Sonntag, 26. April 2015

Mordsmenü für Fenris



1.

Wer meinen Boss, Tjark Fenrissen,  seines Zeichens Privatdetektiv, 45 Jahre alt, groß, dick, mit vollem blonden Haar, einem rundlichen Gesicht mit Knollennase und einer runden Brille, kennt, weiß, das er nicht nur leidenschaftlicher Craft- Bier -Trinker, sondern auch ausgesprochener Feinschmecker ist. Ein großer erfolg seinerseits  war vor diesem Hintergrund die Anwerbung unserer Haushälterin Frederike Brahms , die eine gute Koch-Ausbildung in Frankreich genossen hatte.

Für einen solchen Gourmet war es eine besondere Herausforderung , zu einem Koch-Wettbewerb ins Hotel „Nordsee-Palast“ als Jury-Mitglied eingeladen zu werden. Nun, es kam nicht ganz von ungefähr, speiste Fenris doch auch öfter im dortigen Restaurant, so das sein feiner Gaumen dort bekannt war. Entsprechend erfreut war er auch, als er nun den Einladungsbrief bekam, und so standen wir nun am Samstag- Nachmittag im Restaurant, und worden vom Hotel-Manager Hein Schriever und Chef- Koch Martin Feller  herzlich begrüßt, der neben Fenris der Jury angehören würde. Drittes Mitglied würde Paul Hendricks sein, Gastro- Kritiker, der in mehreren Zeitungen, darunter dem Frersumer Kurier veröffentlichte.
„Freut mich, sie zu sehen, Herr Fenrissen. Unsere drei Koch-Mannschaften sind schon bei der Arbeit an der Vorspeise. Sie können ihren Platz am Jury-Tisch schon annehmen. Sie , Herr Alldag ,nehmen im Publikum Platz.“

„Danke“, meinte Fenris „Wer sind eigentlich die Kandidaten?“
„Ja, da ist zunächst Pierre Ziegler, vom Restaurant „Trocador“, in Bremerhaven, dann Gerhard Broer vom „Frersumer Hof“, und schließlich Luigi di Liero  vom „Seggiano“ im Nachbarort.“
Ich entschied mich vor Beginn der Veranstaltung noch einmal die Toilette auf zu suchen. Als ich wieder heraus kam , vernahm ich in der Nähe einen großen Lärm, wie von einem Streit. Ich ging in die Richtung, aus der der Lärm zu hören war, und gewahrte draußen im Hinterhof zwei Männer im Konflikt Den Einen kannte ich. Es war Hendricks, dessen Bild ich schon in der Zeitung gesehen hatte.Der Zweite trug die Kleidung eines Kochs. Gerade hörte ich Hendricks sagen: "Passen sie auf Ziegler, wenn sie auf meine Bedingungen nicht eingehen wollen, dann möchte ich was finden, und wenn ich was finden möchte, dann finde ich auch was.Wenn wir überein kommen, wird auch mein  Bericht entsprechend“
„Ich lasse mich nicht erpressen“, entgegnete Ziegler kalt, und ging wieder in die Küche.  Ich zog mich zurück, ging wieder in Veranstaltungsraum , und nahm meinen Platz an einem der Bistro-Tische ein, hinter denen eine Tribüne aufgebaut worden war.

Die drei Jury-Mitglieder hatten ihre Plätze eingenommen ,und die Köche und ihre Teams waren eifrig mit dem Ersten Gang beschäftigt, welcher eine Spargel- Creme- Suppe sein sollte. Ein Paar Minuten später kam auch Ziegler zu seinem Team. Seine Mine war ein wenig düster, und feindselig ging sein Blick zum Jury- Tisch , wo neben Fenris und Feller auch Hendricks Platz genommen hatte.

Schriever  trat jetzt mit einem Mikrofon in die Mitte und sagte: “Herzlich willkommen zu unserem großen Koch-Wettbewerb, in dem sich die Teams dreier namhafter Restaurants  in ihren Künsten messen. Sie werden drei Gänge zubereiten , nämlich eine Spargelcreme- Suppe, ein Kalbs-Ragout, und eine echt norddeutsche rote Grütze, wobei sie diese Gerichte auf ihre individuelle Art kreieren sollen. Bewertet wird der jeweils beste mit drei, der zweitbeste mit zwei ,und der dritte mit einem Punkt. Und mit der Vorspeise sind sie fertig, so das sie gleich serviert werden kann.“

Während die drei Koch-Teams aufzutun begannen, wurde der Jury Wasser in Gläsern serviert. Ich hatte gerade weg gesehen, als ich ein lautes Klirren ertönte. „Das tut mir sehr Leid“, sagte Feller gerade „nehmen sie doch meins“, und schob ihm generös sein volles Glas zu.
„Ich lasse mir ein neues bringen“ Damit winkte er dem Kellner, der sofort kam.
Nun wurde die Suppe serviert und bewertet, wobei das  Team vom Frersumer
Hof  den ersten Sieg des Tages holte.
Danach tranken die Jury- Mitglieder aus ihren Wasser- Gläsern ,um den Mund zu reinigen, denn auch das schon vorher angesetzte Ragout war fertig.
Es wurde am Tisch serviert. Fenris und Hendricks redeten kurz miteinander ,nickten sich zu ,und vertauschten dann die Teller. Fenris Probierte, Feller Probierte. Es schmeckte schon von fern her köstlich, und ich kam nicht umhin die Jury-Mitglieder zu beneiden. Da riss mich ein Poltern aus meinen Gedanken. Ich bekam gerade noch mit, wie Hendricks zusammenbrach ,und vom Stuhl kippte, wobei er auch sein Glas mit herunter riss.
Sofort waren Fenris und der Kellner über ihm. Fenris hob den Kopf und rief: „Ist ein Arzt hier?“
Tatsächlich kam jemand aus dem Publikum.Er untersuchte Hendricks kurz, um dann mit ernster Mine zu den umstehenden zu sagen: „Dieser Mann ist tot“ 
   
2.

„Herr Schriever“ , sagte Fenris "Sorgen sie bitte dafür,das keiner das Hotel verlässt, und rufen sie die Polizei .Es riecht hier verdächtig nach bitteren Mandeln. Ach ja ,und lassen sie die Teller so stehen, wie sie waren“, ergänzte er noch mit einem Blick auf Feller , der sich schon an den Tellern zu schaffen machte :
„Lassen sie die bitte stehen“

Kurz darauf erschienen Polizei, Notarzt, Spurensicherung, sowie ein Gerichtsmediziner aus Bremerhaven. Notarzt und Gerichtsmediziner bestätigten den Verdacht einer Zyanid-Vergiftung. Der Tote wurde abtransportiert, und die Ragout-Reste auf den Tellern eingesammelt.  
„Gut, gut“, meinte Kommissar Stieler, ein hochgewachsener, schlaksiger Mann, Mitte fünfzig, mit dunkelrötlichem Haarkranz, “Wir bekommen den Befund zwar noch, aber die Wahrscheinlichkeit, das das Gift im Essen war, ist hoch. Als sie vom Wasser getrunken hatten war noch alles in Ordnung?“
"Ja das war nur ein paar Minuten vorher“, meinte Fenris
„Und das Ragout war da schon zubereitet ?“
„Sicher“, sagte Feller, “Da ein Ragout ja ein bis zwei Stunden schmoren muss, muss , und wir einen gewissen Zeitrahmen in dieser Veranstaltung haben, wurde es schon vorher angesetzt.“
„Verstehe“, brummte Stieler „somit wären ,sollte sich der Verdacht bestätigen, unsere drei Köche die Hauptverdächtigen.“
„Insbesondere Ziegler“, meinte ich, und berichtete von meiner Beobachtung vor der Veranstaltung.

