Sonntag, 29. Mai 2016

Jan-aus dem Reich der Toten-Teil 11

Sucht die Lösung! Gar nicht so leicht. Ich liege wach, und lasse mir die Ereignisse der letzten Tage durch den Kopf gehen, von denen es mir schwer fällt zu glauben, das sie wirklich passiert sind, und denke daran, was wir heraus gefunden haben, was Dr. Konninck erzählte, was die anderen ausgesagt haben.

Kann es sein, das Dr. Stöhver Experimente an Menschen betrieb? Waren die Toten seine Opfer? Hatte Jan ihn gemeint, als er schrieb, jemand ist nicht der, als der scheint? Möchte sein Sohn das jetzt vertuschen? Gibt es dafür Beweise auf dem USB-Stick?

Und was ist mit Jost und Marten? Oder hat das gar nichts mit der Sache zu tun? Sind sie auch nur Opfer? Ich habe durchaus das Gefühl der Lösung des Falles sehr nahe zu sein, und dann wieder nicht.

Mensch, schlaf lieber, du wirst  Morgen früh topfit gebraucht, auf der Arbeit! Jau, wo du Recht hast, hast du Recht. Ich drehe mich auf die Seite, um meinen Körper zu seinem Recht kommen zu lassen, aber leicht fällt das nicht.

Am nächsten morgen habe ich ein einnehmendes Wesen: Eingangskontrolle aufmachen und kassieren. Dabei stelle ich einmal mehr fest, das dieser Job manchmal eine wahre Fundgrube für Psychologie-Studenten wäre, insbesondere in Hinsicht auf Paranoia, Schizophrenie und Narzissmus .Und dann gibt es noch jene, die dies hier für einen Basar halten, und feilschen wollen.

Rosi ist auch wieder da. Noch ein wenig mitgenommen, aber gesund.

Den Rest des Tages ab Fünfzehn Uhr  verbringe ich in der Schadstoffannahme. Bei Kartons mit kleinen Flaschen werde ich jetzt misstrauisch, aber es kommt nichts in der Richtung an.

Es herrscht nun Leerlauf, und ich habe wieder Gelegenheit nachzudenken, und in meinem Kopf tut sich etwas .Gewisse Zusammenhänge nehmen Gestalt an, die allerdings unglaublich scheinen. Nein, vielleicht geht meine Phantasie mit mir durch, und doch bildet sich so in meinem Kopf  eine lückenlose Kette, die –ach nein, fang nicht an zu spinnen! -oder etwa doch?

Kurz vor Feierabend bekomme ich eine SMS von Adele .morgen Abend wollen wir uns mit „Hanseaten-Columbo“ treffen, und uns den USB-Stick ansehen.
Abends im Bett denke ich noch lange über meine Theorie nach.

Die Arbeit am nächsten Tag ist die Selbe, und geht leichter von der Hand. Da ich Spätdienst habe, brauche ich gar nicht erst nach Hause zu gehen, sondern fahre gleich zu Adele. Dort erwartet mich eine Überraschung.

Kommissar Lohmann, auf den wir seit Zehn Minuten warten ruft an, und was er zu sagen hat, klingt wenig beruhigend.

„Ich bin plötzlich von dem Fall abgezogen worden, und soll Morgen dem Polizeipräsidenten den Stick aushändigen. Ich habe ihn jetzt aus meinem Büro geholt, und bin unterwegs zum Haus von Geerjes. Aufgrund der Ermittlungen habe ich den Schlüssel dazu. dort gibt es einen PC, und  man wird uns da nicht suchen. Ich will euch nichts vormachen: spätestens morgen früh wird nach mir gefahndet, und ihr werdet auch ins Fadenkreuz geraten. Es ist möglich, dass sie euch jetzt schon überwachen. Wir müssen jetzt illegal weiter machen…

Sonntag, 15. Mai 2016

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 18

Und das Finale.Daher gibt es erstmal ein "Was bisher geschah":



Und nun zum Abschluss der Geschichte :


…Wir starrten gebannt auf den Bildschirm, auf dem zunächst Zahlen und Buchstaben zu sehen waren.Dann war ein Fortschrittsbalken zu sehen, der jetzt 10 % anzeigte. Eine Alarmsirene war zu hören.

