Sonntag, 16. Oktober 2016

Tod im Waldhaus-Teil 2

*
So kam es also, dass ich mich noch am selben Tag bewarb. Natürlich brauche man eine Hilfskraft, teilte mir die Leiterin Lydia Graeff am Telefon mit. Allerdings nur saisonal für Drei Monate. Ich stellte klar, das dies kein Problem sei, da ich danach eine andere Stellung hätte, und so kamen wir zusammen.

Das Waldhaus stellte sich als großer, weiß getünchter, rechteckiger Bau mit abgerundeten Ecken heraus, welcher aus dem Achtzehnten Jahrhundert stammte, wie ich bei Recherchen heraus gefunden hatte.

Es lag mitten im Wald, am Ende eines befahrbaren Weges, der von der entgegen gesetzter Seite den Hang herauf führte, auf dem die Leiche gefunden worden war. Der Weg von der Mordstelle führte also zur Rückseite des Gebäudes, das von einem gepflegten Park umgeben war.

Ich klopfte an die Tür, und eine Bedienstete öffnete. Eine Frau Anfang fünfzig, mit stark knochigem Gesicht, und ausdruckslosen, grauen Augen. Das angegraute Haar sie zu einem strengen Knoten hoch gebunden. 

„Sie wünschen?“, fragte sie mit einer ebenso ausdruckslosen, hohlen Stimme.
„Hansen“, antwortete ich, Ich bin die neue Aushilfskraft“
„Ah ja“ sie musterte mich mit einer Mischung aus Misstrauen und Interesse. „Kommen sie herein. Ich bringe sie zur Schulleiterin.“

Sie machte die Tür frei, und lies mich ein. Krachen fiel die schwere Tür hinter uns zu. Sie führte mich in die große Eingangshalle, mit marmornem Boden, der mit roten Läufern belegt war, und Holz vertäfelten Wänden. Eine Marmortreppe führte in der Mitte nach Oben. Links und Rechts, sowie neben der Treppe, gingen Gänge ab.

Die Bedienstete führte mich den Gang zur Linken herab, an mehren Türen vorbei, zwischen denen Landschaftsgemälde hingen, bis zur Stirnseite des Ganges, an der sich eine Schwere Eichenholztür befand, auf der „L. Graeff, Leitung“, stand. Sie klopfte an die Tür, und eine weibliche Stimme rief: “Herein!“

Während sich die Bedienstete entfernte, öffnete ich die Tür, und trat ein.Das Büro war geräumig, und durch ein großes Fenster  mit Sonnenlicht geflutet war. Ein wuchtiger Schreibtisch stand hinten vor einem großen Aktenregal.

Von dort kam mir lächelnd eine Frau Ende Vierzig entgegen, ihre  Rechte ausgestreckt. Sie war etwa eins-siebzig groß, hatte kastanienbraunes Haar, das sie zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte, und eine schlanke Figur. Ihr Gesicht war immer noch hübsch, wirkte jetzt aber müde und erschöpft.

„Lydia Graeff, Internatsleiterin. Wir haben miteinander telefoniert. Schön, dass sie´s so schnell möglich machen konnten. Am besten weise ich ihnen erst einmal ihr Zimmer zu, damit sie auspacken, und sich frisch machen können.“
„Vielen Dank“

Das Gebäude war dreigeschossig .Im Erdgeschoss, befanden sich Büro- Lehr- und Diensträume. Im ersten Stock waren die Jungenschlafsäle, sowie Zimmer der männlichen Mitarbeiter-, im zweiten Stock Mädchen und Frauen untergebracht. So bekam ich mein Zimmer im ersten Stock.

Nachdem ich mich eingerichtet hatte, wurde ich von der Leiterin herum geführt, und dem Kollegium vorstellt. Es waren Drei männliche und drei weibliche Lehrkräfte .Hinzu kamen Küchen- und dienstpersonal, sowie der Hausmeister, Hubert Krauss, ein vierschrötiger, grob wirkender Kerl mit einem Bulldoggengesicht, der ein wenig Eigenbrötlerisch, aber ein guter und fleißiger Mensch sein sollte.

Gegen Mittag wurde es dann ein wenig lebhaft im Speisesaal, der sich in einem Anbau an der Rückseite des Gebäudes befand. Man kann sich wohl vorstellen, wie es ist, wenn mehr als Drei dutzend Lärmende in einen Speisesaal einfielen. Ich erfuhr, dass es sich um zwei Schulklassen aus Orten in der Umgebung handelte, die hier zu einer Art außerschulischem Lehrgang beherbergt wurde.

Der Mord im Wald schien an vielen tischen das bestimmende Thema zu sein, aber auch unter den Bediensteten. Ein dunkelhaariges Mädchen an einem nahen Tisch sah in unsere Richtung, wendete jedoch gleich ihren Blick ab, als sich Lydia Graeff zu uns setzte. Kurze Zeit später verließ sie den Saal.

„Lea Baskin“, erklärte die Leiterin „Fünfzehn Jahre alt. sie ist nicht ganz einfach, ist meistens bei Mädchen in diesem Alter so .Nun ja, vielleicht bringt ja der Ausflug morgen etwas. Da können sie als Betreuer mitfahren. Keine Sorge, ist halb so schlimm. Es werden auch zwei Lehrer mitfahren. So, und jetzt entschuldigen sie mich bitte, ich muss für morgen noch etwas vorbereiten. Es gibt ja so viele Dinge, die man bei so einem Ausflug beachten muss.“

Ein lebhaftes blondes Mädchen kam an unserem Tisch vorbei, und rief: “Herr Brinker, kommt die Polizei noch wegen dem Mord? Das wäre doch aufregend .Vielleicht hat ja jemand von uns was gesehen. Manchmal büxt ja jemand nachts aus.“
Sie lächelte wissend
„Die kommen sicher noch, Gillian.““, antwortet Dennis Brinker, 36 Jahre alt ,und Lehrer
„Hast denn irgendwas mitbekommen?“
Nöö, aber kann doch sein“, sagte sie Geheimnis voll, wandte sich ab, und ging mit einer Gruppe Mädchen davon.
„Gillian Gritz, ein Wildfang.“, meinte Brinker zu mir  „Sie ist sechzehn .Redet oft viel Stuss, hat eine sehr rege Phantasie.“
„ach Herr Brinker, ich habe noch etwas für sie .Diese Dokumente brauchten sie doch noch.“
Lydia Graeff war noch einmal zurück gekommen, und hatte einen dicken Umschlag vor ihn gelegt.
„Oh danke“, meinte der angesprochene, und sie entfernte sich wieder.

