Sonntag, 12. Juni 2016

Der Bremer Stadtkater- Timmy holt über


Habt ihr Timmy vermisst? Na dann:Nach langer Zeit mal wieder eine Stadtkater-Geschichte, viel Spaß!


Die Junisonne über der Stadt, wärmte den Schnoor, und auch den kleinen schwarzen Kater, der auf dem Dach eines der Häuser lag, und döste. Timmy lies es sich gut gehen. Um ihn herum schwirrten Tauben, Spatzen und Insekten, während unten, in den schmalen Gassen das übliche ,rege Treiben herrschte, das sich jetzt, zu Beginn der Touristen Saison noch verstärkte.

Eine Zeit lang lag er noch so da, dann setzte er sich auf.
„Mann“, sagte er zu sich selbst „Ich wollte mich ja mit Toby treffen“
Es war mittlerer Weile Nachmittag geworden, und es war etwas frischer. Timmy verlies seinen Platz, trippelte die Stufen herunter, zum Ausgang des Schnoors.

Sie wollten sich auf dem Domshof treffen. Timmy verlies den Schnoor, überquerte die Strasse, und die Straßenbahnschienen, und wendete sich am Gerichtsgebäude entlang, der Domsheide zu. Dann lief er an der Glocke, dem Konzerthaus, vorbei zum Dom, den er umrundete, um schließlich am Ziel zu sein

Hier in der Nähe des Doms wollte er mit Toby zusammen treffen. Er sah sich nach seinem Freund um, als er ein Kreischen hörte. Das war doch eine Katze, die in Angst schrie! Er drehte den Kopf in die Richtung aus der der Ton kam, und da, an der Domtreppe, sah er einen Grobschlächtigen, Mann mit unrasiertem ,pockennarbigen Gesicht ,in einer schmutzigen, grauen Jacke und ebensolcher Hose , der gerade eine, sich wild sträubende,  Katze in einen Kasten steckte, und diese Katze war - Toby!

 Timmy musste erst einmal verdauen, was er da sah. Das war doch verrückt, Toby wurde entführt! Was konnte er tun? Irgendetwas musste er ja tun. Er schlich, an die Treppenstufen gedrängt, auf den Mann zu, der sich nun umsah, und mit dem Kasten über den Platz verschwand. Er ging Richtung Violenstrasse .Timmy folgte ihm in einiger Entfernung

Es ging der Straßenbahn- Haltestelle an der Domsheide zu. Dort blieb der Unbekannte stehen. Timmy hatte schon überlegt den Zweibeiner sofort anzugreifen, doch der pockennarbige wirkte äußerst kräftig, und wie sollte er den Kasten aufkriegen? So beschloss er ihm erst einmal zu folgen, und zu sehen, wann sich eine Gelegenheit ergab, Toby zu befreien.

 Jetzt kam eine Drei heran. Der Unbekannte stieg ein, und auch Timmy schlängelte sich in die Straßenbahn hinein, und drückte sich unter einen Sitz. In einiger Entfernung, konnte er den Fremden sehen, der den Kasten neben sich stehen hatte. Ein war ein Holzkasten, der auf einer Stirnseite ein Gitter hatte. Dahinter konnte er jetzt Toby erkennen, der seinen Blick auffing und ihn angstvoll ansah. Hilf mir, lass mich bloß nicht im Stich!, schien er zu sagen. Timmy wurde es unwohler. Wer war dieser Kerl, und was hatte er mit Toby vor?

Jetzt hörte man die Ansage: „Sielwall“, und kurze Zeit später kam der Zug zum Stehen. Der Pockennarbige griff nach seinem Kasten, der Oben einen aufgeschraubten Metallgriff hatte, stand auf, und drängelte durch die Menschenmasse der Tür zu. Augenblicklich flitzte Timmy unter dem Sitz hervor, und schlängelte sich mühsam zwischen den ganzen Zweibeinern hindurch. Ein Zweibeiner-Junges zeigte auf ihn und kreischte laut: “Da Mama, Datze, Datze“. Ein etwas älteres, wohl seine große Schwester meinte altklug: “Eine schwarze Katze von Links, das bringt doch Unglück“
Wer hatte bloß solch einen albernen Aberglauben in die Welt gesetzt?

Aber er hatte keine Zeit, sich damit auseinander zu setzen. Gerade noch schaffte er es aus dem Zug zu kommen. Dann blieb er stehen, und sah sich um. Wo war der Fremde? Oh Gott, er war nirgends zu sehen. Timmy hatte ihn verloren! Er sah sich noch einmal panisch um, und lies den Blick rund umher schweifen. Ah da! Da war er .Gerade war er auf den Sielwall eingebogen, und  ging dem Osterdeich zu.

Der schwarze Kater flitze hinter ihm her, um wieder abzubremsen, als er in greifbarer Nähe war. Es war ein Vorteil seiner Spezies, dass sie von den Zweibeinern nicht übermäßig wahr genommen wurde, und nicht auffiel. Die Verfolgung durch einen Menschen wäre dem Katzen-Entführer wohl aufgefallen, nicht aber ein Kater.

So kamen sie zum Osterdeich, den sie überquerten. Es ging runter nach der Fähre Hal Över. Timmy hatte schon davon gehört. Das kleine, bunte Schiff kam heran. Der Fremde löste ein Ticket, und ging mit den anderen Passagiern an Bord. Es gelang Timmy, sich zwischen den anderen Zweibeinern an Bord zu schmuggeln. Er konnte den Kastens sehen, und Tobys angstvollen, verwirrten Blick. Wo würde das Ziel sein?
*
Was weder Toby noch Timmy ahnen konnte, war, dass die Szene am Dom noch von jemand anderem beobachtet worden war. Dieser Jemand saß auf einer der Statuen, und wäre wohl auch so niemandem wirklich aufgefallen, denn es war eine Lachmöwe. Es war Fiete.
„Jo, jo“, meinte er “Ick glöv, dat gibt Ärger. Besser, ich sach ma Emma und dem Käpt´n bescheid. Vielleicht treff´ ich auch noch Gesche.“
Und der Vogel breitete die Flügel aus, und flog davon.
*
Die Überfahrt dauerte nur ein paar Minuten, dann waren sie am anderen Ufer der Weser, an einem Sandstrand angekommen, an dem sich viele Menschen tummelten, und  den ein großes Gebäude beherrschte. C-af-e  S-a-n-d, stand daran. Eine Menschenmenge stand bereits bereit, um an Bord zu gehen, während die anderen es verließen .Unter ihnen auch der große, pockennarbige und Timmy, der ihm weiter folgte.

Es ging die Rampe vom Schiff hoch, und auf den Deich. Hinter dem Cafe Sand, bog der Unheimliche rechts ab, auf den Fährweg ,an gepflegten Kleingärten entlang, in denen es in allen Farben blühte. Der Duft von Blüten lag in der Luft, aber auch ein anderer, rauchig, und nach Fleisch .diesen Duft kannte er .In einigen der Gärten wurde gegrillt. Timmy bekam Hunger, doch er hatte jetzt wichtigeres zu tun, nämlich dem Entführer zu folgen.

Am Ende des Fährwegs, bog er Links ab, um der Strasse zwischen den Gärten zu folgen. Nach einer Weile bog er wieder links, nun in einen schmalen, von Gärten gesäumten Weg, aus dem Timmy die schon bekannten Gerüche, sowie vergnügtes Lachen von Kindern entgegen schwappte.

Sie folgten dem schmalen Weg fast bis zum Ende, um wieder in einen anderen einzubiegen. Schließlich öffnete der Unbekannte rechterseits  eine rostige Pforte, und betrat einen verwildert wirkenden Garten, in dem ein schäbiges Holzhaus stand.Er ging darum herum, und verschwand darin.

