Sonntag, 11. Dezember 2016

Die vier Weihnachtskinder-Teil 3

Durch Knöchel hohen Schnee stapften sie den weg entlang, an Schnee bedeckten Tannen und Büschen vorbei, dem Raben nach, der ihnen voraus flog, dann von einem Eichhörnchen, einem Fuchs, und schließlich einem Uhu abgelöst wurde.

So kamen sie vor einem besonders großen Busch an, der vor einem Felsen stand.
„Wir sind am Ziel. Geht nur durch.“, sagte der Uhu, der auf einer nahe stehenden Tanne nieder gegangen war.
„Aber wie sollen wir dadurch? Da ist ein Felsen!“, rief Brix
„Geht nur“, nickte der Uhu

Sie stockten, dann sagte Lisa: „Vielleicht ist das eine Art Zauberei.“, und schritt voran. Es flirrte, und sie war verschwunden. Die Anderen folgten ihr unverzüglich. Als das Flirren vorbei war, standen sie neben Lisa, und einem von verschneiten Tannen umgebenen Schloß.
Auf einer der Tannen saß der Rabe, der sie zunächst geführt hatte.

„Sehr gut. Ihr seid am Ziel Da Hauptportal des Gebäudes öffnete sich, und eine wunderschöne Frau in einem weißen kleid mit blauem Umhang trat heraus. Dunkelbraunes Haar fiel ihr in zwei schweren Zöpfen auf den Rücken. Ihre Augen waren groß und von einem dunklen Blau. Ihr melancholischer Blick verlieh ihr eine Aura der Unergründlichkeit . Sie machte auf alle einen großen Eindruck.

„So habt ihr die Vertrauensprüfung bestanden, und die magische Barriere durchbrochen. Ich bin Bajaga, die Zauberin, die Herrin und Behüterin dieser Wälder. Ich habe euch erwartet.“
Ihr Blick fiel auf Lisa und Alexander
„Zwei Weihnachtskinder sind bereits gefunden, das ist gut.“
„Sicher“, meinte Brix „Das ist gut, doch kannst du und Helfen, unseren Schlitten zurück zu holen, oder uns einen anderen besorgen?“

Ein Lächeln umspielte den Mund der Zauberin
„Das und noch mehr. Tretet ein, in mein Haus.“
Sie folgten ihrer Einladung, und wurden in einen Salon gebeten, wo sie mit Tee und Gebäck versorgt wurden.“
Nun sollt ihr eurem Ziel ein Stück näher kommen.“, sagte Bajaga. Sie ging zur Tür, und rief: „Rika!“

Es dauerte ein wenig, dann betrat ein etwa Achtjähriges Mädchen mit dunkelblondem Haar, das Zimmer, welches sie zu einem geflochtenen Zopf zusammen gebunden hatte. Ihre Gesichtszüge ähnelten denen Lisas und Alexanders. Bekleidet war sie mit Weißer Strumpfhose, blauem Kleidchen, und Fellstiefelchen an den Füssen. Sie vollführte einen Knicks vor ihnen.

„Rika Borg, das dritte Weihnachtskind. Ich befreite sie aus der Gefangenschaft einiger Trolle, und nahm sie hier auf, da ich wusste, das ihr irgendwann in diese Gegend kommen würdet.“

Brix bekam große Augen, und sah in seine Rolle.
„Tatsächlich, sie ist es.“, sagte er.
Bajaga wandte sich an die Kinder:
Wisset nun euer Geheimnis: Einst gab es einen Fürsten und eine Fürstin, welche in der großen Weihnachtsstadt im hohen Norden wohnten. Sie wohl angesehen, und gut. Sie besaßen dazu die Macht, dem unheimlichen Eisdämon Einhalt zu gebieten, und ihn zu bannen.

Doch der schaffte es mit List und Tücke, sich ihrer kleinen Kinder zu bemächtigen. Zwei Jungen und zwei Mädchen im Baby-Alter. Er schleuderte sie in alle Richtungen.
Jahre vergingen, in denen das Paar vergeblich nach seinen verschollenen Kindern suchte. Mit der Zeit wurden ihre Herzen immer schwerer, und sie zogen sich zurück.

Dies machte sich der Eisdämon zu Nutze, drang in die Weihnachtsstadt ein, und belegte alle mit seinem Fluch. Wenn nun die Vier Geschwister und ihre Eltern wieder vereint würden, würde dies ihren Eltern ihre Kraft wieder geben, und der Fluch würde gebrochen.“

Kinder und elfen hatten gebannt zugehört, und sahen sie nun an.
„Darum“, schloss Bajaga, „seid ihr so wichtig. Wisset noch, das vierte Kind befindet sich im hohen Norden. Der Dämon weiß noch nicht, dass es in die Weihnachtsstadt zurück gekehrt ist.
So, und nun zu eurem Schlitten.“

Sie stand auf, und ging zu einer art Gong. Statt jedoch darauf zu schlagen, rieb sie mit ihren fingern darüber, so das ein flirren ertönte.
„die rentiere werden meinen Ruf gehört haben. Morgen früh wird euer Schlitten da sein, und ihr werdet eure Reise zur entscheidenden Etappe fortsetzen können.

So verbrachten sie die Nacht in Bajagas Schloß, und als es morgens nach dem Frühstück Zeit war, stand tatsächlich der Schlitten für sie bereit. Sie konnten die Reise fortsetzen. Es gab einen herzlichen Abschied. Besonders herzlich war der Abschied zwischen Bajaga und Rika.
Dann bestiegen sie den Schlitten, deckten sich zu, und der Schlitten setzte sich in Bewegung. Bajaga winkte  ihnen noch lange hinter her, inmitten ihrer Tiere.
Der Schlitten hob sich in die Luft, und flog der Entscheidung entgegen…


Ende des dritten Teils

Sonntag, 4. Dezember 2016

Die Vier Weihnachtskinder-Teil 2

Durch Flockengestöber ging der Flug im Schlitten durch die Nacht. Unter ihnen zogen die Lichter von Dörfern und Städten vorbei, deren Gebäude vielfach festlich geschmückt waren, und in deren Mitte oft große ,festliche Weihnachtsbäume standen, und Weihnachtsmärkte abgehalten wurden.

Zunehmend wurde es kälter, und Brax legte ihnen eine Decke über die Beine. Auch Brix, vorne auf dem Bock, hatte eine. Schließlich wurden die Flocken weniger, so dass man am Himmel die Sterne sehen konnte.
Plötzlich jedoch, entstand aus dem Nichts ein Wirbel aus Eiskristallen, der den Schlitten, der den Schlitten herum zuschleudern begann.

„Fest halten!“, schrie Brix durch den Lärm, und straffte die Zügel.
„Er versucht uns aufzuhalten!“
„Wer?“, wollte Lisa wissen
„Der Dämon.Er will nicht, dass der Fluch gebrochen wird!“
Der Schlitten schleuderte und wirbelte herum. Eiskristalle wurden ihnen ins Gesicht geweht, so dass es brannte. Lisa hielt sich krampfhaft fest.
Brix zog die Zügel fest an, und die Rentiere senkten die Köpfe mit den Geweihen.
„Los jetzt!“, schrie er.

Mit ihren gesenkten Köpfen rasten die Tiere los, durchbrachen mit einem bläulich weißen Blitz den Wirbel, und jagten davon.
„Ha, damit hat er nicht gerechnet!“, rief Brief zufrieden aus.
Schnell entfernte sich der Schlitten .Der Wirbel folgte ihm, doch das Gefährt ging schnell tiefer, und landete mitten in einem Wald von riesigen Tannen. Die Eiskristalle blieben in den Wipfel hängen, der Wirbel löste sich auf.