30% -Laufende Schritte, gebrüllte Befehle. draußen gingen Soldaten in Stellung. Wir saßen endgültig in der Falle. War unser Tod der Preis für die neue Gesellschaft?

50 % -Der Kapitän und seine Leute schoben einen schweren Schreibtisch vor die Tür. Dann nahm Jean Cosici seine Pistole und schlug mit dem Griff den elektrischen Türöffner ein. Es gab einen Knall und Funken sprühten heraus.

„So, das sollte sie lange genug draußen halten“, meinte er.
„Sie werden irgendwann sowieso herein kommen, meinte Celia. „Entscheidend ist, das unser Unternehmen gelingt.“

70 %-nachdem Mordechai versucht hatte mit dem Code zu öffnen, und festgestellt hatte, das das Elektroschloss kaputt war, gab er einen Befehl. Nach einigen Minuten hörte man draußen ein Zischen.
“Ein Schneidbrenner“, sagte  ich „Aber es dürfte etwas dauern, bis sie durch die Panzerung durchkommen.“
Etwas später sah man einen  Sah man einen kleinen glühenden Punkt auf der Tür.

95 %-„Noch können sie umkehren. Brechen sie es ab!“, konnte man Mordechai durch die Tür rufen hören.
„Nein, dazu ist es zu spät“, sagte Celia. „Es passiert jetzt“
„Wo wir gerade dabei sind“, ergänzte ich „Dies ist mein Rücktritt als Kanzler!“

Aus der Tür sprühten Funken. Ein großes, ovales Stück der Tür fiel knarrend heraus, und wurde endgültig nach innen getreten, so das eine Öffnung frei wurde ,durch die Soldaten mit angeschlagenen MP`S  hereinkamen, die uns an die Wand dirigierten, und uns in Schach hielten.

Hinter ihnen kam Mordechai hinein, und sah auf den Computer-Bildschirm. Sein Gesicht wurde noch bleicher, als es eh schon war. Entsetzen breitete sich darauf aus. Langsam drehte er sich zu uns um. „Ist ihnen klar, was sie angerichtet haben?“,stammelte er.

„Ich denke schon“, entgegnete ich. „und wir sind stolz darauf. Auch ,wenn sie uns jetzt hinrichten.“
„Wem nutzt das jetzt noch?“, antwortete er tonlos.
„Sehen sie.“
Er schaltet einen Fernsehschirm ein, auf dem Bilder von Überwachungskameras waren, die mehrere Plätze zeigte. Der Schirm war geteilt, und man konnte in jedem Teil, oben Rechts den Namen einer Stadt lesen: Berlin, Paris, Rom, Den Haag, Brüssel, London.
Auf allen Plätzen sah man demonstrierende Menschen, die in Richtung Regierungspaläste zogen, und die Sicherheitskräfte gingen mit ihnen. Es mussten Millionen sein.

„Es ist aus“, sagte ich. „Sie können sie nicht alle umbringen.“
Celia trat an mich heran. Die Soldaten hinderten sie nicht.
„Du musst da raus, und mit zu ihnen sprechen, um Gewalt zu verhindern.“
„Ich?“
„Du bist der Kanzler. Hörst du? Sie verlangen Mordechais Kopf.“

Nun erlebte ich eine weitere Überraschung: Die Soldaten drehten sich um, und richteten die Waffen auf Mordechai.
„Was soll mit ihm geschehen?“, fragten sie mich.
„Was soll das, brüllte Mordechai „wisst ihr nicht wer ich bin? Ihr habt meinem Befehl zu gehorchen!“
Sie beachteten ihn nicht.

Es kostete mich einiges an Überwindung, bevor ich sagte: “Bringen sie ihn in die Zelle, und dann verhaften sie die anderen Mitglieder der Regierung. Sie sollen einen ordentlichen Prozess bekommen, wenn sich alles beruhigt hat.Gleichzeitig sollen alle politischen Gefangenen sofort entlassen werden.“

„Das könnt ihr nicht tun“, rief der Polizeiminister konsterniert. Ich bin euer Dienstherr, und befehle euch, das ihr diese Leute festnehmt, noch ist nicht alles zu spät. Wir können den Aufstand noch nieder schlagen!“

„Es ist zu spät. Sie folgen ihnen nicht mehr“, entgegnete Celia, und wie um sie zu bestätigen, legten ihm die Soldaten Handschellen an, und führten ihn ab.