Timmy blieb kurz unschlüssig vor der Pforte stehen. Was war da im Haus, und wie konnte er Toby helfen? Schaffte er das überhaupt ganz allein?
Eine Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.
„Machst du n´ hier?“
  Er wandte sich um, und gewahrte auf dem steinernem Pfeiler  der Pforte am gegenüberliegenden Garten eine schlanke, zierliche grau getigerte Katze, deren Kinn und Kehle gelblich weiß war, und die ihn teils belustigt, teils interessiert ansah.

„Oh, ääh…“er ging auf sie zu. „Mein Name ist Timmy, ich komme von der anderen Seite des Flusses, und bin diesem…“
„Schmierlappen?“, ergänzte die Graue heiter
„Na ja, dem mit dem Kasten bin ich gefolgt. Er hat einen Freund von mir entführt.“
Sie sprang von dem Pfeiler herunter, und blieb vor ihm stehen.
„Du meinst, da ist einer von unserer Art drin?“
„Ja, mein Freund Toby“

„Das sähe diesem Kerl und seinem Kumpan ähnlich. wohnen seit ´ner Woche dort. Sind ziemlich unheimlich.“
Sie sah zu dem verwahrlosten Garten
„Ich heiße übrigens Minnie. Mein Dosenöffner wohnt mit seiner Familie in diesem Garten“ und sie deutete mit dem Köpfchen in Richtung der Pforte, wo sie vorhin noch auf dem Pfeiler gesessen hatte.
„Aber was willst du denn jetzt tun?“

„Weiß ich auch noch nicht so recht, und ob ich´s überhaupt allein schaffe“
„Nein, du brauchst Hilfe…“ sie wurde von einer Kinderstimme unterbrochen, die „Minnie!“, rief.
Aus der Pforte  von Minnies Garten trat ein etwa zwölfjähriger, schlaksiger Junge mit rotblondem Har und einem gutmütigen, sommersprossigen Gesicht, der Jeans und ein Werder-T-Shirt trug.

„Ah, da bist du, und du hast einen Freund gefunden!“ Er kam auf sie zu.
„Das ist Kevin, mein Dosenöffner, das wäre  eine gute Hilfe“, meinte Minnie „Man muss ihn nur noch aufmerksam machen.“
„Versuchen wir´s“, sagte Timmy, und bewegte sich in Richtung des anderen Gartens
„N´bisschen energischer müssen wir es schon machen“, entgegnete Minnie, und im  nächsten Moment schoss sie an Timmy vorbei, und in den verwahrlosten Garten. Was sollte er machen? Ohne weiter zu überlegen folgte er ihr.

„Minnie, wo läufst du hin?“, rief der Junge hinter ihnen, und Timmy konnte hören, wie er hinter den Katzen her lief.
Sie umrundeten das Gartenhaus, bis sie vor einem schmutzigen Fenster stehen blieben, vor dem eine umgedrehte Regentonne stand. Timmy und Minnie hüpften darauf, und sahen zusammen mit Kevin durch die Scheibe.

Da war der Pockennarbige zu sehen, wie er in dem karg eingerichteten Raum mit drei Stühlen, Tisch, und einem Holzschrank stand. Links hinter ihm war eine Art Verschlag mit einer vergitterten Tür, der ein größeres Tier zu beherbergen schien. Der Kasten, in dem er Toby transportiert hatte, stand auf dem Tisch, und war geöffnet. Der Mann hielt den sich sträubenden Kater in den Händen, und brachte ihn zu dem Verschlag, den er einen Spalt weit öffnete .Eine schwache, helle Kinderstimme flehte. “Bitte lassen sie mich doch gehen!“

„Mal sehen, wenn deine Eltern gezahlt haben vielleicht. Hier hast du erstmal was zum Spielen, damit du ruhig bist.“ und er schleuderte Toby durch den Spalt in den Verschlag.
„Die halten ein Menschenjunges da drin gefangen“
, rief  Timmy entsetzt.
"Die halten da ein Kind gefangen“, hauchte Kevin. „Das muss ich Papa sagen“

Drinnen schien sich der Unheimliche mit jemandem zu unterhalten.
„Lass man. Das Vieh kann uns ja nicht verpfeifen, und hinterher können wir´s noch ans Labor verhökern.“
Er verschwand aus dem Blickfeld.
Kevin drehte sich um
„Da war doch was in Nachrichten von einem entführten Mädchen. Ich muss sofort rüber zu Papa“

„Hast du dir so gedacht !“, dröhnte eine höhnische Stimme „du bleibst hier, und leistest der kleinen Gesellschaft!“
Es war der Pockennarbige! Blitzschnell hatte er Kevin ergriffen, und ihm die Hand auf den Mund gelegt. Jetzt hob er den zappelnden Jungen hoch, und trug ihn zur Tür.
Im nächsten Moment wurden auch die beiden Katzen von zwei starken Händen gepackt, und fanden sich zusammen gedrängt in dem Kasten wieder, mit dem schon Toby transportiert worden war.
„Die nimmt uns das Labor auch noch ab. Immer mitnehmen, was man kriegen kann.“

Sie wurden in den Raum gebracht, in den sie vor hinein gesehen hatten. Es roch muffig und nach Schweiß. Der andere Mann, der nicht  weniger schäbig und angenehm war, als der Entführer, setzte den Kasten mit den beiden Katzen neben dem Tisch ab.
„Da könnt ihr beiden erst mal bleiben, bis ihr vertickt werdet.“, meinte er lachend

Der andere, schob Kevin unsanft in den Verschlag, und höhnte:“ So kleines, da hast du noch mehr Gesellschaft“
Er schloss den Verschlag ab, und hängte den Schlüssel an einen Haken über der Eingangstür
„Und jetzt?“, fragte sein Kumpan
„Gönnen wir uns erstmal n´ Bierchen“
Lachend verließen sie die Hütte, man konnte hören, wie von Außen ein Schlüssel ins Schloß gesteckt, und gedreht wurde, dann war es still und dunkel .Sie waren gefangen, und verzweifelt. Würde Timmy den Schnoor je wieder sehen?
*
Während Timmy dem Unheimlichen ins Kleingartengebiet gefolgt war, kehrte die Fähre ein weiteres Mal vom Sielwall zurück, und brachte drei ungewöhnliche Passagiere zurück, nämlich zwei Katzen, und einen Hund, genau genommen einen Beagle, die am Bug saßen. auf der Reeling landete gerade einen Lachmöwe. 

„Na“, sagte der Hund  “Wäs los? Hast se gesehen?”
“Joar, Käpt´n du. Sind inne Kleingärten. Habse bis zu so´n verwilderten Garten verfolgt.“
„War ja gut, dasse noch mal nachgeflogen bis, und geguckt hast, wose längs sind .Gut, denn fliech uns ma voraus.“
In diesem Moment legte die Fähre an, und sie stiegen aus, und machten sich auf den Weg.
*
Timmy wusste nicht, wie lange sie da so gelegen hatten. An viel Bewegung war in dem engen Kasten sowieso nicht zu denken, wobei ihn Minnies Berührung gar nicht mal so sehr störte.
Irgendwann hörte er etwas kratzen. War das draußen am Fenster? Viel sehen konnte er durch Gitterdeckel nicht, zumal Minnie auch hindurch sehen wollte.
„Mach´ dich nicht so dick“, maunzte sie
„Wie bitte? “Grade wollte er noch mehr sagen, als von Oben eine stimme ertönte:
„Timmy, bist du da?“ Das war Emma
Ein wenig gelang es ihm durch die Klappe nach oben sehen. Da war eine geöffnete Dachluke, und durch die sah Emma hinein, und daneben tauchte Gesches Kopf auf.
Jetzt zwängte sich die rot getigerte durch die Luke, danach Gesche Es waren vielleicht Zweieinhalb Meter, die sie in die Tiefe sprangen. Für eine gute Katze kein Problem. Emma tauchte vor der Gitterluke auf.