Der Schlitten fuhr unterdessen durch einen verschneiten Wald. Die Bäume trugen ein weißes Kleid, ebenso wie die Hügel, die sie passierten.
„Ah, dem Ziel nahe. Keine schlechte Landung“, meinte Brix
„Wo sind wir?“, fragte Lisa
„In Russland, und bald beim zweiten Kind.“
Der Schlitten folgte weiter dem Weg durch den Wald, bis dieser sich schließlich teilte, und sie sich einer kleinen Stadt näherten.

Die Dächer der Häuser waren mit Schnee bedeckt. Lichter waren in den Fenstern, und die Gärten weihnachtlich geschmückt. Bei einem großen Gebäude neben der Kirche machten sie schließlich Halt.
Dort stand im ‚Garten, ein Junge und hackte Holz.

Er war etwa in Lisas Alter, aber etwas größer, trug Jacke, Hemd und Stiefel, und auf dem Kopf eine Fellmütze, die sein pechschwarzes Haar bedeckte. Sein Gesicht, man konnte es nicht anders sagen, ähnelte dem Lisas entfernt.

Neugierig beäugte er die Ankömmlinge.
„Das ist er“, sagte Brix leise „Alexander Orodin, Das zweite Kind. Wundere dich nicht, wenn du seine Sprache verstehst .Da du mit uns zusammen bist, verstehst du, wie wir, jede Sprache.“
Es war nicht schwer, Alexander zu Überzeugen, mit ihnen zu fahren. Auch er trug eine Kette mit einem Anhänger um den Hals, welcher dem von Lisa, glich. Nur das in seiner Mitte der Name Alexander stand. Und auch er kannte seine Herkunft nicht.

Er kletterte mit auf den Schlitten, und sie verließen den Ort, und fuhren wieder durch den Wald .Brax wollte erst hinter dem Wald wieder in die Luft starten.

Eine Weile fuhren sie zwischen verschneiten Bäume und Sträuchern hindurch, als es plötzlich geschah:
Eine Art Baumwurzel schoss aus dem Bode, und hob das Gefährt an, sie dass sie hinaus fielen. Von den Erschrockenen Rentieren gezogen, entfernte sich der Schlitten, und entfernte sich schließlich in den Himmel.

„Die sehen wir so schnell nicht wieder“, kommentierte Brix “Er hat uns doch schneller wieder gefunden, als ich dachte. Aber wie geht´s nun weiter?“

Da krächzte es neben ihnen:
„Bajaga erwartet euch. Folgt den Tieren!“
Sie wandten sich um, und gewahrten auf einem Tannenzweig einen großen Raben. Er zeigte mit einem Flügel in die Richtung vor ihnen.
„Wer ist Bajaga?“, fragte Lisa
„Ich habe von ihr gehört. Sie ist eine Legende, von der man sich hier erzählt. Sie soll eine Art Zauberin oder Fee sein. ‚sie ist die Herrin dieses Waldes.“
„Ich habe auch von ihr gehört, sagte Brix. Nun denn, gehen wir zu ihr. Sie kann uns vielleicht helfen“
„Und ob sie das kann“, sagte der Rabe „kommt ruhig mit“
Und so machten sie sich auf den Weg…

Ende des zweiten Teils



Sonntag, 27. November 2016

Die vier Weihnachtskinder-Teil 1

Wie jedes Jahr , wird es auch in dieser Adventszeit hier weihnachtlich.dieses Mal gibt es eine vierteilige Weihnachts-Abenteuer-Geschichte,und hier ist Teil 1:

Es war frostig an diesem ersten Advent, und es war schon Schnee gefallen. Die kleine Stadt war weihnachtlich geschmückt, und von bunten Lichtern beleuchtet.
Auch im alten Waisenhaus herrschten Tannengrün und Kerzen, und die Luft war erfüllt vom Duft frisch gebackener Plätzchen.

Das Haus, welches gleichsam auch ein Internat war besaß dem entsprechend auch eine Bibliothek für die Kinder, und dort saß in diesem Moment ziemlich allein, ein kleines Mädchen. Es war zwölf Jahre alt, für sein Alter etwas klein, hatte kurzes, lockiges, schwarzes Haar, blaue Augen, eine Stupsnase, und auf der Stupsnase eine runde Nickelbrille. Sie trug Jeans, eine langärmelige, weiße Bluse und abgetragene Turnschuhe.

Sie hatte kein Problem damit, hier allein zu sein. Lisa, so hieß das Mädchen, mochte es sogar. Sie war nicht eben gesellig. Nicht das sie den Menschen abgeneigt wäre, nein wirklich nicht. Sie sogar sehr hilfsbereit. aber sie war auch ein wenig eigenbrötlerisch, und sie liebte die Bücher, und liebte es in Ruhe hier zu sein.

Wie so oft, kam es auch jetzt so, das sie über die Bücher die Zeit vergas, und als sie wieder aufschaute, war es bereits dunkel. Hoffentlich war es nicht schon Acht Uhr, und damit Zeit zu Bett zu gehen. Dann würden sie wieder nach ihr suchen.

Gerade wollte sie den Raum Verlassen, als sie einen kalten Luftzug im Rücken spürte. Sie wandte sich um, und sah zu ihrem Erstaunen, das das Fenster geöffnet war. Ein grelles Licht erhellte plötzlich den Raum, und sie hörte das Klingen von Glöckchen.

Langsam ging Lisa zum Fenster, und sah einen großen, prächtigen Schlitten, der von Acht Rentieren gezogen wurde. Sie prallte zurück, und hörte im selben Moment eine fiepsende Stimme sagen:
„Hier ist es. Ich glaube, wir haben sie gefunden.“
Wen gefunden?, dachte sie, doch weiter zu denken, dazu kam sie nicht, denn plötzlich standen die zwei seltsamsten Gestalten vor ihr, die sie je gesehen hatte.

Sie waren klein, ragten ihr gerade bis zur Brust, trugen grüne Zipfelmützen, rotweiß geringelte Hemden und grüne Hosen. Ihre Füßchen steckten in schwarzen, spitz zu laufenden Stiefeln.
 Sie hatten kurzes, braunes Har, und große, spitz zulaufende Ohren. Ihre Gesichter waren schmal, und liefen unten Spitz  zu, hatten grüne Augen, und jeweils eine lange spitze Nase.

„Ja, du bist es tatsächlich“, sagte das linke Männchen, und sah sie aus großen Augen an.
„Äh, ich bin was?“, fragte sie
„Das Kind, das erste Weihnachtskind. Du musst mit uns kommen.“
„Mit euch kommen? Seid ihr Verrückt? Wer seid ihr eigentlich?“

„Oh, wir sind Brix und Brax, Weihnachtselfen im Dienste des Weihnachtsmannes, und wir brauchen dich. Dich ,und noch drei andere Kinder, die wir noch suchen müssen.“
„Moment, Moment, der Weihnachtsmann? Wir reden von DEM Weihnachtsmann? Ihr wollt sagen, es gibt ihn wirklich?“
„Aber ja doch, und er braucht deine Hilfe. Weißt du, es ist so, unser Boss ist einem Fluch zum Opfer gefallen, der ihm alles Gute und menschliche genommen hat. Sein Herz ist erkaltet, und er liegt in einem dunklen Schlaf, der ihn schlafwandeln lässt, ohne dass ihm bewusst ist, was er tut. Es heißt, ein uralter Eisdämon soll dafür verantwortlich sein.
Aus einer Schriftrolle erfuhren wir, dass es vier Kinder auf der Erde gibt, vier  ganz besondere Kinder, die man Weihnachtskinder nennt. Sie allein haben die Macht, den Fluch zu brechen.“