„Sehr interessant“, meinte Stieler „dann werden wir ihn uns einmal näher ansehen. Es dürfte sie übrigens interessieren, das das Opfer Paul Hendricks eine Akte bei der Polizei  hat. Er ist vorbestraft wegen Erpressung. Offenbar hat er in Hamburg Restaurant-Besitzer erpresst ,ihn für gute Kritiken zu bezahlen. Darum hat er auch seinen Job bei einem dortigen Gourmet-Journal verloren.. Das würde auch zu ihrer Beobachtung passen.“
„Und sie wird es interessieren“, sagte Fenris, „Das der Anschlag auch mir gegolten haben kann. Hendricks und ich tauschten vor der Probe die Teller.“
„Das interessiert mich sogar sehr“, meinte der Kommissar, „Trotzdem möchte ich erst mal mit Ziegler sprechen.“
„Natürlich“

Pierre Ziegler war ein mittelgroßer Mann, Ende Dreißig, mit Bauchansatz, gewelltem, halblangem braunen Haar, und blauen Augen. Als er uns gegenüber saß, wirkte er sehr nervös.
Auf meine Beobachtung angesprochen, wirkte er peinlich berührt, räumte dann aber ein:
„Ja ,ich hatte Streit mit Hendricks, aber ich war beileibe nicht der Einzige, der im Clinch mit ihm lag. Wenn sie Informationen über ihn eingeholt haben, müssten heraus gefunden haben, das er nicht sehr beliebt war.“
„Ja,“ sagte Stieler, "Das ist uns in der Tat aufgefallen. Und worum ging´s bei ihnen? Kommen sie, es geht um eine Mord- Untersuchung, und sie gehören zu den Hauptverdächtigen.“
„Er wollte mein Restaurant. Ich weiß nicht, ob ihnen klar ist, das er schon mehrere Restaurants besitzt. Er erpresste mich ,ihm meinen Laden für einen Spottpreis zu überlassen, sonst würde mich mit einem Verriss ruinieren, und das Restaurant nach dem Konkurs übernehmen.“
„Was sie selbstverständlich ablehnten“
„Selbstverständlich. Mein Laden ist ein Familienbetrieb. Ich führe ihn in der vierten Generation, und ich habe nicht vor, mich erpressen zu lassen.“
„Hätten sie sich notfalls auch mit Mord gewehrt?“
„Unsinn, ich habe einen guten Anwalt“
„Mit Herrn Fenrissen hier sind sie nicht bekannt?“
„Ich sah ihn heute zum ersten Mal“
„Das kann ich bestätigen“, meinte Fenris. „Sie kamen etwas später in den Raum“
„Ja, ich musste mich erst einmal beruhigen“
„Verständlich“, meinte Stieler. “Bis auf Weiters müssen sie hier im Hotel bleiben, wie ihre beiden Kollegen auch.“
„Ich habe ein Restaurant zu führen“
„Und ich einen Mörder zu fassen. Herr Schriever hat ihnen bereits Zimmer herrichten lassen. Ich lasse sie dort unter Polizei-Bewachung stellen, und sehen, das wir so schnell wie möglich fertig sind.“

Ziegler wurde entlassen, und ging ,von einem Beamten begleitet, davon.
Wir ließen nun Broer kommen. Einen massigen Mann ,mit schütterem, blonden Haar. Fenris erkannte ihn wieder
„Herr Broer, hab sie zuerst gar nicht erkannt. Da war doch mal was mit einem Versicherungs-Betrug“
„Ähem ja, aber das ist Vergangenheit. Wie sie sehen habe ich jetzt einen ehrlichen Job. Im Gefängnis habe ich das Koch -Handwerk gelernt, und mir, als ich raus kam eine Existenz aufgebaut, und jetzt…“
„Nicht doch, nicht doch“, meinte Fenris ,"Das kann ja unter uns bleiben, und ihre Spargelcreme-Suppe war ein Gedicht. Sie hegen also auch keinen Groll mehr gegen mich“
„Keinen, der mich dazu führen würde ,meine vorzüglichen Gerichte mit Gift zu versetzen. Schade ,das sie nicht mehr dazu kamen, das Ragout zu kosten.sie wären begeistert gewesen“
„Oh ja, wenn ich mich nicht irre ,habe ich es Hendricks herüber geschoben ,und dafür das von Ziegler bekommen. Er meinte , er hätte ihren ersten Gang zuerst probiert, jetzt sollte ein anderer der Erste sein.“
„Schon, aber ich sage ihnen ,es war einwandfrei. Ich habe selber davon probiert, kurz bevor ich es hingestellt hatte.“
„Nun, das wird die Labor-Untersuchung des Teller-Inhaltes zeigen. Wie steht´s, kannten sie Hendricks?“
„Natürlich kannte ich diese Giftspritze. Er hätte mich beinahe ruiniert mit seinem Geschmiere, aber ich hab´s auch geschafft ,ohne ihn zu bezahlen.“


Nachdem er darüber informiert war, das er im Hotel zu bleiben hatte, er kam zwar aus dem Ort ,aber Stieler wollte sie alle drei gern dort haben, wo er sie kontrollieren konnte, ging auch er ,von einem Beamten begleitet, von dannen.
Als letzter kam Di Liero ,der Italiener. Ja, auch er hatte Bekanntschaft mit den miesen Praktiken von Hendricks gemacht, mehr noch, Hendricks hatte auch seine Frau belästigt, aber Di Liero hatte die Polizei eingeschaltet, und nach einem Bußgeld  und einer einstweiligen Verfügung hatte er es aufgegeben. Fenris kannte er nicht, was dieser auch bestätigen konnte.
Schließlich ließen sie auch Feller kommen und den Kellner , aber beide konnten keine großartigen Angaben machen.

„Sie hatten selber mal ein Restaurant nicht wahr?“, fragte Fenris Feller
„Ja, aber es ist abgebrannt durch einen Unfall, danach habe ich die Einstellung hier bekommen.“
„Nun, meinte Stieler, Was halten sie von all dem ?“
„Zunächst mal wissen wir eigentlich nur, das wir nichts genaues wissen“, meinte Fenris.
„Drei Männer, alle kannten das Opfer , und waren, vorsichtig ausgedrückt , nicht sehr gut auf ihn zu sprechen. Aber nur einer von ihnen kannte mich, und ob er wirklich ein Motiv hatte, mich zu töten, ist eher fraglich.“
„Was ist mit Feller?“, fragte ich
„Ist nicht sonderlich verdächtig“, meinte der Kommissar. Kein Motiv, keine Gelegenheit. Gut, ich muss auch sie bitten, heute Abend hier zu bleiben“
„Äh, das ist nicht ihr Ernst“
„Das ist mein vollster Ernst, allein schon darum ,weil sie eventuell das ziel dieses und noch eines weiteren Anschlages sein könnten.“
Damit stand der Kommissar auf ,und ein Beamter nahm uns mit, nachdem er Stieler bestätigt hatte, das die drei Köche in ihren Zimmern waren, und vor jedem ein Polizist postiert war.
Murrend erhob sich Fenris und folgte dem Polizisten. Ich begleitete die Prozession
Zum Zimmer mussten wir durch einen gläsernen Gang zum Neubautrakt, der vor kurzem erst fertig gestellt worden war.