Nach dem Essen  gingen wir den Gang zum Hauptgebäude entlang. Durch die Plexiglasscheibe sahen wir Lea auf einer Bank sitzen, mit ihrem Smartphone beschäftigt. sie sah kurz auf, und unsere Blicke trafen sich.

Gegen Abend verlies ich das Haus, und ging den Pfad auf der Rückseite zu der Lichtung hin, wo der Tote gelegen hatte .Jetzt, im .Abenddunkel, und ohne Polizeikräfte wirkte sie friedlich und idyllisch. Jemand kam auf mich zu.Es war Daniel Voss, der hier auf mich gewartet hatte.

„ah, da bist du ja“, meinte er zufrieden. Nun, viel war es ja nicht, was ich zu berichten hatte, dazu war ich auch zu kurz da .Immerhin, der Verdacht einer Zeugin schien sich zu bewahrheiten. Gillian war es entweder  selbst, oder sie wusste, wer es war.

Daniel hatte jedoch interessante Neuigkeiten
 „Es geht um die Leiterin des Hauses, diese Lydia Graeff.Sie ist tatsächlich die Frau von Helmut Graeff, dem Innen -Staatssekretär. Bieber hatte ja wegen Geheimnisverrats ermittelt. Graeff soll am Mordtag in der Nähe gewesen sein, und seine Frau im Waldhaus besucht haben.“
„Sehr interessant. Dann könnte er durchaus unser Mann sein. Mach da weiter, und hier-„ ich zog einen Zettel aus meiner  Jackentasche „Eine Liste der Bediensteten und Lehrkräfte, die sollten wir auch überprüfen. Und jetzt muss ich zurück.“

Am  nächsten Morgen stand alles im Zeichen der Vorbereitung. Lydia Graeff wirkte noch müder .als Gestern.
„Wenn sie los sind, werde ich mich auf mein Zimmer begeben, und mich ins Bett legen“, sagte sie zu mir.“
So ging es auf den Ausflug, und ich muss sagen, mein Respekt vor Lehrern, und Betreuungskräften für solche Wildfänge wuchs. Den berühmten Sack Flöhe zu retten war nichts dagegen.

Recht erschöpft kamen wir am nächsten Nachmittag wieder an. die Kinder gingen auf ihre Zimmer, und wir taten dasselbe, um uns bis zum Abendessen auszuruhen.
Ich hatte es mir grad etwas bequem gemacht, als oben ein Aufruhr los brach.
Ich sprang auf, und ging zur Tür.Als sie öffnete, stand bereits Dennis Brinker davor.
„Kommen sie schnell, etwas ist mit Gillian.Ich habe schon den Notarzt verständigt.“

Wir liefen die ‚Treppe hoch, und zum Mädchen-Schlafsaal, wo mir mehrere bleiche Gesichter entgegen blickten. Ich erkannte Lea, die zusammen gekauert auf ihrem Bett saß.

Die drei Lehrerinnen standen, um ein Bündel herum, das vor dem Tisch lag.
„Sie hat aus der Wasserflasche getrunken, und ist einfach umgekippt!“, rief mir ein zierliches, brünettes Mädchen zu.


Die Lehrerinnen machten Platz, und ich beugte mich über sie, um gleich zu erkennen, das nichts mehr zu machen war. die hellrote Gesichtsfärbung, und der auffällige Bittermandelgeruch aus ihrem Mund, waren eindeutige Zeichen einer Cyanid - Vergiftung. Nun war wohl klar, wer unsere Zeugin war, aber der Mörder hatte sie vor uns erwischt….

                                                     Fortsetzung und Auflösung folgt

Sonntag, 2. Oktober 2016

Ronny 2-Rückkehr in den Dusterwald-Teil 5

5.Das Haus am Hexenstern

Ronny brauchte einen Tag, um sich zu erholen. Das war einerseits ärgerlich, weil Zeit wichtig war, doch ein halber Ronny nutzte auch nichts.

Den größten Teil verschlief er, und hatte einen Traum von seinen Pflegeeltern Zuhause, von Polizisten, Kindern, die sich in Luft auflösten, und Männern ohne Gesicht in blauen Kutten. All dies wurde durcheinander gewirbelt, so das es keinen sinn ergab. Alle Eindrücke der letzten Tage, schienen in seinem Kopf Gestalt anzunehmen, und zu explodieren.

Am nächsten Morgen, nach einem kräftigen Frühstück, hatte er diesen Traum fast schon wieder vergessen. Die Gedanken an die Rieses und die verschleppten Kinder blieben jedoch
 bestehen.

Er fühlte sich wieder fit und kräftig, und unternahm mit Thore einen Spaziergang im Wald, von dem sie gegen Mittag zurück kamen. Lucina, Baugin, Fenrick und Lichtfang warteten schon auf sie.

„Nun“, sagte die Fee „Da du wieder bei Kräften bist, wollen wir keine Zeit mehr verlieren. Der Hexenstern liegt mehrere Tagesreisen von hier. Diese Zeit haben wir nicht. Daher werden wir hiermit reisen.“
Sie zog einen runden Gegenstand aus der Tasche ihres Kleides hervor, den Ronny als Wegestein erkannte.

Sie hielt ihn hoch, so dass alle ihn berühren konnten, und im nächsten Moment begann sich alles zu drehen. Ronny kannte das zur Genüge. Er war nun schon mehrfach auf diese Weise gereist.
*
Einen Augenblick später, standen sie an einem finster wirkenden Ort im Wald. Es war eine von dichtem, dunklem Gestrüpp umgebene Lichtung, auf  der sich fünf Wege trafen, von denen einer düsterer und unheimlicher wirkte, als der andere.

In der Mitte, wo sie sich trafen, befand sich ein großer Kreis, in dessen Zentrum ein Windschiefer, verwitterter Wegweiser aus wurmstichigem Holz stand. Auf jeden Weg wies eine Fahne, deren Schrift kaum noch zu lesen war. Das schaurigste aber waren die fünf  ausgeblichenen Schädel, welche oben auf dem mittleren Pfahl des Schildes thronten, und dem Wanderer in allen fünf Richtungen entgegen grinsten.

„Das“, sagte Lucina „ist der Hexenstern. Einer der unheimlichsten ,Geheimnisvollsten ,und gefährlichsten Orte im Dusterwald.“
„Das hättest du uns nicht extra sagen müssen“, meinte Ronny lakonisch.

Lucina lächelte, und wandte sich um.
„Ah da“, meinte sie, und zeigte zur oberen Weggabelung. Dort stand ein verwittertes, zweigeschossiges Fachwerkhaus, an dessen Fassade oben „Zum Hexenstern“ geschrieben stand, wobei die Farbe der Buchstaben hier und da verbleicht war, oder abblätterte.

Sie gingen zu dem wenig einladend wirkenden Haus, öffneten die schäbige Tür, von der der Lack abblätterte, und betraten den ,von einer kleinen Deckenleuchte ,und mehren Kerzen in Wandhalterungen, in schummriges Licht getauchten Gastraum, der vom Geruch nach Rauch und Alkohol durchweht wurde.  Die Wände waren weiß getüncht. Jedenfalls musste das einstmals so gewesen sein, weil noch weiße Teile hervor leuchteten, doch jetzt hatten Rauch und Schmutz ihnen größtenteils einen gelblich braunen Ton gegeben.

Der Fußboden bestand aus dreckigen Holzbohlen. Tische und Stühle bestanden aus rohem Holz, und hatten eindeutig schon bessere Tage hinter sich hatten, und diese mussten schon sehr weit zurück liegen.

Auf den T
,ischen lagen vergilbte Tischdecken, und daran- ja daran saßen einige der skurrilsten Gestalten, die Ronny je gesehen hatte.

Schon von Links neben der Tür scholl ihnen ein Grunzen entgegen, und als sie hinsahen, gewahrten sie an einem Tisch drei Trolle mit großen Steinzeugkrügen neben sich, die Karten zu spielen schienen, nun aber argwöhnisch die Neuankömmlinge beäugten.

Ronny erinnerte sich, dass Trolle nicht eben zu den angenehmsten Geschöpfen von Dusterwald zählten, und damals dem Schattenfürsten gedient hatten.
Aber vielleicht hatten das nicht alle getan? Schon möglich, doch das machte diese Exemplare auch nicht sympathischer.

Während sie weiter hinein gingen, auf die wuchtige Theke zu, die sich am anderen Ende des Gastraumes befand ,und aus Eichenholz bestand, sahen sie an den Tischen wunderliche Gestalten, darunter Menschen mit langem Haar, deren Gesichter von Wirren Bärten bewachsen waren, in Leder- oder Fellkleidung, die teilweise groteske Formen aufwies, ebenso, wie die Dinge ,in denen ihre Füße steckten. Man sah eigenartigen Gebilde auf ihren Köpfen, die in einem früherem Leben sicher mal Hüte oder Mützen waren, sich jetzt jedoch jeder Definition entzogen.

Wild wirkten ihre Wetter gegerbten, vernarbten Gesichter, in dem hier und da ein Stück von der Nase oder ein Auge fehlte. An der einen oder anderen Hand fehlte auch mal ein Finger, und bei einem meinte Ronny auch ein Holzbein gesehen zu haben.

„Waldläufer“, erklärte Baugin „dieser Ort ist unendlich weit von jeder menschlichen Zivilisation entfernt, deshalb tragen sie keine Kleidung, wie du sie kennst. Viele haben eure Orte nie gesehen. Es sind raue Gesellen, und einige von ihnen sogar gefährlich.“

Die angesprochenen sahen die Freunde teils belustigt, teils ernst an. Anderen wieder waren sie gleichgültig. Sie rauchten lieber behaglich aus langstieligen Pfeifen.

Dazwischen gab es aber auch Zwerge, Kobolde, und andere Trolle, welche meistens unter sich blieben.

Die vielleicht skurrilste Erscheinung sahen sie nun hinter der ‚Theke: Etwa Zwei Meter groß, von grober, ungeschlachter Statur, in ein schmutziges Leinen Hemd gekleidet, dazu eine graue Hose.

Um den massigen, unförmigen Leib hatte er eine schmutzige Schürze gebunden. Aus den hoch gekrempelten Ärmeln ragten schmutzige, dicht beharrte Arme hervor, die .bei einer zierlicheren Person problemlos auch als Beine verwendbar gewesen wären. Sie endeten in massigen Händen, welche Grabschaufeln ähnelten.
Das außergewöhnlichste aber war sein Kopf. Unförmig, und mit wirrem, dunklem Haar bedeckt. Das Gesicht Trollartig mit großer, Kartoffelförmiger Nase, und breitem Mund mit schorfigen Lippen, aus denen links unten ein spitzer Zahn hervor lugte.

Die Brauen waren über den schwarzen Augen zusammen gewachsen, deren Blick stechend und argwöhnisch war. In den Zügen seines Gesichtes lagen Hinterlist und Verschlagenheit.

„Olchas, der Wirt“, erklärte Lucina. Er ist hinterlistig und verschlagen, aber keiner weiß mehr besser Bescheid über finstere Aktivitäten hier im Wald. Es heißt, er bekommt Informationen aus dunklen Kanälen.“

Sie trat zur Theke, und der finstere Wirt bemerkte sie. Über sein Gesicht glitt ein schiefes Grinsen, das ihn wie ein Raubtier erscheinen ließ.
„Sieh mal an, Lucina“, sagte er mit tiefer Reibeisenstimme „Es ist lange her.“
„Ja, es ist lange her. Zu lange vielleicht. So ist mir wichtiges entgangen, das mir diesen Gang vielleicht erspart hätte.“
„Und was soll das sein?“
„Bring´ erst Mal jedem einen Krug Met. Wir setzen uns an den Tisch da vorn. Bring dir auch einen mit, und setz dich zu uns“
Und Sie zeigte zu einem Tisch, gleich Rechts neben der Theke. Die Freunde verstanden, und nahmen dort Platz. Thore rollte sich unter den Tisch zusammen ohne jedoch seine Aufmerksamkeit zu verlieren. Wie Scheinwerfer leuchteten seine Augen unter dem Tisch hervor.

Olchas kam nach einigen Minuten mit mehren Krügen  an den Tisch und setzte sich.
Lucina vollführte mit dem Zeigefinger der rechten Hand eine kreisende Bewegung in der Luft, und hielt dann die Rechte auf, und im nächsten Moment fiel aus dem nichts ein Beutel mit Münzen darauf, den sie ihm hinhielt.

„Für die Zeche, und der Rest für die Auskunft.“
Der Halbtroll verzog sein Gesicht zu einem Grinsen.
„Du hast also noch nicht alles vergessen.“
„Wie du siehst. Also, was weißt du über verschleppte Menschenkinder?“
In seinen Augen schien es aufzuflammen.
„Oh, eine spezielle Frage. Nun, man hört so allerlei von Unheimlichem, das in letzter Zeit in Dusterwald geschieht, und nicht nur dort. Von einer uralten, zerstörerischen Kraft, die ,einmal entfesselt, den Untergang der Welt herbei führen könnte.“
„Und es hat mit den Kindern zu tun?“
„Ich glaube schon. Erst vor ein paar Tagen war ein Waldläufer hier, der mir von einer Beobachtung erzählte, welche er kurz zuvor machte. Er sah Gestalten, die ein Menschenkind davon trugen. Er hörte sie raunen und murmeln von dem Großen, der bald käme.

Er folgte ihnen heimlich, und belauschte sie, in der Hoffnung, das Kind befreien zu können, doch als er ihr Lager beschlich, erhielt er einen mächtigen Schlag, und wurde bewusstlos. Als er erwachte, waren sie fort, und ihre Spur nicht mehr zu finden.“

„Hat er denn mit bekommen, wer ihn nieder geschlagen hat?“
„Das ist es ja. Er sagt, kurz bevor das Bewusstsein verlor, habe er eine Gestalt in einer Robe mit Kapuze gesehen, aus deren ausgestreckter Hand ein Blitz geschossen war, welcher ihn endgültig außer Gefecht setzte.“

„Ein Blitz aus der Hand ?“
„Ja ,es muss sich um eine Art Magie handeln, und passt wiederum zu Berichten, die ich unlängst hörte von einem Geheimbund ,der über uralte sehr mächtige Magie verfügt, und dunkle Ziele verfolgt.“
Er hielt inne und grinste wieder.
„Möglich, dass ihr damit schon Bekanntschaft gemacht habt?“
Als er ihren Blick sah, lächelte  er wissend.
„Viele Dinge, die sich sogar bis hier herum sprechen.“

„Wenn es das denn war. Sag, weißt du mehr darüber?“
 „Über dunkle, alte Magie weiß hier nur einer Bescheid, und ich würde mich wundern, wenn ihr nicht sowieso vorhabt, ihn zu besuchen.“
„Du meinst Savinius?“
„Ja, ich meine Savinius, den Abt der blauen Mönche“
„Du kennst ihn?“
„Hin und wieder kommt er hierher. Sie stellen einen Kräuterschnaps her, den ich hier ausschenke. Das ist auch so ziemlich ihr einziger Kontakt mit der Außenwelt.“
„Man kommt von hier zu ihrem Kloster nicht?“
„Richtig, aber der Weg ist sehr gefährlich. Ihr müsst auf den zweiten Weg von hier, der Richtung Südosten nach Falkenburg führt. Nach der Hälfte des Weges geht rechts ein Pfad ab, dem müsst ihr folgen, doch er führt durch das Moor der Verdammnis. Eine der entsetzlichsten Gegenden überhaupt. Wehe dem, der dort vom Pfad abkommt. Er ist verloren. Es geht dort um. Untote, Geister und bösartige Wesen lauern dort. Ich rate euch bis zum Anbruch der Dunkelheit dort durch zu kommen.“

Sie tranken aus, und verließen das Haus. Mittlerer Weile war es Nachmittag geworden. Sie betraten den bezeichneten Weg, der wenig einladend wirkte. An beiden Seiten von dichtem Unterholz bewachsen, und von Nebelschwaden durchzogen, konnte man kaum zehn Meter weit sehen.

Entschlossen, aber vorsichtig schritten sie den Weg voran. Es vergingen wohl zwei bis Drei Stunden, bis Rechts ein dunkler Pfad erschien, an dessen Eingang ein verwitterter Wegweiser stand, auf dem nur das Wort „Kloster“ zu lesen war. Die Nebelschwaden waren hier noch dichter, so dass der Pfad kaum zu erkennen war.

„Wirkt noch weniger einladend“, stellte Fenrick düster fest
„Richtig“, meinte  Lucina „aber wir müssen dadurch. Es ist der einzige Weg.“
Sie warf einen Blick zum Himmel, der sich allmählig purpurn färbte.
„Was hat Olchas noch gesagt? Wir sollten bis zu Anbruch der Dunkelheit durch sein. Beeilen wir uns lieber.“
Sie schritten den Pfad entlang. Es wurde zunehmend kühl, und modriger Geruch lag in der Luft, der mit jedem Schritt stärker zu werden schien. Von Links und Rechts hörten sie blubbernde Geräusche.