„Aber da seid ihr bei mir an der falschen Adresse. Ich bin nichts besonderes, ich bin ein Niemand“
„So bist du das? Mir scheint, du schätzt dich selbst nicht besonders hoch ein. Wie dem auch sei: Kennst du deine Eltern?“
Sie sah ihn erstaunt an
„Nein, woher wisst ihr das? Soweit ich weiß, bin ich vor dieses Haus gelegt worden, als ich noch ein Baby war. Ich hatte nichts dabei außer diesem Anhänger…“, sie schob die Bluse zur Seite, und gab den Blick auf einen kleinen goldenen Anhänger frei, den sie um den Hals hatte. Er hatte die Form eines Ringes, in dessen Mitte der Name Lisa stand.
„…darum haben sie mich Lisa genannt.“

„Genauso, wie es in der Rolle steht“, sagte Brix „Vier Kinder, die ihre Herkunft nicht kennen. Du bist die Richtige. Der Anhänger beweist es. Du musst mit uns kommen.“
Lisa setzte sich wieder auf den Sessel.
„Ich kann doch nicht einfach weg. Ich gehöre hier hin. Sie würden mich vermissen.“
„Lisa“, sagte jetzt Brax „Wenn der Weihnachtsmann nicht von dem Fluch geheilt wird, wird es nicht nur kein Weihnachten mehr geben, es wird auch Kälte und Dunkelheit über eure Welt kommen. Kinderträume und Fantasie gäbe es dann nicht mehr. Und wir haben nur bis Heiligabend Zeit. Wir bitten dich, uns zu helfen.“

Sie dachte nach, rutschte auf dem Sessel hin und her, dann stand sie entschlossen auf.
„Gut, ich komme mit, aber ich muss noch meine Jacke holen, draußen ist es kalt.“
„Kein Problem“, sagte Brix. Er schnipste einmal mit den Fingern, und plötzlich hielt sie ihre Jacke in der Hand.
„Und nun komm raus“

Sie kletterten aus dem Fenster, und stiegen auf den Schlitten. Brix nahm vorn Platze, und schnalzte mit der Zunge. Die Rentiere liefen, und ehe sie sich versah, erhob sich das Gefährt in den Himmel. Immer kleiner wurden die hell erleuchteten Gebäude. Es war kalt, doch merkwürdiger Weise fror sie nicht so wie sie es erwartet hatte .Etwas schien die schlimmste Kälte fern zu halten.

„Wo fliegen wir hin?“, rief sie Brix zu
„Zum nächsten Kind.“
Sie fragte nicht weiter, sah nur nach unten auf die jetzt winzige Stadt, sich zügig entfernte, sah nach oben ,zu dem von Schneeflocken erfüllten Himmel, und schließlich nach vorn, zu einem unbekannten Ziel und einer ungewissen Zukunft.Die Reise in das Abenteuer ihres Lebens begann…


Ende des ersten Teils

Sonntag, 6. November 2016

Tod im Waldhaus-Teil 3

Achtung Auflösung! Wer jetzt einsteigt , sollte vorher die anderen beiden Teile lesen:



Ich drehte mich um, und rief dem Hausmeister zu: “Rufen sie die Polizei!“ , und zu den anderen :“am Besten gehen wir erstmal alle hier raus ,und in den Speisesaal.“
In diesem Moment tauchte Lydia Graeff an der Tür auf. Sie gähnte herzhaft. Ihr Haar war zerzaust. Es war unverkennbar, das sie grade aus dem Bett kam.

„Was ist denn hier los.“, fragte sie. Dann fiel ihr Blick auf die, zusammen gekrümmt am Boden liegende, Tote.
„Mein Gott, was ist passiert?“
„Ich fürchte, sie ist vergiftet worden“, antwortete ich. „aber die Polizei wird es genau heraus finden, aber ,wenn sie erstmal mitkommen? Wir gehen hinunter in den Speisesaal.“

Sie nickte, und lies sich von mir heraus führen. Die Tür wurde abgeschlossen, und wir gingen hinunter. Im Speisesaal wurden Tee, Kaffee, und ein kleiner Imbiss gereicht. Ein paar Minuten später kam auch schon die Polizei.

Während Spurensicherung, Gerichtsmediziner und Kripo Oben ihre Arbeit taten, warteten wir im Speisesaal. Schließlich kam Daniel mit einem Kollegen herunter.
„Hauptkommissar Voss, Kommissar Joorn“, stellte er sich und den jungen Mann an seiner Seite, vor.
„Ich denke, sie wissen warum wir hier sind, und ich muss ihnen leider sagen, das sich der schrecklichste Verdacht bestätigt hat. Unser Gerichtsmediziner kommt zu dem Ergebnis, das Gillian Gritz mit einer hohen Dosis Cyanid vergiftet wurde. Das Gift befand sich in ihrer Wasserflasche, die auf dem Tisch gestanden hatte. Es muss hinein getan worden sein, während die Kinder auf dem Ausflug waren, also etwa zwischen 9:00-und 17:00 Uhr.“

Er machte eine Pause, und fragte dann: “Wer hatte Zugang zum Mädchen-Schlafsaal?“
„Im Prinzip jeder“, antworte Lydia. Die Säle sind ja nicht abgeschlossen. Allerdings würde eine fremde Person auf den Gängen schon auffallen. Gerade im Mädchen-Trakt.“

„Hmm gut“, meinte Daniel. Ich werde sie am Besten einzeln vernehmen. Können sie mir einen Raum zur Verfügung stellen?“
„Sie können die Bibliothek nehmen. Ich zeige sie ihnen Ich bin sehr daran interessiert, das die Sache möglichst schnell aufgeklärt wird. Ein Mord an meiner Schule, entsetzlich!“, sagte die Leiterin, und ging Daniel voran.

Ich war, aus gutem Grund als letzter mit dem Verhör dran. Als ich im Sessel in der Bibliothek nieder gelassen hatte, begann Daniel:
„Ist ja ein schöner Schlamassel. Da wird unsere Zeugin ermordet , bevor sie uns was sagen konnte. Nun, die Verhöre haben  nicht viel eingebracht, Eine interessante Sache ist aber doch dabei. Also, Lydia Graeff hat tatsächlich fast den ganzen Tag verschlafen. Hildegard Zahn, ihre persönliche Bedienstete, bestätigt das. Sie hat ihr ein Glas Wasser gebracht ,und war dabei, wie sie eine Schlaftablette genommen hat. Später, gegen Fünfzehn Uhr ,habe sie nach ihr gesehen, und da habe sie fest geschlafen.“

„Womit sie ausscheidet.“
„Ja, dann haben wir diesen Krauss, den Hausmeister. Er sagt, das er den überwiegenden Teil des Tages in der Werkstatt verbracht hatte, wo er die Tür des Gewächshauses ausbesserte. Zeugen gibt´s natürlich nicht. Aber jetzt kommt das Interessante: Bei einer kleinen Rauchpause vor der Werkstatt, sah er  Helmut Graeff ankommen, das war so gegen Zwölf .Nach einer guten Stunde fuhr er wieder.“

Ich pfiff durch die Zähne.
„Na so was , da ist er jetzt zum zweiten Mal anwesend, wenn hier ein Mord passiert.“
„Und er hätte durchaus Gelegenheit gehabt, in den Mädchen-Schlafsaal zugehen, und das Wasser zu vergiften“, meinte Daniel. „Auch  wenn er im Mädchentrakt aufgefallen wäre“

„Hätte sagen können, er wollte zum Zimmer seiner Frau. Und ob er in den Geheimnisverrat verwickelt ist, ist noch nicht geklärt. Bleibt auf der Liste der Verdächtigen. Lass ihn mal observieren.“

„In Ordnung. Dann sind da noch die Aussagen, der Lehrer, die nicht mit auf dem Ausflug waren. Zunächst Sylvia Kuhn und Emma Bolt. Sie nutzten den freien Tag für einen Ausflug in den Nachbar-Ort genutzt. Etwa um Zehn verließen ihre Zimmer. Dabei begegneten sie  auf dem Gang einer Reinigungskraft. Gegen 16:00 Uhr kamen sie zurück. Dann Herbert Weirer, Lehrer für Physik und Mathematik. Sagte, er habe von etwa Halb Zehn, bis zirka 14:00 Uhr Arbeiten korrigiert. Danach sei er noch im Wald spazieren gewesen. Zeugen gibt es nicht, denn er war allein. Er hat nichts auffälliges beobachtet.