„Es ist eine Unverschämtheit von Stieler“, murrte Fenris. Ich nickte, musste mir aber eigentlich ein Grinsen zu verkneifen. Fenris schlief nicht gern Auswärts ,und er empfand es als Beleidigung, genauso behandelt zu werden, wie die Verdächtigen.
„Machen sie sich keine Gedanken“, meinte der Beamte. Morgen können sie wahrscheinlich schon wieder nach Hause“
„Ihr Wort in Gottes Gehörgang“.
Krach! Die Scheibe Linkerseits ging zu Bruch , und dicht neben Fenris schlug es in den Stamm eines großen Benjamini ein, der in einem Topf den Gang schmückte
„Runter!“, rief ich ,ließ mich fallen, und zog meine Waffe. Der Polizist ebenfalls.
Durch die Scheibe konnte man in der Dunkelheit eine Gestalt in die Büsche verschwinden sehen.Ich sprang auf, und sah ihr nach.Zwecklos jetzt noch die Verfolgung aufzunehmen.
„Jetzt wird´ s interessant“, meinte ich, während ich Fenris hoch half.
„In der Tat“, entgegnete Fenris „Vor allem, weil sich unser Freund nun selbst ans Messer geliefert hat. Allerdings erscheint der Fall jetzt doch in ganz anderem Licht, obwohl…doch, natürlich, ja, so muss es gewesen sein. Morgen früh müssen wir uns mit Kommissar Stieler zusammen setzen. Ich bräuchte noch die eine oder andere Information, aber dann können wir den Mörder entlarven.“
3.

Den nächsten Morgen und den Vormittag nahmen unser Gespräch und Recherchen ein. Von Kommissar Stieler erfuhren wir zunächst, das nach dem Laborbericht, das Ragout auf dem Teller von Hendricks vergiftet war,  Am Nachmittag schließlich Saßen wir in jenem Saal, in dem Gestern der Koch-Wettbewerb statt gefunden hatte, an einem der Tische, während Fenris am Jury-Tisch saß, und das Wort führte. Es waren hier anwesend, Ziegler, Broer, Di Liero, Feller ,der Kellner, und die Teams der Köche.

„Nun“ , begann Fenris „vielen Dank, für ihre Anwesenheit ,und ihre Geduld. Ich möchte heute mit ihrer Hilfe zwei Verbrechen aufklären. Dem ersten wohnten sie hier gestern bei ,dem Mord an Paul Hendricks. Das zweite war ein Mordanschlag auf meine Person Gestern Abend.
Jeder von ihnen, Herr Broer, Herr Ziegler, Herr di Liero kannte Hendricks ,und hatte Grund genug ihn zu hassen .Aber hatte auch jemand ein Mordmotiv? Die Frage stellt sich jetzt vielleicht nicht mehr, nachdem auf mich geschossen wurde , denn es gibt nur einen unter ihnen, der mich kannte, und den ich wegen Versicherungsbetrug ins Gefängnis brachte.“

 Er sah Broer durchdringend an.
 „Nicht doch“, Entgegnete der Gefragte erbost „Das ist lange her, ich bin nicht nachtragend, und außerdem ,mit der Kochlehre im Gefängnis habe ich den Grundstein für meine Existenz gelegt. Ich müsste ihnen insofern sogar dankbar sein!“
„Da muss ich ihnen Recht geben. Wie dem auch sei, mit dem Anschlag Gestern Abend, hat unser Mann einen entscheidenden Fehler begangen ,und sich selbst ans Messer geliefert.“
„Das heißt, sie wissen, wer es ist?“, fragte Feller "und wer ist es nun?“

„Jaa“, meinte Fenris gedehnt „Erinnern sie sich noch? Beim ersten Gang war alles noch normal. Dann spülten wir mit Wasser durch, und beim Hauptgang brach Hendricks dann zusammen „
„Nun und ?“, meinte Feller
„Hinterher fand sich im Ragout von Hendricks´ Teller eine Dosis des Giftes.“
„Dann“, meinte Feller, „ist doch klar ,wie er vergiftet wurde, mit dem Ragout.“
„Mein Ragout war nicht vergiftet“, fuhr Broer auf.
„Ah, schweigen sie doch“ ,sagte Fenris leicht genervt.

„Das Ragout kann, bei Licht gesehen nicht die Mordwaffe gewesen sein, denn den Teller hätte auch der Falsche bekommen können. Das wäre zu unsicher gewesen. Viel wichtiger ist jedoch, das mir bei nochmaligen Nachdenken Gestern Abend einfiel, das Hendricks das Ragout noch gar nicht gekostet hatte.er brach zusammen, als er es gerade tun wollte. Folglich kann er nicht mit dem Ragout vergiftet worden sein.“
 Er sah in die Runde.
„Und da die Vorspeise Defenitiv nicht vergiftet wurde, abgesehen davon , das niemand danach umfiel, wurde sie auch untersucht, gibt es nur eine Möglichkeit, wie er die tödliche Dosis verabreicht bekommen hat, nämlich mit dem Wasser , das zwischen den Gängen gereicht wurde.“

Ein Moment tiefer Stille trat ein, in dem sich alle Blicke auf den kellner richteten. Doch Fenris erhob sich langsam, kam zu uns ,und blieb vor Feller stehen.
„Da ich von mir ganz sicher weiß, das ich ihn nicht umgebracht habe, dürfte ihnen klar sein, zu welchem Schluss ich kommen muss.“
Feller machte große Augen.
„Natürlich der Kellner hat ihn getötet!“
Noch bevor der Angesprochene protestieren konnte, antwortete Fenris scharf:
„Machen sie keine Witze! Der Kellner scheidet aus, zumal er uns vorher Getränke serviert hatte, ohne das jemand starb. Nein, sie haben Hendricks vergiftet!“

„Aber wie soll ich das denn getan haben? Ich saß doch neben ihnen am Tisch. Wie hätte ich da Gift in sein Glas tun können, ohne das es jemand merkt?“
„Haben sie ja nicht. Sie füllten es in ihr eigenes Glas, und dann begingen sie jene Ungeschicklichkeit, sein Glas vom Tisch zu stoßen, die natürlich Absicht war.
Sie entschuldigen sich tausendmal bei ihm, und schieben ihm ihr Glas herüber ,mit der Bemerkung: Nehmen sie mein Glas ,ich lasse mir ein neues bringen , was sie auch tun, und so hat Hendricks nichts ahnend ein Glas mit vergiftetem Wasser vor sich, das er austrinkt. Als er dann zusammen bricht, nutzen sie den anschließenden Tumult, um den Rest des Giftes in seinen Teller mit Ragout zu schütten, um den Anschein zu erwecken, das dies die Mordwaffe war, und, da sie unseren Teller-Tausch mit bekommen hatten, den Verdacht aufkommen zu lassen, das der Anschlag eigentlich mir galt.