„Du musst jetzt zu ihnen sprechen“, sagte Celia „Du bist jetzt kein niemand mehr“
Wir gingen hinauf zum Balkon des Regierungsgebäudes. Mir war furchtbar schlecht. Was sollte ich  diesen Menschen sagen? Wie beschwichtigt man eine solche Menge. ? Wie bringt man ihnen bei, dass eine neue Zeit angebrochen ist, und wie würden sie auf die Anwesenheit des Kanzlers reagieren, den sie doch mit dieser Regierung identifizierten, der doch für sie steht?

Doch ein Zurück gab es nun nicht mehr. Ich trat auf den Balkon, auf dem einige Mikrofone aufgestellt waren. Ich sah unten erste Journalisten, und mir wurde klar, das das was ich nun sagen würde überall gehört werden würde. In ganz Europa!

Als ich da nun an die Balustrade trat, und von den Menschen gesehen werden konnte, Celia neben mir, da brandete unglaublicher Jubel auf. Ich hob die Hand, um Ruhe zu gebieten. Ich sah auf die Zehntausende Menschen herab, und rief: „Ich verkünde hiermit die Verhaftung der Regierung, und das Ende Groß-Europas. Ich trete hiermit als Kanzler zurück, und verkünde Neuwahlen. Alle politischen Gefangenen werden in diesen Minuten frei gelassen.

Zu lange wurden die Menschen in Europa in der Diktatur unterdrückt und geknechtet. Im nahmen der Demokratie lasst uns nun für eine bessere Gesellschaft streiten!“

Großer Jubel brandete auf, und  obwohl ich, beziehungsweise mein Amt symbolisch für die Diktatur stand, hatte ich den Eindruck, dass sie mich feierten. Auf jeden Fall aber, blieben sie friedlich. Im Gegenteil, sie lagen sich mit den Sicherheitskräften in den Armen. Sinnend sah ich auf die Szene, bevor ich den Arm um Celia legte, und mit ihr den Balkon verließ. Meine Mission war nun endgültig erfüllt.

Epilog: Morgenröte

Der wind des Wechsels wehte durch Europa. .Die Menschen waren freudig. Es lag Hoffnung in der Luft. Ein neuer Morgen brach an. Die Schergen des alten Regimes wurden überall verhaftet. Koordiniert von Berlin organisierte eine Übergangsregierung ihre Prozesse und die Neuwahlen. Drees de Gruyne und Franz –Liviu Steinmann gehörten ihr unter anderem an.

Die Verbreitung der Daten über den Haupt-Computer war ihr start Signal gewesen .Zwei Tage später kamen sie in Berlin ein, und es gab ein herzliches Wiedersehen mit Uns.

Auch für mich brach ein neuer Morgen an. Mit Celia, denn wir waren jetzt ein Paar. Ein völlig neuer Lebensabschnitt. Nichts war mehr wie vorher, aber es war schön. Es war ein überwältigendes Gefühl, und ich war neugierig auf diese neue Zukunft, die ich auf die eine oder andere weise neu gestalten würde. Also treten wir in die Morgenröte und gehen einer bessern Zukunft entgegen.

ENDE

Samstag, 7. Mai 2016

Jan-aus dem Reich der Toten-Teil 10

???

Den Gedanken, das ich mich  besser nie mit dieser Sache befasst hätte ,habe ich mir schon früher gemacht, doch jetzt ist es zum Aussteigen zu spät. Ich bin Gedanken versunken, während wir wieder zurück fahren.

Der nächste Tag vergeht ohne besondere Vorkommnisse .etwas Ruhe tut auch gut .Rosi ist noch die ganze Woche krank. Verständlich ,nach dem, was sie durchgemacht hat ,und eigentlich könnte ich etwas Erholung auch gut brauchen.