„Schließlich wäre da noch Felix Kluge, Sportlehrer. Fuhr ebenfalls in den Nachbarort. Verließ um elf das Haus, und kehrte gen fünfzehn Uhr zurück. Blieb dann noch auf seinem Zimmer.“
„Und auch er hatte keine Zeugen, da er auch allein war.“
„So ist es. Gab allerdings an, das er seine Mutter besuchte. Das lässt sich natürlich feststellen.“

„Ja, zum Schluss die Mädchen. Konnten erwartungsgemäß natürlich keine genauen Angaben machen. Die Wasserflaschen standen alle auf dem Tisch, aber jede wusste , welche Flasche wem gehörte. Diese Lea wirkt ein wenig verschüchtert, aber für ein fünfzehnjähriges Mädchen, ist das in so einem Fall wohl normal. “

„Sicher .Gibt es einen Hinweis, das eines der Mädchen für den Mord an Gillian verantwortlich sein könnte ?“
„Nicht den geringsten.“

Plötzlich wurde die Tür aufgestoßen, und Lydia Graeff kam herein.
„Herr Kommissar“, rief sie „Da ist noch was wichtiges, das ich vergessen habe. Gillian hatte mir gegenüber etwas erwähnt, das sie im Wald gesehen haben will. Ich glaube ,im Zusammenhang mit dem Mord. Ich dachte, das wäre nur Prahlerei. sie hatte sowieso eine rege Fantasie, und machte sich gern wichtig. Ach wenn ich ihr nur geglaubt hätte.“
„Wann hat sie ihnen das gesagt?“, fragte Daniel
„Gestern morgen, denke ich, Ja Gestern Morgen.“
„Vielen Dank, ja, auch ihnen vielen Dank, Herr Hansen“

Daniel verließ das Haus, und ich grübelte. Ein bisschen frische Luft tat mir jetzt gut, so ging ich in den Garten. Ein lauer Wind ging durch die Büsche, und der Himmel hatte sich etwas zu gezogen.

Ich nahm auf einer Bank Platz. Während ich, in Gedanken versunken da saß, erschien plötzlich Lea , und setzte sich zu mir.
„Wissen sie, ob der Kommissar noch da ist?“, fragte sie
„Ich fürchte, der ist schon weg.“, sagte ich „Aber ihr hattet doch mit ihm gesprochen.“
„Ja , aber ich muss mit ihm allein reden. Es ist sehr wichtig, denn…“
In diesem Moment kam Lydia Graeff vorbei. Wie von der Tarantel gestochen, sprang Lea auf, und ging zum Haus zurück. Die Leiterin nickte mir zu, und ging vorbei. Ich zog mich ebenfalls zurück. Das Abendessen war ereignislos, doch später bekam ich noch einmal Besuch.

Am Morgen wollte ich noch einmal mit Daniel treffen. Zunächst aber, ging es zum Frühstück. Im Speisesaal herrschte schon reger Betrieb. Laut schwatzend, standen die Kinder am Buffet Schlange. Eine Reinigungskraft putzte die Theke, dort, wo die Kinder gekleckert hatten. Ein Küchenhelfer füllte das Buffet nach. Nicht weit davon stand Lea in der Menge.

Ich lud meinen Teller voll, und ging an den Lehrertisch, als plötzlich ein lauter Schrei ertönte. Wir wandten uns um, und sahen andere Schülerinnen über Lea gebeugt , die am Boden lag. Wir liefen hin. Ich ging als erster neben ihr in die Knie. Sie röchelte. Ihre gebrochenen Augen sahen mich an,und ich fühlte , wie ihre Hand meine ergriff, und dann fühlte ich etwas hartes, das sie mir in die Hand legte. dann zuckte sie noch einmal, und war tot.

Inzwischen war auch die Leiterin hinter uns erschienen. Ich stand auf. Alles schien sich um mich zu drehen. Fast teilnahmslos sah ich auf meine Handfläche. Da lag ein USB-Stick. War sie dafür gestorben? Ich beschloss hinaus zu gehen.

Die frische Luft im Garten tat gut. Ich schritt den Kiesweg entlang, und spürte plötzlich die Anwesenheit eines Menschen, die im nächsten Moment durch etwas hartes in meinem Rücken betätigt wurde. Der Lauf einer Pistole, unverkennbar.

Eine leise Stimme sagte .“Keine hastigen Bewegungen. gehen sie in Richtung Wald.“
„Wohin wollen sie mich bringen, Lydia, dahin , wo sie Daniel Bieber erschossen haben?“
„Oh, sie wissen es also?“
„Ja, aber noch nicht lange. Genau genommen erst seit Gestern Abend. Ihr Mann,Er kam Gestern hierher, weil er sie bereits  wegen des Geheimnisverrats  im Verdacht hatte. Muss n´ gutes Zubrot gewesen sein, oder reizte sie das Abenteuer?“
„Im Grunde ein bisschen von Beidem. Aber Bieber hatte mich entlarvt. Er hatte schon länger hier ermittelt .Leider lies er sich nicht bestechen, da hatte ich keine andere Wahl.“

„Sie haben ihn auf der Lichtung erschossen, nicht ahnend, das man sie dabei beobachtet hatte.“
„Ja, wir sind gleich dort.Ich wusste , das er einen Stick hatte , auf dem Namen und Fakten gespeichert waren. Ich konnte ihn nicht gleich durchsuchen. Ich hörte etwas im Gebüsch rascheln. So ging ich zunächst hoch zum Haus, und kam nach etwa einer halben Stunde zurück.“

„Ja, aber inzwischen hatte Bieber, der noch nicht ganz tot war, Lea den Stick gegeben. Es war doch Lea. Das erklärt auch, warum sie ihnen ausgewichen ist.“
„Ja, es war Lea, da sind wir.“
„Sie wollten  auch sie ausschalten, aber sie erwischten die falsche. Angeblich haben sie geschlafen , doch das wissen wir nur von ihnen und von Hildegard, in deren Anwesenheit sie die Schlaftablette einnahmen.

Aber sie nahmen sie nicht wirklich. Sie klemmten sie unter die Zunge, und als Hildegard ihr Zimmer verlassen hatten, nahmen sie sie heraus. Dann zogen sie sich den Kittel einer Reinigungskraft an,den sie sich problemlos besorgen konnten,setzten die zugehörige Mütze auf, und zogen sie tief ins Gesicht.

Sie gehen zum Mädchenschlafsaal, und füllen das Gift in die Flasche , die sie für die von Lea halten, und verlassen den Schlafsaal wieder. Es war klar, das eine Frau am wenigsten im Mädchentrakt aufgefallen wäre, und eine Reinigungskraft, um diese Zeit , noch viel weniger.

Beim Verlassen begegnen sie den beiden Lehrerinnen, die sich natürlich nichts dabei denken. Sie wissen ja nicht , wer wirklich in dem Kittel steckt. Dann gehen sie Zurück in ihr Zimmer .Ziehen Kittel und Mütze aus, und nehmen jetzt die Schaftablette wirklich. So kommt es, das man sie um 15:00 Uhr schlafend findet, und das sie, als ihre Leiche gefunden wird ,tatsächlich gerade aus dem Bett kommen.“

„Für einen Aushilfsbetreuer sind sie erstaunlich scharfsinnig, aber da sie ohnehin bald sterben, kann ich es auch zugeben. Sie haben vollkommen recht. Letzten Endes habe ich sie ja doch erwischt.“

„Ja, dabei haben sie bewusst versucht, die Aufmerksamkeit der Polizei von Lea abzulenken, indem sie Voss das Märchen auftischten, das Gillian ihnen gegenüber angedeutet hat, die hätte den Mörder gesehen.
Und vorhin im Speisesaal haben sie die Nummer mit der Reinigungskraft wiederholt. In der Hektik am Buffet fiel es ja gar nicht auf , das sie neben dem Wischen Gift in ihr Glas taten.“

Lydia lächelte
„Das war doch raffiniert oder? Aber jetzt. Her mit dem Stick, den sie ihnen gegeben hat.“
Ich holte den  Stick hervor “Hier ist er“
Ich gab ihn ihr. Dann hob sie die Pistole. Ist eigentlich Schade um sie, aber es geht leider nicht anders.“
„Waffe weg Polizei!“

Sie fuhr herum. Plötzlich wimmelte es um die Lichtung herum von Polizei. Der gerufen hatte, war Daniel.
„Wie …“, fragte sie verwirrt, doch ich griff in meine Jackentasche, und holte etwas hervor.
„Handy-Ortung“, sagte ich ruhig, und hielt das Gerät hoch. „Und wo wir gerade dabei sind, Sie haben gerade vor der Polizei ein Geständnis abgelegt. Kriminalhauptkommissar Finn Hansen. Den Stick können sie behalten ,er ist wertlos. Den echten hat schon das LKA. Gestern Abend kam Lea zu mir, und erzählte mir alles. Bei der Gelegenheit gab sie mir dann auch den echten Stick, den ich Heute Morgen dem Mann vom LKA übergeben hatte.Allerdings, um ihnen die Morde nachzuweisen ,reichte es nicht.“

„Sie haben also Lea bewusst geopfert ,um mir eine Falle zu stellen?“
„Wie kommen sie denn darauf? Lea!“
Die Reihe der Beamten teilte sich, und Lea kam hervor. Sie lächelte.
„Was sie können , können wir auch. Nach dem Lea mir alles gesagt hatte, rief ich sofort bei Kommissar Voss an, und wir bereiteten etwas vor. Der Küchenhelfer, der das Buffet nachfüllte ,war ein Beamter von uns. und so unauffällig, wie sie das Glas vergifteten, tauschte er es gegen ein anderes aus. Dann spielte Lea die sterbende, und sie müssen doch zu geben, das sie eine sehr begabte Schauspielerin ist.“

Lea grinste
„Und somit haben wir jetzt einen kompletten, wasserdichten Fall. Abführen!“

Viel gibt es nicht mehr zu berichten. Physik-Lehrer  Weirer übernahm kommissarisch die Leitung des Internats. Von Staatsrat Graeff erfuhren wir zwei Tage später, das er zurück trat.
Ich schließlich, war froh, wieder im eigenen Bett schlafen zu können, und Hauptkommissar Hansen zu sein.


ENDE

Sonntag, 30. Oktober 2016

Die Bestie von Bartowek


Die alljährliche Horror-Geschichte zu Halloween.Achtung,wenn auch keine ausgedehnte Blutorgie, für Kinder nicht ganz so geeignet.


Ich muss diesen  Aufzeichnungen eines Voraus schicken: Die hier geschilderten Ereignisse sind wahr, auch wenn sie noch so unheimlich und phantastisch wirken, und noch so unmöglich erscheinen. Ich bin selbst ein Mann der Wissenschaft, und kann beschwören, dass ich das Folgende erlebt habe. Ich habe sie hier fest gehalten, in Erfüllung meiner Chronistenpflicht.

Es war im Jahre des Herren 1831, als ich in Karlsbad, in Böhmen ,weilte Ich residierte im ersten Haus im Platze, dem Hotel Pupp, wartend auf die Postkutsche, welche mich an mein eigentliches Ziel Bartowek  oder Bartowice, in den Bergen, bringen sollte.

Karlsbad, im tschechischen Karlovy Vary genannt, liegt im Westen Böhmens, an der Mündung der Tepla in die Eger. Es ist einer der berühmtesten, und traditionsreichsten Kurorte der Welt. Die Heilwirkung seiner Quellen ist bereits seit dem vierzehnten jahrhundert bekannt. Ihre Entdeckung geht der Sage nach auf einem durstigen Hirsch zurück, welcher mit seinen Hufen die erste Warme Quelle frei legte.

Freilich hätte ich auch einen Lehrstuhl an der Universität meiner Heimatstadt Königsberg bekommen können, doch fühlte ich mich noch nicht alt und erfahren genug dafür, obschon ich bereits Mitte Vierzig war, und war noch nicht bereit, sesshaft zu werden.

Darum, und weil mich fremde Länder und  Geheimnisse reizten, reiste ich herum, und bot meine Dienste als Privatgelehrter und Detektiv für außergewöhnliche Fälle an, welche örtliche Ermittler vor scheinbar unlösbare Rätsel stellten.

Oft erwies sich mancher Spuk als Scharlatanerie und Täuschung, und doch war ich mir bewusst, das es jene Dinge gab, die auch die Wissenschaft nicht erklären konnte.

Alle meine bisherigen Erlebnisse jedoch, waren harmloser Schabernack im Vergleich zu dem, was ich hier erleben sollte.

So harrte ich der Ankunft der Kutsche, welche nur wöchentlich fuhr, Morgen in der Frühe ankommen, und gegen Mittag wieder aufbrechen würde, und las  jenen Brief eines ehemaligen Studenten noch einmal , der mich hierher gerufen hatte, und in dem es um ein Monster ging, welches den Ort heim suchte, und bereits drei Menschen regelrecht zerfetzt hatte.

Der ‚junge Mann war bereits fortgeschritten, als ich meine Lehrtätigkeit aufgenommen hatte, und schloss zwei Jahre vor meinem eigenen Abschied von der Universität, sein Studium ab. Nun also hatte es ihn als Arzt ins Böhmische verschlagen.

*
  Der Morgen und der Vormittag verliefen weitgehend ereignislos. Nachdem ich das Mittagessen eingenommen hatte, stand der Wagen bereit, und ich konnte meine Reise fortsetzen. Außer mir reisten noch drei Leute mit, die allerdings weiter fuhren.

Als einer meiner Mitreisenden, ein etwa fünfzigjähriger Mönch, von meinem Ziel hörte, rief er aus:
„Dort hin wollt ihr wirklich? Ist euch nicht bekannt, das der Ort verflucht ist?“
„Nein, nur das es dort rätselhafte Todesfälle gab, welche ich untersuchen soll.“
„So habt ihr auch nichts von der Gräfin gehört, die das Land dort in Schrecken versetzte, von der es hieß, sie sei eine Hexe, und Gebiete über dunkle Kräfte .“
„In der Tat hörte ich noch nicht davon. Allerdings unterliege ich nicht dem Hexenglauben. Ich bin ein Mann der Wissenschaft.“

„Natürlich gibt es viel unsinnigen Aberglauben .Eleonore Bartowek  jedoch existierte, und sie errichtete eine Schreckensherrschaft, feierte schwarze Messen, und die Hölle. so heißt es, zeigte sich erkenntlich, und sandte ihr eine Bestie, die ihr zu Diensten war.