Übrigens wissen wir sicher, das das Wasser im Glas  vergiftet worden war, weil Hauptkommissar Stieler die Kleidung des Opfers hat untersuchen lassen. Sie wissen ja noch ,das Hendricks, als er stürzte ,auch sein Glas mit herunter riss. Der Inhalt benetzte seine Kleidung und es fand sich eindeutig Zyanid darin
Und um den verdacht  das eigentlich ich das Ziel sein sollte, noch zu verstärken, begehen sie den zweiten Anschlag auf mich, der ihnen nun das Genick bricht, denn da unsere drei anderen Hauptverdächtigen unter Polizei-Überwachung auf ihren Zimmern waren ,können nur sie auf mich geschossen haben. Ein Schmauchspurentest wird endgültige Klarheit bringen.“

„Und warum soll ich Hendricks getötet haben?“
„Das kann ihnen Herr Alldag sagen“
„Ja ",sagte ich “Ich habe im Auftrag von Herr Fenrissen Recherchen betrieben ,über ihren Unfall damals. Das Restaurant „zum Hafen“, so hieß doch ihr Laden, fiel, wie sie richtig sagten ,einem Brand zum Opfer. Was sie uns allerdings verschwiegen, ist die Tatsache, das sie ihn verursachten, und das dabei ihre Frau und ihr Kind starben.“
„In Ordnung, sie haben Recht“, sagte Feller „Aber was hat das mit dem Mord zu tun.?“
„Will ich ihnen sagen, sie machten Hendricks damals dafür verantwortlich, denn er hatte ihr Restaurant mit einer schlechten Kritik an den Rand des Ruins gebracht, obwohl es einen guten Ruf genoss. Mittlerer Weile wissen wir ja von seinen miesen Machenschaften.“

Feller stieß einen tiefen Seufzer aus.
„Ich wollte mich nicht erpressen lassen. Ich wehrte mich. Und dann kam dieser Schmutzartikel, in dem er mich sogar beschuldigte ,Hygienevorschriften nicht beachtet zu haben.
Ich verklagte ihn, doch ich verlor. Ich war verzweifelt in dieser Nacht. Ich trank und beging im Rausch den schweren Fehler mit der Gasflasche. Auf einmal brannte alles“
"Und sie machten ihn dafür verantwortlich“ ,sagte Fenris
„Natürlich, mit seinen dreckigen Verleumdungen hat er mich ins Unglück gestürzt.“
„Und als dann hier der Koch-Wettbewerb statt finden sollte, und er daran Teil nahm, sahen sie ihre Gelegenheit gekommen, Rache zu nehmen, und sie ergriffen sie..."
Feller wurde fest genommen, der Rest durfte gehen.
Als wir nach Hause fuhren, sagte ‚Fenris zu mir:
„Wenn wir zu Hause sind, kann Frederike uns etwas Hausmannskost zubereiten. Von Gourmet-Küche, habe ich zunächst mal die Nase voll!“  


Sonntag, 19. April 2015

Der Bremer Stadtkater: Das Phantom der Böttcherstrasse

Timmy Nummer 8,mal etwas anders,viel Spaß!


„Ja ,das ist die Böttcherstrasse“, sagte der eine Kater. Er war groß, sehr mager , Schwarzweiß, und sein rechtes Ohr war nach vorne hin umgeknickt. Der zweite war klein, gedrungen und schwarz und hatte gelblich grüne Augen. Sie liefen von der Marktplatzseite aus durch die Böttcherstrasse, und kamen schließlich einen Platz vor zwei Häusern, deren Fassaden an den spitzen durch ein dreieckiges, verschnörkeltes Gitter verbunden waren, in dem Dreißig Glocken aus Porzellan aufgehängt waren.
„Die Zweibeiner nennen dies „Haus des Glockenspiels“, berichtete Toby, der größere in Stadtführer-Manier. Timmy, der kleinere betrachtete interessiert die Fassade.
„Und was hat es mit diesem Huhn auf sich?“ Timmy wies mit der Tatze auf die Plastik einer Henne an der Fassade.

„Das“, sagte eine Stimme von hinten „ist die Gluckhenne, die hier am Ufer der Weser ihre jungen aufzog, denn wo eine Henne ihre Jungen aufzieht, so meinte ein heimatloses Volk , sollte auch für sie ein sicherer Ort zum siedeln sein. So entstand einer Sage der Zweibeiner nach die Stadt Bremen.“
Die beiden Kater sahen sich um, und gewahrten eine mittelgroße, etwas pummelige, grau getigerte  Katze mit grünen Augen.
„Hallo Paula, dich gibt´ s hier noch?“, rief Toby ,und lief zu ihr hin. Timmy folgte ihm.
„Na Toby, alter Vagabund, und du streifst auch noch durchs Revier. Und wer ist der kleine?“
„Das ist Timmy, Emmas Ziehsohn“
„Ah ja, stimmt. Gesche hat mir schon von ihm erzählt.“
„Da bin ich wohl eine kleine Berühmtheit wie?“, meinte Timmy
„Na ja ,ganz so ist es auch nicht“, lachte Paula „aber gewisser maßen bekannt bist du schon.  Habt ihr hier was besonderes vor?“
„Eigentlich nicht, ich wollte ihm nur mal die Böttcherstraße zeigen“
„wenn ich euch als Fremdenführerin dienen darf, und dann kenn´ ich noch ein gutes Restaurant, wo sie streunenden Katzen was geben.“

So folgten sie Paula.
„Dieses Haus“, sie zeigte mit der Tatze auf das Haus gegen über dem Glockenspiel, „ist das Roselius- Haus, nach einem Bekannten Zweibeiner, der diese Strasse mit aufgebaut hat.“
Und so ging es weiter. Crusoe - Haus, Haus der sieben Faulen, Haus  Atlantis, Paula-Becker-Modersohn-Haus, Das „Paula“, sprach sie besonders Stolz aus.
Bei den Bremer Stadtmusikanten blieben sie erstaunt stehen.
„Ach nö, nicht schon wieder“, meinte Paula
Jemand hatte dem Hahn eine Narrenkappe aufgesetzt, und dem Esel einen Blau-weißen Schal mit schwarzer Raute umgehängt.

„Was soll das denn?“, fragte Toby
„Es ist wieder dieser Witzbold, der seit einigen Tagen hier merkwürdige streiche spielt“, erklärte Paula „Vor ein Paar Tagen hat er am Glockenspiel eine Puppe aufgehängt, mit einem strick um den Hals , Dann hat er auf den Tafeln mit den berühmten Zweibeinern, die ihr beim Glockenspiel gesehen habet ,in die Bilder Bärte oder Brillen eingezeichnet, ein Schaufenster beschmiert, und noch ähnlichen Blödsinn mehr“
„Und warum tut er das ?“,wollte Timmy wissen.
„Gute Frage. Bisher weiß man ja nicht mal ,wer es ist. Sie nennen ihn schon -Das Phantom der Böttcherstrasse-.“

„Hört sich ja nach eine kleinen lokalen Berühmtheit an“, meinte Toby
„Ja , aber den Ladeninhabern passt sie gar nicht so in den Kram.“ Paula lenkte ihre Schritte zum Haus St. Petrus, das sie umrundeten. Unter dem Fenster ,an der Rückfront des Restaurants „Flett“, blieben sie stehen .dort stand ein Teller mit Fleischresten bereit.
„Jan weiß , das ich jeden Tag etwa um diese Zeit vorbei komme.Ihr seid eingeladen, guten Appetit.“
„Jan?“, fragte Timmy
„Er arbeitet in dem Laden dort“, erklärte Paula.
Sie ließen es sich schmecken.
„Und nun?“, fragte Timmy  
„Können wir uns noch n´ bisschen die Straße ansehen.“ meinte Toby

Als sie wieder in die Böttcherstrasse einbogen, sahen sie unter dem Bogen am Ende des Weges eine gestalt, die sich an den Glasfenstern zu schaffen machte.
„Ich glaub ´s nicht. So was dreistes“, meinte Paula, die drei liefen zu dem unbekannten hin, der offenbar etwas auf die Fenster sprühte.
Den Fremden, in einen grauen Kapuzenpullover und Jeans gekleidet, schien es nicht zu stören, doch nun  waren auch Passanten und ein Ladenbesitzer aufmerksam geworden.
„Hey „, rief der Händler und rannte auf den Sprüher zu. Der ,nun aufgeschreckt, wandte sich um und wollte weg laufen. Doch in diesem Moment kamen ihm die drei Katzen in die Quere, oder besser zwischen die Beine. Er stolperte, fiel der Länge nach hin, und schon war der Verkäufer über ihm und hielt ihn fest. Die Katzen liefen ein Stück weit weg, und blieben dann stehen.
„Tja, da haben wir ja nun unseren Witzbold“, meinte Toby schmunzelnd.
“Und wir haben ihn auch noch selber zur Strecke gebracht.“, meinte Timmy mit einem Blick auf den jungen Mann, dessen Gesicht nun unter der Kapuze zum Vorschein kam.
Sie streiften noch ein wenig durch die Böttcherstrasse, dann, es wurde schon dunkel, verabschiedeten sie sich von Paula. Als sie an den Stadtmusikanten vorbei kamen, blieb Timmy stehen. Da saß doch eine Katze neben der Skulptur.

„Hey ,hallo“, rief er Toby drehte sich um.
„Was ist?“
„Da ist eine…“ Katze, hatte Timmy zu Toby gewandt sagen wollen, doch als er wieder hin sah, war sie weg.
Am nächsten morgen im Schnoor konnte Timmy in der Zeitung von Günther ein Bild des Übeltäters von Gestern sehen, mit der Überschrift: Phantom der Böttcherstrasse gefasst
Und der Geschichte eines jungen Mannes ,der in einem Laden in der Böttcherstrasse entlassen worden war. Er fühlte sich ungerecht behandelt, und glaubte sich mit den Streichen retten zu müssen. Mit der „Geister-Katze“ allerdings hatte er nichts zu tun.
„Geister-Katze?“, fragte sich Timmy, und dachte an seine Beobachtung gestern bei den Stadtmusikanten. Vielleicht muss doch noch mal in die Böttcherstrasse ….




Sonntag, 5. April 2015

Neptun hat´s satt-Teil 6


Der Mercedes fährt über die Landstraße hin. Nach ein Paar Kilometern biegt Jan auf die Autobahn nach Bremen.
„Sie haben mir ihren Namen noch nicht gesagt,“ wendet er sich an seine Passagiere.
„Oh Entschuldigung, Ich heiße Neptun, und dies ist meine Tochter Bella.“
Jan sieht seinen Beifahrer kurz von der Seite an. Mit einem Blick, der verrät, das er sich gerade fragt, ob es nicht besser gewesen wäre ,allein zu fahren,. als mit einem verrückten, doch der der Blick des Alten ist so fest, aber gleichzeitig so wohlwollend, das er die Besorgnis ablegt. Dennoch fragt er:
„Neptun? Ist doch n´ Künstlername oder?“
Neptun sieht ihn überrascht an.
„Künstlername? Nein, ich heiße wirklich so , schon seit ein Paar Jahrtausenden.“
„Äh ja. Und sie haben in Berlin was zu erledigen?“
„Ich muss zur Kanzlerin, die Meeresverschmutzung, und das leer fischen stoppen. Sie muss verstehen, das man so mit seiner Natur nicht umgehen kann.“
„Da haben sie sich aber was vorgenommen.“
„Ja, aber es muss sein. Ich habe es zu lange schleifen lassen und im letzten Jahrhundert war es besonders schlimm. Die menschliche Arroganz bringt ihre Spezies und nicht nur sie an den Rand des Untergangs. Darum muss ich nun etwas unternehmen.“
„Ach steht es schon so schlimm?“
„Leider ja, darum bin ich aus dem Meer gekommen.“
Sie fahren weiter über die Autobahn, und eine gute Stunde später sind sie in Bremen angekommen. Neptun und Bella verabschieden sich von Jan, und sehen sich um. Jan hat sie in der Nähe des Hauptbahnhofes abgesetzt. Sie gehen zum Bahnhof, und ins Reisezentrum, um sich nach der schnellsten Möglichkeit nach Berlin zu erkundigen.
Mehr durch Zufall sieht er auf einem Monitor ein Phantombild von sich und Bella. Um nicht erkannt zu werden, sieht er den Schalterbeamten nicht direkt an. Schnell haben sie ihr Ticket, gekauft von dem Geld aus dem Verkauf der Dublonen ans Museum von Bensumersiel. Sie müssen einen Umweg über Hamburg nehmen.
Auf dem Bahnsteig beobachten sie die vielen Menschen, da sind auch Polizisten zu sehen, die aufmerksam die Bahnsteige absuchen. Neptun sieht, das er und seine Tochter von Werbetafeln und ähnlichem verdeckt sind, damit sie nicht gesehen werden.
Sie gehen immer wieder zu entgegen gesetzten Ende des Bahnsteiges , so das sie immer weit von den Beamten entfernt sind.
So geht es einige Zeit lang, während auf der Anzeigetafel die Verspätung des Zuges angezeigt wird.
Neptun und Bella wollen sich gerade auf eine Bank setzen, als sich eine Hand schwer auf seine Schulter legt. Ein finster aussehender uniformierter sagt streng:
„Bahnpolizei. Kommen sie doch bitte mal mit.“
„Warum bitte?“
„Das werden sie in unserem Büro erfahren.“
Um nicht weiter Aufsehen zu erregen, gehen sie mit.
Im Büro der Bahnhofspolizei sitzen sie dem Beamten gegenüber ,den sie nun besser sehen können. Er ist groß und kräftig, hat braunes ,kurzes Haar, stechende graue Augen,und ein kantiges Gesicht.
„Also nun“, fragt Neptun, "warum sind wir hier?“
„Waren sie vor kurzem in Bensumersiel?“, fragt der Beamte
„Bensumersiel? Also an der Küste war ich unlängst, wie der Ort hieß, an dem ich war, kann ich allerdings nicht sagen. Ich bin ja erst kurz in der Welt der Menschen, da kenn ich mich noch nicht ganz so aus. Immerhin hab´ ich das mit dem Geld schon gelernt.“
Man merkt es dem Bahnpolizisten an, das er sich fragt, ob er den Psychiatrischen Dienst holen, oder sein Gegenüber in die Ausnüchterungszelle sperren sollte, allerdings scheint der alte Mann zu glauben, was er sagt.
„Ein älterer Mann und ein Mädchen werden dort gesucht, weil sie wohl illegal erworbene Goldmünzen verkaufen wollten und aus dem Gefängnis entwichen sind.“
„So“ meint der Meergott scheinbar erstaunt. “Und sie meinen, das könnten wir gewesen sein?“
„In Kürze wird ein Kommissar Kremer hier eintreffen, dann werden wir mehr wissen. Einstweilig machen sie es sich in unserer Zelle Bequem. Meyer!“
Ein anderer, jüngerer Beamter kommt herbei, und führt die Beiden zu einer Zelle. Als sie drin sind, bückt sich Neptun und sagt:
„Nanu, gehört das hier rein?“
Der Beamte kommt mit in die Zelle, ,um nach der stelle zu sehen, nach der Neptun sich gebückt hat. Er gibt seiner Tochter ein Zeichen, und langsam verlassen sie rückwärts die Zelle
Sie schlagen  hinter dem verdutzen Bahnpolizisten die  zu, und Neptun dreht den Schlüssel um.
„Hey,“ ruft der Beamte
„Nichts für ungut“, meint Neptun „aber wir haben ´s leider eilig .“
Sie gehen zum Ausgang .Die Tür öffnet sich und herein kommt - Kommissar Kremer. Gerade noch gelingt es Neptun und Bella sich abzuwenden, so das er sie nicht erkennt. Er eilt an ihnen vorbei, und kaum ist er weg, verlassen die Zwei das Polizeirevier in Richtung  Bahnhof.
„Unser Zug dürfte schon abgefahren sein. Da müssen wir uns etwas anderes überlegen. Im Bahnhof laufen viel Uniformierte .sie senken den Blick und laufen zum anderen Ausgang, der in die Innenstadt führt. Fürs Erste sind sie in Bremen gestrandet…