„Hey, da war was an meinem Fuß!“, rief  Ronny plötzlich. Sie drehten sich zu ihm um.
„Jetzt ist es wieder weg“
Sie gingen weiter, und plötzlich erschien  vor ihnen ein Licht. Sie blieben stehen.
„Vorsicht“, hauchte Lucina
Dann kam von hinten Baugins Stimme:
 „Etwas hat mich am Bein!“
Tatsächlich, Hände kamen aus dem von links und Rechts aus dem Moor, und griffen nach ihnen, und hielten sie an den Knöcheln. Vor ihnen kam das Licht näher, und sie sahen ein außerordentlich hässliches Geschöpf, etwa einen Meter groß, mit einer Laterne in der Hand. Es war nackt bis auf einen Lendenschurz, und hatte einen völlig kahlen Kopf. Seine braune Haut war lederartig, und verschrumpelt, so dass es, wie eine kleine, vertrocknete Mumie wirkte.

Hinter ihm schälten sich ähnliche Wesen aus dem Nebel. und nun sah man auch, das sie bewaffnet waren .Sie trugen Speere. Auch der vordere mit der Laterne trug einen. Er zeigte auf die Freunde, und dann auf Ronny, dabei verzog sich sein hässliches Gesicht zu einem gemeinen Grinsen. Dann hob er seinen Speer, und schleuderte ihn nach dem, von zwei aus dem Moor ragenden Händen fest gehaltenen, vor Schreck erstarrten Jungen…

Samstag, 24. September 2016

Tod im Waldhaus-Teil 1

Auftakt eines Krimi-Dreiteilers .Viel Spaß!

Moment, wie komm´ ich jetzt hierher, als Aushilfsbetreuer für Teenager? Ah ja, angefangen hatte das alles mit dem Toten im Wald ein Paar Kilometer zwischen Helmburg Ort, und der Hauptstrasse nach Wernigerode.

Zwischen dichtem Tannen- und Laubwald, auf einer Lichtung, abseits des Waldweges, auf dem wir unser Auto stehen ließen lag er. Etwa 35 Jahre alt, schlank, kräftig, mit dunklem Blouson und dunkler Hose bekleidet, blond, und eben tot. Das kleine, dunkelrote Loch in seiner Brust, zeigte uns die Todesart: Man hatte ihn erschossen.

Der Förster hatte ihn gefunden, und gab gerade einem Polizei- Beamten seine Personalien. Neben Streifenwagen, standen auch schon Fahrzeuge von Gerichtsmedizin und Spurensicherung dort. Der Gerichtsmediziner kam grad auf uns zu.

„Tja, Tod so etwa zwischen 22-und 1:00Uhr nachts. Ein Schuss ins Herz aus nächster Nähe. Der Tod trat sofort ein. Genaueres nach der Autopsie“
„Danke“
Ich sah mir die Leiche genau an, bemerkte die ausgeräumten Taschen, und deren Inhalt neben dem Körper. Durchsucht, aber nicht bestohlen. Ich begann mich in der Umgebung der Leiche, und auf der Lichtung umzusehen.

„Es gibt keine Schleifspuren, auch kein nieder gedrücktes Gras, noch abgeknickte Zweige.“ Meinte ich nachdenklich „Er wurde also nicht hier gelegt. Er wurde hier getötet.“
Kommissar Daniel Voss, nicht nur mein Kollege, sondern auch mein Schwager, hielt einen Ausweis hoch, der neben dem Toten gelegen hatte.

„Er war Polizist, Daniel Bieber vom LKA. Was tun die denn hier?“
„Er hat hier ermittelt.“, erwiderte eine tiefe Stimme hinter uns. Wir fuhren herum. Vor uns stand ein finster aussehender Mann, Anfang Fünfzig, mit hagerem Gesicht und Schütterem, braunem Haar, in einem schwarzen Trenchcoat .Seine blassblauen Augen wirkten müde.
„Gerber, LKA“

„Hauptkommissar Hansen, Hauptkommissar Voss, Kripo Helmburg“
„Nett, sie kennen zu lernen. Ja, Daniel Bieber war mein  Partner. Er hat hier in einer Sacher ermittelt, die mit Terrorismus zu tun hatte. Er hatte hier was heraus gefunden. Gestern Abend rief er mich an, aber genaues hat er mir auch nicht gesagt. Er machte nur Andeutungen“

„Interessant…Oh, entschuldigen sie mich kurz.“
Wie hatte ich das übersehen können? Erst jetzt fielen mir die Fußspuren auf. Mittelgroß, die seitlich der Leiche zu einem Busch, und dem dahinter liegenden Waldweg führten. Auf der anderen Seite gab es noch kleinere Spuren, die ich mir gleich ansehen wollte.

Ich folgte der Spur ,und gelangte auf einen Schmalen Waldweg ,der an der Lichtung vorbei ,und auf einer Seite nach Unten führte .In die andere Richtung, in die auch die Spur führte, ging er nach oben, wo er nach kurzer Strecke einen breiten Weg kreuzte, auf dem ich  auch die kleineren Spuren wieder fand, die offensichtlich nach unten in Richtung der Lichtung führten.

Da , wo er in die Lichtung mündete ,war  die Person hinter einem Busch stehen geblieben, und wenig später auf die Lichtung gegangen .Diese Spuren waren wesentlich kleiner, und mussten einer zierlichen Person gehören. Ich stellte mich versuchshalber einmal selber hinter den Busch, und machte eine interessante Entdeckung: Man konnte von hier sehr gut die Lichtung einsehen. Wer immer hier gestanden hatte, musste also das Verbrechen mit angesehen haben.