 Einige mutige Bauern bereiteten ihrer Herrschaft schließlich ein Ende, vertrieben die Bestie, und mauerten die grausame Gräfin in ihrer Familien-Gruft lebendig ein. Doch bevor die Gruft endgültig geschlossen war, verfluchte sie den Ort und ihre Richter“

„Eine schaurige Geschichte, sicher, aber doch etwas übertrieben“
„Wie ihr meint, doch lasst euch eins raten: meidet das Schloss. Es ist ein entweihter Ort, in dem es umgeht.“
„Danke für euren Rat. Ich werde ihn beherzigen, soweit ich kann.“

Die Fahrt ging nun durch bergiges Gelände, das, je weiter wir fuhren, immer grauer wurde .Kein Vogel war mehr zu hören. Eine eigentümliche Ruhe herrschte, als wir am späten Nachmittag in Bartowek einfuhren. Ein düster und trostlos wirkender Ort.
„Über allem liegt der Hauch des Todes“, murmelte der Mönch „geht mit Gott“
„Der Passagier, der hierher wollte, mag schnell aussteigen. Ich möchte vor Sonnenuntergang diese Gegend  passiert haben“, rief in barschem ton der Kutscher.

Ich entstieg dem Wagen. Im nächsten Moment wurde mir mein Gepäck entgegen geworfen, das aus einem großen Koffer und einer Instrumententasche bestand. Sofort danach gab der Fahrer den Pferden die Peitsche und im Galopp raste die Kutsche davon. Die angst des Kutschers  vor diesem Ort musste wirklich sehr groß sein.

*
Nun stand ich mit meinem Gepäck auf dem Hauptplatz des Ortes. Vor mir das Rathaus.
„Professor Falbius!“
Ich wandte mich um. Da stand mein ehemaliger Schüler, Anton Gerber. Er war wohl aus dem gegenüber liegenden Gebäude gekommen, dessen Tür noch offen stand. Verändert hatte er sich kaum. Groß und kräftig, mit dunkelblondem Haar, und einem gutmütigem Gesicht, dessen große blaue Augen fast kindlich blickten. Doch wie ich aus seiner Studienzeit wusste, ein Mann mit einem messerscharfen Verstand. Es musste wirklich ernst sein, wenn selbst er sich keinen Rat mehr wusste.

„Vielen Dank, das sie gekommen sind.“ er ergriff meine Hand, und rückte sie herzlich.
„Ich freue mich auch sie wieder zu sehen. Doch was trieb einen vielversprechenden Arzt wie sie in diese Gott verlassene Gegend?“
„Es war die Liebe. Meine Braut kam hierher, und da hier eine Stelle als Arzt zu besetzen war, kam ich hier her. Doch lasst uns doch hinein gehen. Wir haben auch ein Zimmer für sie. Wenn sie sich frisch gemacht haben, können wir gleich zur Sache kommen.“
„Immer noch ein Mann der Tat.“

Wir gingen also hinein. Ich bezog mein Zimmer, und kam darauf wieder herunter.
„Nun“, begann ich „Sie schrieben in ihrem Brief von rätselhaften, grausamen Morden, die hier Schrecken verbreiten“
„Es sind noch andere merkwürdige Dinge passiert. Ein unmenschliches Heulen, wie von einer gequälten Frau hallt durch den Ort. In eine Gruft auf dem Friedhof wurde eingebrochen, und dann diese drei Morde.“
„Ich nehme an, sie kennen die Geschichte von der Gräfin, welche hier herrschte.“
„Der Fluch ,ja. Doch das halte ich für Aberglauben. Darum habe ich einen Wissenschaftler hinzu gezogen, aber ich glaube, ich zeige es ihnen “
Er bedeutet mir zu folgen. Wir durchquerten das Haus, gingen durch eine Tür in einen Hinterhof, den wir durchquerten, und betraten ein anderes Gebäude.

„Als Arzt“, erläuterte Anton auf dem Weg „obliegt mir auch die Aufgabe der Leichenschau“
Als wir das andere Gebäude betraten, schlug mir ein Geruch nach Verwesung entgegen. Anton gab mir ein Tuch, das ich mir vor die Nase hielt, und führte mich zu einem Seziertisch, auf dem, mit einem Blut beflecktem Tuch bedeckt, ein Bündel lag.

Als er das Tuch weg zog, stoben Fliegen Hoch, und der Gestank verstärkte sich.
„Dies ist das letzte Opfer. Die anderen sahen ähnlich aus.“
Ich erschauerte. Der Anblick, der sich mir bot war wahrlich entsetzlich. Ein riesiger Brocken Fleisch, der einmal ein Mensch gewesen war.Das Gesicht war von etwas wie einem Prankenhieb geradezu zerfetzt worden. Nur noch das linke Auge war da. Da wo das rechte gewesen war, war ein blutiger Krater, der sich bis zum Hals herunter zog.
Der linke Arm war heraus gerissen.
Der Leib war ein einziges, blutiges Loch, aus dem die Gedärme heraus hingen. Die Unterschenkel schließlich, waren aufgeschlitzt worden.

Auch wenn ich Wissenschaftler war, so war mir doch klar, dass kein Mensch auf diese Weise tötete. Tatsächlich wirkten die Wunden mehr wie von Klauen und Zähnen eines wildes Tieres. Doch der tote musste ein Mann von stattlicher Größe gewesen sein. Was für ein Tier konnte das also gewesen ein?

„Gibt es hier in der Gegend Bären?“, fragte ich
„Schon“, antwortete Anton „Doch  sie meiden menschliche Behausungen. Wenn überhaupt, holen sie mal ein Stück Vieh, aber auch das ist sehr selten. Auch Wölfe lassen sich mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen. Die Verletzungen stammen nur von einem Angreifer.“

„Nun denn. Können sie mir zeigen, wo das letzte Opfer gefunden wurde?“
„Sicher. Ich hole nur eine Laterne, denn es wird allmählich Abend.“
Anton führte mich bis an die Mauer des Friedhofes.
„Hier hat er gelegen, oder was von ihm übrig war.“
An der bezeichneten Stelle fanden sich noch Spuren getrockneten Blutes. Auch die Mauer wies Spritzer auf.
Ich untersuchte den Ort, konnte aber nichts  weiter finden.

„Sagten sie nicht, es sei in eine Gruft eingebrochen worden?“
„Ja, es war die Familiengruft der Bartoweks.“
„Wollen wir sie uns auch einmal ansehen?“
„Sicher. Warum nicht? Die Gruft konnte noch nicht wieder geschlossen werden, aber es dürfte auch unwahrscheinlich sein, das jemand daraus entkommt.“ 
Er zwinkerte mir zu, und ich lächelte.
„Und überwiegend wertvolle Dinge sind auch nicht darin.“

Wir überquerten den Friedhof. Mittlerer Weile war es dunkel, und Anton hatte die Laterne angezündet.
Nebel waberte über das Gräberfeld, und ein kalter Hauch umwehte uns.
Schließlich kamen wir bei der Gruft an. Die Tür wehte leicht im Wind.  Mir fiel auf, dass sie leicht schief war. Sie musste also mit Gewalt aufgebrochen sein. Und ja, das schloss war zerstört.

„Waren sie schon unten?“
„Noch nicht. Wir fanden es nicht nötig."
„So gehen wir jetzt“
Ehe er noch etwas sagen konnte, stieg ich schon die Stufen herab.
In Nischen standen dort Särge aufgebarrt. Jeder mit einem goldenen Schild versehen, dem entnommen werden konnte, wer darin begraben lag.

Mein Blick fiel auf eine Wand an der Stirnseite, an der eine Tafel verkündete:
„Hier wurde lebendig begraben die Hexe Eleonore von Bartowek, auf das sie nie wieder Angst und Schrecken verbreite.“

Unter der Tafel jedoch war ein Loch in die Mauer  gebrochen. Antons Augen weiteten sich
„Wie ist das möglich?“
Wir gingen näher heran, und leuchteten durch das Loch. Der Raum dahinter war leer. Man hatte die Überreste der Toten gestohlen.

„Ich denke, hier können wir nichts mehr tun. Gehen wir.“, meinte ich. 
Wir wandten uns um, das Mausoleum zu verlassen, da erstarrten wir. Durch die Nacht erscholl ein schauerlicher Heulton, der nicht von einem Menschen stammen konnte.