Sonntag, 29. März 2015

Fenris und das Skelett auf dem Kutter-Teil 4

Hier wird der Fall aufgelöst.Wer jetzt einsteigt ,dem sei empfohlen erst zu lesen, was bisher geschah:


So, und nun viel Spaß mit dem Finale:

Während wir im Auto saßen, klingelte das Handy des Kommissars. Fenris zog eine Grimasse. Er hatte nicht allzu viel übrig für diesen „neumodischen Kram“. „Dein scharfer Verstand reicht in den meisten Fällen aus, den Täter zu finden“, sagte er oft. Doch hatte er durchaus die Möglichkeiten der modernen Kriminaltechnik schätzen gelernt.

Stieler betätigte die Freisprechanlage, und nahm den Anruf an. So konnten wir nun alle die Stimme des Kriminaltechnikers Martin Lenz aus Bremerhaven hören.
„Wir sollten doch die Waffe aus dem Haus von Biese mit dem Projektil aus Gramels Schulter vergleichen, und was soll ich sagen: Es war die Waffe, mit der auf Gramel geschossen wurde.“
„Sehr interessant, danke, Martin“, sagte Stieler, und kurze Zeit später, nach einem Belanglosen  Gespräch, hängte er ein.

„Ja, wirklich interessant“, kommentierte Fenris sinnierend. Er wandte sich an mich:
Sie haben doch sicher ein Paar Erkundigungen über Frau Gramel eingezogen.
„Sicher“, sagte ich „Lara Gramel, verwitwete Terjes, geborene Keil, 39 Jahre alt, geboren in Bremerhaven, Realschulabschluss, Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten ,arbeitet neben ihrer Firma ehrenamtlich für eine Wohltätige Organisation und spielt im hiesigen Theaterensemble des Stadttheaters. Aus der Lebensversicherung ihres Mannes bekam sie drei Millionen Euro, die der Grundstein ihres jetzigen Geschäftes waren.“
„Hochinteressant“, meinte mein Boss „Es wird sicherlich ein Erlebnis sein, die Dame kennen zu lernen.“
*
Gramels Haus lag Außerhalb von Frersum, am Ende eines schmalen Weges, der von der Landstraße abging. Es handelte sich um eine alte Villa im Jugend-Stil, mit dekorativ geschwungenen Linien und flächenhaften, floralen Ornamenten, erbaut etwa zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Hinter dem Haus begann besagter Park, in dem der Anschlag auf Gramel verübt wurde.
Die  Hausherrin begrüßte uns persönlich. Lara Gramel war eine bildhübsche, zierliche Frau mit kastanienfarbenem Haar, und blassem, herzförmigen Gesicht mit dunkelblauen Augen. Schlicht, aber elegant gekleidet, in creme- farbener Bluse und Jeans.

Sie gab jedem von uns die Hand, und führte uns in den Salon, in dem ihr Mann saß, mit dem Arm in der Schlinge, den oberen Teil bandagiert, und uns ebenfalls begrüßte.
„Was kann ich für sie tun?“, begann sie
„Nun, zunächst möchten wir wissen, wie das mit dem Attentat war“, begann Fenrissen, an Stelle des verdutzt wirkenden Kommissars.
Lara Gramel zögerte, dann sprach sie.
„Nun, ich war mit Hausarbeit beschäftigt…“,
„Mit welcher?“
Lara sah befremdet auf
„Staub wischen auf den Möbeln. In Häusern wie diesen stauben sie schnell voll.“
„Ah ja, sehr interessant, weiter“
„ Plötzlich hörte ich aus dem Garten einen Knall, ich lief zur Tür, und da kam mein Mann bereits herein, stark aus der Schulter blutend.“
„Und sie ergriffen sofort Maßnahmen zur ersten Hilfe“
„Ich legte ihn im Salon auf das Sofa, verbad ihn, flösste ihm etwas Cognac zur Beruhigung ein, und lies vom Mädchen den Notarzt rufen.“
„Gingen sie danach noch einmal in den Park, um Spuren zu suchen?“
„Nein, ich fuhr mit meinem Mann ins Krankenhaus“
„Natürlich“
„Ich verstehe nicht ganz, was diese Fragerei soll“

„Ahem“, meldete sich Stieler zu Wort. „Ein paar Routinefragen, von Herrn Fenrissen, nichts weiter. Aber wir haben auch ein Paar Neuigkeiten für sie. Vom Tod  Jens Bieses haben sie sicher schon erfahren, nun, es sieht so aus, als wenn er Terjes getötet hat, sowie den Zahnarzt Karl Bertold, und auch das Attentat auf sie hat er verübt."
Die Gramels wirkten sehr erleichtert.
Ach ja, Biese seinerseits, ist offensichtlich von einer gewissen Lena Schramm getötet worden, die eine Schwester von Hauke Terjes zu sein scheint, und nach der wir jetzt fahnden. haben sie von der schon einmal gehört?“
Lara schüttelte den Kopf, und auch Robert Gramel sagte: “Nein, nicht das wir wüssten. Sie muss eine Halbschwester gewesen sein. Jedenfalls hat er sie nie erwähnt.“
„Aber“, meinte Lara “Wenn sie das alles schon wissen, warum noch die Fragerei?“
„Wie gesagt, Routine, griff Fenris nun ein, „aber zur Entschädigung würde ich sie gern heute Abend bei mir zum Essen einladen. die Adresse steht hier auf der Karte.Sie sind übrigens auch herzlich eingeladen, Herr Kommissar."
„Nun, das ist zwar sehr überraschend, aber da wir Heute Abend nichts vor haben, warum nicht?“
*
Das Abendessen bei uns verlief in gemütlicher Atmosphäre, welche lediglich einmal getrübt wurde, durch ein gesprungenes Weinglas, das Fenris austauschen ließ. Nach dem Dessert verschwand Fenris kurz mit dem Kommissar. Dann nahmen sie wieder an der Tafel Platz, und Fenris fasste das Ehepaar Gramel scharf ins Auge.
„Es hoffe, es hat gemundet“, sagte er freundlich „Dann kann ich sie ja mit einer Neuigkeit konfrontieren: Ich glaube nicht, das Jens Biese unser Mörder ist, auch nicht Lena Schramm.“
Die Gramels wirkten ein wenig irritiert.
„Und wer sonst?“, wollte Lara wissen
„Nun, der Mörder von Karl Bertold heißt Hauke Terjes“
„Äh, Hauke Terjes ist tot“, warf Gramel ein
„Nein, keineswegs“, entgegnete Fenris. “Er ist höchst lebendig, und sitzt jetzt hier an der Tafel.“ Er sah Gramel scharf an.

„Um es kurz zu machen, sie sind Hauke Terjes, und jener Tote auf dem Kutter ist, beziehungsweise, war Robert Gramel. Das Motiv: Versicherungsbetrug. Drei Millionen sind viel Geld. Es gab keine dritte Person auf dem Kutter. Sie töteten Gramel, zündeten das Schiff an, und sprangen über Bord. Sie haben lediglich ihre schwimmerischen Fähigkeiten überschätzt, so das man sie heraus fischen musste.
Sie tauchen ein Jahr unter, verändern ein wenig ihr aussehen durch färben der Haare und entfernen des Bartes und kehren als Robert Gramel zurück. Da sie aber ein kluger Mensch sind, haben sie sich einen Plan B bereit gelegt.

Als der Kutter mit der  Leiche gefunden wird, brechen sie in der Praxis von Bertold ein, um die Zahnärztlichen Unterlagen zu vertauschen, damit der Tote auf dem Schiff als Hauke Terjes identifiziert wird. Unglücklicher Weise wurden sie dabei vom Hausherrn überrascht. Ich will ihnen zubilligen, das sie nicht von Anfang an vor hatten, ihn zu töten, doch nun waren sie dazu gezwungen.Den Schmuck und das Geld nahmen sie natürlich mit,um Raubmord vor zu täuschen.

Damit waren sie eigentlich sicher, aber wie ein Künstler, dem der Erfolg zu Kopf steigt, mussten sie es übertreiben. Sie mussten unbedingt noch einen Sündenbock liefern. Dazu täuschten sie zunächst das Attentat vor. Das auf sie geschossen wurde, wissen wir ja nur durch ihre Aussage. Es gab keine Zeugen, doch in Wirklichkeit schossen sie sich die Kugel selbst in die Schulter. Das ist durchaus möglich, wenn man die Waffe weit genug von sich weg hält, und es ist eine äußerst raffinierte Art, jeden Verdacht von sich abzulenken. Und während ihre Frau zu Biese fährt, und ihn umbringt lenken sie im Krankenhaus mit Bedacht unsere Aufmerksamkeit auf ihn.

Nach dem Mord hinterlässt sie die Waffe, mit der sie vorher Bertold erschossen hatten,zusammen mit dem Geld und dem Schmuck ,sowie jenen Hammer, mit dem sie Gramel erschlugen, übrigens weiterer Beleg , wie sehr sie mit Bedacht vorgingen, damit wir Biese für den Mörder halten.

Und nun gibt die Theater-Schauspielerin Lara Gramel ihre Vorstellung als Lena Schramm im Nordsee-Palast. Auf dem Zimmer hinterlässt sie die Kleider, dann zieht sie sich um. Einen Raumpflegerin-Kittel, ein Kopftuch, das reicht als Tarnung, um das Hotel zu verlassen völlig aus, denn eine Raumpflegerin fällt nicht weiter auf.“
*
„Das klingt alles hoch interessant, aber ich glaube, das können sie nicht beweisen“,sagte Lara eisig
„Doch, einen Beweis hat ihr Mann freundlicher Weise Heute Abend selbst geliefert, nämlich seine Fingerabdrücke. Ich gebe zu, das das Glas mit dem Sprung ein Trick war.In Absprache mit Herrn Stieler geht dieses Glas nun in die Kriminaltechnik, zur Fingerabdruckanalyse und mit Fingerabdrücken hinterlässt man ja auch genetische Spuren. Manchmal ist der neumodische Kram doch nützlich.“

„Im Übrigen“, meinte Stieler, „dürfte es kein Problem sein, einen Schmauchspurentest bei ihnen, sowie an der Leiche Bieses vor zu nehmen, und als ich eben mit Herrn Fenrissen hinten war, habe ich einen Durchsuchungsbefehl für ihr Grundstück angefordert .Wahrscheinlich wird sich dann auch die Beute vom Zahnarzt finden.“

 „Darüber hinaus“, ergänzte ich „dürften sich auch an dem Hammer Blutspuren finden, die eine Gen- Analyse ermöglichen. Vergleichsmaterial wird sich finden.“
„Und nicht zuletzt“, meinte Fenris „dürfte sich problemlos eine Gegenüberstellung von ihnen im Hut, Kleid und Sonnenbrille der geheimnisvollen Frau Schramm mit dem Hotelmanager arrangieren.“
„Ich mache sie darauf aufmerksam“, sagte der Kommissar „das sie keine Aussage zu machen brauchen. Andererseits kann ein Geständnis nur in ihrem Interesse sein.“

Es entstand eine lange Pause. Die Gramels sahen sich an.
„Was können wir jetzt noch tun?“, sagte Robert Gramel zu seiner Frau.
Sie saß Kerzengerade, und sah uns fest an
„Gar nichts mehr. Das Spiel ist aus, und wir haben es verloren. Ja, sie haben alles richtig erkannt“, Herr Fenrissen. Aber eines können sie nicht wissen, nämlich, das Robert mit dem Plan vertraut war, und es selber wollte. Er war nämlich tot krank, hatte einen Gehirntumor, inoperabel.
> Ich habe keine Verwandten, ihr wart immer meine Familie, und wenn ich schon sterben muss, dann soll mein Tod  doch nicht ganz umsonst sein<, sagte er zu uns.
Verstehen sie, es begann mit einer fixen Idee, dem Gedanken, was wir anstellen konnten, wenn wir die drei Millionen sofort bekämen. Und so wurde der Plan geboren.“

„Es war komisch, unter anderem Namen zu leben“, warf Gramel ein „Aber es war die einzige Möglichkeit. Robert wollte, dass es unerwartet kam. Irgendwann, wenn wir auf See waren. Es kostete mich viel Überwindung, doch für ihn war es eine Erlösung. Ich schlug ihn also nieder, und zündete das Schiff ein, dann sprang ich über Bord. Der Rest  war so, wie sie sagten. Den Zahnarzt wollte eigentlich wirklich nicht töten, die Pistole hatte ich nur zur Sicherheit mit, aber er riss mir die Maske vom Gesicht, da hatte ich keine Wahl mehr. Es ist unheimlich, wie viel leichter ein Mord fällt, wenn man einen schon begangen hat, obwohl das mit Robert kein richtiger Mord war, sondern eher Sterbehilfe“

„Und der anonyme Brief war auch ihre Idee?“
„Nein, er war meine“, sagte Lara „er sollte zusätzliche Verwirrung stiften. Wir hatten erst überlegt, ihn an die Polizei zu schicken, fanden einen renommierten Privatdetektiv dann aber doch reizvoller als Adressaten.“
„Na ja, das Ziel, Verwirrung zu stiften, haben sie ja auch erreicht. Und Lena Schramm?“
„War auch meine Idee. Ich schrieb den Brief unter ihrem Namen an Biese, dann ging ich zum Termin dorthin. Biese staunte nicht schlecht. Bei der ersten Gelegenheit gab ich ihm die Kugel, dann ließ ich die Pistole und den Hammer bei ihm. die Kellerräume hat mir mein Mann beschrieben, der schon dort war. Und dann checkte ich, wie von ihnen beschrieben im Hotel ein, und ließ die Verkleidung dort, sowie das alte Bild, von meinem Mann, auf das er nachträglich die Widmung geschrieben hatte, sowie die Pistole, die ich in der Schublade versteckte.“

„Tja“, meinte Stieler „dann gibt es wohl keine Fragen mehr“
Er bestellte einen Streifenwagen, und das Ehepaar Gramel, beziehungsweise Terjes, wurde abgeführt.
„Eine reife Leistung, Herr Fenrissen“, lobte der Kommissar „aber wie sind sie darauf gekommen.“
„Ich sagte ja schon, sie haben es mit Biese übertrieben.“, antwortete der Gefragte „Es war einfach zu unglaubwürdig, das Biese den Zahnarzt getötet haben sollte, und als ich den Mord an Bertold mit der Tatsache kombinierte, das er auch Terjes und Gramel behandelte, sowie ,das der Tote anhand der Zahnärztlichen Unterlagen identifiziert wurde, da löste sich alles von selber auf. Natürlich war es schwierig, als dies e Lena Schramm dazwischen kam, aber ein Bluff lies auch dies passen.“
Nachdem wir uns noch einen Drink genehmigt hatten, verließ uns der Kommissar, und Fenris bat mich:
„Wenn demnächst ein anonymer Brief kommt, werfen sie ihn doch ungelesen in den Müll“