Ich ging zurück, und teilte meine Beobachtung den anderen mit.
“Wir haben also einen Zeugen oder eine Zeugin“, schloss ich. Dann wandte ich mich an einen der Streifenpolizisten, die hier aus der Gegend kamen:
Wissen sie, wohin der Waldweg führt?“
„Der ? Zum Waldhaus, denke ich, das ist eine Art Schullandheim oder Internat in einem ehemaligen Jagdschloss. Ich glaube, sie haben grad eine Schulklasse da.“

Die Abdrücke, die ich dort beim Busch gefunden habe, sind klein, und deuten auf eine eher zierliche Person hin. Schüler oder eher Schülerin, ist sehr wahrscheinlich.“
„Aber was soll denn eine Schülerin nachts mitten im Wald tun?“, fragte Gerber

„Keine Ahnung, aber es ist durchaus nicht abwegig, das sie sich vielleicht heimlich mit einem Jungen treffen wollte. sie waren doch auch mal jung.“
Gerber lächelte. „Klingt plausibel Und wie wollten sie jetzt weiter vorgehen?“

„Nun, da die Spuren beider Personen zum Waldhaus führen, müssen wir  davon ausgehen, das wir den Mörder, wie auch den Zeugen, dort finden werden. Wenn wir allerdings mit der Tür ins Haus fallen könnten wir  den Zeugen verschrecken, und den Mörder dazu treiben, wieder zu töten, daher schlage ich vor, das ich mich undercover dort einquartiere, und verdeckt ermittele. Man wird dort ja sicher eine Aushilfe brauchen können, und Herr Voss wird die offiziellen Ermittlungen führen. Es sei denn, das LKA möchte diesen Fall selber bearbeiten.“

Oh nein, wir würden zuviel Staub aufwirbeln. Machen sie mal. Ich werde allerdings hier bleiben, und wenn nötig, Herrn Voss unterstützen, allerdings mehr aus dem Hintergrund“

Ausgezeichnet, dann muss ich nur sehen, dass ich ab und zu raus komme, damit wir Informationen austauschen können. Ich schlage diese Lichtung als Treffpunkt vor.“

Daniel nickte
„So machen wir´s“
„Eins fällt mir noch ein“, meinte Gerber „Daniels Auto, ein dunkelblauer Passat. Er steht hier nirgends.“

Ich wandte mich noch einmal an den Streifenbeamten:
„Wie weit ist die nächste Ortschaft von hier entfernt?“
„N´ guten Kilometer“
„Er ist wirkt sehr sportlich. Gut möglich, das er  von dort zu Fuß hier gekommen ist. Eventuell kann sein Auto auch irgendwo in der Nähe stehen. Auf einem der Rastplätze an der Hauptstrasse vielleicht. Da er hier Ermittlungen geführt hat, wird er darauf aus gewesen sein, möglichst nicht aufzufallen. Daher wäre es logisch, das er zu Fuß hierher gekommen ist, und sein Auto nicht in der Nähe stehen hat.“

„Sie haben Recht. wir werden als erstes die Rastplätze abklappern, und dann in der nächsten Ortschaft nachsehen.“

„Und ich werde mich mit dem Waldhaus in Verbindung setzen, und meine Sachen packen.

Wir müssen diskret und schnell arbeiten. Wenn wir richtig liegen gibt es da oben einen
Mörder und einen Zeugen oder Zeugin, die jetzt in großer Gefahr ist.“...
*

                                                                     Fortsetzung folgt

Sonntag, 18. September 2016

Der Bremer Stadtkater-Timmy hebt ab

So, das Dutzend ist voll. Timmy Nummer Zwölf! Viel Spaß!

Heiß schien die Spätsommer-Sonne auf den Schnoor, die alten Häuser, die engen Gassen- und auf – nein, nein, diesmal nicht auf einen kleinen schwarzen Kater. Der trippelte nämlich gerade den Osterdeich entlang, zu einem Date mit seiner neuen Freundin Minnie, die er vor einiger Zeit kennen gelernt hatte.

Sie hatte ihn wissen lassen, dass sie ihn bei den Weserwiesen unweit des Weserstadions treffen wollte. Genau genommen, war es das kleine Häuschen neben dem Bürgerhaus „Weser- Terrassen“. Timmy war hier auf seinen Streifzügen, und mit Emma schon gewesen,  daher kannte er sich aus.

Er lief die Strasse hinunter, die er bei den Weser- Terrassen überquerte. An einer Ampel, wie diese in drei Farben leuchtenden Kästen auf Stangen genannt werden, welche die Macht hatten die lärmenden Stinkkisten zum Stehen zu bringen, damit Zweibeiner auf Rollenden Gestellen und zu Fuß, und eben Katzen, die Strasse überqueren konnten.

Timmy hatte einige Zeit gebraucht, bis er verstanden hatte, wie sie funktionierten, und das man bei rotem Licht stehen bleiben musste , und bei grün gehen konnte.
Auch hatte er festgestellt, das es einen Knopf an der Stange gab, auf den man drücken, und damit das grüne Licht schneller herbei führen konnte. Nur kam er nicht heran, sondern war da auf die Zweibeiner angewiesen.

Schräg gegenüber der Ampel lag das Weserstadion, von dem am Wochenende oft Lärm herüber drang, wie lautes Jubeln. Die Zweibeiner, das wusste er, hielten dort Spotveranstaltungen ab. In letzter Zeit war das laute Jubeln jedoch seltener geworden.

Neben dem Bürgerhaus, lief er den Deich herunter, auf dem viele leicht bekleidete Zweibeiner saßen, oder lagen, und die letzten Sonnenstrahlen des, sich zum Ende neigenden, Sommers genossen. Zweibeiner-Jungen liefen hier und da spielend umher, und zwischen auch ein Paar Hunde, die aber von dem Kater keine Notiz nahmen.

Hinter dem kleinen Backstein-Bau, an dem „Hansewasser“ stand, saß eine grau getigerte Katze, die sich in aller Ruhe der Fellpflege hingab.

Als sie ihn bemerkte hob sie den Kopf.
„Ah, Timmy, da bist du ja!“
„Hallo Minnie“, entgegnete er, und fühlte wieder jenes Kribbeln, das ihn jedes Mal befiel ,wenn er sie sah, seit damals, als er sie in den Kleingärten auf der anderen Weser-Seite kennen gelernt hatte.

