Sonntag, 13. April 2014

Der Zwerg,der Aufmüpfig wurde Teil 3



Drittes Kapitel

Erzählt von den ersten Gehversuchen eines jungen Staates

Der vorher geschilderten, folgten noch weitere Sitzungen, in denen ein Wahlausschuß gebildet und ein Wahltermin festgelegt wurden. Die Organisation der Wahl war nicht sonderlich kompliziert, da sowohl Bevölkerung, als auch politische Landschaft in Gülleberg sehr übersichtlich waren, und so begann begann der Wahlkampf.
Gleichzeitig wurden die Grenzzäune  gezogen und die Zollposten eingerichtet, und damit gab es auch die ersten Komplikationen.
Erstes Opfer dieser Komplikationen war der Landwirt Frerk Meier aus der Nachbargemeinde, der am Rande von Gülleberg eine Grünlandfläche hatte ,die nun allerdings hinter dem Grenzzaun war.
Gerade war er mit seinem Traktor auf dem Weg dorthin, als er abrupt stoppte. Vor sich den Grenzzaun, eine Schranke und ein Zollhaus.
Zunächst dachte er an eine Halluzination oder einen Scherz, aber im nächsten Moment kamen zwei Männer in Uniformen ,stellten sich vor ihn und einer rief: „Halt, Zollkontrolle, Motor abstellen!“ Er stellte den Motor ab und rief „Was wird das hier, macht ihr Scherze?“ „Sehen sie uns lachen?“, entgegnete der erste Uniformierte, der ihn vorhin schon angerufen hatte. „Sie wollen in die Republik Fürstentum Gülleberg einreisen, da müssen wir die Grenzmodalitäten erledigen.“
Frerk Meier hätte wohl kaum erstaunter blicken können, wenn er die Nachricht bekommen hätte ,das seine Kuh Ferkel geworfen habe. Sein Blick fiel auf die Flagge ,die neben dem Zollgebäude stand. Sie war grün mit einem Goldrand, und trug ein Wappen in der Mitte mit einer Fürstenkrone ,darüber dreieckig angeordnet die Buchstaben R,F und G in verschnörkelter Schrift.
„Seid ihr wahnsinnig geworden?“ „Im Gegenteil“, meinte der zweite Zöllner .„Also, was zu verzollen haben sie offenkundig nicht. Aus welchem Grund wollen sie einreisen?“
„Aus welchem Grund?“, schrie der Bauer „Ich hab da ne´ Grünfläche ,die will ich mähen!“
„Aha, also beruflicher Aufenthalt für ein paar Stunden, da brauchen sie also ein Tagesvisum, macht  80€,also jetzt noch Euro. Ach, und dann brauchen wir natürlich noch ihren Reisepass, denn wir gehören nicht zur EU.“
Der berühmte Spruch „Wenn Blicke töten könnten", traf auf den Blick, den Meier den Beiden zu warf wohl mehr als zu.
„Glaubt ihr allen Ernstes, ich habe meinen Reisepass dabei, wenn ich zum Acker fahre? Geschweige denn , das ich jedes Mal 80 € bezahle, wenn ich dorthin will!“ „Sie können auch ein Jahresvisum beantragen“, sagte der erste Zöllner „macht dann 200 €, aber bald haben wir die Güllemark. Aber ohne Pass können wir sie nicht einreisen lassen.“
Frerk umklammerte krampfhaft das Lenkrad seines Traktors ,um das Zittern vor Wut zu unterdrücken.
„Ihr zwei Pfeifen lasst mich jetzt zu meiner Grünlandwiese, sonst gibt´ s Ärger“
„Erstens war das Beamtenbeleidigung, und zweitens ohne Pass und ohne Visum bleiben sie draußen. Ach, und wenn sie hier einen Grenzzwischenfall provozieren ,kann das diplomatische Verwicklungen zur Folge haben.“
Man merkte es Frerk Meier an, das er sich gerade überlegte ,ob er den Beiden den Hals umdrehen oder einfach durch die Schranke brettern sollte .Schließlich entschied er sich für friedlichste Variante .“Ich werde jetzt zurück fahren und mich an meinen Bürgermeister und den Landrat wenden.“ „Tun sie das. Schönen Tag noch“, war die stoische Antwort. Frerk schmiss seinen Traktor an, und fuhr davon.
*
In Gülleberg saß Bürgermeister genervt an seinem Schreibtisch, denn auf dem Marktplatz nebenan fand die Wahlkampfveranstaltung der neuen sozialistischen Partei statt, und deutlich konnte er die flammende Rede von Ernesto Gebhardt  hören.
Ein Beamter trat ein, legte eine Akte und eine Brief auf den Schreibtisch.
„Vielleicht hätten wir denen den Marktplatz verbieten sollen“, sagte er und wies nach draußen.
„Um Gottes Willen ,entgegnete Mummsen „dann kommt er mit mangelnder Demokratie und organisiert Demos und will Revolution machen, das ist das letzte was wir brauchen!“
So lief der Wahlkampf weiter, und am Ende gewann die Volkspartei knapp vor den Sozialisten mit einer stimme Mehrheit, so das eine Zusammenarbeit wohl unumgänglich war.
Der junge Staat bekam seine erste Regierung, und die führte die Güllemark als offizielle Währung ein.
Der Vorfall an der Grenze hatte indes folgen, denn der Bürgermeister der Nachbargemeinde  und der Landrat wendeten sich an die Landesregierung und die an Berlin. Aber nicht nur dadurch bekam die hohe Politik Kenntnis von dem neuen Staat, sondern auch dadurch, das im ehemaligen Büro einer Anwaltskanzlei in Berlin die Botschaft der Republik Gülleberg eingerichtet wurde. Und so begann Gülleberg zum hohen Politikum zu werden.

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