„Hast aber wirklich ein Talent, dich in Schwierigkeiten zu bringen“, sagte sie
„Hmm ja“ antwortete er verstimmt „Das ist übrigens Minnie“
„Hallo“, lächelte Emma. „So, und jetzt holen wir euch da raus.“
„Ist kein Schloß dran“, meinte Gesche „Nur ein Riegel der hoch geschoben werden muss.“
Mit Zähnen, Pfoten und Krallen, begannen sie den Riegel zu bearbeiten, und nach einer Weile hatten sie es tatsächlich geschafft. Timmy stieß die Klappe mit der Schnauze auf-er und Minnie waren frei. Welch ein herrliches, erleichterndes Gefühl!

Aber sofort wandte er sich an Emma und rief. “Wir müssen noch Toby und die beiden Menschenjungen befreien, sie sind indem Verschlag!“
„Ja, aber wie kriegen wir den auf?“
„Er hat ihn mit dem Schlüssel verschlossen, der da oben hängt.“
Sie sahen zur Tür
„Aber wir können so was nicht selbst benutzen“
„Wir nicht, aber mein Dosenöffner“, entgegnete Minnie „Wir müssen nur dafür sorgen, das er ihn bekommt, den Rest wird er schaffen.“

 „Dürfte ne spezial Aufgabe für Fiete sein“, meinte Emma und laut rief sie „Fiete, Fiieeteee!“
Oben ertönte ein flattern und die Lachmöwe kam durch die Dachluke herein.
„Jau, was gibt´s?“
„Siehst du da oben den Schlüssel. Kannst du ihn abnehmen, und in den Verschlag werfen?“
„Jo jo, kriech ich hin. Geit klar", und  der Vogel flatterte hinauf bis zum Haken hoch. Im zweiten Versuch hatte er den Schlüssel im Schnabel, drehte damit eine Runde, und flog zum Verschlag, wo er den Schnabel mit der Fracht durch die Gitterstäbe steckte und fallen lies.
„Denn ma los!“, rief  Fiete, drehte wieder eine Runde, und lies auf dem Schrank nieder.

Drinnen im Verschlag regte sich etwas.
„Mensch, das gibt´s doch nicht“, hörte man Kevin sagen.
Im nächsten Moment schlängelte sich ein Kinderarm zwischen den Gitterstäben hindurch, steckte den Schlüssel ins Schloß, und drehte ihn mühsam um.
„Komm!“ rief er nach hinten „Wir sind frei!“

Er kam aus dem Verschlag, und hielt ein verängstigt wirkendes, etwa achtjähriges Mädchen an der Hand. Als er die Katzen sah, bekam er große Augen.
„Wie habt ihr denn…“, begann er, und dann sah er die beiden anderen, die rot getigerte und die Siam .Dann sah er die Möwe auf dem Schrank.
„Wo kommt ihr denn her? Das kann doch gar nicht sein.“
Auch Toby kam aus dem Verschlag
„Ah Toby, kleine Reise gemacht, was?“, fragte Gesche mit ironischem Unterton
„Hör bloß auf, der soll mir mal vor die Krallen kommen!“


Er ging zur Tür, um sie zu öffnen, doch sie war verschlossen. Er probierte kurz den Schlüssel aus. Ohne Erfolg.
„Mist und jetzt?“, fragte er
„Da“, sagte das Mädchen, und diesem Moment hörte man es wieder kratzen
„Das Fenster!“, rief Kevin
„Er hat es“, schmunzelte Minnie  „Gar nicht so blöd, mein Dosenöffner"

Auch Timmy sah zum Fenster, und gewahrte, wer da kratzte .Es war der Käpt´n.
„Was macht denn der Kund da?“, fragte Kevin „Na Egal.“ Er betätigte den Griff.
„Ja, es geht auf“, jubelte er.
Er öffnete das Fenster .Der Beagle wich zurück. Kevin kletterte hinaus, und half dann dem Mädchen durchs Fenster .Für die Katzen war es ein Leichtes auf den Tisch, und aus dem Fenster zu springen, so das schließlich neben dem Käpt´n zu stehen kamen. Fiete lies sich Schließlich auf dem Rücken des Hundes nieder

"Mönsch, das ja noch ma gut gegangen“, meinte der Käpt´n 
„Gut, dass ihr gekommen seid " meinte Timmy zu Emma gewandt, „Ich hatte mich schon aufgegeben“
„Nicht doch.“, sagte Emma „Auf das Schnoor-Hilfskorps ist doch Verlass“
„Ja, und Timmy hat jetzt ne Menge gut bei mir“, meinte Toby

„los“, rief Kevin „wir müssen weg hier. Rüber in unseren Garten. Mein Papa ist bei der Polizei, und hat n´ Paar Kollegen zum grillen eingeladen, die können die Kerle gleich verhaften.“
Sie strebten der Pforte zu, als sie draußen stimmen vernahmen. Ihre Kerkermeister kehrten zurück, und waren schon vor der Pforte.
„Ins Gebüsch“, zischte Kevin, und zog das angstvoll blickende Mädchen mit sich.Da kamen die Beiden Verbrecher schon durch die Pforte.

Als Toby seinen Entführer erkannte, leuchteten seine Augen auf.
„Na warte!“
Die Beiden waren jetzt an dem Gebüsch vorbei, indem Kevin und das Mädchen saßen.
Gerade als Toby sich auf seinen Peiniger stürzen wollten, rief der Junge: „Schnell rüber!“, zog das Mädchen hoch, und rannte zur Pforte.

„Verdammt, die Bälger sind entkommen!“, schrie der Pockennarbige
Sein Kumpan drehte sich um, und lief los.
„Die hab´ ich gleich wieder!“
„Von Wegen“ rief der Käpt´n grimmig, stürzte sich im nächsten Augenblick auf den Ganoven, und verbiss sich von hinten in seiner Wade.
Mit einem Schmerzensschrei stürzte er zu Boden.

Der ‚pockennarbige, der hinterdrein gelaufen war, stolperte über seinen Kumpan, und fiel der länge nach hin. So bekamen die Kinder Ausreichenden Vorsprung.
Als Kevin sich umsah, gewahrte er mit erstaunen wie die Katzen sich auf die am Boden liegenden Stürzten, und sie am Aufstehen hinderten, und der Hund den anderen an der Wade gepackt hatte.

Timmy saß mit auf dem Pockennarbigen, der auf dem Bauch Lag.
 Mit rachsüchtigem Lächeln kam Toby heran.
„Timmy, würdest du mir bitte sein Hinterteil freimachen?“
Timmy  verstand, und machte grinsend Platz
Genüsslich fuhr Toby die Krallen aus, und hieb sie mit voller Wucht ins Hinterteil des Ganoven, der vor Schmerz aufschrie. Dann verpasste er ihm noch einen Krallen hieb über den Rücken.
„Ah“, machte Toby erleichtert. "Das hat gut getan.“

Kevins Vater und seine Kollegen waren sowieso schon auf der Suche nach dem jungen, und aufgeschreckt durch den Lärm hierher gekommen. Sie staunten nicht schlecht über den Anblick, der sich ihnen bot.

Noch mehr allerdings, als sie hörten, was Kevin ihnen berichtete .Nun erfuhren sie auch, wer das Mädchen war, das nun auch wieder lachen konnte. Es war die kleine Lena Denck, Tochter eines Unternehmers, die vor einer Woche entführt worden war. Es hatte auch schon eine Lösegeldforderung gegeben. Und ausgerechnet hier, in ihrer Nachbarschaft hatte man sie gefangen gehalten.

Ihre Eltern wurden verständigt, sowie ein Streifenwagen, um die arg zerkratzten und ramponierten Entführer, die nun von Kevins Vater und seinen Kollegen in Gewahrsam genommen wurden, weg zu schaffen. Katzen und Hund hatten sofort von ihnen abgelassen, als die Menschenpolizisten gekommen, und die Kinder in Sicherheit waren.
*
Später saßen sie am Fähranleger. Die Sonne ging schon unter, und warf ein rotgoldenes licht über die Weser und die Tiere am Ufer.
Minnie rieb ihren Kopf an Timmys und sagte:
„Kannst gern wieder kommen. Wir sind den ganzen Sommer hier, und ansonsten…“sie kam dicht an sein Ohr, und hauchte: "Meine Zweibeiner wohnen sonst am Osterdeich. Tschüss, Timmy“

„Oh ja, würde dich gern mal wieder sehen.“, stammelte Timmy, von einem Gefühl überwältigt, das er so nicht kannte.
Minnie wandte sich den anderen zu:
„Tschüss, und passt gut auf Timmy auf.“
Sie bestiegen die Fähre, und as Schiff fuhr los. Minnie hob eine Vorderpfote zum Abschiedsgruß, und Hund und Katzen auf dem Schiff erwiderten ihn.
Timmy sah ihr noch lange nach, als sich umwandte, und zu ihrem Garten zurück ging.
„Na, da hast du also eine Freundin“, meinte Emma schmunzelnd Als sie merkte, das Timmy verlegen wurde, setze sie hinzu: Ist doch in Ordnung und normal. Wirst schließlich langsam erwachsen. Außerdem ist das doch n´ schönes Gefühl oder?“
Da konnte Timmy nun nicht widersprechen.

So fuhren sie heim. Nach einem herzlichen Abschied, bei dem Toby Timmy und den anderen gar nicht genug danken konnte, waren sie schließlich wieder zu Hause ,und irgendwann lag er wieder auf seinem Lieblingsplatz auf dem Dach. Die Luft der Sommernacht war lau, und duftete .Am klaren Himmel leuchteten die Sterne, und Grillen sangen.

Er rückte sich in die Richtung zurecht, wo die Fähre liegen musste, und in der ferne konnte er das jetzt dunkle Band der Weser erkennen ,und da drüben auf der anderen Seite mussten die Gärten sein, und da war Minnie .Und mit ihrem Bild vor Augen ,schlief er ein.

ENDE


Sonntag, 5. Juni 2016

Jan-aus dem Reich der Toten-Teil 12

Das wird ja immer besser, denke ich. Mit einem mulmigen Gefühl setzen wir uns in Martins Auto, und fahren zu Geerjes` Haus. Dort erwartet uns Hanseaten-Columbo.
„Jemand gesehen, der euch verfolgt?“
„Nein, nicht, das wir wüssten“, antwortet Martin.
„Würde mich aber  nicht wundern, wenn sie e trotzdem wissen, wo ihr seid. Nun gut, kommt, ich habe den Rechner schon hoch gefahren, und alles vorbereitet. Der Stick steckt im Computer.“
Wir gehen ins Arbeitszimmer. Lohmann zieht die Vorhänge zu, und wir sehen uns an, wofür Fred sterben musste.

Zunächst sehen wir eine Auflistung aller Todesfälle in und um die Familie Dijsterkamp, seit Jans Tod. Fred hat wirklich alles sorgfältig recherchiert.
Nun sehen wir ein Dokument vor uns. Es trägt ein Datum in den Sechziger Jahren, und die Unterschrift von Geerjes, damals Polizei-Oberkommissar, daneben noch eine Unterschrift  eines Hauptkommissars, die wir nicht entziffern können, und die von Johan-Willem Dijsterkamp! Es ist offenbar ein Abkommen zwischen Familie Dijsterkamp und Polizei.
Unser schlimmster Verdacht bestätigt sich.