Sie rieben die Köpfe aneinander, dann sagte sie:
Sieh mal, dort auf den Weser-Wiesen, da ist ein Fest.“
Sie wies mit der Vorderpfote auf eine Reihe Zelte, mit bunten Lichtern, von denen auch ein verlockender duft herüber wehte .Offenbar wurde dort auch gegrillt.

Sie liefen den Deich hinunter, und den Weg entlang der Weser, Richtung tiefer, hier und da Zweibeinern zu Fuß und auf jenen Metall-Gestellen, die sie Fahrräder nannten, und hier und da, einem Hund, der einem Stöckchen oder einer Frisbee-Scheibe hinterher jagte. Das eine oder andere Mal versuchte auch einmal ein Zweibeiner-Junges nach ihnen zu greifen.

Schließlich kamen sie am Festplatz an, liefen den zwischen den Zelten herum, erbeuteten sogar etwas Grillfleisch, und machten es sich schließlich in einem umgekippten Weidenkorb gemütlich , an dem Seile und ein großes Stück Stoff hing, und vom dem aus sie einen guten blick auf den Weser-Strom hatten.

So lagen sie dort nebeneinander, und genossen die laue Sommerluft des späten Nachmittags. Plötzlich vernahmen sie hinter sich Lärm, der sich anhörte wie lautes Fauchen.
Timmy neigte sich heraus, und lugte um die Ecke. Dort sah er Zweibeiner, die eine Maschine betrieben, aus der Flammen schossen,und durch die das, am Boden liegende ,Stück Stoff auf gebläht wurde.

„Du, die blasen da was auf“, sagte er zu Minnie gewandt.
„So?“
Sie sah ebenfalls hinaus.
„Oh je, Timmy…“
Weiter kam sie nicht, denn plötzlich gab es einen kräftigen Ruck, der Korb wurde hoch gezogen, und sie purzelten zu Boden.
Sie rappelten sich auf, der Korb stand nun aufrecht. die Wände waren wohl Eineinhalb Meter hoch.

Von draußen ertönte nun die Stimme eines Zweibeiners:
„Verdammt, haltete ihn doch fest“
Doch das taten die angesprochenen wohl nicht. Timmy und Minnie spürten einen weiteren Ruck. Timmy machte einen Satz, und sprang zum Rand des Korbes herauf, und erschrak. Mühsam hielt er sich fest, und rief zu Minnie herunter:
„Wir fliegen!“

Tatsächlich hob der Korb ab, unter sich konnte Timmy fluchende und rufende Zweibeiner sehen.
„Das wollte ich dir gerade sagen“, antwortete Minnie „Wir sind im Korb eines Ballons“
Sie tauchte nun neben ihm auf. Sie klettern auf den Rand des Korbes, der breit genug für eine Katze war, und sahen herunter.

Immer höher stieg der Ballon. Die Zelte unter ihnen waren schon ganz klein, und unter ihnen war das Blaue Band der Weser zu sehen, über dem sie jetzt entlang schwebten. Schon tauchte die Wilhelm–Kaisen -Brücke unter ihnen auf, und der Ballon schwebte träge weiter über Bremen hinweg.

Links war die Teerhof-Halbinsel mit der Weserburg, Rechts Böttcher -Strasse, Schütting, und weiter hinten der Dom. Man hatte einen weiten blick bis über Bremens Stadtgrenzen, und wäre es nicht so ernst, hätte Timmy sich richtig daran erfreuen können.

Jetzt lies er seinen Blick  über ihr Gefährt schweifen. Ihm fielen Seile mit Griffen daran auf.
„Daran kann doch bestimmt das Ding auch runter holen“, meinte er.
Er sprang in einem riesigen Satz hinter, ergriff dem Maul einen Griff, und zog ihn durch sein gewicht herunter, lies ihn los, und fiel in den Korb.
Es ertönte wieder jenes laute fauchen. Eine Flamme schoss heraus, und der Ballon schoss mit einem Ruck etwas in die Höhe.
„Upps, das war wohl der falsche“
„Sieht so aus“, kommentierte sie
„Aber irgendwie muss man das Ding doch landen können.“
„Ich fürchte, wir müssen warten, bis die Luft raus ist“

Plötzlich bekam der Ballon einen kräftigen Windstoss von der Seite, und schwebte nun über der Innenstadt. Timmy und Minnie saßen nun beide auf dem Rand, und sahen den Schütting knapp an sich vorbei ziehen. Unter ihnen war nun der Marktplatz mit dem Roland, und nun schwebten auf den Dom zu.

„Oh je, das wird knapp“, meinte Minnie, und tatsächlich kam der Turm des Doms bedrohlich nahe. Sie streiften das alte Gebäude, der Korb wurde erschüttert, und die beiden Katzen fielen hinein. Schließlich schwebte der Ballon weiter, und sie kletterten wieder auf den Rand.

„Mensch, der Schnoor“, rief Timmy
Tatsächlich ihr Gefährt schwebte jetzt über den Schnoor. Schon kam ein, ihm sehr bekannter Garten in Sicht, und unter einem Baum sah er auch ein sehr bekanntes rotbraunes Bündel.
„Emma Eeemma!“, rief er herunter.

Das bekannte rotbraune Bündel regte sich, warf einen müden Blick nach oben, und gewahrte den Ballon. Und plötzlich war sie hellwach. Sah da nicht ein wohlbekanntes, schwarzes Köpfchen hinunter? Und dann diese Stimme! Sie sah, dass der Ballon jetzt auf ihr Haus zuhielt. sie erhob sich, und rannte so schnell wie möglich ins Treppenhaus und hoch zum Dach.

Natürlich hatte auch Timmy bemerkt, das sie auf das Haus, und seinen Lieblingsplatz zuhielten. Gleichzeitig sank der Ballon etwas.
„Da, rief Timmy „ Das ist unsre Chance!“

Die Katzen machten sich auf dem Rand bereit. Im leichten Sinkflug kam der Ballon auf dem Dach auf, die Katzen, halb durch die Erschütterung, halb sprangen sie, purzelten aufs Dach, und der Ballon schwebte ohne sie weiter, nun wieder der Weser zu.

Timmy und Minnie sahen sich an, und lachten los.
„Na also“, meinte Minnie „War doch´n nettes kleines Abenteuer“
„Kann man wohl sagen“, stimmte Timmy zu
„Timmy!“
Da stand Emma vor ihnen, aber aus Erleichterung stimmte sie in ihr Lachen ein.

Sie machten es sich auf dem Dach bequem, und sie erzählten von ihrem unfreiwilligen Ballonflug. Schließlich verliest Emma mit wissendem Lächeln das Dach, und Timmy und Minnie waren allein.


Es waren keine Worte nötig. Sie lagen einfach nebeneinander, und genossen den Blick auf die Weser unter dem jetzt Purpur gefärbten Abendhimmel, der schließlich zum klaren Nachthimmel wurde, an dem die Sterne hell leuchteten, und jener Stern, den Gesche ihm gezeigt hatte, der seiner war, leuchtete besonders stark.

Sonntag, 4. September 2016

Ronny 2-Rückkehr in den Dusterwald-Teil 4

4.Ein neues Rätsel

„Roonny, Roonny!“  Er hörte die durch einen Schleier aus Mattigkeit und Übelkeit. Um ihn herum waberte Nebel, und in der Ferne schien ein Licht zu sein. Sah so  die andere Seite aus? War das der Tod? 

Dann begann sich der Nebel zu verziehen. Es wurde hell, und er begann alles wieder klar zu sehen. Besorgte Gesichter beugten sich über ihn. War er jetzt im Jenseits angekommen?
*
Unbarmherzig hielt die Ranke Lucina und ihre Freunde gepackt. Irgendwie hatte sie jedoch den linken arm frei behalten. Verzweifelt wand sie sich im Griff der Wurzel.Und dann fiel ihr etwas ein: Sie hielt etwas in der freien linken Hand. Sie versuchte mühsam den Kopf zu drehen, und sah, es war der Dolch, den sie Lillith gezeigt hatte. Eine Hoffnung, wenn auch eine schwache. Soweit es der Griff des Ungeheuers zuließ, holte sie tief Luft, dann stieß sie mit aller Kraft, die sie noch aufbringen konnte, den Dolch in die Ranke.

Ein gutturales Geräusch, gleich einem Schrei, ertönte, die Baumwurzel erzitterte, und eine Art blauer Nebel entwich ihr, der eine Art waberndes Gesicht bildete. Zwei, ihre form ständig verändernde  Augen, und eine ebensolche Mundöffnung, die sich zu einem Schrei zu verziehen schien. Dann löste sich der blaue Nebel auf. Die Wurzelranken erstarrten, und ließen die Gefangenen los.

„Roonny, Roonny!“ riefen sie.Mühsam rappelten sie sich auf. Lucina lief sofort zu Ronny, so schnell ihre noch schwachen Beine es zuließen. Er war bewusstlos .sein Gesicht hatte sich bläulich verfärbt. Die Freunde folgten ihr.

„Er braucht Luft“, rief Baugin. Lucina beugte sich über ihn, öffnete seinen Mund, und blies eine glitzernde weiße Wolke Luft hinein. Sofort begann er zu zucken, und hustete.

„Ich bin tot, nicht wahr? Das hier ist das Jenseits“
Lucina lächelte „Nein, soweit ist es noch nicht. Du bist noch am leben, und unter Freunden.“
„Oh“, entgegnete er und blinzelte. Tatsächlich, er sah in die, jetzt erleichterten, Gesichter seiner Freunde.

Lillith kam mit Thore heran.
„Ihr müsst mächtige Feinde haben, aber einen ebenso mächtigen Freund. Wer immer euch gewarnt hat, hat euch mit diesem Dolch eine mächtige magische Waffe gesandt.“ Und sie wies mit der Pfote auf das Messer, das noch im Baum steckte.
Lucina nickte “Du hast Recht. Ich habe ihn spontan eingesetzt. Es war meine letzte Hoffnung, aber dass ihm solche Kräfte inne wohnen, hatte ich nicht gedacht. Ein Feind hätte uns eine solche Waffe sicher nicht geschickt.“

Sie streckte die Hand aus. Der Dolch begann zu zittern, löste sich dann aber aus der Wurzelranke, und schwebte schließlich auf die Fee zu, die ihn geschickt auffing, und ihn an sich steckte.

„Ein weiteres ‚Rätsel, welches wir zu lösen haben. Wer ist unser unbekannter Helfer, und was ist das für ein Feind, der über eine so mächtige Magie verfügt?“
„Savinius der Abt der blauen Mönche könnte euch weiter helfen. Er kennt sich mit dunkler Magie aus. Ihr Kloster liegt am Weg vom Hexenstern  nach Falkenburg.“

Zum Hexenstern wollten wir sowieso .Nun haben wir umso mehr Grund dazu. Doch erst kehren wir zu meinem Haus zurück. Ronny braucht erst einmal Erholung.“
„So lebt wohl“, sagte die Wildkatze „Doch seid auf der Hut .Eure Feinde haben Kontakt aufgenommen, und werden sich nicht aufhalten lassen. Wo wir euch helfen können, werden wir euch helfen.“
*

Es saß vor einer Art Kristall, und sah hinein. Blauer Nebel umwaberte die hagere, Gestalt mit dem leicht gekrümmten Rücken .Der erste Anschlag war fehlgeschlagen, aber das konnte es verkraften .Es würden weitere Fallen auf sie warten. Wichtig war, sie aufzuhalten, bis es vollbracht war. War das große Werk erst vollendet, so würden sie unbesiegbar werden, und jetzt noch war, würde nie wieder kommen. Der Untergang der Welt, wie sie jetzt war, stand bevor…