Am Nachmittag des nächsten Tages treffe ich mich mit Adele, „Hanseaten-Columbo“ und Martin. Der Kommissar eröffnet uns: „Ich bin mal die alten Akten durch gegangen. Es gab nicht weniger als Neun merkwürdige Todesfälle um die Familie Dijsterkamp herum, seit Jans Tod, angefangen mit Jans Mutter Sylvia, die an einer Salmonellen-Vergiftung starb, bis hin zu Marten, der mit seinem Auto eine Böschung hinunter stürzte , und darin völlig verbrannte.

Es traf mehrere Geschäftspartner, Zwei Konkurrenten, sowie eine Cousine von Louisa, und eine ältere, angeheiratete Tante von Jan.
Und verschwanden noch drei Personen, darunter ein junger Mann, der ein Bekannter von Klara war.
Der eine oder andere von ihnen wird wohl unter jenen sein, die wir im Garten gefunden haben.“

"Dann können wir wohl davon ausgehen,“ sinniere ich „Das einer der Dijsterkamps ein Serienmörder war, und all die Genannten seine Opfer. Des weiteren können wir Marten, oder wer auch immer er war, als Verdächtigen ausschließen, denn er  gehörte ja selber zu den Opfern.“

„Richtig, und er ,oder jemand, der das Geheimnis wahren will, lebt Heute noch, denn nur das erklärt die Drei heutigen Morde.“

„Der Sohn des Hausarztes vielleicht. Der Hausarzt war ein Freund der Familie ,ging dort ein und aus ,und ein Arzt hätte auch die Möglichkeit mit der Blutvergiftung oder den Salmonellen“, meinte Adele

„Tja, und dann wären da noch die Nachfahren der Dijsterkamps. Vielleicht kannten sein das Familiengeheimnis, und wollten ihren Namen retten.“,ergänzt Martin.
„Alles denkbar, den Anwalt sollten wir auch nicht vergessen.“, meint der Kommissar „Wir werden mit allen noch mal reden müssen. Ach und den Stick hab´ ich vergessen mit zu bringen.“

Er sieht auf seine Uhr. Eigentlich könnten wir noch mal in mein Büro, und ihn uns ansehen.
Plötzlich klingelt sein Handy. Er fischt es aus der Tasche und geht ran. Er hört zu, was am anderen Ende erzählt wird, und sein Gesicht verfinstert sich.
„Gut“, antwortet er „Ist er ansprechbar?“…..“In Ordnung, ich komme“, und zu Uns gewandt sagt er: „Planänderung. Wir fahren zum Krankenhaus, auf Dr. Konninck wurde ein Mordanschlag verübt.“
???
Zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit, führt mich mein Weg zum Klinikum Mitte in der St. Jürgen - Strasse .Kommissar Lohmann erzählt uns während der Fahrt, was vorgefallen ist:
Konninck ist in seinem Garten angeschossen worden. Er wurde in der Schulter getroffen. Wohl ein glatter Durchschuss. Er war bei Bewusstsein, als man ihn ins Krankenhaus gebracht. Hat sich an seinen Nachbarn gewandt, der den Notarzt gerufen hat.“

Wir fahren die Einfahrt an der st. Jürgen-Strasse herein, und finden einen Parkplatz, nahe dem neuen Haupteingang, wo uns ein Polizist erwartet. Der Kommissar legitimiert uns bei ihm, und so gehen wir zum Informations-Schalter. Dort erfahren wir, das er schon  auf  Station liegt, wo er ein paar Tage zur Beobachtung bleiben soll,

Wir gehen den langen Gang entlang, bis wir linker Hand auf eine alte Steintreppe treffen, die wir hinauf gehen. Im ersten stock ist die Station.
Die Stationsschwester ist zwar nicht begeistert, meint aber, das wir fünf Minuten mit ihm sprechen können.

Konninck ist blass, sein Gesicht eingefallen. Er trägt einen Verband an der linken Schulter. Seine Augen wirken müde, aber doch neugierig. Er erzählt uns nicht viel mehr als wir schon über den Anschlag wissen.
Er war allein im Garten als der Schuss fiel.Er habe sofort Deckung gesucht und abgewartet.Als er sich sicher fühlte,schleppte er sich zum Nachbarn, und suchte Hilfe, die er auch bekam.
„Haben sie irgend einen  anderen Fall, mit dem sie sich einen Feind machen konnten.. Ach so sind ja im Ruhestand. Dann vielleicht einen aus der Vergangenheit?“, fragt „Hanseaten-Columbo“.