„Die haben sich tatsächlich geeinigt, einen Serienmörder zu decken. Kein wunder, das das vertuscht werden soll.“
Aber es kommt noch viel schlimmer. Nun sehen wir einen Video-Clip. Vor uns sitzt ein blasser , alter von Krankheit gezeichneter Mann, den Lohmann als Kommissar Geerjes erkennt, und berichtet einem Interviewer, dessen stimme Martin sofort als Fred identifiziert, das der Serienmörder nicht nur gedeckt wurde, eine Gruppe korrupter Polizisten benutzte ihn auch zur Beseitigung unliebsamer Zeugen. Nur wer der Mörder war, sagt auch er nicht, und auch aus dem Schreiben geht er nicht hervor.

Wir sind schreckensbleich, und starren uns an. Das war mehr als wir erwartet hatten. Mir wird nun richtig schlecht, wenn ich daran denke, was ich mit dieser Tagebuchseite aufgedeckt habe. Doch bevor wir uns weiter beraten können, ertönt es draußen:

„Das Haus ist umstellt. Kommen sie raus. Es ist ihre einzige Chance glimpflich aus der Sacher heraus zu kommen.“
„Vielleicht ist es besser so“, meint Hanseaten-Columbo tonlos. „Reicht doch, wenn ich meinen Job verliere.“

Nach kurzer Beratung verlassen wir das Haus. Man nimmt uns fest, und bringt uns zum Polizei-Präsidium. Dort sitzen wir Polizeichef Korbacher gegenüber. Der ist ein vierschrötiger Mann mit kurz geschorenem, rötlich braunem Haar, und ebensolchem, gewaltigen Schnurrbart. Er sieht uns düster an.

„Lohmann!“, herrscht er den Kommissar an „Ich hatte sie doch von dem Fall abgezogen! Hansen macht das jetzt.“
„Hansen? Sagen sie doch gleich, das sie den Fall nicht gelöst haben wollen.“
„Wa bilden sie sich ein? Hansen ist ein guter Mann!“
„Und stellt keine unbequemen fragen. Der typische Karrierist“
„Er weiß eben, was gut für ihn ist. Und nun: Haben sie den USB-Stick?“
Lohmann streckt die Hand aus, auf der der begehrte Stick liegt. Korbacher greift danach, und betrachtet sinnend das Stück.
„Hmm, gut, der bleibt hier in meinem Büro unter Verschluss.“

Während der Polizeichef sich mit dem Stick beschäftigt, spüre ich eine Hand in meiner Hosentasche. Ich sehe auf, und sehe in Martins Gesicht, der mit dem Kopf zu Hanseaten-Columbo neben ihm deutet, und ich verstehe. Oh ja, ich verstehe nur zu gut.

„Nun“, meint Korbacher sichtlich befriedigt mit Blick auf mich, Martin und Adele, „Es war sehr klug sich zu ergeben, und die Belohnung bekommen sie jetzt:Sie können gehen. sämtliche mögliche Anklagen gegen sie werden fallen gelassen, doch kommen sie nicht auf die Idee, sich weiter mit der Sache zu beschäftigen. Mit ihnen, Herr Kommissar Lohmann, muss ich noch getrennt reden.“

Während wir  nach Hause fahren, wir waren in Martins Auto unter Aufsicht eines Beamten zum Polizeipräsidium gefahren wurden, und sitzen nun wieder drin,, gehen mir die Dinge noch einmal durch den Kopf, und die Zusammenhänge erschließen sich mir .In meinem Kopf hat sich eine Kette gebildet, an deren ende sich ein Gesicht befindet, oder vielmehr ein Schemen.
Ich greife in meine Hosentasche, und halte einen USB-Stick in der Hand. Adele  starrt mit großen Augen darauf.
 „Das ist doch nicht…“, entfährt es Adele
„Oh doch“, sage ich, „Martin hat ihn mir zugesteckt, und ihn wahrscheinlich von Lohmann bekommen“
Martin nickt
„Und nun?“
„Nun müssen wir den Trumpf ausspielen. Heute Abend werden wir unserem Mörder begegnen, und zwar dort, wo alles angefangen hat: Im Dijsterkamp- Haus“…