Samstag, 10. Oktober 2015

Tagebuch eines unfreiwilligen Helden-Teil 11

19.05.2025, in der Nähe von Timisoara, Rumänien, Abends

Ich fühle mich müde und leer. Ich weiß nicht wirklich, wie es weiter gehen soll. Überhaupt, verstehe ich nicht einmal, wie ich es geschafft habe, bis hier hin zu kommen.

Nachdem wir  die Nachricht vom Verschwinden Steinmanns bekamen, berieten wir, was zu tun sei.
„Bringt es jetzt überhaupt noch was, dort hin zu fahren?“, fragte Jean
„Ich glaube, solange es Hoffnung gibt, das Steinmann, und vor allem auch Celia noch leben, sollten wir es versuchen“, meinte ich.
Jean lachte
„Wie mutig die Liebe doch machen kann“
Ich fühlte wieder, dass ich rot wurde.

„Aber du hast Recht, es ist noch nicht Zeit, die Flinte ins Korn zu werfen, sonst wären auch alle Mühe und aller Aufwand umsonst gewesen. Es gibt schließlich auch eine Mission, die wir zu erfüllen haben. Wir müssen dann eben auch Steinmann befreien, wenn er noch lebt.“

„Wir müssen zeitig los“, meinte Zeljko „Die werden bald auch hier sein. Ich habe außerdem erfahren, das sie de Gruyne geschnappt haben, und der Graf ist unter getaucht.“
Mit einem Geländewagen fuhren wir am nächsten morgen los, nachdem wir ein karges Frühstück eingenommen hatten.

Die Fahrt ging zunächst über die slowenische Grenze, durch Slowenien bis nach Zagreb, wo wir eine Pause einlegten. Die Landschaft hier auf dem Balkan ist felsig und ursprünglich. Man fühlt sich an die Winnetou-Filme erinnert, die tatsächlich hier in Kroatien gedreht wurden, während wir nun das Land in Richtung Vojvodina durchfahren, die zu Serbien gehört.

In vielen Orten sind noch Spuren des Jugoslawischen Bürgerkrieges zu sehen, und Serbien die Spuren der Bombardierungen im Kosovo-Krieg. Durch felsige Landschaft ging es nun in Richtung Novi Sad, wo wir einen weiteren Stopp einlegen sollten.

Wir wurden hier schon in einer kleinen Pension erwartet, und sehr freundlich empfangen. Dusko, der Wirt, ein beleibter, dunkelhaariger Mann, mit massigem Gesicht, versicherte uns, auf unserer Seite zu stehen, und alles für uns zu tun. Eines gewissen Misstrauens konnte ich mich allerdings nicht erwehren. Doch ich entschloss mich, meine Zweifel zu überwinden.

Wir bekamen eine einfache landestypische Mahlzeit, die aus Fleischspießen, Salat und Djuvec- Reis bestand, dazu schweren, süßen Wein.
Obwohl ich wie anderen maßvoll trank, wurde ich sehr schnell müde, und hatte, als ich am nächsten Morgen aufwachte einen „dicken Kopf“. Aber außerdem hatte ich Fesseln an Händen und Füßen.

Im nächsten Moment stellte ich auch fest, das ich nicht in meinem Bett war, sondern in einem Keller lag.
„Da haben die uns aber schön rein gelegt“, tönte es neben mir
Ich sah mich um. Neben mir lagen Jean und seine Crew. Nur Zeljko fehlte.
„Möchte wetten, da war ein Schlafmittel im Wein“, brummte der Kapitän „deshalb sind wir auch so schnell Müde geworden“
„Aber wo ist Zeljko?“, wollte ich wissen
„Möglicher weise haben sie den schon kalt gemacht“, meinte Alain, und Jean brummte zustimmend.

Ich sah mich in dem Keller um. Das Licht, welches durch ein Oben liegendes Fenster einfiel, lies einige Regale mit Vorräten erkennen. außerdem stand an einer Wand  links von mir, direkt neben der Treppe ein Weinregal. Ich lies alles auf mich wirken, da ertönten oben Schritte. Die Kellertür öffnete sich, und jemand kam die Treppe hinunter.  

Das Licht wurde eingeschaltet, und wir sahen -Zejlko und Dusko, die uns höhnisch anlächelten.
„Zeljko“, rief ich „Was soll das .wieso habt ihr das getan?“
Zeljko beugte sich zu mir runter “Oh, das müsst ihr nicht persönlich nehmen. Es ist nur so, das die dunklen Männer einen hohen Preis für euch zahlen, und insbesondere für dich, und für das, was du da drin hast.“

Er deutete links neben mich, und jetzt gewahrte ich, dass mein Rucksack neben mir lag.
„wir sind arme Schweine, und das gibt uns die Möglichkeit auf ein besseres Leben. Ich habe Fünf Kinder zu ernähren.“
„Du erwartest jetzt hoffentlich kein Mitleid“
Zeljko lachte
„Kein Problem. Sie werden bald kommen. Solange bleibt ihr hier“

Er erhob sich wieder, und verlies mit Dusko im Keller. Wir waren wieder im Dunkeln.
„Dann wissen wir jetzt auch, wer der Verräter ist“, meinte Alain dumpf
„Nicht unbedingt“, meinte ich „Dann hätte er uns denen schon in dem Hotel in Triest übergeben können. Nein, es muss da noch jemanden geben.“
„Junge, du machst ja Fortschritte“, lobte der Kapitän
Ich lächelte still in mich hinein, und sah mich um, so gut mein Auge sehen konnte. Da fiel mir etwas ein.

Das Weinregal mit den Flaschen. Ja, das wäre eine Möglichkeit. Mühsam begann ich mich zum Weinregal herüber zu Robben. Mit gefesselten Armen und Beinen dauert selbst das schon eine Ewigkeit. Doch irgendwann war ich da. Nun begann ich mich gegen das Regal zu werfen, um auf diese Weise eine oder mehrere Flaschen hinter  zu stürzen, deren Flaschen, wenn sie am Boden zerschellten, ein gutes Werkzeug zur Durchtrennung der Fesseln wären.

Natürlich war ich mir des Risikos bewusst, welches ich da einging, insbesondere, weil ich ja auch Lärm machte, aber ich hoffte, das wir tief genug waren, damit niemand etwas hörte.
Der Kapitän schien bemerkt zuhaben, was ich vor hatte.
„Junge, du gefällst mir raunte er, du lernst sehr schnell dazu“
Ich warf mich weiter gegen das Regal. schließlich war ich am Ziel. Eine, und noch eine zweite Flasche fielen herunter, und zerschellten krachend auf dem Boden neben mir.

Langsam schob ich mich auf die Scherben zu, wobei ich den Weingeruch, und den Wein selber als Orientierung nahm. Ich robbte mühsam durch die Flüssigkeit, dabei spürte ich, wie ich einen Splitter in den Rücken bekam, aber schließlich bekam ich eine große Scherbe zu fassen. 

Es kostete noch einmal Mühe, bis ich die Scherbe so in meiner Hand so zurecht gerückt hatte, das ich damit meine Fesseln zerschneiden konnte , das dauerte auch noch einmal, da ich im gefesselten Zustand natürlich nicht die Kraft hatte, richtig zu schneiden. Ich musste viel mehr die Scherbe so gut es ging an den stricken reiben. doch schließlich spürte ich, wie sie nachgaben, und hatte schließlich die Hände frei. die Fußfesseln zu lösen war jetzt ein Leichtes.

Was nun? Ich sah mich wieder um. Wenn ich die große Kiste vor dem Regal an das Fenster stellte, könnte ich heran kommen. Durch die Tür zu entkommen dürfte sowieso nicht möglich sein. aber erst musste ich meine Freunde befreien. Da ertönten oben Geräusche. Schwere Schritte, und dann stimmen.
„Wo sind sie?“, fragte eine raue Stimme
„Unten im Keller, gut verschnürt“, hörte ich Zeljko antworten.
„Gut, dann holen wir sie gleich“
„Flieh alleine“ hörte ich jetzt Jean leise rufen
„Was?“, antwortete ich“

„Flieh alleine. Du hast doch gehört, die kommen gleich. Wir werden nicht mehr Zeit genug haben, zusammen zu fliehen, aber du bist der wichtigste.Du musst entkommen, und möglichst großen Vorsprung haben. Gib mir nur die Scherbe, und vergiss deine Tasche nicht.wir schaffen es schon.“

Zögernd ging ich zu ihm, und legte die Scherbe in die Hand, dann griff ich meinen Rucksack, holte die Kiste, stellte sie unters Fenster, und stieg hinauf.
„Schlag es ein. Alain, du liegst dem Regal am nächsten. Wenn Toby die Scheibe einschlägt, tritt dagegen.“
Alain nickte nur, und kroch in Richtung Regal.“
Ich holte aus, Alain auch .Gleichzeitig schlugen nun mein Ellen bogen, und Alains Fuß in die Scheibe, beziehungsweise, das Regal ein.

Schon hörte man oben Schritte .Ich sah mich noch einmal um.
„Raus, schnell“, raunte Jean
Ich griff durch das Loch in der Scheibe nach außen, erfasste den Griff, öffnete das Fenster, und kroch hinaus.

 Ich kam in einem dunklen Hinterhof heraus. Als ich mich umsah, fiel mir auf der einen Seite ein alter Kübelwagen auf. Genau, den könnte ich jetzt brauchen.Ich hatte ja Führerschein. Vorsichtig schlich dorthin, während ich von vorn laute Stimmen hörte. Es steckte kein Schlüssel. Mist! Obwohl mir klar war, dass gleich der Hinterhof von dunklen Männern wimmeln würde, suchte ich im Fahrzeug nach dem Schlüssel. Da -unter dem Sitz! Mein Glück hatte mich doch noch nicht verlassen.

Ich zog den Schlüssel unter dem Sitz hervor, steckte ihn ins Schloß, und startete den Motor. Ein Gefühl der Erleichterung überkam mich, als ich den Motor laufen hörte. Um nicht gleich aufzufallen, lies ich den Scheinwerfer aus.
Vorn konnte ich nicht lang fahren, weil dort die dunklen Männer waren, aber hier hinter dem Hof führte ein Feldweg weg. Ohne weiter zu überlegen, fuhr ich dort entlang. Erst in einiger Entfernung  vom Hof, schaltete ich die Scheinwerfer ein.

Das Gefühl der Erleichterung war inzwischen Unsicherheit und angst gewichen, angesichts der Tatsache, dass ich mich nun auf mich allein gestellt, in einem fremden Land befand, und noch nicht mal wusste, ob ich in der richtigen Richtung unterwegs war. In Triest hatte ich noch etwas Geld eingetauscht, und ich hatte ja auch noch diese gigantische Kreditkarte. Ich warf einen Blick auf den Tank. der war noch voll.

Irgendwann mündete der Feldweg in eine Landstrasse. Nach kurzem Überlegen bog ich nach Rechts ab, und folgte der Strasse. Da, ein Schild, dessen Schrift ich zwar nicht lesen konnte, dass aber von den Symbolen her ein Hinweis auf die rumänische Grenze, mit einem Richtungspfeil, der in die Richtung wies, in die ich gerade fuhr .Na, wenn das kein Glück war! Ich fuhr also weiter in dieser Richtung, war in Gedanken jetzt aber bei meinen Freunden, bei Celia, und beim Kapitän und seiner Crew.Ich wünschte, ich hätte mehr für sie tun können, doch andererseits wusste ich innerlich, das ,meine Mission zu erfüllen, ihnen am Meisten helfen würde.

Aber wie, wenn nun auch Steinmann verschwunden war, und wen sollte ich dort in Rumänien ansprechen. Ich versuchte diese sorgen zu vertreiben. Nachdem ich die ganze Nacht hindurch gefahren war, hielt ich in der Dämmerung an einer Tankstelle an, füllte den Tank nach, und kaufte mir etwas zu essen. Die Verständigung klappte leidlich über ein paar Brocken englisch, sowie den Einsatz von Händen und Füssen.

Als ich wieder los fuhr, konnte ich auf einem Schild erkennen, das ich nur noch wenige Kilometer von der Grenze entfernt war.Ich gab also Gas, umso mehr. Als ich im Rückspiegel zwei schwarze Armee-Jeeps sahen, die auf die Tankstelle fuhren. siedend heiß wurde mir nun auch klar, das die dunklen mit Sicherheit den Grenzübergang kontrollieren würden.Ich musste also über die grüne Grenze nach Rumänien.

Kurz vor dem Grenzübergang bog daher auf einen Feldweg ein, auf dem ich bis an die Grenze kam, die hier durch Schilder markiert war. Soweit ich fahren konnte, fuhr ich. Dann aber kam hügelige Wildnis, die mich zwang, den Weg zu Fuß fort zu setzen. Was ich mitnehmen konnte, nahm ich mit. Als ich schließlich rumänischen Grund betrat, sah ich um, und folgte schließlich dem Weg  zur Strasse, und ging ihn entlang bis zum nächsten Dorf. Ein Wegweiser gab an, dass es hier entlang nach Timisoara ging. allerdings waren es noch gute dreihundert Kilometer bis dort hin.

Ich ging sie Strasse weiter lang, bis zu einem alten, beplanten LKW, der am Straßenrand stand. Grade, als ich dahinter stand, bestieg ein Mann das Fahrzeug bestieg. Im Augenblick beschloss ich die Gelegenheit zu nutzen, und sprang hinten auf. Was hatte ich zu verlieren. Auf diese Weise konnte ich bis nach Timisoara kommen, und von dort nach Bistritza. Im schlimmsten Fall konnte ich in die falsche Richtung kommen.

Etwa zwei Stunden fuhren wir, dann hielt der LKW. Nachdem ich mich kurz umgesehen hatte, sprang ich ab. Ich befand mich auf einer Art Gutshof. Ich lief schnell in Richtung einer alten Scheune. Die Tür war offen. Ich trat ein, und Schloß die Tür.
Das Gebäude war baufällig. Man konnte hinten ein Loch im Dach sehen. Ansonsten waren da einige alte Werkzeuge, und ein großer Haufen fauliges Heu. Nun ja, besser als gar nichts .Ich lies mich darauf nieder und begann zu schreiben. Mittlerer Weile ist es dunkel geworden, und der Mond scheint durch das Loch im Dach  


Ich will es mir grade gemütlich machen, da höre ich draußen Stimmen, und jemand öffnet die Tür. Haben sie mich jetzt doch erwischt?...

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