„Nein, nichts dergleichen. Aber nach unserem letzten Gespräch habe ich selber Nachforschungen angestellt, und mit Hendrik und Mareijke gesprochen, sowie mit dem jungen Stöhver. Der war besonders nervös. Ich habe noch einmal eigene Akten gewälzt, und dabei bin ich auf einen alten Fall gestoßen, bei dem ich Dr. Stöhver Senior verteidigt habe. Er stand damals im Verdacht , einige überflüssige Operationen gemacht zu haben. Dabei soll eine Person gestorben sein. Er wurde mangels Beweisen frei gesprochen. Die Haupt-Belastungszeugen verwickelten sich damals in Widersprüche.“

„Sehr interessant, und wann war das ?“
Das muss…warten sie mal..., in den Siebzigern gewesen sein.“

„Und nun glauben sie, es könnte doch was dran gewesen sein“
„Nun ja, und vielleicht ging das schon länger. Dr. Stöhver war sehr ehrgeizig, und betrieb nebenbei Forschungen .Wollte neue Heilmethoden finden…und Medikamente.Wohl gemerkt, es ist nur ein Verdacht.“

„Hanseaten-Columbo" will gerade zu einer weiteren Frage ansetzen, da kommt die Schwester herein, und sagt bestimmt: “Jetzt ist Schluss, der Patient braucht Ruhe!“
„Nun gut, meint der Kommissar. Zur Sicherheit werde ich ihnen einen Beamten vor die Tür setzen, falls sei es noch einmal versuchen.“
Und wir gehen.

„Ein höchst interessanter neuer Aspekt“, meint Lohmann draußen, dann bringt er uns nach Hause, bis auf Martin, der sein Auto noch beim Polizei-Präsidium stehen hat. Den Stick wollen wir uns Morgen einsehen.

In der Nacht habe ich wieder den Traum mit Jan, dem umgestürzten Rollstuhl, und der dunklen Gestalt. Zum Schluss habe ich Jans Gesicht vor mir. Seine Lippen bewegen sich, und ich glaube die Worte wahr zu nehmen: „Beeilt euch, sucht die Lösung!“…


Sonntag, 1. Mai 2016

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 17

Teil 3: Das Ziel

28.5.2025,Berlin

Hab ich das alles nur geträumt? So frage ich mich, aber dann sehe ich auf die Realität. Es schossen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Der allererste und wichtigste war, das ich es nicht fassen konnte. Celia, meine Freundin Celia war eine Doppelagentin? Hatte sie mich so täuschen können? War sie damals nicht zufällig mit ihrem Taxi dort gewesen, als die dunklen Männer mich aus der Anwaltskanzlei heraus verfolgten? Alles ein abgekartetes Spiel?

War sie ein trojanisches Pferd, mit dem die Schergen des Regimes den Untergrund zerschlagen, und diese Umschläge in ihre Hand bekommen wollten? Während ich darüber noch nachdachte kamen die dunklen Männer, und nahmen uns mit. Sie brachten uns zunächst in einen Hangar, dann in ein Frachtflugzeug, und schließlich nach Berlin, wo man uns in ein Gefängnis brachte.

Eine Weile saßen wir in einer Zelle, dann wurde die Tür geöffnet. Zwei Beamte kamen herein, und holten mich heraus.
„Wo bringt ihr mich hin?“, fragte ich.
„Zu jemandem, der mit ihnen reden will“, sagte einer der beiden kalt.

Sie brachten mich nach oben, und schließlich in ein großes Büro mit einem wuchtigen Eichen-Schreibtisch, auf dem eine Lampe und Computer standen, zusammen mit Schreib-Utensilien. Hinter dem Tisch stand ein großer Ledersessel, zwei Sessel davor. In einen wurde ich bugsiert, dann gingen die Wachen, und würden sich sicher vor der Tür aufstellen.

Erst jetzt fiel mein blick auf das Holzschild am Rande des Tisches.“Ernst Mordechai, Minister für Polizei und nationale Sicherheit“ stand darauf. Ich musste schlucken. Die finstere Persönlichkeit selber, wollte mit mir reden. Er hielt sich größtenteils aus der Öffentlichkeit heraus, und genauso geheimnisumwittert wie der Kanzler, dessen Geheimnis ich ja nun kannte. Noch ehe ich mir weitere Gedanken machen konnte, wurde hinter mir die Tür geöffnet, und, und jemand trat ein.

Er ging an mir vorbei, und hinter den Schreibtisch, wo er sich in den großen Sessel setzte, und mich scharf taxierte. Er war groß und schlaksig, war in eine schwarze Uniform gekleidet, und hatte schütteres, zurück gekämmtes, grauweißes Haar. Sein Gesicht war blass, mit hohen Wangenknochen, und scharfen Zügen, die durch die Adlernase noch verstärkt wurden. Kalte blaue Augen sahen mich an.

„Herzlich willkommen“, sagte er mit sonorer Stimme „sie sind also Alfred Kolbs Sohn. Ich freue mich, sie endlich kennen zu lernen, Kanzler“ Das letzte Wort sprach er mit ironischem Unterton aus.

„Mein Name ist Ernst Mordechai, auch wenn es nicht möglich sein sollte, aber ich meine, es gehört zur Höflichkeit, sich vor zustellen.“
„Nun gut“, antwortete ich lakonisch, „das haben sie ja nun getan.“
Mordechai lächelte
„Ironie oder Galgenhumor? Aber soweit sind wir noch nicht. Ich bin nicht blutrünstig. Sie haben ihr Schicksal und das ihrer Freunde selbst in der Hand. Aber sehen wir uns doch erst mal an, was sie von ihrer Reise mitgebracht haben.“

Er griff neben sich, und hatte meinen Rucksack in der Hand, aus dem er die drei Umschläge holte.
„Das Video“, und er hielten den dicken Umschlag hoch, „habe ich schon gesehen. Hoch interessant. Der alte Fred war wirklich ein gerissener alter Hund. Oh ich kannte ihn schon lange. Wir haben das alles zusammen aufgebaut, aber das haben sie ja schon gehört.“

Er öffnete nun den zweiten Umschlag, den von Fellieri, entnahm ihm einige Bogen Papier, und las danach, dann tat er dasselbe mit dem von Steinmann.

„Hmm, Interessant, aber nicht aufregend. Listen von Namen und Orten, aber sie deswegen quer durch Europa zu schicken? Möglicher Weise ist ein Code darin enthalten. Unsere Analysten werden das heraus finden.“

Nun fasste er mich scharf ins Auge
„Sie kennen die Bedeutung nicht, nicht wahr? Nein, sie haben  sie bisher nicht mal geöffnet.“
Ich zog es vor, zu schweigen.
„Gut“, meinte in ruhigem, fast freundlichen Ton. „ ist auch nicht nötig. Ich sagte vorhin, sie haben ihr Schicksal, und das ihrer Freunde in der Hand. Ich möchte ihnen ein Angebot machen. Wir brauchen sie, das Volk von Groß-Europa braucht sie, braucht seinen Kanzler.

Sehen sie, wir haben etwas geschaffen, haben Europa stark gemacht, haben es zu einer Großmacht gemacht, wo Wohlstand herrscht, wo Recht und Ordnung herrscht. Natürlich musste man da autoritär sein, musste hart sein gegen unsere Gegner, und musste die verschwinden lassen, die zerstören wollte, was wir geschaffen haben. Aber es muss ja nicht immer so sein.“

„Ihre Regierung hat schlimme Verbrechen begangen“, entgegnete ich
„Auch ihre, bedenken, wer sie sind, aber es war notwendig, um unser Ziel einer besseren Gesellschaft  zu erreichen „
„Eine bessere Gesellschaft? Das nennen sie eine bessere Gesellschaft?“
„Sein sie nicht so ein Moralapostel. Um ein Omelett zu backen, müssen Eier zerschlagen werden Ihr Vater hat das gewusst.“

„Interessante Moralvorstellungen, die ich aber nicht teile, und so überzeugt war mein alter Herr dann wohl auch nicht davon, oder warum hat er sich gegen sie gestellt? weil er wusste, das sie eine Diktatur errichtet haben, weil es ihnen nur um Macht ging.“

„In jeder Gesellschaft gibt es Herrscher und Beherrschte, alles andere ist Sozialromantik, aber wie dem auch sei, ich möchte ihnen etwas zeigen“
 Er zog ein Handy aus seiner Tasche, drückte auf eine Taste, und sagte nach gut einer halben Minute: “Schicken sie sie herein.“

Die Tür hinter mir öffnete sich, und jemand trat herein. Ich roch ein Parfum, das mir bekannt vor kam, und dann war die Person um mich herum gegangen, und stand neben Mordechai hinter dem Schreibtisch. Es war- Celia!

Sie lächelte mir zu. Mordechai musste den bösen Blick gesehen haben, den ich ihr zu warf, denn er lächelte spöttisch, und sagte ebenso:
„Sie dürfen ihr nicht böse sein. Sie hat sie nicht mit voller Absicht verraten.“ Und zu ihr gewandt: „Dreh dich um“

Sie wandte sich mir mit ihrer rechten Seite zu, und dann sah ich es: Da blinkte etwas blau in ihrem Ohr.“
„Ein Gedankenmanipulator, ein Prototyp, übrigens noch von ihrem Vater mit entwickelt. Beeinflusst die Gehirnströme, und ermöglicht das Eingeben von Befehlen. Gewissermaßen
Eine Art trojanisches Pferd, das wir in den Untergrund eingeschleust haben, nachdem sie in unsere Hand geraten ist. Darum haben wir auch zugelassen, dass wir sie befreien. War auch eine Idee ihres Vaters.“

Celia drehte sich wieder zurück.
„Sie sehen, wir haben die totale macht. Der Widerstand ist aussichtslos. Dieses kleine Spielzeug  geht bald in Serienfertigung, und auch noch andere. Denken sie über mein Angebot nach.“
Er nickte Celia zu. und sie ging um den Schreibtisch herum, und blieb vor mir stehen.
„Komm“, sagte sie, und führte mich heraus. Vor der Tür ging eine Wache  ging eine Wache mit. So wurde ich wieder zu unserer Zelle gebracht.

Vor der Zelle angekommen, holte der Wachmann den Schlüssel heraus, und schloss die Zelle auf, doch im nächsten Moment bekam er von Celia einen Karate-Schlag in den Nacken. Ohne einen Ton auszustoßen, sackte er zusammen. Sie nahm ihn auf, und lehnte ihn an die Mauer.

„Los, kommt raus!“, rief sie den anderen leise zu. Überrascht und misstrauisch sahen sie sie an.
„Du kannst doch nicht glauben, das wir dir noch trauen.“, sagte ich zu ihr
„Das versteh´ ich, aber wir haben nicht viel Zeit“, antwortete sie, und im nächsten Moment zog sie blau blickenden Stöpsel aus ihrem Ohr.

„Ist in der Tat ein Prototyp, aber ich glaube, die erwarten nicht, das das gute Stück gegen sie eingesetzt wird.“
„Ich sah sie verständnislos an, wie auch die anderen.
„Es wird euch alles erklärt, aber wir müssen jetzt schnell in den Hauptkontrollraum.“
Was sollten wir tun? Wir folgten ihr also, durch unzählige Gänge in einen Aufzug, dann wieder durch einen Korridor, der an den eines Krankenhauses erinnerte, bis wir vor einer schweren Tür waren.

„Erst mal hier rein, ihr müsst euch neu einkleiden.“
Der Raum, den wir betraten, war ein Lager, mit Regalen, in denen Uniformen, und auf anderen Waffen gelagert wurden.

„Wenn wir  es in den Kontrollraum schaffen wollen, müsst ihr deren Uniformen tragen, und keine Angst, euch vor mir auszuziehen, da gibt es nichts, was ich nicht schon gesehen habe.“

Die Kleidung war nach Größen geordnet, so dass es leicht fiel, etwas Passendes  zu finden. Während wir uns umzogen, erklärte Celia:
„Ich war damals nicht zufällig mit meinem Taxi dort. Ich habe Alfred versprochen, auf dich aufzupassen und dir zu helfen, das war kurz vor seinem Tod. Es war das letzte Mal, das wir uns sahen. Wir hatten uns damals einen Plan gemacht. Sein Vorteil war, dass er so völlig irrsinnig war.

Wir wussten, dass es nicht möglich gewesen  wäre, ihre Zentrale zu erstürmen, sie ist zu sicher, und so kamen wir auf die Idee, sie dazu zu kriegen, und selber hierher zu bringen. In sofern war meine Verhaftung geplant, allerdings nicht so, wie es dann gelaufen ist, und eine Zeit lang dachte ich schon, unser Plan wäre gescheitert.

Mordechai selbst kam nach Rumänien, und brachte das Gerät mit, das einer der wichtigsten teile unseres Planes war. Es war sehr viel Glück dabei, aber es hat geklappt, nicht zuletzt, weil Alfred Mordechai nur zu gut kannte. So schaffte er es ihn von seinen Prototypen zu überzeugen, und brachte ihn letztlich dazu mich zum trojanischen Pferd zu machen. Allerdings anders, als er denkt.“ Sie zwinkerte mir zu „Aber ich musste meine Rolle perfekt spielen. Daher musste ich euch auch verraten, damit sie euch hier bringen, wo ihr den entscheidenden Schlag führen könnt.“

Nun trat sie auf mich zu, schlang die Arme um mich, und ehe ich mich versah, spürte ich ihre Lippen auf den Meinen. Ich konnte nicht anders, legte meine arme um sie, und küsste sie ebenfalls. Ich empfand ein wohliges Prickeln, das meinen Körper  erzittern lies. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl.


Als  sich unsere Lippen wieder trennten, Strich sie mit dem Handrücken über meine Wange, und sagte: “Du hast doch nicht wirklich geglaubt, ich hätte dich verraten.“
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, und war froh, als der alte Kapitän, sich räusperte, und sagte: „Vielleicht wäre es jetzt gut, sich wieder auf unsere Sache zu konzentrieren. Danach habt ihr sicher noch genug Zeit, zu… Ähem“

Wir lösten uns voneinander. Celia, sah mich an, und grinste.
„Machst dich gut in Uniform. Na los, machen, das wir zur Zentrale kommen.“
Wir nahmen noch von den Waffen mit, und zogen  los. Es ging noch ein Stockwerk höher. In den Uniformen konnten wir uns frei bewegen. Während wir den Gang in Richtung zur Zentrale entlang eilten, hörten wir im Lautsprecher eine Durchsage: “Es sind mehrere Gefangene entkommen“…Es folgte eine Beschreibung.

Ein schlechtes Gefühl beschlich uns, aber wir eilten weiter, und kamen schließlich, vor einer automatischen Tür an.
Celia griff in ihre Jackentasche, und zog einen Zettel hervor. 
"Mal sehen, ob der Code noch funktioniert". 
Sie gab einige Zahlen in die Tastatur neben ihn Tür ein. Ein Summen ertönte, und die Tür öffnete sich.

Innen waren eine Menge Schaltschränke und ein riesiger Computer.
„Brauchen wir nicht den Inhalt der anderen Umschläge?“, fragte ich
„Nicht nötig“, grinste Celia „ist alles hier drin.“, und sie hielt das blinkende Gerät aus ihrem Ohr hoch
"Die beiden Umschläge waren bloß Köder,aber keine Sorge, deine Reise war keinesfalls umsonst"

Im, nächsten Moment kamen zwei Uniformierte, und ein Mann in einem Weißen Kittel, die wir schnell überwältigen.
Celia ging zum Hauptcomputer, und drückte auf eine Stelle ihres Ohrstöpsels. Ein USB-Stecker schoss heraus.

„In Ordnung, jetzt gilt´s“ Sie steckte das Gerät in eine USB- Buchse des Computers „nun wird ein Virus drauf geladen, das die Sicherheitsvorkehrungen ausschaltet, und gleichzeitig ein Trojaner, der alle Daten und Informationen über das Regime einlädt und verbreiten lässt.“

Wir blickten auf den großen Bildschirm über dem Rechner. Brach jetzt eine neue Zeit an?...