  

Sonntag, 22. März 2015

Neptun hat`s satt-Teil 5

Sie sehen sich im Bahnhofsgebäude um. Da, zur Strasse hin ,befindet sich ein kleines Restaurant. Dorthin gehen sie, und setzen sich an einen Tisch. Ein Kellner kommt dienstbeflissen herbei, und erkundigt sich nach ihren Wünschen.
Da sich Neptun und Bella mit menschlichen speisen nicht so auskennen, bestellen sie Wasser und einen Salat. Sie essen ruhig. Hin und wieder lässt der Meergott etwas Wasser in seiner Tasche beim Hummer verschwinden.
Am Nebentisch sitzt ein Junger Mann, vielleicht Mitte Dreißig, bekleidet mit Cordjeans, und einem Baumwollhemd ,das bis an die Ellbogen aufgekrempelt ist. An den Füßen trägt er ausgelatschte Schuhe ,neben sich ,auf dem Tisch hat er eine alte Mütze liegen. Auf der Stuhllehne hinter ihm hängt ein braunes Jackett mit Flicken auf den Ellbogen.
Er hat lockiges ,rotes Haar und grüne Augen. Da runde ,rosige Gesicht ist voll Sommersprossen.
Er beobachtet die beiden interessiert. Schließlich geht er zu ihnen rüber ,und fragt: “Entschuldigung, sie sind nicht von hier oder?“
„Nein, sind wir nicht“, antwortet Neptun lächelnd „Wir sind eben mit dem Zug gekommen.“
„Aber der ist ja jetzt wieder weg. Wollten sie denn hier bleiben?“
„eigentlich nicht. Wir wollen nach Berlin. Wir haben etwas wichtiges zu erledigen. Wenn wir gegessen haben, werden wir sehen, das wir uns ein Ticket für den nächsten Zug holen.“
„Oh, der kommt vielleicht erst in Drei Stunden, wenn heute noch einer kommt, dieses Nest ist nicht so bedeutend, wissen sie?“
Neptun nickt „Natürlich, das ist uns aufgefallen, das es bei ihnen Orte gibt, die bedeutender sind, und solche, die wenig bedeutend sind.“
„Äh, ja“, meint der der junge Mann „was meinen sie mit >bei ihnen<.“
„Na ja , bei den Menschen, und darf ich fragen …“
„Oh Jan ,äh…Jan Kolle .Ich bin Landwirt hier im Ort, hatte aber vor nach Bremen zu fahren, weil ich da geschäftlich zu tun hab´.“
„Sehr interessant“, findet Neptun
„Was ist ein Landwirt?“, fragt Bella interessiert.
„Nun ja“, meint Jan „Ich baue Getreide an, aus dem Brot gemacht wird ,und halte Kühe ,die Milch geben…“
„Sie erzeugen, das ,was die Menschen essen“, wirft Bella altklug ein.
„Genau“
„Sagen sie“, fragt Neptun „sie sagten, sie wollten nach Bremen. wie kommen sie denn dahin?“
„Mit dem Auto, das heißt, wollte ich, aber nun hat das Auto einen Schaden, und ich muss auf einen Mechaniker warten.“
„Was ist denn kaputt?“
„Ach irgendwas mit dem Anlasser“
„Hmm, wenn man es wieder in Ordnung kommt ,würden sie dann zwei Fahrgäste mitnehmen?“
„Drei“, zischt es aus seiner Tasche
„Natürlich drei“
„Drei?“ Jan sieht sich um
„Oh ,nur kleines Selbstgespräch“, sagt Neptun lächelnd.
„Na gut, wenn sie das schaffen, aber ich glaube es nicht.
„Sehen wir mal. Wo steht ihr ,äh, Auto?“
„Auf meinem Hof, 10 Minuten Fußweg von hier entfernt.“
„Dann lassen sie uns gehen.“
Sie erheben sich, zahlen, und verlassen das Restaurant durch den Eingang ,der zur Strasse hin geht. Gerade als sie heraus sind, kommt zur Bahnhofsgewandten Tür Kremer mit zwei Beamten gestürmt.
*
Sie gehen die Landstraße hinter dem Bahnhof entlang. Bald lassen sie die Häuser hinter sich .Es tauchen Felder und wiesen auf, deren Halme sich leicht im lauen Sommerwind wiegen.
Nach einiger Zeit taucht rechterseits eine Gruppe alter Gebäude auf, von denen das Hauptgebäude ein altes Fachwerkhaus ist, unter dessen Giebel in altdeutscher Schrift: “Anno 1663“ steht.
Auf dem Hof steht ein Auto, ein älterer Mercedes. Neptun und Bella betrachten ihn interessiert.
„Das ist er“, sagt Jan „Warten sie ,ich öffne mal die Haube.“
Er setzt sich auf den Fahrersitz., und zieht den Hebel, der die Haube öffnet, dann geht er herum, und stemmt die Motorhaube auf.
Neptun sieht eine Weile hinein.
„Hmm ja, versuchen sie mal anzulassen“
Jan geht wieder zum Fahrersitz
„Aber Paps, du verstehst doch nichts von diesen Dingern“, wirft Bella ein.
„Muss ich auch nicht unbedingt“, meint Neptun und zwinkert ihr zu. Dann streckt er einen Zeigefinger aus, aus dem ein dünner blauer Blitz in den Motor schießt ,und als Jan den Anlasser betätigt, springt das Fahrzeug sofort an.
„Wie haben sie das gemacht?“, fragt Jan staunend
„Es hat nur etwas geklemmt“, sagt  Neptun lächelnd . „Können wir jetzt los?“
„Oh äh, natürlich, ich muss nur noch ein paar Papiere holen.
Und fünf Minuten später geht die Fahrt los.
*
Im Bahnhofsrestaurant spricht Kommissar Kremer mit dem Kellner.
„Wir suchen einen älteren Mann und ein Mädchen, sind solche Leute hier gewiesen.“
„Ja“, meint der Bedienstete „Sie sind gerade raus auf die Landstrasse .Sie haben sie ganz knapp verpasst.“
Ohne sich zu bedanken, laufen der Kommissar und die beiden Polizisten zum anderen Eingang hinaus, doch draußen ist niemand zu sehen.
„Sie beiden gehen in Richtung Ortsmitte, ich in die andere“, entscheidet Kremer und wendet sich auf die Landstraße. Die beiden Beamten gehen in die entgegen gesetzte Richtung.
Nach etwa zehn Minuten taucht Rechts ein Bauernhof auf, aus dessen Einfahrt ein alter, blauer Mercedes gefahren kommt. Als das Fahrzeug an ihm vorbei kommt, sieht der Kommissar auf dem Beifahrersitz einen alten Mann, der ihm zulächelt, im Fond sitzt ein Mädchen. Die Gesuchten!
Wild gestikulierend rennt er hinter dem sich rasch entfernenden Fahrzeug her, doch er holt es nicht ein.

Japsend bleibt er stehen ,schüttelt die Faust hinterher und ruft keuchend: “Denkt nur nicht ,das ihr entkommen seid. Ich kriege euch doch!“…