„Was war das?“
„Ich habe keine Ahnung, aber es klingt entsetzlich"
„Los nach Oben!“
Wir stiegen die Stufen hinauf, und verließen die Gruft. Grad e als wir die Umzäunung durchschritten, stürzte ein riesenhafter Schatten auf uns herab. Ich spürte wie etwas meine Schulter aufriss. Ein unglaublicher, brennender Schmerz durchflutete meinen Arm. Ich stürzte und sah auch Anton fallen.

 Mich langsam aufrappelnd, sah mich einem Wesen gegen über, das der direkt der Hölle entsprungen zu sein schien.
Es maß über zwei Meter, und hatte zotteliges, dunkelbraunes Fell. Der Kopf glich dem eines Wolfes, mit heimtückisch blickenden rötlich gelben Augen, und einer spitzen Schnauze, deren aufgerissener Rachen vor spitzen, scharfen, gelblich weißen Zähnen starrte.

Das Ungeheuer stieß einen gutturalen, unmenschlichen Schrei aus, und stürzte sich auf uns. Ich tat einen Satz zur Seite, und stieß dabei auch Anton weg, hinter einen großen Grabstein, gegen den die Bestie krachend aufschlug. Ich rappelte mich auf, und riss Anton hoch.

„Zum Ausgang!“
Das Monster im Nacken,. dessen Knurren uns verfolgte, hetzten wir dem Ausgang des Friedhofes zu.
Schon durchquerten wir den Eingang, da stolperte Anton vor mir, und ich über ihn. Da stürzte sich auch schon die Bestie auf  uns, doch plötzlich prallte sie zurück, stieß einen Schrei aus, drehte ab, und lief den nahen Berg hinauf. 

Ich stand auf, und stellte fest, dass meine Jacke sich geöffnet hatte. Mein silbernes Kruzifix hing offen auf meiner Brust. Hatte es das Ungeheuer verscheucht?
„Sehen sie, wohin es läuft!“, rief Anton
Ich wandte den Blick dorthin .Auf dem Hügel, den die Bestie erklommen hatte, thronte wuchtig ein Schloss.
„Schloss Bartowek“, sagte Anton „Es steht leer, seit die Gräfin eingemauert wurde.“
„Und warum brennt dort oben im Turm Licht?“
Anton bemerkte es und erschauerte.“
„Das dürfte eigentlich nicht sein!“
Und doch ist jemand dort oben. Doch das können wir jetzt nicht mehr ergründen. Zunächst gehen wir nach Hause, und verbinden unsere Wunden.“

*
Wir gelangten ungehindert nach Hause, wo Anton zunächst die Fleischwunde in meiner Schulter verband. Er selbst hatte nur Abschürfungen davon getragen. Ein Glas Tokaier und ein kräftiges Abendmahl stärkten uns wieder.

„Nun, ihren Mörder haben sie jetzt gesehen. Es ist unzweifelhaft, das diese Bestie für ihre Toten verantwortlich ist.“
„Aber was ist das für eine Kreatur?“
„Wenn ich es richtig gesehen habe, handelt es sich um einen Werwolf. Ich habe davon gelesen, hätte aber nie an ihre Existenz geglaubt. Eines allerdings ist seltsam. Es ist kein Vollmond. Nach dem, was ich darüber gelesen habe, gehen sie nur bei Vollmond um. Aber vielleicht es  auch nur ein verkleideter Mensch. Man kann nichts ausschließen. Doch etwas Unheimliches geht hier vor sich, und der Schlüssel, glaube ich, liegt Oben im Schloss. Morgen früh gehen wir dorthin, und sehen uns um.“
*

Früh am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, traf ich zunächst ein paar Vorbereitungen. Ich entnahm meiner Geldbörse ein paar silberne Münzen, schmolz sie ein, und goss Kugeln daraus, mit denen ich meine Pistole lud. Dann ging ich damit zum Pfarrer, wo ich sie weihen ließ. Der Geistliche gab mir noch eine Weihwasser-Ampulle mit.

So gerüstet gingen wir los. Meine Schulter schmerzte noch, doch ich war zuversichtlich, dass ich es schaffte.
Es dauerte etwas über eine Stunde bis wir beim Schloss ankamen. Durch das offen stehende Portal betraten wir den Schlosshof. Hier innen konnte man sehen, wie verfallen das Gebäude war, in dem Zweihundert Jahre lang niemand gewohnt hatte.

Wir überquerten den Hof, und betraten schließlich das alte Gemäuer durch den Haupteingang, dessen schwere Eichentür ebenfalls offen war. Wir zündeten eine Fackel an, und gingen durch die Eingangshalle. Kalt gemauerte Wände, an denen wertvolle Wandteppiche hingen, auf dem Steinboden persische Läufer. Wir gingen die Treppe hinauf, einen Gang entlang, an dem Bilder hingen, die verschiedene Adlige zeigten.

Wir stiegen die Treppen wieder hinunter, gingen um sie herum, und betraten durch ein großes Portal den Thronsaal, einen großen, lang gestreckten Raum mit einem roten Läufer in der Mitte, der auf einen alten vergoldeten Holzthron zu führte. An den Wänden hingen Gemälde, ein besonders großes zeigte eine geradezu überirdisch schöne Frau mit hohen Wangenknochen, pechschwarzem Haar, und kalten, grauen Äugen, deren Blick grausam und hochmütig wirkte.

„Das muss die Gräfin sein“, meinte Anton
Ich nickte, und ging auf das Gemälde zu. So sehr mich diese Frau auch abstieß, so zog sie mich doch gleichzeitig an.

„Was genau suchen wir eigentlich hier?“, fragte mein Begleiter
„Offen gesagt, weiß ich das selber nicht so genau.“
Plötzlich hörten wir die Eingangstür ins Schloss fallen. Wir liefen hin, und überprüften Sie. Sie war verschlossen, und lies sich nicht öffnen. Wir gingen durch das Schloss, und suchten nach anderen Ausgängen, doch wenn wir einen fanden, war auch er verschlossen. Wir waren hier eingesperrt!

Auch die Fenster erwiesen sich als fest verschlossen. Starke Holztüren waren vor sie gelegt. Es war uns nicht möglich zu entkommen. Was sollten wir tun? Wir gingen in die Bibliothek, die wir bei unseren Streifzügen gefunden hatten, und ließen uns dort nieder.

Wir wussten nicht mehr, wie lange es gedauert hatte .Zwischenzeitlich waren wir wohl eingeschlafen. Plötzlich, es war schon dunkel geworden, ertönte ein lauter heller Ton, wie ein Klagelaut von einer Frau.

„Ich glaube, es kommt aus dem Thronsaal“, meinte Anton
„Ja, bestätigte ich“
Wir rappelten uns auf, und machten uns auf den Weg zum dort hin. Es war nicht weit, und so kamen wir nur wenige Minuten später dort an.
Ich öffnete das Portal, und trat ein. Gleich hinter fiel es wieder zu.Ich wandte mich um, und stellte fest, das Anton nicht mehr hinter mir war.

„Anton!“
„Er wird nicht mehr kommen“
Es war die Stimme einer Frau. Hell, aber hochmütig und hart im Klang. Sie hallte nach, was an dem Raum lag.
Ich fuhr herum, und gewahrte vor mir jene Frau, die auf dem Gemälde abgebildet war. Ihre Schönheit war noch größer, als auf dem Bild, doch umgab sie eine Aura der Kälte. Sie trug ein langes Weißes Kleid aus Spitze, welches dem auf dem Bilde glich.

