter?“
„Richtig, der eigentliche Leiter  ist Ubbo Baumann, aber der ist jetzt im Urlaub. Sonst ist noch Svea Herres da, die Sekretärin“

Wir sahen uns gründlich um, betrachtet das aufgebrochene Schloss, an dem noch ein Paar Späne des Mittels zur Sichtbar-Machung von Fingerabdrücken klebte, da hörten wir einen Schrei.
Eine mittelaltrige, rothaarige Frau im Beige- farbenen Kleid kam auf Insa und  ihre Kollegen zu gestürmt, auch Beckelsen kam aus seiner Halle.
„Er ist da, er ist da“, rief sie
„Wer ist da?“, fragte Fenris
„Ein Erpresser-Brief“, antwortete die Frau, die offenkundig Svea Herres war, mit erstauntem Blick auf den Detektiv.
Wir standen im Kreis um sie, und sahen auf das Blatt Papier, welches sie in der Hand hielt:
Wenn sie den Seehund wieder haben wollen, dann hinterlegen sie am alten Steg hinter dem Deich die Summe von 10 000 Euro. Keine Polizei!,
 stand dort in Schreibmaschinenlettern geschrieben.

„Darf ich mal?“, fragte Fenris,entnahm der Hand der Frau sanft den Umschlag, und betrachtete ihn. Es war ein normaler Briefumschlag, wie man ihn überall im Schreibwaren-Handel bekommen konnte. Er war unbeschriftet und unfrankiert.
„Wann ist der Brief angekommen?“ Svea Herres sah meinen Chef erstaunt an, und warf dann einen fragenden Blick zu Beckelsen, der ermutigend nickte, und sagte:
„Es ist in Ordnung. Er ist Privatdetektiv. Wir haben ihn engagiert.“
„Nun“, sagte sie zu Fenris gewandt „Er war Heute morgen in der Post. Ich bin aber erst jetzt dazu gekommen, sie durch zu sehen“
„Hm danke“, sagte er liebenswürdig lächelnd. „Tja, hier haben wir nun alles gesehen, was wir sehen mussten. Wir melden uns dann bei ihnen.“
Damit verabschiedete wir uns, und gingen nach Hause, wo das wohl das Mittagessen schon auf uns wartete.
2.
Als Erstes wartete allerdings Kommissar Stieler auf  uns.
„Werter Herr Kommissar, welchem Umstand verdanken wir die Ehre ihres Besuchs“, begrüßte Fenris unseren Gast.
„Oh, ich war in der Nähe, und wollte mal rein schauen. Haben sie sich der Seehund-Sache angenommen?“
„ Das haben wir. Wir kommen grade von der Seehund-Station“
„Sehr Schön. Da sie damit der Polizei Arbeit abnehmen, sind wir bereit, einen Teil des Honorars zu tragen.“
„Ich sagte schon meinen Klienten, dass wir damit erst mal warten wollen, bis die Arbeit getan ist. Und sie? Sind sie in der Juwelenraub-Sache schon voran gekommen?“

„Mehr schlecht als Recht“
„Wollen sie mir ein Paar Details verraten?“, fragte Fenris, während Frederike gerade ein vorzügliches Trappisten-Bier aus Belgien servierten, und ankündigten, dass das Essen in einer halben Stunde fertig sei.
„Nun“, meinte der Kommissar „Sie wissen ja, der Einbruch erfolgte Vorgestern Nacht. Stövers Juwelier-Geschäft liegt in der Flanier-Meile unweit des Hafens. Der Einbrecher ging allerdings ziemlich dilettantisch vor. Er löste die Alarmanlage aus, konnte aber mit Schmuck im Wert von gut 50 000 Euro entkommen, hatte jedoch die Polizei auf den Fersen.
Er ist dann in Clausens Fischhandel eingebrochen, wo er sich eine Weile versteckt hat, um dann dort durch den Hintereingang zu fliehen.“

"Clausen kenne ich“, meinte Fenris."Er beliefert eigentlich alle hier in der Gegend“
„Ja, ein Zeuge hat ihn dort gesehen, ein Fischer namens Frerk Hinrichs, er ein ziemlich mürrischer Kerl. Wohnt übrigens in der  nah bei der Seehund-Station, was aber nichts zwingend etwas zu bedeuten haben muss. Ja, da es dunkel war, konnte er ihn nicht identifizieren. Unser Hauptverdächtiger ist Paule Krahl, der ist schon einschlägig vorbestraft, aber wir können ihm hier nichts nachweisen“
„Hoch interessant. Wenn sie Zeit haben, machen sie uns doch die Freude, und essen sie mit uns .Es wird genug da sein. Dabei können wir dann weiter reden.“

Der Kommissar nahm dankend an, und wenig später trug Frederike auf. Es gab einen großen Schellfisch in der Salzkruste, den unsere Meisterköchin mit Kräutern gefüllt hatte. Wir sprachen dem köstlichen Mahl gut zu, und unterhielten uns dabei weiter über den Fall. Fenris sah auf den Rest des mit Kräutern gefüllten Fischleibes, und erstarrte plötzlich.

„Nein“, sagte er sinnend." Das kann doch nicht..., oder doch?"
 Nun saß er sinnend da, und nuschelte sich ab zu in den Bart, wobei er auf den Fisch starrte,
„Was tut er da?“, fragte Stieler verwirrt.
„Er denkt“, antwortete ich heiter, mit den Schrullen meines Bosses gut vertraut.
Plötzlich hellte sich Fenris Gesicht auf, und ein breites Lächeln machte sich auf ihm breit
„Und jetzt ist er fertig“, kommentierte ich
„Sagen sie, Herr Kommissar, es gab nicht zufällig einen zweiten Einbruch bei dem Fischhändler?“
„Nein“
Und zu unserer Überraschung sagte Fenris höchst zufrieden: "Das habe ich mir gedacht. Somit ist das Bild vervollständigt. Man muss die Dinge nur richtig kombinieren. Ach, Herr Stieler haben sie Zeit mit uns noch einmal zur Seehund- Station heraus zu fahren, aber vorher noch ein Paar Beamte mit hinzu zu bestellen, dann können wir die Sache zu Ende bringen."
3.

Trotz einiger Zweifel kam der Kommissar mit, und zwanzig Minuten später waren wir wieder auf der Seehund-Station. Insa und Stina begrüßten uns überrascht.
„Sie sind schon wieder da?“, fragte Insa erstaunt.
„Ja, ich bin erfreut, ihnen sagen zu können, wo sich ihr Seehund befindet, und wollte sie zu ihm führen.“
"Oh ich mach´mich gleich fertig, ich muss nur einen Kasten…“
„Stopp, Stopp, „rief mein Boss lachend,"Das ist gar nicht nötig. kommen sie doch mal mit zur Quarantäne- Station.“
„Zur Quarantäne- Station?“, fragte Insa verwirrt.
„Ja ja“
 Wir gingen zu jener Halle mit den Becken, wo noch die zwei jungen Robben waren.Im Moment lagen sie am Beckenrand.
„Und nun rufen sie Hein“
Insa sah ihn verwirrt ein an, dann rief sie „Hein!“
Zu aller Überraschung antwortete ein heiserer Robbenton, und die dunklere der beiden Robben bewegte sich mit Rufen auf Insa zu.

„Hein!“, rief sie fassungslos „Hein, das kann doch nicht sein",
 und sie bückte sich zu dem Tier, das sie freudig beschnupperte, und liebkoste es.
„Doch doch, das kann sein“, meinte Fenris, und schmunzelte. Er berührte die kleine Robbe ebenfalls, dann hatte er etwas Schwarzes an der Hand.
„Ruß –Schwärze. Haftet gut, und ist schwer wasserlöslich. Durchaus keine schlechte Idee“
„Dann dürften das wohl die verschwundenen Fische sein“, meinte ich, und zeigte auf einen Blecheimer, der auf einem Regal neben dem Becken stand.
Wir gingen dort hin und betrachteten den Eimer. Die Fische waren in der Mitte durchgebrochen.
„Ist das üblich?“, fragte Stieler
„Eigentlich nicht, man sieht ja, sie waren groß, also für die Tiere draußen bestimmt.Die kleineren bekommen nur Stücke und Krabben.“

„Gehe ich recht in der Annahme“, fragte Fenris, „ das Hein Gestern von diesen Fischen bekommen hatte?“
„Ja“, sagte Insa, während sie das Tier wieder absetzte. „Tim wirkte etwas merkwürdig, als er das sah.Er kam an diesem Tag etwas später,stand, glaube ich im Stau. Es wirkte, als wäre er wütend.“
In diesem Moment lies Hein etwas natürliches Fallen, aber es klapperte dabei. Unser Blick fiel nach Unten, und da lag eine kleine Brosche. Insa holte sich ein Paar Gummi- Handschuhe, holte das Stück hob das Stück aus dem Seehund-Kot, und wusch es ab.
„Was bedeutet…“, begann der Kommissar
„Das bedeutet“, beendete Fenris den Satz, "dass man Fischleiber auch mit etwas anderem, als mit Kräutern füllen kann.“
Während er dies sagte, öffnete sich langsam die Tür zum Tierarzt-Büro in der Quarantäne-Halle, und jemand schlich sich leise heraus, doch ich bemerkte ihn, und rief:
"Hey, Halt, stehen bleiben!“

Nun lief der Mann los, ich hinterher, hatte aber nicht damit rechnen können, das draußen noch Polizisten standen, so das ich im Lauf bremste, als die Beamten den in Handschellen gefesselten herein brachten.
„Ah, Hallo Herr Beckelsen“, sagte Fenris zufrieden „wollten sie uns schon verlassen?“
„Tim“, rief Insa ungläubig, aber das kann doch nicht sein. Warum…“
Er sagte nur ein Wort: “Spielschulden“
„Das hier hatte er bei sich“, sagte einer der Beiden Beamten, und reichte dem Kommissar einen Beutel. Er sah hinein, und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
„Die gestohlenen Juwelen, aber das kann doch nicht…“
„Sicher, es kann“ meinte Fenris. "Aber lassen sie uns doch ins Büro gehen, dann erkläre ich ihnen alles.“

Der Kommissar wies die Polizisten an, Beckelsen ins Revier zu bringen, dann gingen wir alle ins Verwaltungsgebäude .Svea kochte uns Kaffee und dann begann Fenris:
„Es war der gefüllte Fisch, den wir Heute zu Mittag hatten, welcher mich auf die richtige Spur brachte, weil er mir erlaubte, alles im Zusammenhang zu sehen.Den Einbruch beim Juwelier, den im Fischhandel, und schließlich die Entführung des Seehundes.Es gehörte alles zusammen, und nur, wenn man dies alles miteinander kombinierte und in Zusammenhang brachte, war das Rätsel zu lösen. Der Einbruch beim Juwelier wurde dilettantisch ausgeführt, das schloss Paule Krahl aus. Der Täter brach auf seiner Flucht beim Fischhändler Clausen ein, und blieb dort eine Weile, Zeit genug auch, um die Juwelen in Fischleibern zu verstecken. Warum? Um, falls er erwischt wurde, nicht mit der Beute erwischt zu werden. Die Polizei auf den Fersen, ist das durchaus ein nahe liegender Impuls, und selbst ein Anfänger in Einbrüchen könnte darauf kommen.

Wenn aber der Täter die Beute in den Fischen versteckte, dann müsste er zurück kommen, um sie zu holen, es sei denn, er hat sie in bestimmte Fische gesteckt, von denen er wusste ,wo sie hin gingen. Die Tatsache, das es keinen zweiten Einbruch bei Clausen gab, bestätigt diese Annahme Dann müsste er auch unter dieser Adresse zu finden sein. Und plötzlich ergibt sich auch der Zusammenhang zu dem Entführten Seehund und den verschwundenen  Fischen .Das Seehund-Zentrum gehört auch zu Clausens Kunden, und sicher wird die Partie entsprechend gekennzeichnet. War also der Dieb jemand aus der Seehund-Station? Diese Frage wird beantwortet durch die Entführung von Hein. Die beweist, das es jemand von Hier gewesen sein muss, denn ein außen stehender Dieb, der zufällig wusste ,das die betreffenden Fische hierhin gegangen waren, hätte nur diese Fische mitgehen lassen.Er konnte ja schließlich nicht wissen, das schon welche an die Robbe verfüttert worden waren.

Nur wer das wusste, konnte Hein entführt haben, und nur die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hier konnten das wissen. Aber wer von ihnen? Auch hier zeigt uns die Logik schnell die richtige Lösung. Insa und Stina kamen nicht in Frage , denn erstens hätten sie die Fische nicht verfüttert, wenn sie von deren wertvollen Inhalt gewusst hätten, und Zweitens hätten sie es auch nicht nötig gehabt, den Seehund zu entführen, denn sie hatten ja jeden Tag mit ihm zu tun, hätten ihm also unauffällig ein Abführmittel verabreichen können, wie es sicher unser Dieb Getan hat, um an die Juwelen heran zu kommen.
Die Sekretärin schied von vornherein aus. Nein, es gab nur eine Person, die in Frage kam, nämlich Tim Beckelsen. Nur er hätte es nötig gehabt, das Tier zu entfernen, und wo hätte er es hinbringen, und sicherer halten können, als in seiner Quarantäne-Station?“

„Ja, aber wie hat er das Geschafft, ich meine ,dann hätten es doch drei Robben in dem Becken sein müssen. Ich habe doch selber gesehen, wie er am Nachmittag vorher die einen Heuler gebracht hat.“,warf Insa ein.
„Nein“, berichtigte Fenris. “Sie sahen, wie er einen Transportkasten herein brachte, aber sie selber sagten mir, das sie nicht hinein gesehen hatten, und natürlich gingen sie davon aus , das sich ein Tier darin befand, aber sie fielen auf einen Taschenspieler- Trick herein. Es war nur ein leerer Kasten. Verstehen Sie, als Beckelsen erfuhr, das sie bereits von den Fischen an Hein verfüttert hatten, war er geschockt. Sie haben ja selber berichtet, dass er mit Verspätung kam, das kam für ihn unerwartet. Aber er wollte ja die Juwelen wieder haben, und da lies er sich die vorgetäuschte Entführung einfallen. Zunächst nahm er sich einen Kasten mit, und fuhr damit herum. Als Stellvertretender Leiter wusste er ja, wann sie Feierabend haben, und sicher auch, von ihrem Termin. Was war also leichter, zu diesem Zeitpunkt mit Kasten auf zu kreuzen und ihn an ihnen vorbei zu tragen, und einen Neuzugang vor zu täuschen. Da er als letzter Feierabend machte ,war es dann auch ein Leichtes, Hein aus seinem Bassin zu holen,ihn etwas dunkler zu färben ,und in die Quarantäne -Station zu bringen, wo er ihm in Ruhe Abführmittel verabreichen, und warten konnte, bis er die Stücke ausschied.Danach beschädigte er das Schloss, um Einbruch vorzutäuschen. Und wie einfach für ihn, den Umschlag mit dem Erpresser-Brief unter die Post zu mischen, der selbstverständlich nur eine Finte war, um abzulenken. Er musste ihn beim Verlassen des Geländes zu Feierabend am Vortag ja nur in den Briefkasten werfen“

Es entstand eine Pause, in der beeindruckte Blicke auf den zufrieden wirkenden Fenris fielen.
Schließlich brach ein Polizist das schweigen, der berichtete, das in Beckelsens Büro noch drei Eimer mit aufgebrochenen Fischen standen. Damit war wohl alles klar.
 „Mein lieber Fenris“, meinte Kommissar Stieler „Gleich zwei Fälle aufgeklärt. Alle Achtung, sie sind wirklich ein Phänomen.“
Man merkte meinem Boss an, dass er sich zusammen reißen musste, um nicht zu viel Selbstzufriedenheit zu zeigen.

Am nächsten Tag, bekamen wir von der Seehund-Station ein Päckchen, welches einen kleinen Original- getreuen Plüsch-Seehund enthielt, der ein Schild mit der Aufschrift „Hein“ um den Hals trug.Dabei ein Schreiben, indem man uns des tiefsten Dankes versicherte, und das Hein in den nächsten Tagen aus gewildert würde. Er war ja trotz allem ein Wildtier, und gehöre wieder in die freie Wildbahn.
Lächelnd setze Fenris das Plüschtier auf seinen Schreibtisch, und dort hat es seitdem seinen festen platz, als Erinnerung an einen unserer ungewöhnlichsten Fälle.

ENDE

Sonntag, 26. April 2015

Mordsmenü für Fenris



1.

Wer meinen Boss, Tjark Fenrissen,  seines Zeichens Privatdetektiv, 45 Jahre alt, groß, dick, mit vollem blonden Haar, einem rundlichen Gesicht mit Knollennase und einer runden Brille, kennt, weiß, das er nicht nur leidenschaftlicher Craft- Bier -Trinker, sondern auch ausgesprochener Feinschmecker ist. Ein großer erfolg seinerseits  war vor diesem Hintergrund die Anwerbung unserer Haushälterin Frederike Brahms , die eine gute Koch-Ausbildung in Frankreich genossen hatte.

Für einen solchen Gourmet war es eine besondere Herausforderung , zu einem Koch-Wettbewerb ins Hotel „Nordsee-Palast“ als Jury-Mitglied eingeladen zu werden. Nun, es kam nicht ganz von ungefähr, speiste Fenris doch auch öfter im dortigen Restaurant, so das sein feiner Gaumen dort bekannt war. Entsprechend erfreut war er auch, als er nun den Einladungsbrief bekam, und so standen wir nun am Samstag- Nachmittag im Restaurant, und worden vom Hotel-Manager Hein Schriever und Chef- Koch Martin Feller  herzlich begrüßt, der neben Fenris der Jury angehören würde. Drittes Mitglied würde Paul Hendricks sein, Gastro- Kritiker, der in mehreren Zeitungen, darunter dem Frersumer Kurier veröffentlichte.
„Freut mich, sie zu sehen, Herr Fenrissen. Unsere drei Koch-Mannschaften sind schon bei der Arbeit an der Vorspeise. Sie können ihren Platz am Jury-Tisch schon annehmen. Sie , Herr Alldag ,nehmen im Publikum Platz.“

„Danke“, meinte Fenris „Wer sind eigentlich die Kandidaten?“
„Ja, da ist zunächst Pierre Ziegler, vom Restaurant „Trocador“, in Bremerhaven, dann Gerhard Broer vom „Frersumer Hof“, und schließlich Luigi di Liero  vom „Seggiano“ im Nachbarort.“
Ich entschied mich vor Beginn der Veranstaltung noch einmal die Toilette auf zu suchen. Als ich wieder heraus kam , vernahm ich in der Nähe einen großen Lärm, wie von einem Streit. Ich ging in die Richtung, aus der der Lärm zu hören war, und gewahrte draußen im Hinterhof zwei Männer im Konflikt Den Einen kannte ich. Es war Hendricks, dessen Bild ich schon in der Zeitung gesehen hatte.Der Zweite trug die Kleidung eines Kochs. Gerade hörte ich Hendricks sagen: "Passen sie auf Ziegler, wenn sie auf meine Bedingungen nicht eingehen wollen, dann möchte ich was finden, und wenn ich was finden möchte, dann finde ich auch was.Wenn wir überein kommen, wird auch mein  Bericht entsprechend“
„Ich lasse mich nicht erpressen“, entgegnete Ziegler kalt, und ging wieder in die Küche.  Ich zog mich zurück, ging wieder in Veranstaltungsraum , und nahm meinen Platz an einem der Bistro-Tische ein, hinter denen eine Tribüne aufgebaut worden war.

Die drei Jury-Mitglieder hatten ihre Plätze eingenommen ,und die Köche und ihre Teams waren eifrig mit dem Ersten Gang beschäftigt, welcher eine Spargel- Creme- Suppe sein sollte. Ein Paar Minuten später kam auch Ziegler zu seinem Team. Seine Mine war ein wenig düster, und feindselig ging sein Blick zum Jury- Tisch , wo neben Fenris und Feller auch Hendricks Platz genommen hatte.

Schriever  trat jetzt mit einem Mikrofon in die Mitte und sagte: “Herzlich willkommen zu unserem großen Koch-Wettbewerb, in dem sich die Teams dreier namhafter Restaurants  in ihren Künsten messen. Sie werden drei Gänge zubereiten , nämlich eine Spargelcreme- Suppe, ein Kalbs-Ragout, und eine echt norddeutsche rote Grütze, wobei sie diese Gerichte auf ihre individuelle Art kreieren sollen. Bewertet wird der jeweils beste mit drei, der zweitbeste mit zwei ,und der dritte mit einem Punkt. Und mit der Vorspeise sind sie fertig, so das sie gleich serviert werden kann.“

Während die drei Koch-Teams aufzutun begannen, wurde der Jury Wasser in Gläsern serviert. Ich hatte gerade weg gesehen, als ich ein lautes Klirren ertönte. „Das tut mir sehr Leid“, sagte Feller gerade „nehmen sie doch meins“, und schob ihm generös sein volles Glas zu.
„Ich lasse mir ein neues bringen“ Damit winkte er dem Kellner, der sofort kam.
Nun wurde die Suppe serviert und bewertet, wobei das  Team vom Frersumer
Hof  den ersten Sieg des Tages holte.
Danach tranken die Jury- Mitglieder aus ihren Wasser- Gläsern ,um den Mund zu reinigen, denn auch das schon vorher angesetzte Ragout war fertig.
Es wurde am Tisch serviert. Fenris und Hendricks redeten kurz miteinander ,nickten sich zu ,und vertauschten dann die Teller. Fenris Probierte, Feller Probierte. Es schmeckte schon von fern her köstlich, und ich kam nicht umhin die Jury-Mitglieder zu beneiden. Da riss mich ein Poltern aus meinen Gedanken. Ich bekam gerade noch mit, wie Hendricks zusammenbrach ,und vom Stuhl kippte, wobei er auch sein Glas mit herunter riss.
Sofort waren Fenris und der Kellner über ihm. Fenris hob den Kopf und rief: „Ist ein Arzt hier?“
Tatsächlich kam jemand aus dem Publikum.Er untersuchte Hendricks kurz, um dann mit ernster Mine zu den umstehenden zu sagen: „Dieser Mann ist tot“ 
   
2.

„Herr Schriever“ , sagte Fenris "Sorgen sie bitte dafür,das keiner das Hotel verlässt, und rufen sie die Polizei .Es riecht hier verdächtig nach bitteren Mandeln. Ach ja ,und lassen sie die Teller so stehen, wie sie waren“, ergänzte er noch mit einem Blick auf Feller , der sich schon an den Tellern zu schaffen machte :
„Lassen sie die bitte stehen“

Kurz darauf erschienen Polizei, Notarzt, Spurensicherung, sowie ein Gerichtsmediziner aus Bremerhaven. Notarzt und Gerichtsmediziner bestätigten den Verdacht einer Zyanid-Vergiftung. Der Tote wurde abtransportiert, und die Ragout-Reste auf den Tellern eingesammelt.  
„Gut, gut“, meinte Kommissar Stieler, ein hochgewachsener, schlaksiger Mann, Mitte fünfzig, mit dunkelrötlichem Haarkranz, “Wir bekommen den Befund zwar noch, aber die Wahrscheinlichkeit, das das Gift im Essen war, ist hoch. Als sie vom Wasser getrunken hatten war noch alles in Ordnung?“
"Ja das war nur ein paar Minuten vorher“, meinte Fenris
„Und das Ragout war da schon zubereitet ?“
„Sicher“, sagte Feller, “Da ein Ragout ja ein bis zwei Stunden schmoren muss, muss , und wir einen gewissen Zeitrahmen in dieser Veranstaltung haben, wurde es schon vorher angesetzt.“
„Verstehe“, brummte Stieler „somit wären ,sollte sich der Verdacht bestätigen, unsere drei Köche die Hauptverdächtigen.“
„Insbesondere Ziegler“, meinte ich, und berichtete von meiner Beobachtung vor der Veranstaltung.

„Sehr interessant“, meinte Stieler „dann werden wir ihn uns einmal näher ansehen. Es dürfte sie übrigens interessieren, das das Opfer Paul Hendricks eine Akte bei der Polizei  hat. Er ist vorbestraft wegen Erpressung. Offenbar hat er in Hamburg Restaurant-Besitzer erpresst ,ihn für gute Kritiken zu bezahlen. Darum hat er auch seinen Job bei einem dortigen Gourmet-Journal verloren.. Das würde auch zu ihrer Beobachtung passen.“
„Und sie wird es interessieren“, sagte Fenris, „Das der Anschlag auch mir gegolten haben kann. Hendricks und ich tauschten vor der Probe die Teller.“
„Das interessiert mich sogar sehr“, meinte der Kommissar, „Trotzdem möchte ich erst mal mit Ziegler sprechen.“
„Natürlich“

Pierre Ziegler war ein mittelgroßer Mann, Ende Dreißig, mit Bauchansatz, gewelltem, halblangem braunen Haar, und blauen Augen. Als er uns gegenüber saß, wirkte er sehr nervös.
Auf meine Beobachtung angesprochen, wirkte er peinlich berührt, räumte dann aber ein:
„Ja ,ich hatte Streit mit Hendricks, aber ich war beileibe nicht der Einzige, der im Clinch mit ihm lag. Wenn sie Informationen über ihn eingeholt haben, müssten heraus gefunden haben, das er nicht sehr beliebt war.“
„Ja,“ sagte Stieler, "Das ist uns in der Tat aufgefallen. Und worum ging´s bei ihnen? Kommen sie, es geht um eine Mord- Untersuchung, und sie gehören zu den Hauptverdächtigen.“
„Er wollte mein Restaurant. Ich weiß nicht, ob ihnen klar ist, das er schon mehrere Restaurants besitzt. Er erpresste mich ,ihm meinen Laden für einen Spottpreis zu überlassen, sonst würde mich mit einem Verriss ruinieren, und das Restaurant nach dem Konkurs übernehmen.“
„Was sie selbstverständlich ablehnten“
„Selbstverständlich. Mein Laden ist ein Familienbetrieb. Ich führe ihn in der vierten Generation, und ich habe nicht vor, mich erpressen zu lassen.“
„Hätten sie sich notfalls auch mit Mord gewehrt?“
„Unsinn, ich habe einen guten Anwalt“
„Mit Herrn Fenrissen hier sind sie nicht bekannt?“
„Ich sah ihn heute zum ersten Mal“
„Das kann ich bestätigen“, meinte Fenris. „Sie kamen etwas später in den Raum“
„Ja, ich musste mich erst einmal beruhigen“
„Verständlich“, meinte Stieler. “Bis auf Weiters müssen sie hier im Hotel bleiben, wie ihre beiden Kollegen auch.“
„Ich habe ein Restaurant zu führen“
„Und ich einen Mörder zu fassen. Herr Schriever hat ihnen bereits Zimmer herrichten lassen. Ich lasse sie dort unter Polizei-Bewachung stellen, und sehen, das wir so schnell wie möglich fertig sind.“

Ziegler wurde entlassen, und ging ,von einem Beamten begleitet, davon.
Wir ließen nun Broer kommen. Einen massigen Mann ,mit schütterem, blonden Haar. Fenris erkannte ihn wieder
„Herr Broer, hab sie zuerst gar nicht erkannt. Da war doch mal was mit einem Versicherungs-Betrug“
„Ähem ja, aber das ist Vergangenheit. Wie sie sehen habe ich jetzt einen ehrlichen Job. Im Gefängnis habe ich das Koch -Handwerk gelernt, und mir, als ich raus kam eine Existenz aufgebaut, und jetzt…“
„Nicht doch, nicht doch“, meinte Fenris ,"Das kann ja unter uns bleiben, und ihre Spargelcreme-Suppe war ein Gedicht. Sie hegen also auch keinen Groll mehr gegen mich“
„Keinen, der mich dazu führen würde ,meine vorzüglichen Gerichte mit Gift zu versetzen. Schade ,das sie nicht mehr dazu kamen, das Ragout zu kosten.sie wären begeistert gewesen“
„Oh ja, wenn ich mich nicht irre ,habe ich es Hendricks herüber geschoben ,und dafür das von Ziegler bekommen. Er meinte , er hätte ihren ersten Gang zuerst probiert, jetzt sollte ein anderer der Erste sein.“
„Schon, aber ich sage ihnen ,es war einwandfrei. Ich habe selber davon probiert, kurz bevor ich es hingestellt hatte.“
„Nun, das wird die Labor-Untersuchung des Teller-Inhaltes zeigen. Wie steht´s, kannten sie Hendricks?“
„Natürlich kannte ich diese Giftspritze. Er hätte mich beinahe ruiniert mit seinem Geschmiere, aber ich hab´s auch geschafft ,ohne ihn zu bezahlen.“


Nachdem er darüber informiert war, das er im Hotel zu bleiben hatte, er kam zwar aus dem Ort ,aber Stieler wollte sie alle drei gern dort haben, wo er sie kontrollieren konnte, ging auch er ,von einem Beamten begleitet, von dannen.
Als letzter kam Di Liero ,der Italiener. Ja, auch er hatte Bekanntschaft mit den miesen Praktiken von Hendricks gemacht, mehr noch, Hendricks hatte auch seine Frau belästigt, aber Di Liero hatte die Polizei eingeschaltet, und nach einem Bußgeld  und einer einstweiligen Verfügung hatte er es aufgegeben. Fenris kannte er nicht, was dieser auch bestätigen konnte.
Schließlich ließen sie auch Feller kommen und den Kellner , aber beide konnten keine großartigen Angaben machen.

„Sie hatten selber mal ein Restaurant nicht wahr?“, fragte Fenris Feller
„Ja, aber es ist abgebrannt durch einen Unfall, danach habe ich die Einstellung hier bekommen.“
„Nun, meinte Stieler, Was halten sie von all dem ?“
„Zunächst mal wissen wir eigentlich nur, das wir nichts genaues wissen“, meinte Fenris.
„Drei Männer, alle kannten das Opfer , und waren, vorsichtig ausgedrückt , nicht sehr gut auf ihn zu sprechen. Aber nur einer von ihnen kannte mich, und ob er wirklich ein Motiv hatte, mich zu töten, ist eher fraglich.“
„Was ist mit Feller?“, fragte ich
„Ist nicht sonderlich verdächtig“, meinte der Kommissar. Kein Motiv, keine Gelegenheit. Gut, ich muss auch sie bitten, heute Abend hier zu bleiben“
„Äh, das ist nicht ihr Ernst“
„Das ist mein vollster Ernst, allein schon darum ,weil sie eventuell das ziel dieses und noch eines weiteren Anschlages sein könnten.“
Damit stand der Kommissar auf ,und ein Beamter nahm uns mit, nachdem er Stieler bestätigt hatte, das die drei Köche in ihren Zimmern waren, und vor jedem ein Polizist postiert war.
Murrend erhob sich Fenris und folgte dem Polizisten. Ich begleitete die Prozession
Zum Zimmer mussten wir durch einen gläsernen Gang zum Neubautrakt, der vor kurzem erst fertig gestellt worden war.

„Es ist eine Unverschämtheit von Stieler“, murrte Fenris. Ich nickte, musste mir aber eigentlich ein Grinsen zu verkneifen. Fenris schlief nicht gern Auswärts ,und er empfand es als Beleidigung, genauso behandelt zu werden, wie die Verdächtigen.
„Machen sie sich keine Gedanken“, meinte der Beamte. Morgen können sie wahrscheinlich schon wieder nach Hause“
„Ihr Wort in Gottes Gehörgang“.
Krach! Die Scheibe Linkerseits ging zu Bruch , und dicht neben Fenris schlug es in den Stamm eines großen Benjamini ein, der in einem Topf den Gang schmückte
„Runter!“, rief ich ,ließ mich fallen, und zog meine Waffe. Der Polizist ebenfalls.
Durch die Scheibe konnte man in der Dunkelheit eine Gestalt in die Büsche verschwinden sehen.Ich sprang auf, und sah ihr nach.Zwecklos jetzt noch die Verfolgung aufzunehmen.
„Jetzt wird´ s interessant“, meinte ich, während ich Fenris hoch half.
„In der Tat“, entgegnete Fenris „Vor allem, weil sich unser Freund nun selbst ans Messer geliefert hat. Allerdings erscheint der Fall jetzt doch in ganz anderem Licht, obwohl…doch, natürlich, ja, so muss es gewesen sein. Morgen früh müssen wir uns mit Kommissar Stieler zusammen setzen. Ich bräuchte noch die eine oder andere Information, aber dann können wir den Mörder entlarven.“
3.

Den nächsten Morgen und den Vormittag nahmen unser Gespräch und Recherchen ein. Von Kommissar Stieler erfuhren wir zunächst, das nach dem Laborbericht, das Ragout auf dem Teller von Hendricks vergiftet war,  Am Nachmittag schließlich Saßen wir in jenem Saal, in dem Gestern der Koch-Wettbewerb statt gefunden hatte, an einem der Tische, während Fenris am Jury-Tisch saß, und das Wort führte. Es waren hier anwesend, Ziegler, Broer, Di Liero, Feller ,der Kellner, und die Teams der Köche.

„Nun“ , begann Fenris „vielen Dank, für ihre Anwesenheit ,und ihre Geduld. Ich möchte heute mit ihrer Hilfe zwei Verbrechen aufklären. Dem ersten wohnten sie hier gestern bei ,dem Mord an Paul Hendricks. Das zweite war ein Mordanschlag auf meine Person Gestern Abend.
Jeder von ihnen, Herr Broer, Herr Ziegler, Herr di Liero kannte Hendricks ,und hatte Grund genug ihn zu hassen .Aber hatte auch jemand ein Mordmotiv? Die Frage stellt sich jetzt vielleicht nicht mehr, nachdem auf mich geschossen wurde , denn es gibt nur einen unter ihnen, der mich kannte, und den ich wegen Versicherungsbetrug ins Gefängnis brachte.“

 Er sah Broer durchdringend an.
 „Nicht doch“, Entgegnete der Gefragte erbost „Das ist lange her, ich bin nicht nachtragend, und außerdem ,mit der Kochlehre im Gefängnis habe ich den Grundstein für meine Existenz gelegt. Ich müsste ihnen insofern sogar dankbar sein!“
„Da muss ich ihnen Recht geben. Wie dem auch sei, mit dem Anschlag Gestern Abend, hat unser Mann einen entscheidenden Fehler begangen ,und sich selbst ans Messer geliefert.“
„Das heißt, sie wissen, wer es ist?“, fragte Feller "und wer ist es nun?“

„Jaa“, meinte Fenris gedehnt „Erinnern sie sich noch? Beim ersten Gang war alles noch normal. Dann spülten wir mit Wasser durch, und beim Hauptgang brach Hendricks dann zusammen „
„Nun und ?“, meinte Feller
„Hinterher fand sich im Ragout von Hendricks´ Teller eine Dosis des Giftes.“
„Dann“, meinte Feller, „ist doch klar ,wie er vergiftet wurde, mit dem Ragout.“
„Mein Ragout war nicht vergiftet“, fuhr Broer auf.
„Ah, schweigen sie doch“ ,sagte Fenris leicht genervt.

„Das Ragout kann, bei Licht gesehen nicht die Mordwaffe gewesen sein, denn den Teller hätte auch der Falsche bekommen können. Das wäre zu unsicher gewesen. Viel wichtiger ist jedoch, das mir bei nochmaligen Nachdenken Gestern Abend einfiel, das Hendricks das Ragout noch gar nicht gekostet hatte.er brach zusammen, als er es gerade tun wollte. Folglich kann er nicht mit dem Ragout vergiftet worden sein.“
 Er sah in die Runde.
„Und da die Vorspeise Defenitiv nicht vergiftet wurde, abgesehen davon , das niemand danach umfiel, wurde sie auch untersucht, gibt es nur eine Möglichkeit, wie er die tödliche Dosis verabreicht bekommen hat, nämlich mit dem Wasser , das zwischen den Gängen gereicht wurde.“

Ein Moment tiefer Stille trat ein, in dem sich alle Blicke auf den kellner richteten. Doch Fenris erhob sich langsam, kam zu uns ,und blieb vor Feller stehen.
„Da ich von mir ganz sicher weiß, das ich ihn nicht umgebracht habe, dürfte ihnen klar sein, zu welchem Schluss ich kommen muss.“
Feller machte große Augen.
„Natürlich der Kellner hat ihn getötet!“
Noch bevor der Angesprochene protestieren konnte, antwortete Fenris scharf:
„Machen sie keine Witze! Der Kellner scheidet aus, zumal er uns vorher Getränke serviert hatte, ohne das jemand starb. Nein, sie haben Hendricks vergiftet!“

„Aber wie soll ich das denn getan haben? Ich saß doch neben ihnen am Tisch. Wie hätte ich da Gift in sein Glas tun können, ohne das es jemand merkt?“
„Haben sie ja nicht. Sie füllten es in ihr eigenes Glas, und dann begingen sie jene Ungeschicklichkeit, sein Glas vom Tisch zu stoßen, die natürlich Absicht war.
Sie entschuldigen sich tausendmal bei ihm, und schieben ihm ihr Glas herüber ,mit der Bemerkung: Nehmen sie mein Glas ,ich lasse mir ein neues bringen , was sie auch tun, und so hat Hendricks nichts ahnend ein Glas mit vergiftetem Wasser vor sich, das er austrinkt. Als er dann zusammen bricht, nutzen sie den anschließenden Tumult, um den Rest des Giftes in seinen Teller mit Ragout zu schütten, um den Anschein zu erwecken, das dies die Mordwaffe war, und, da sie unseren Teller-Tausch mit bekommen hatten, den Verdacht aufkommen zu lassen, das der Anschlag eigentlich mir galt.

Übrigens wissen wir sicher, das das Wasser im Glas  vergiftet worden war, weil Hauptkommissar Stieler die Kleidung des Opfers hat untersuchen lassen. Sie wissen ja noch ,das Hendricks, als er stürzte ,auch sein Glas mit herunter riss. Der Inhalt benetzte seine Kleidung und es fand sich eindeutig Zyanid darin
Und um den verdacht  das eigentlich ich das Ziel sein sollte, noch zu verstärken, begehen sie den zweiten Anschlag auf mich, der ihnen nun das Genick bricht, denn da unsere drei anderen Hauptverdächtigen unter Polizei-Überwachung auf ihren Zimmern waren ,können nur sie auf mich geschossen haben. Ein Schmauchspurentest wird endgültige Klarheit bringen.“

„Und warum soll ich Hendricks getötet haben?“
„Das kann ihnen Herr Alldag sagen“
„Ja ",sagte ich “Ich habe im Auftrag von Herr Fenrissen Recherchen betrieben ,über ihren Unfall damals. Das Restaurant „zum Hafen“, so hieß doch ihr Laden, fiel, wie sie richtig sagten ,einem Brand zum Opfer. Was sie uns allerdings verschwiegen, ist die Tatsache, das sie ihn verursachten, und das dabei ihre Frau und ihr Kind starben.“
„In Ordnung, sie haben Recht“, sagte Feller „Aber was hat das mit dem Mord zu tun.?“
„Will ich ihnen sagen, sie machten Hendricks damals dafür verantwortlich, denn er hatte ihr Restaurant mit einer schlechten Kritik an den Rand des Ruins gebracht, obwohl es einen guten Ruf genoss. Mittlerer Weile wissen wir ja von seinen miesen Machenschaften.“

Feller stieß einen tiefen Seufzer aus.
„Ich wollte mich nicht erpressen lassen. Ich wehrte mich. Und dann kam dieser Schmutzartikel, in dem er mich sogar beschuldigte ,Hygienevorschriften nicht beachtet zu haben.
Ich verklagte ihn, doch ich verlor. Ich war verzweifelt in dieser Nacht. Ich trank und beging im Rausch den schweren Fehler mit der Gasflasche. Auf einmal brannte alles“
"Und sie machten ihn dafür verantwortlich“ ,sagte Fenris
„Natürlich, mit seinen dreckigen Verleumdungen hat er mich ins Unglück gestürzt.“
„Und als dann hier der Koch-Wettbewerb statt finden sollte, und er daran Teil nahm, sahen sie ihre Gelegenheit gekommen, Rache zu nehmen, und sie ergriffen sie..."
Feller wurde fest genommen, der Rest durfte gehen.
Als wir nach Hause fuhren, sagte ‚Fenris zu mir:
„Wenn wir zu Hause sind, kann Frederike uns etwas Hausmannskost zubereiten. Von Gourmet-Küche, habe ich zunächst mal die Nase voll!“