Sonntag, 28. Juni 2015

Neptun hat´s satt-Teil 9

Jetzt geht es ins Finale,aber vorher noch, was bisher geschah:


Am nächsten Morgen sitzen Neptun, Jan und Bella beim Frühstück. Käpt´n Kidd hat der Meergott vorsichtshalber Oben in der Badewanne gelassen.
„Haben sie sich überlegt, was sie sagen wollen?“, fragt Jan
„Sicher, so in etwa schon, aber ich rede lieber aus dem Bauch heraus.“
„Wie wollen sie es eigentlich schaffen da rein zu kommen und zu reden?“
Neptun lächelt.
„Oh, da machen sie sich keine Sorge“

Sie verlassen das Restaurant und gehen in Richtung Kongress-Saal. Vorher geht Neptun noch nach oben ins Zimmer und holt Käpt´n Kidd, den er sich in die Tasche steckt, und greift sich seinen Gehstock. Die Konferenz soll um 9:00 Uhr beginnen. Während dessen erreichen ein ziemlich erschöpfter Kommissar Kremer und einige Polizei-Beamte das Hotel, betreten das Foyer, und gehen zur Rezeption.
„Entschuldigung“, spricht der Kommissar die junge Dame an. „Haben hier in letzter Zeit ein alter und ein junger Mann, sowie ein Mädchen eingecheckt?“
„Ja ,gestern Abend. Ein Meeresforscher samt Tochter und Assistent.“
„Wissen sie, wo sie sind.“
„Möglicher Weise beim Frühstück oder schon im Saal. Die Konferenz beginnt ja um Neun“
Der Kommissar bedankt sich und geht mit den Beamten zunächst zum Speisesaal.

Inzwischen kommen Neptun, Jan und Bella beim Kongress-Saal an. Davor steht ein Portier.
„Guten Morgen. Wer sind sie?“
„Professor Neptun, Meeresforscher, mit Assistent Kolle und Tochter“ dabei holt er die Karten hervor.
Der Portier geht seine Liste durch „Hmm, ich finde sie nicht“
„Sehen sie noch mal genau nach.“, entgegnet Neptun liebenswürdig, dabei richtet er verstohlen den Zeigefinger auf die Liste, aus dem  ein kleiner blauer Blitz ins Papier fährt.
„Ah ja, da sind sie!“, ruft der Portier aus. Wie konnte ich das übersehen?“
„Ach, das passiert manchmal. “ sagt der Meergott gutmütig, und betritt mit seinen Begleitern den Saal.
Es sind bereits viele Leute dort. Sie suchen sich einen Platz und setzen sich.

Draußen kommt Kremer nach ergebnisloser Suche im Speisesaal wieder im Foyer an.
„Zum Kongress-Saal“, befiehlt er kurzer Hand.
Drinnen hat die Konferenz begonnen. Gerade spricht die Kanzlerin. Neptun hört den Reden von Wissenschaftlern, Politikern, Wirtschaftsvertretern und Vertretern der Umweltschutz-Verbände interessiert zu.
„Es scheint guter Wille da zu sein, aber sie begreifen offenbar das eigentliche Problem nicht“, sagt er zu sich.
Schließlich ist es soweit: Neptun geht auf die Bühne und zum Rednerpult. Gleichzeitig langt Kremer beim Saal an.
„Entschuldigung, da läuft eine Konferenz, da können sie jetzt nicht rein.“ Sagt der Portier.
„Polizei“, raunzt der Kommissar und holt seinen Ausweis hervor.Widerwillig öffnet der Portier die Tür. Zwei bleiben draußen, und bewachen die Tür“, kommandiert Kremer, und betritt mit den restlichen Beamten den Saal.

Hier steht Neptun am Rednerpult, blickt auf die Leute unter sich und beginnt:
„Meine Damen und Herren, Frau Kanzlerin, liebe Menschen.
Mein Name ist Neptun, und zwar DER Neptun.“ Damit verwandelt er sich. Der Anzug verschwindet, und Vorschein kommt sein grünlich schimmerndes Gewand, Käpt´n Kidd sitzt wieder auf seiner Schulter, er trägt eine Krone, der Gehstock in seiner Hand, verwandelt sich in seinen Dreizack. Er wirkt nun nicht mehr, wie ein unbedarfter alter Mann, sondern macht einen Respekt einflößenden, majestätischen  Eindruck. Er lässt den Dreizack leicht auf den Boden auftreffen, und der ganze Saal erzittert in einem leichten Beben.
„Ich hoffe, das reicht, um sie zu überzeugen, denn wir haben wichtiges zu tun.
Nun denn, ich bin aus meinem Reich zu ihnen gekommen, weil es, wie man bei ihnen sagt, schon Fünf nach Zwölf ist. Zu lange habe ich mit angesehen, wie der Mensch die Meere verschmutzt und Raubbau an ihnen getrieben hat. Wie er seinen Müll in ihnen ablädt, sie aus Profitgier  mit Riesenflotten leer fischt, sie mit Waffen, Öl und anderen Stoffen verseucht und wertvolle Lebensräume zerstört. Ihr wirklich bemerkenswerter technologischer Fortschritt hat die Menschheit hochmütig werden lassen. Sie haben die Geschwindigkeit erfunden, doch innerlich sind sie stehen geblieben. Wie kann es sein, das Heute oft mehr Einfallsreichtum aufgewendet wird, um Arten des Tötens zu erfinden, als dazu, Leben und  Schöpfung zu erhalten?

Sicher, sie haben hier das Weltnaturerbe Nationalpark Wattenmeer, und es gibt andere Meeresschutzprojekte,die ich sehr begrüße, aber gleichzeitig exportieren sie mit Waffen Krieg und Tot in andere Regionen, und zerstören woanders Meere und Natur im Interesse ihrer Konzerne, weil im Zweifel kurzsichtige Interessen nach immer höheren Renditen in immer kürzerer Zeit, über die Interessen der Menschen und nicht zuletzt die der Natur gestellt werden.
Natürlich hätte ich als Gott der Meere die Mittel, die Menschheit von der Erde zu tilgen, doch dann hätte ich mir sicher nicht die Mühe gemacht hierher zu kommen. Ich glaube, dass die Menschheit es wert ist zu überleben, und davon abgesehen hätte ich es gar nicht nötig, denn, wenn sie so weiter machen, werden sie sich letztendlich selbst vernichten.

Sie, liebe Menschen, begreifen einen entscheidenden Punkt nicht .Auch sie sind nur Teil der Natur, und nehmen sich darum mit deren Zerstörung zunehmend selbst die Lebensgrundlage. Denken sie daran. Die Natur, wie auch das Meer braucht sie nicht, aber sie brauchen die Natur und das Meer. In diesem Sinne, und in ihrem Interesse meine wirklich wohlwollend gemeinte Aufforderung: Denken sie um!“  
Neptun verlässt die Bühne und tosender Applaus brandet auf, der sich zu stehenden Ovationen auswächst. Ein Blitzlicht-Gewitter geht auf ihn nieder, aber er beachtet die Kameras nicht. Er setzt sich zu Bella und Jan.
Kremer steht an der Tür und blickt sich verstohlen um. Wenn er den alten jetzt verhaftet, wird es ihn wohl den Job kosten. Die Anklage wird sich wohl jetzt nicht aufrecht erhalten lassen. Er bedeutet den Beamten ihm zu folgen und verlässt den Saal.

„Der Einsatz ist abgeblasen“, stößt er mühsam hervor, und sie verlassen das Hotel.
Drinnen fasst man nach kurzer Diskussion eine Resolution, eine Absichtserklärung, sich verstärkt für den Meeresschutz einsetzen zu wollen, und dafür bei den anderen Staaten zu werben, denn nationale Alleingänge bei gesetzlichen Regelungen gehen doch nicht.

Sie bleiben noch eine Nacht. Früh am nächsten Morgen gehen sie zum Meer überqueren den Deich und bleiben am Ufer stehen. Es ist Ebbe. Das Meer hat sich zurück gezogen, und glitzernd liegt das Watt in der Morgensonne. Etwas weiter kann man durch die Fahrrinne die dicken Pötte in die Wesermündung einfahren sehen.
Neptun, Jan, und Bella sehen auf das schier endlose Watt.
„Glauben sie, dass sie erfolgreich waren?“, fragt Jan
„Nun“, meint der Meergott „Ich habe nicht so viel mehr als eine solche Resolution erwartet. Aber ich glaube schon, das ich ihnen eine Saat ins Herz pflanzen konnte.Ich habe, glaube ich die Menschen erreicht, und wenn nun langsam ein Umdenken beginnt, war ich erfolgreich, aber das wird die Zukunft zeigen. Im Grunde genommen ist die Menschheit noch eine sehr junge Spezies, quasi noch im Flegelalter, und nun entwickelt sie sich hoffentlich weiter und wird erwachsen.“

Er reicht Jan die Hand
„Und bei ihnen, denke ich, ist die Saat bereits aufgegangen. Vielen Dank für ihre Hilfe. Leben sie wohl“
„Sie kommen nicht wieder?“
Neptun lächelt.
„Vielleicht, aber wohl erst zu einer Zeit, wo es sie nicht mehr gibt, aber eventuell lerne ich dann ihre Nachkommen kennen. Ansonsten, werde ich die Menschen sowieso im Auge behalten.“
Sie reichen sich noch einmal die Hände, Bella umarmt Jan
„Mach´s  gut“,

und Käpt´n Kidd, winkt zum Abschied mit der rechten Schere. Dann wenden sich Neptun und Bella um, und gehen ins Watt. Gemütlich, wie sie gekommen sind, gehen sie auch. Einmal noch wenden sie sich um, und winken dem jungen Mann, der mit zugeschnürter Kehle am Ufer zurück bleibt. Immer kleiner werden sie, bis sie schließlich das Watt und der Horizont verschlucken.

ENDE

Sonntag, 21. Juni 2015

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 3

Teil2: Die Reise

11.Mai 2025,Morgens, irgendwo in Belgien, nahe der französischen Grenze

Nun habe ich wieder Zeit fürs Tagebuch. Celia duscht, und  macht sich frisch fürs Frühstück. Ich habe die Morgen-Toilette schon hinter mir, und will versuchen, den letzten Tag Revue  passieren zu lassen.
Es war später Nachmittag, als wir in Brügge ankamen. Auf dem Bahnhof herrschte, wie auf anderen Bahnhöfen  großer Städte reges Leben. Aus Zügen stiegen Menschen aus und in andere ein. Flanierten über den Bahnsteig und blieben an Imbiss -Ständen oder Kiosken stehen. Beobachtet von Uniformierten mit Maschinenpistolen, die auf Podesten, hoch über den Bahnsteigen, standen und alles im Auge hatten. Aber auch auf dem Bahnsteig sah ich jene Männer in dunklen Anzügen, die mit finsterer Miene in die Menge blickten. Immer gegenwärtige Vertreter der Staatsmacht und Werkzeuge der totalen Überwachung durch den „großen Bruder“, der seinem Volk nicht traute. Ob sie eventuell auch nach uns Ausschau hielten?

„Und jetzt?“, fragte Celia „Gleich zu ihm, oder erst mal in ein Hotel?“
„Ja, zu dumm, das wir keine Telefon-Nummer von ihm haben, sonst könnten wir ihn jetzt anrufen, und uns ankündigen.“
„Moment“, meinte sie „Vielleicht können wir das doch“
Sie sah sich kurz auf dem Bahnsteig um, ging schließlich zu einer Telefonzelle, und nahm das dort liegende Telefon-Buch zur Hand.
„In Belgien wird flämisch und französisch gesprochen, und zumindest französisch beherrsche ich. Hab´n Paar Jahre in Paris gelebt.“
Sie schlug das buch auf.
„Ha, in französisch und flämisch. Wie heißt er noch gleich?“
„Drees de Gruyne, und wohnt in der Wyngaardtstraat“, antwortete ich, und buchstabierte.
 Sie suchte kurz.
„Ah hier ja, das ist es.“

Sie kramte einen Kugelschreiber aus ihrer Jackentasche, riss die untere Ecke aus der Seite und schrieb die Nummer auf. Ich wollte sie grade fragen, warum wir nicht gleich anrufen wollten, sagte sie schon:
„Ist besser, wenn wir erst mal aus dem Bahnhof raus kommen.“, und wies auf einen dunkel gekleideten, vierschrötigen Mann, der uns scharf ins Auge gefasst hatte. Neben ihm tauchte ein Zweiter auf.
Ich verstand. Unter dem Blick der Zwei, verließen wir die Telefonzelle und den Bahnsteig, schließlich auch das Bahnhofsgebäude. Draußen suchten wir uns eine andere Zelle, von der aus Celia die Nummer wählte. Es meldete sich jemand am anderen Ende, mit dem sie auf französische sprach. Schließlich hängte sie ein, und wandte sich an mich:
„Wir sollen in zwei Stunden bei ihm sein, Zeit genug, ins Hotel zu gehen, kurz frisch zu
machen, und was zu essen. Ach ja, wir sollen das Testament mitbringen.“

Wir gingen also in ein Hotel in der Nähe. Bewusst wählten wir ein kleineres Haus, in der Annahme hier sicherer zu sein. Vorher kaufte ich in einem Geschäft Toiletten. Artikel und Kleidung, wobei mir Celias Französisch-Kenntnisse nützlich waren, obwohl das Personal dort leidlich auch der deutschen Sprache mächtig war. Ich begann die Vorzüge des ererbten Bank-Kontos langsam zu schätzen.
Brügge ist eine alte Hansestadt und war im Spätmittelalter eines der Zentren der Textilindustrie und des Fernhandels in Europa und damit eine der Geburtsstätten des Frühkapitalismus In der Stadt residierten zeitweise die Herzöge von Burgund, unter deren Herrschaft Brügge zu einer der wirtschaftlich und kulturell reichsten Städte im damaligen Europa wurde.

Nachdem wir gegessen hatten, nahmen wir uns ein Taxi, um zu De Gruyne zu fahren. Die Wyngaardtstraat liegt in der Nähe des Begijnhofes in der Nähe eines jener Kanäle, welche die Stadt durchziehen, und dort Reien genannt werden.

Während der Fahrt bemerkte ich ein dunkelgraues Coupe, das uns in einiger Entfernung folgte.
Ich machte Celia darauf aufmerksam. Sie nickte. Auch unser Chauffeur schien den Verfolger bemerkt zu haben, und fuhr plötzlich schneller, und schlug Haken. Schließlich kamen wir am Ziel an. Ich hatte mich nicht mehr umgesehen, war aber sicher, dass unsere Verfolger nicht aufgegeben hatten.
Wir stiegen aus, und gingen zum Haus. Noch bevor wir an der Tür waren, wurde diese geöffnet, und ein hoch gewachsener Mann mit weißem Haar und  einem hageren Gesicht mit Oberlippenbart und hellblauen Augen trat heraus.

„Kommt herein, schnell!“, raunte er uns in gebrochenem Deutsch zu, und wies uns mit einer Handbewegung herein.
Als wir an ihm vorbei, und ins Haus traten, bemerkte ich, dass er in Richtung unseres Taxis sah, und ein Zeichen gab.
Er wies uns ins Wohnzimmer. Hier war bereits ein Kaffee-Gedeck für Drei aufgelegt worden.
„Setzt euch“, sagte er, und wies uns Sessel in der im altertümlichen Stil eingerichteten Stube zu. Wir setzten uns auf ein kleines Sofa, und er nahm uns gegenüber Platz.
„Nun“, sagte er, und fasste mich ins Auge „Du bist also Alfred Kolbs Sohn. Hätte nicht gedacht, das dieser Tag noch kommen würde. Hast du…“

Ich holte das Testament hervor, und reichte es ihm. Er las es kurz durch, und gab es mir dann zurück.
„Ja, du bist es also wirklich“, sagte er. Dann erhob er sich, verlies kurz das Zimmer und kam nach wenigen Minuten zurück. Er hielt einen dicken Umschlag in der Hand, den er mir reichte.
„Das sollst du erst öffnen,  wenn du die anderen hast. Alle drei Teile des Geheimnisses müssen zusammen gesehen werden.“
Ich betrachtete sinnend den Umschlag in meiner Hand. Celia ebenso. Ich sah ihn an.
„Wissen sie, was drin ist?“
„Ich habe ihn nie geöffnet“, antwortete De Gruyne „Gleichwohl, ich vermute es. Ich war ein guter Freund deines Vaters. Du weißt, für wen er gearbeitet hat.“
„Ja“
„Ja, natürlich weißt du es. Darum bist du ja auch hier. Dein Vater vertraute mir das da an.“ Er wies mit dem Kopf auf den Umschlag in meiner Hand „Das war vor etwas mehr als einem Jahr. Drees, hatte er gesagt, in diesem Umschlag steckt etwas, von dem der Erfolg der Rebellion gegen die Diktatur abhängt. Sorge dafür, das mein Sohn das bekommt, aber nur ihm.“
„Mein Vater war also tatsächlich im Widerstand?“
„Er war einer der führenden Köpfe“
„Dann gehe ich wohl Recht, das sie auch im Widerstand sind“
„So ist es, und auch der Chauffeur, der euch her gebracht hat. Wir wussten von einem Verbindungsmann in Bremen, das ihr kommt, und unsere dunklen Freunde wissen es mittlerer Weile auch.“
„Ja, wir haben sie auf dem Bahnhof gesehen. Sie haben uns auch verfolgt.“
„Wahrscheinlich kennen sie auch euer Hotel, aber das sehen wir noch. Inzwischen seid ihr gewisser Maßen berühmt."

 Er sah auf die Uhr, dann stellte er den Fernseher an. Es lief eine Nachrichtensendung, in flämisch, französisch und deutsch. Grade hörten wir die Suchmeldung.
 „Gestern Abend sind in Bremen ein Mann und eine Frau den Ordnungskräften entkommen, denen Bemühung gegen die Sicherheit des Staates zur Last gelegt werden. Es handelt sich um Tobias Schobert und Celia Chiang, jeweils 25 Jahre alt...“, unsere Bilder waren zu sehen „… Nach ihnen wird vom Polizei- Ministerium  gefahndet. Zweckdienliche Hinweise nimmt das Ministerium und jede Polizei- Dienststelle entgegen. Jeder Versuch, ihnen zu helfen wird streng bestraft. Das Ministerium lässt ebenfalls verlauten, das ihre flucht notfalls auch mit der Schusswaffe aufzuhalten sind.“
Celia und ich sahen uns beklommen an. Nun waren wir vogelfrei! Das das irgendwann kommen würde, war klar, aber so schnell?

„Tja, ihr seid in Schwierigkeiten, aber keine Sorge, ihr habt Hilfe. Kommt.“ wir erhoben uns ,und er führte uns in den Keller. Hier reichte er uns Mäntel und Mützen. „Zur Tarnung“, sagte er.“ Unser freund, der Chauffeur ist gerade mit zwei Attrappen unterwegs zu eurem Hotel“ er grinste „Die hatte er schon im Kofferraum“ Wir gingen durch die Kellerräume, und kamen schließlich in einen Hinterhof-Garten, den wir durchschritten. An der Pforte stand ein Mann im braunen Mantel, der eine Schiebermütze trug, welche er tief ins Gesicht gezogen hatte. „Das ist Pierre“, sagte Drees. Der andere nickte uns zu.

„Folgt mir“, sagte er kurz. Er führte uns an den Kanal, an dem ein kleines Boot lag, das zur hälfte mit einer Persenning bedeckt war.
„Steigt ein“, sagte er, und wies mit der Hand auf das Boot. Zwar hatten wir noch unsere Sachen im Hotel, aber daran konnten wir jetzt nicht denken. Wir stiegen also ins Boot. Pierre löste die Leinen, und sprang dann auch ins boot, das dadurch ein wenig ins Wackeln geriet. Er ging nach hinten, lies den Aussenboarder ins Wasser, zog ihn an, ergriff das Ruder, und lenkte das Fahrzeug in die Mitte des Kanals.

Eine Weile fuhren wir, dann fluchte Pierre plötzlich:
„Mist ein Patrouillenboot.“  Tatsächlich tauchte vor uns ein graues boot auf, das in der Dämmerung gerade noch zu sehen war, und mit einem starken Scheinwerfer das Wasser beleuchtete „Hoffentlich haben sie uns noch nicht gesehen“
Doch schon hörten wir eine Lautsprecherstimme: “Halten sie ihr Boot an, wir kommen längsseits zur Kontrolle“  
„Merde“, stieß Pierre hervor, riss das Gas hoch, und jagte mit dem kleinen Boot auf das Polizei-Boot zu, und daran vorbei, wobei sich die Rümpfe leicht berührten.
Gleich dahinter ging rechter Hand ein Stichkanal hinein, in den Pierre einbog. Hinter uns wendete das Patrouillen-Boot, um die Verfolgung aufzunehmen.

Pierre fuhr den Stichkanal entlang, dann wendete er das Boot, und legte es an die Mole zwischen mehreren anderen Booten, und schaltet den Motor aus.
„Unter die Persenning!“ rief er uns zu. Wir gehorchten, und er sprang aus dem Boot, befestigte es, und zog die Persenning vollständig über das Boot, dann schien er sich zu entfernen.

Nur kurze Zeit später hörten wir das röhren eines Motors näher kommen. die Patrouille! Wir hörten das Boot an uns vorbei kommen. Durch ritzen in der Persenning schien das Licht herein, mit dem sie den Kanal ausleuchteten. War es überhaupt noch möglich zu entkommen? Ich schloss ab…

Sonntag, 14. Juni 2015

Der Bremer Stadtkater- Timmy und der blaue Peter

Der Gedanke an die „Geister-Katze“ lies Timmy nicht mehr los.Viel rätselte er darüber, und  es zog in zurück in die Innenstadt.
Bei einem seiner Streifzüge begegnet er auch Gesche wieder, die auf dem Geländer der Steintreppe zum Schütting lag und döste. Als sie ihn bemerkte, öffneten sich ihre Äugen zu Schlitzen.

„Ah, unser kleiner Nachwuchs- Streuner! Nett, dich mal wieder zu sehen, Timmy“
„Ebenso“, antwortete der Kater. „Wo ich dich grade treffe, du hast doch bestimmt etwas von dieser Geister-Katze gehört, ich meine die an diesem vier Tiere –Standbild erscheint und wieder verschwindet“
Gesche schmunzelte
„Haben nicht alle Katzen diese Angewohnheit zu erscheinen und plötzlich wieder zu verschwinden? Aber ich glaube, ich weiß, was du meinst, beschreib sie mir doch mal.“

„Nun, sie ist grau, fast blau, hat ein dickes Fell und gelbe Augen, ich glaube, die Zweibeiner nennen solche Katzen Karthäuser“
„Ich glaube…“, meinte Gesche leise lachend „…du meinst den blauen Peter. Er ist  gewisser Massen eine Berühmtheit, zumindest für unsereins. Er soll ein Schiffskater gewesen sein, so vor 150 Jahren, als man unser Gleichen oft auf Schiffen hielt wegen der Ratten. Nun ja, es soll sich eine Legende um ihn ranken, und er soll eine Art Glücksbringer sein. wenn er dir erschienen ist, dann hat das was zu bedeuten.“

„Aber was?“, wollte Timmy wissen
„Hmmm…eine gute Frage“, entgegnete Gesche geheimnisvoll „wo ist er dir erschienen? In der Böttcherstrasse?“
„Ja ,bei den Stadtmusikanten“
„Das ist interessant. Weißt du, er rettete, so die Legende, seine Mannschaft vor Räubern, die eines Nachts, als sie im Hafen lagen , auf das Schiff kamen, um die Mannschaft zu töten und auszurauben. Es heißt, er lag auf dem Kajütendach, und als er sie sah, sprang er wiederholt gegen die Schiffsglocke, so dass der Lärm die Mannschaft weckte, und die Räuber vertrieb. Ihr Hauptmann aber, als er sich durch Peter verraten sah, nahm den Kater und schleuderte ihn in seiner Wut gegen die Schiffswand, dass ihn die Knochen im Leib brachen. Sie begruben ihn dort, wo heute die Stadtmusikanten stehen, das ist der Grund, warum er häufig dort erscheint. Doch er erscheint nicht jedem, und wem er erscheint, dem verheißt er großes. so erschien er einmal einem armen Handwerker, und der machte kurze Zeit später sein Glück als Unternehmer.“

„Das klingt aber ziemlich phantastisch“
„Du hast ihn doch gesehen oder?“
„Natürlich, aber was sollte er mir großes Voraus sagen?“
Das ist die frage“, meinte Gesche, und schloss die Augen „Vielleicht gehst du noch einmal hin“, sagte sie, und wies mit der Pfote in die Richtung, in der man zur Böttcherstrasse kam.
Unwillkürlich folgte Timmy ihr.
„Ja , vielleicht keine schlechte Idee. Weißt du…“ doch als er sich ihr wieder zuwandte, war sie verschwunden.
„Nun gut.“, meinte er zu sich selbst „geh ich noch einmal hin“

Mittlere weile dämmerte wieder der Abend, als er in die Böttcherstrasse, und zum Standbild kam. Zu dieser Stunde leerte sich die Strasse und es war ruhig. Er sah sich um. Einen Kater jedoch sah er nicht. Er ging zum Standbild mit den vier Tieren, und legte sich daran nieder. Passanten, die an ihm vorbei kamen, nahmen kaum Notiz. So verging eine stunde und noch eine halbe. Er wollte schon gehen, hatte sich erhoben und schritt vom Standbild weg. Es war wohl doch nichts. Vielleicht hatte Gesche ihn auch an der Nase herum geführt, und was er damals gesehen hatte, war wohl doch eine Sinnestäuschung gewesen.

Er blickte sich noch einmal zu den Stadtmusikanten um, und da sah er ihn-den blauen Peter! Da stand der Kater, neben dem steinernen Tierabbild. Mit dicken blaugrauen Fell und gelben Augen, umgeben von einer bläulichen Aura.
Timmy trat langsam auf ihn zu.
„Hallo, bist du der blaue Peter?“ Der andere antwortete nicht, blieb nur starr stehen und sah ihn unverwandt an.
„Willst du mir irgendwas sagen? Steht mir etwas Großes bevor?“
Er blieb weiter sitzen, doch plötzlich erhob er sich, und lief in Richtung Martinistrasse. Wo wollte er hin? Als er merkte, das Timmy zögerte, hielt er und drehte sich zu ihm um.
„Soll ich dir folgen?“

Der Kater drehte sich um, und lief weiter. Timmy folgte ihm. Es ging tatsächlich in Richtung Martinistrasse, darüber hinweg, und schließlich zum Weserufer. Dort blieb er stehen, und blickte auf das Wasser der Weser, deren leichte Wellen im licht der untergehenden Sonne rot-orange glitzerten. Timmy hielt neben ihm. Unverwandt starrte der blaue Peter auf das Wasser.

„Hat es etwas mit dem Wasser zu tun? Mache ich eine Schifffahrt?“
„Vielleicht“, antwortete er, aber mit der Stimme von Gesche, oder… Timmy drehte den Kopf zur anderen Seite. Dort saß sie .Schnell blickte er zur anderen Seite, doch der blaue Peter war  nicht mehr da.
„Tja, irgendwas muss es mit der Weser zu tun haben. Umsonst hat er dich nicht hierher geführt.“
„Das klingt ja, als hätte er gewusst, das ich zu jenem Zeitpunkt in der Böttcherstrasse bin“
„Oder, das er auf dich gewartet hat“, entgegnete Gesche.
„Wie dem auch sei, dir steht etwas Großes bevor, und es hat mit dem Fluss zu tun. Aber jetzt sollten wir gehen.“
Sinnend sah Timmy noch einmal auf die sich leicht kräuselnde Weser, dann traten sie den Rückweg an.

Als er wieder im Schnoor war, konnte er es nicht lassen, auf seinen Lieblingsplatz auf dem Dach zu klettern. Von hier aus konnte er auf das jetzt dunkle Band der Weser, und auf die nächtliche Stadt  sehen, und da- War da am Weser-Ufer nicht ein schwaches, bläuliches Leuchten? Timmy lag lange hier oben, und starrte auf jenen blauen Punkt, der irgendwann immer blasser war. Was war  es wohl, was er ihm sagen wollte, und welches große  Ereignis oder Abenteuer? stand ihm bevor?