Ich konnte nichts dagegen tun .Fast schon automatisch ging ich auf sie zu.
„Was hast du mit ihm getan?“, presste ich hervor
Ihr Lächeln konnte nicht anders als höhnisch bezeichnet werden.
„Ich gar nichts .Mein Karel wird sich seiner annehmen.“ Und mit lauter Stimme rief sie:“Karel!“

Lang gezogen ertönte das schaurige Heulen der Bestie, das wir Gestern schon gehört hatten, danach ein gellender Schrei von Anton. Die Gräfin kicherte.
„Er ist verloren. und nun zu uns, Professor!“
„Die Gräfin Bartowek?“, fragte ich

Sie kam auf mich zu, und schien dabei zu schweben.
„Einst herrschte ich über diesen Ort, und bald wird es wieder so sein. Diese armseligen Menschen glaubten doch tatsächlich, mich bannen zu können, in dem sie mich lebendig begraben. Sie haben sich jedoch getäuscht, denn Satan ist mein Verbündeter, und wenn es auch Zweihundert Jahre gedauert hat, nun bin ich wieder da, Rache zu üben, und den Thron wieder zu besteigen, der mir immer zu stand.“
„Ihr seid nicht gealtert. Wie ist das möglich?“
„Du irrst dich.“
Sie trat näher an mich heran, das heißt, sie schwebte mehr, denn sie schien keine Füße zu besitzen.
„Meine Schönheit ist ein Trugbild, denn ich bin kein Mensch mehr. Sieh´, was sie mir angetan haben“

Es flirrte um sie herum, und was ich dann sah, war so grässlich, dass ich einen Schrei nicht unterdrücken konnte.
Ihr Gesicht war eingetrocknet, und glich einer Trockenfrucht. Die Haut wirkte wie Pergament, welches über den Schädel gespannt war, und gab so ihrem Kopf  die Wirkung eines Totenschädels ,der mit schütterem, schwarzem Haar bedeckt war, in dem Staub und Spinnenweben hingen.

 Hier und da im Gesicht hatte die Haut Risse, und hing in Fetzten herunter. Rund um den Rand des Gesichtes  waren runde Einstiche zu sehen. Man hatte ihr  also auch eine Schandmaske aufgeschlagen, welche nun verschwunden war. Auch die Arme ,die aus dem vermoderten Kleid hinaus sahen , wirkten vertrocknet .In Fetzen die Haut, die Hände wie Klauen.

Diese Schreckensgestalt stand nun dicht vor mir. Ich stieß besagten Schrei aus, und prallte zurück. Kichernd näherte sich mir die Ausgeburt der Hölle.
„Du kannst nicht entkommen, genauso wenig wie dein Begleiter, der nun schon zerfetzt sein wird.“
Mein Herz krampfte sich zusammen. Der arme Anton! Er hatte mich um Hilfe gebeten, und war nun einen grausamen Tod gestorben, den ich nicht hatte verhindern können. Verzweiflung machte sich in mir breit, und Wut.
Selbst wenn Anton tot war, musste ich doch den Ort von diesen Kreaturen befreien. doch wie?

Während ich zurück wich griff ich in eine Jackentasche, und fühlte die Weihwasser- Fiole. Könnte sie mir  helfen? Es war mehr eine Entscheidung der Verzweiflung. Ich zog die Ampulle hervor, und schleuderte sie mit aller Kraft gegen die Fratze der teuflischen Kreatur, wo sie zerbarst, und ihren Inhalt über sie ergoss. Die Reaktion setzte sofort ein.

Es schien, als würde sie zerfressen. Blasen bildeten sich auf ihrer ‚Haut, und platzten auf Unmenschliche Schreie ausstoßend  fuhr sie herum .Sie schien sich nicht mehr unter Kontrolle zu haben

Ich schritt wieder auf sie zu. Dabei ging meine Jacke auf, und das Kreuz kam zum Vorschein. Sie wich zurück. Sie hatte Angst vor dem christlichen Symbol!
Ich nahm das Kruzifix in die Hand, und schritt damit auf sie zu. Sie wich weiter zurück, doch das Weihwasser schien sie zu schwächen.

Ich war jetzt dicht bei ihr, ergriff angeekelt ihren Kopf, und drückte einem Instinkt folgend, das Kreuz auf ihre Stirn. Sie erzitterte und erbebte, stieß einen lauten, klagenden Schrei aus, und plötzlich hielt ich nichts mehr in der Hand. Ihr Kleid war zu Boden gefallen, und es rieselte Staub hinaus. Sie war zu Staub zerfallen. Ungläubig starrte ich auf das Kreuz in meiner Hand, dem ich solche Macht nicht zugetraut hätte.

Doch lange konnte ich nicht in Gedanken verharren, denn sogleich krachte und splitterte die Tür, und herein kam die Bestie. Oh nein, den Tod von Anton sollst du büssen!

Das Ungeheuer sah die Überreste seiner Herrin, stieß einen lag gezogenen Schrei aus, und stürzte sich auf mich.Ich wich ihm zur Seite aus, und griff in meinen Gürtel, wo die Pistole steckte. Die Silberkugel hatte ich extra für das Monster angefertigt, wenn ich auch nicht restlos von ihrer Wirkung überzeugt war, doch was anderes hätte mir einfallen sollen?

Die Bestie stürzte sich wieder auf mich. Ich richtete die Waffe auf sie, und feuerte .Beide Kugel trafen. Eine unterhalb des Halses, die Zweite ins Herz. Das Ungeheuer erstarrte, begann zu zittern, und brach, ohne einen weiteren Laut zusammen. Ungläubig und Grauen erfüllt sah ich, was geschah. Das Monster schrumpfte, das Fell ging zurück, und gab menschliche Haut frei. Die Wolfsschnauze bildete sich zurück, und wich dem hageren Gesicht eines mittelaltrigen Mannes mit langem, schwarzem Haar.

Anton! Ich musste nach ihm sehen, auch wenn ich nur noch Fetzen von ihm finden würde, doch die musste ich von hier fort schaffen, und auf dem Friedhof begraben. Ich betrat den Nebenraum klopfenden Herzen, und in Erwartung eines bestialisch zugerichteten Leichnams, doch da war nichts .sollte er…
„Anton!“, rief ich laut „Anton!“
Plötzlich hörte ich seinen leisen Ruf: “Hier“
Ich folgte seiner Stimme, auf die andere Seite der Eingangshalle. Dort war eine kleine Kapelle. Offenbar war sie nie entweiht worden, und Anton hatte die glänzende Eingebung gehabt, sich dort hin zu flüchten. Meine Erleichterung war unbeschreiblich. Lachend lagen wir uns in den Armen. Dann brachte ich ihn zum Thronsaal, und zeigte ihm den unbekannten Mann, in den sich der Werwolf verwandelt hatte.

„Das ist Karel Woijzak, der Schloßkastelan. Lebte im Dorf, hat hier aber immer nach dem Rechten gesehen. konnte sich nie von dem Schloß trennen. Seine Familie hat den Bartoweks immer gedient.“
„Auch als Bestien, um ihre Widersacher zu töten.“
„Aber sie sagten, erbrauche Vollmond, und jetzt ist auch keiner.“
„Tja, dieses Rätsel werden wir wohl nicht lösen können. Ich vermute, es lag an der Magie seiner Herrin.“
*
Wir verließen diesen entsetzlichen Ort .Karels Leiche nahmen wir mit, und begruben sie auf dem Friedhof.
Drei Tage noch, blieb ich in Bartowek, bis ich mich völlig von unserem ‚Abenteuer erholt hatte, dann reiste ich nach einem herzlichen Abschied ab.

So sitze ich nun hier, und bin am Ende meiner Erzählung. Mittlerer Weile ist es dunkel geworden. Der Vollmond scheint, und mich befallen eine Unruhe, und ein Kribbeln…

ENDE

Wer sich noch mehr gruseln möchte: