Sonntag, 15. März 2015

Fenris und das Skelett auf dem Kutter-Teil 3


Er war erschossen worden, und wohl schon über eine Stunde tot. Stieler hatte schon sein Handy hervor gezogen, und die entsprechenden Kriminaltechniker nebst Gerichtsmediziner gerufen.
Ich lies meinen blick über das Büro schweifen. Der Schreibtisch war unaufgeräumt. Papiere lagen lose übereinander, ein paar Stifte lagen auf der Schreibtischunterlage, neben einem Locher. An die Lampe war ein Zettel geklebt. In enger Handschrift stand darauf: “Lena Schramm ,Nordsee-Palast ,Zimmer 231,0532.“,dahinter das Datum des heutigen Tages , und die Uhrzeit eine Stunde vorher.
Ich machte den Kommissar darauf aufmerksam. Er nahm den Zettel ab, und betrachtete ihn mit hoch gezogenen Augenbrauen.
 „Wenn das hier zutrifft, war sie die  letzte Person, die ihn lebend gesehen hat.“
„Genau genommen könnte sie auch seine Mörderin sein“, meinte ich. Stieler nickte
„Wir werden uns auf jeden Fall mit der Dame unterhalten müssen.“
*
Wir gingen, und ließen die nun eintreffende Spurensicherung ihre Arbeit machen. Wir beschlossen zum Nordsee-Palast zu fahren, und mit Lena Schramm zu sprechen, doch sie war nicht dort. Der Portier beschrieb sie als zierliche Frau, dunkelblond,elegant gekleidet,mit einem breitkrempigen hut und einer Sonnenbrille, die irgendwie deplaziert wirkte.
„Dann möchten wir uns ihr Zimmer ansehen.“, sagte Stieler.
Der Hotelmanager Hein Schriever weigerte sich zunächst.
„Ich kann sie nicht einfach in das Zimmer eines Gastes lassen. Wir haben hier Diskretion zu wahren. Wir sind schließlich ein renommiertes Hotel.“
„Guter Mann“, sagte der Kommissar liebenswürdig „Frau Schramm steht eventuell unter Mordverdacht, Es wäre insofern ein Leichtes ,innerhalb zwei Stunden einen Durchsuchungsbefehl zu erwirken, und dann würden hier Streifenwagen vor der Tür stehen. Das ist doch sicher auch nicht ihrem Interesse. Sie können selbstverständlich gern mit dabei sein.“
So überzeugt ging Schriever mit uns nach oben zu Lena Schramms Zimmer, und schloss es uns auf.
Das Zimmer war sauber aufgeräumt, das Bett gemacht. Ich lies meinen Blick schweifen, und blieb beim Tisch stehen. An der Wand lehnte ein Foto eines blonden Mannes , der mir sehr bekannt vorkam. Es war Hauke Terjes. Ich nahm das Foto, sah es an ,und drehte es in der Hand. Da stand eine Widmung: “Meinem kleinem Schwesterchen zum Geburtstag“   
Stieler war zu mir gekommen ,sah mir über die Schulter und pfiff leise.
„Interessant, wusste gar nicht, das er eine Schwester hatte.“
„Ja“, meinte ich „Er steckt voller Überraschungen.“
Wir suchten weiter. Stieler öffnete den Schrank, in dem säuberlich eine Reihe von Kleidern hing. Ich sah mir die Schubladen an. In der zweiten fiel mir zwischen der Wäsche ein harter Gegenstand in die Hand. Als ich ihn auswickelte, entfuhr mir ein Laut der Überraschung: Ich hielt eine kleinkalibrige Pistole in der Hand .Ich gab sie Stieler, der eine Plastiktüte aus dem Mantel zog, und sie darin verpackte.
„Ihre Fingerabdrücke zu Vergleichszwecken haben wir ja.“
Schriever, der uns zugesehen hatte ,war bleich im Gesicht.
Der Kommissar wandte sich an ihn: Dieses Zimmer wird versiegelt. Ich schicke die Spurensicherung vorbei. Wir werden das aber so diskret wie möglich machen. Falls Frau Schramm kommt, rufen sie mich sofort an.“ Er reichte Schriever seine Karte, und wir verließen das Hotel.
Draußen holte er sein Handy hervor. „Ich werde sie auf jeden Fall zur Fahndung ausschreiben lassen.
*
Danach brachte Stieler mich nach Hause, wo ich Fenris, der an seinem Schreibtisch bei einem Glas englischem Porter saß, Bericht erstattete. Er hörte mir aufmerksam zu, stellte hier und da ein Paar Fragen, und nickte dann nachdenklich.
 "Dieser Fall wird immer verwickelter , und irgendwie scheine ich mich ihm nicht entziehen zu können."
Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück ,gab es noch eine Überraschung für uns: Kommissar Stieler kam vorbei ,und hatte interessante Neuigkeiten .
„Zunächst: Die Waffe, die wir im Zimmer von Lena Schramm gefunden haben, ist eindeutig die Tatwaffe im Fall Biese. Und jetzt wird´s wirklich spannend: Mit der Pistole, die wir bei Biese fanden, wurde der Zahnarzt Dr. Karl Bertold erschossen.“
Fenris horchte auf, dann verengten sich seine Augen.
„Wäre es vermessen, anzunehmen, das Bertold auch Terjes und Robert Gramel behandelte?“
„Natürlich“ ,sagte Stieler amüsiert „Er hat alle hier im Ort behandelt. Er war schließlich der einzige Zahnarzt in der Gegend.“
„Und es ist unzweifelhaft, das er einen Einbrecher überraschte?“
„Das steht außer Zweifel, aber es erstaunt schon, das es Biese war.Er hatte solch einen Einbruch gar nicht nötig gehabt. Aber er muss es gewesen sein. Bei der Durchsuchung seines Hauses fanden wir im Keller einen Teil des bei Bertolds gestohlenen Schmucks .Seine Witwe hat ihn heute Morgen identifiziert. Und noch etwas fand die Spurensicherung. Hinter einem Regal versteckt, einen Hammer, der bräunliche Spuren enthielt. Wir wissen bereits , das es sich um Blut handelt. Es dürfte klar sein, das er die Mordwaffe im Fall Terjes ist.
Fenris lehnte sich zurück, legte die Handflächen aneinander, schloss die Augen, und versank in Gedanken. Das kannte ich von ihm. Ich nannte das „Denkflush“. So warteten wir, und es dauerte beinahe Zehn Minuten, bis er die Augen wieder öffnete. Frederike hatte Bier serviert. Er schenkte sich ein, nippte am Glas und lächelte zufrieden.
„Ja, wenn man´s richtig sieht, fügt sich alles ineinander“, sagte er geheimnisvoll. Dann fasste er den Kommissar ins Auge .
„Wollen sie uns zu den Gramels begleiten. Ich möchte speziell mit Frau Gramel noch einmal reden, und dann können wir den Fall abschliesen.“…  


  


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen